Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 611 (15.1.1936)
- Date
- 1936-01-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Soft«* S Dil STIMMI Wien, Freitag, 15. Jänner. 1937. — Nr. 611. Wien, l üeitenstelte | ssi flr 2 XI.. Zentralfriedhot, netten dem l. Tor. Samstag geschlossen Die neue Gemeindevertretung von Berlin Berlin, 12. Jänner. (JTA.) Die neugebildete Repräsentantenvereammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin hielt am 10. Jänner ihre erste Sitzung ab. Zum Vonsitzenden der Gemeinde wurde der bisherige Vorsitzende Direktor Heinrich Stahl einstimmig wiedergewählt. Sodann wurden Rechtere valt Dr. Alfred Klee, Adolf SohoyeT Moritz Rosenthal, Direktor Georg Karoski, Carl Fuchs und Dr. Sulzberger als Gemeindevorsteher mit großer Mehrheit wiedergewählt. Damit ist der Vorstand der Gemeinde in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt worden. Sie verschweigen die Juden Der in Wien eingelangte neueste Opernführer des reichßdeutsohen Verlage« Richard Br u ß e enthält keine Angaben über wichtige, oft gespielte Opemwerke der Weltliteratur, die von jüdischen Komponisten stammen. Es fehlen sämtliche Opern von Bruch, Goldmark, Halevy, Meyerbeer, Offenbach. Von den großen jüdischen Komponisten kommt nur noch Bizet vor. Auch das Nachschlagewerk „Sperlingsohes Zeitschriften- und Zeitungsadreßbuoh“ für das Jahr 1937 enthält keine Zeitungen und Blätter, die mit dem Judentum irgend einen Zusammenhang haben. Die zionistischen Sammlungen in Rumänien Bukarest, 11. Jänner. (JTA.) Gegenwärtig tagt in Bukarest unter dem Vorsitz von Dr. Samuel Singer, Präsident des rumänischen Landesverbandes des Keren Kajemeth LejIsrael, und im Beisein des Delegierten des Keren-Kajemeth-Hauptbüros in Jerusalem, Nathan Bistritzky, die Landeskonferenz des Jüdischen Nationalfonds. Die Konferenz sandte eine Kundgebung an die Königliche Kommission in Palästina, in der Gerechtigkeit für die jüdische Sache gefordert wird. Dr. Samuel Singer wurde vom rumä nisohen Innenminister Dimitrix Iuca in längerer Audienz empfangen, in der das .Verbot der Sammlungen für die zionistischen Fonds in Rumänien besprochen wurde. Dr. Sänger wies nach, daß die zionistischen Verbände vollkommen legal arbeiten. Innenminister Iuca erklärte: Ich habe nicht erlaubt und werde nicht erlauben, daß die zionistische Arbeit in Rumänien be schränkenden Maßnahmen unterworfen werde; das Verbot, Sammlungen durchzuführen, gelte lediglich für jene Fonds, die von der Regierung nicht genehmigt sind. Der Minister versprach, die Situation im allgemeinen sorgfältig zu prüfen. Die Zahl der Juden und Mischlinge in Deutschland Berlin, 12. Jänner. (JTA.) Bei der Einweihung eines Thüringer Ärztehauses in Weimar führte Reichsärzteführer Dr. Wagner nach einem Bericht des „Berliner Tageblattes“ aus, daß dem Schutz von Blut und Rasse alle anderen Fragen untergeordnet werden müßten. Es gebe heute in Deutschland 500.000 Juden, 200.000 Halbjuden und 100.000 Viorteljudon. Schon in der nächsten Generation werde . es keine Halbjuden mehr geben. Viele von ihnen sterben ohne Kinder,. aber die anderen Kinder würden Vierteljuden sein, fiir die die Ehegenehmigung eingeführt ist. Spanien gibt jüdischen Flüchtlingen Staatsbürgerschaft? Genf, 12. Jänner. Das Völkerbundskommissariat für die deutschen Flüchtlinge erhielt von der spanischen Regierung in Valencia die Verständigung, daß diese das von der Genfer zwischenstaatlichen Konferenz angenommene Statut für die deutschen Flüchtlinge ratifiziert habe. Die spanischen Behörden seien bereit, den Flüchtlingen aus Deutschland die spanische Staatszugehörigkeit zuzuerkennen und ihnen Arbeitsmöglichkeit zu geben. Zwischen Hammer und Amboi In London hatte, wie die JTA. berichtet, Reverend M. L. P e r 1 z w e i g beim spanischen Gesandten Senator Pablo Azcarato gleichfalls im Interesse der nach Spanien geflüchteten deutschen Juden interveniert. Sie gerieten durch den Aufstand buchstäblich zwischen Hammer und Ambos. Die Burgos-Regienmg verfolgt sie, weil sie Juden sind, die Regierung von Valencia dagegen behandelte sie wegen ihrer Staatsangehörigkeit als „Deutsche“ und Geiseln. In seiner Unterredung mit Perlzweig gab Azcarate zu, daß scino Regierung in ihrer Behandlung der deutschen Staatsbürger keinen Unterschied mache zwischen Juden und Niohtjuden und daß bisher auch deutschen Juden eine Ausreiseerlaubnis nicht erteilt worden ist. Er fragte Perlzweig, welche Sicherheit die spanischo Rogierung haben könne, daß die Menschen, denen sie die Ausreise erlaubt, nicht später gegen Spanien eingesetzt werden würden. Perlzweig schlug vor, einer jüdjschon Auswanderergesellsohaft, die in Madrid und in Barcelona Büros hat, das Recht einzuräumen, Personen, die sich als jüdische Flüchtlinge ausweisen, Ausreisezertifikate zu geben. Der Gesandte versprach, seiner Regierung diesen Vorschlag befürwortend zu übermitteln. Er hoffe, sie werde denselben akzeptieren. Er gab auch die Versicherung, daß die spanische Regierung das jüdische Problem wie das Flüchtlingsproblem mit Verständnis behandle. Becks Judenpolltik Auswandern oder verhungern Warschau, 12. Jänner. (JTA.) Bei der Durchberatung de« Budgets dee Außenministeriums im Budgetausschuß des Sejm kam es wiederum zu einer sehr lebhaften Judendebatte, als der Minister des Äußern Oberst Beck die Bemühungen Polens beim Völkerbund und bei Beratungen mit den Mächten, besonders mit dem englischen Außenminister in London, schilderte, neue Auswanderungsgebiete für den Bevölkerungsüberschuß zu erschließen und namentlich Aufnahmogebiete für die jüdische Bevölkerung Polens zu erschließen. Minister Beck gab der Überzeugung Ausdruck, daß sich in Zukunft Mittel und Wege zur Befriedigung der Wünsche Polens auf diesem Gebiete und zu einer richtigen Lösung des Kolonialproblems finden werden. Im Verlauf der nun folgenden Aussprache befaßte sich eine Reihe Redner ausschließlich mit dem Judenproblcm, mehrere Sprecher der reaktionären Opposition, aber auch aus deon Regierungslager, forderten eine energische Politik gegen die Juden, die zur Auswanderung zu drängen sind; für den Augenblick forderten sie totale Ausschaltung der Juden aus dem staatlichen Leben. Zum Schluß gab Minister Beck ein kurzes Resümee; statt aber den Antisemiten das Unmoralische und Sinnlose ihrer Forderungen darzulegen, bemühte er sich, ihre Bedenken zu zerstreuen, indem er auf die Behauptungen von massenhafter Beschäfti gung von Juden im staatlichen und diplomatischen Dienst erwiderte, im staatlichen KINOPROGRAMME Vom 15. bis 18. Jänner Ring der Altherrenverbände. Montag, der. 18. JänneT, um 8 Uhr abends, spricht im Klubheim, I., Kohlmarkt 10, Doktor Wolfgang von W e i s 1 über. „Palästina und Vorderasien in der Weltpolitik der Gegenwart“. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich K£ 24.--, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.190, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Redaktion und Administration: Wien, L, Marc- Aurel-Straße 5. Tel.: U 22-3-91. Redaktionst Schluß Montag und Mittwoch yormlttag«, _ BURG-KINO Opernring 19 Tel. B 20-3-99 99 Uraufführung Richard Tauber in: DER BAJAZZO*1 von Looncavallo Beginn: 7*4, V*6, l/,8, 7,10 Uhr. 99 ELITE-KINO Uraufführung Robert Montgomery In dem Großlustsplel: 1000 und 1 Affäre“ Beginn: 3, 5, 7, 9 Uhr. IMPERIAL-KINO l„ Rotenturmstraße 19 Telephon : U 22-1-12 Uraufführung Richard Tauber in: „DER BAJAZZO** von Looncavallo Beginn: 7*4, */»6, 7*8, */*10 Uhr I., Wollxclle 15 Tal. R 24.2-16 in KREUZ-KINO Uraufführung Myrna Loy, Spencer Tracy „Die Koronoff-Meif Beginn: 4, 7*6, 7,8, ‘/»10 Uhr KINO KERN im Prater Ptr. Kern «ft Perlmann - Telephon R 40-0-49 Erstu. Alleinaufführung für Prater u. Leopoldstadt Jaokle Cooper, Joseph Calela, Rintintln in: „Menschenjagil“ Wochentag«: S, 7, 9 Uhr. Sonntags: 2, 7,4, 7,6, 7,8, 7,10 Uhr ROTENTURN Uraufführung Frederlc March, Ollvla de Havilland in: „Anthony Adverse“ Beginn: 4, a/*6, ‘/,8, 7*10 Uhr KRYSTALL-KINO t„ Prater, StraBe das 1. Mai Nr. 40 Telephon K 48-2-76 Uraufführung für den Prater Slndalr-Iewis-Fllm „Die Krise einer Ehe - Dodsworth" Wochentag*: 5,7, 9 Uhr. Sonnu. Feiertags: %4, */,B, ‘/,8. '/,10Uhr II., Rotensterngasse Nr. 7 a LEOPOLDSTÄDTER¬ VOLKSKINO Telephon R 49-0-23 Wochentags: V»6, 7*8, 7*10 Uhr Fonntags und Feiertage: ab */,4 Uhr SCHU9EDEN-KHIO A40 . 60 Gary Cooper« Jean Arfhurn in: „Ein amerikanisches Duell“ (Plalnsman) Beginn; 7,4, */A VA ‘/»IQ Sh* KINO TEGETTHOFF Im Planetarium am Praterstern Tel. K 41-0-26 Erst- und Allelnaufführunq für den Prater Marx Brothers In dem Lacherfolg; Skandal inderOper Wochentags: 6, 7,9 Uhr. 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Nochmals bekräftigte der Minister die Erwartung, daß die Politik der polnischen Rogierung hinsichtlich der jüdischen Auswanderung Erfolg haben werde. Gleichschaltung In den Wandelgängen des polnischen Sejm wird davon gesprochen, daß seitens gewisser Doputiertengruppcn eine Reihe Gesotzesprojckte ausgearbeitet und der Regierung zwecks Vorlage im Sejm übeigeben wurde, die darauf binausgehen, den Juden in Polen ihre bürgerlichen und politischen Rechte zu nehmen. Der Inhalt der Projekte wird gehe ungehalten. „Robotnik“ teilt mit, daß das Justizministerium an alle Gedchtsassessoren Fragebogen versandt hat, die Rubriken über Nationalität, Religion, Religion der Eltern, Taufdaten usw. enthalten. Daraus sei zu ersehen, daß die polnische Regierung von ihren Beamten den Nachweis arischer Abstammung bis zu zwei Generationen fordert; in Deutschland müsse der Beamte bis zur vierten Generation zurück seine arische Abkunft nach weisen. Der antisemitische „Goniec Warszawski“ teilt mit Genugtuung mit, daß aus dem Städtchen Prcybischow bei Warschau die letzte jüdische Familie fortgezogen ist. 1906 wohnten dort noch 41 Juden. Vier Nationalisten, welche im Zusammenhang mit den antisemitischen Ausschreitungen in C z y z e w verhaftet wurden, sind ins Konzentrationslager in Bereza Karfcuska eingeliefort worden. Im ganzen Bezirke sind alle Jahrmärkte bis zur Erlassung einer neuen Verfügung verboten worden. Abstimmung über „Ghetto-Bänke" Der akademische Senat, der wegen der Weigerung der antisemitischen Studentenschaft, von der Forderung nach „Ghetto“- Bänken abzugehen, immer noch geschlossenen Wilnaer Universität beschloß, die Frage der „Ghetto“-Bänke von einer Abstimmung sämtlicher Studenten abhängig zu machen. In der Wilnaer jüdischen Gesellschaft hat dieser Beschluß Aufregung hervorgerufen; man weist darauf hin, daß die Universität von über 4000 Christen und weniger als 500 Juden besucht wird, daß also eine Mehrheit für „Ghetto“-Bänke im voraus zu erwarten sei. Eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft teilte dem Rektor mit, daß diese niemals sich damit abfinden werde, auf „Gbetto“-Bänken zu sitzen. Lage Cyrus Adler über die der Judenheit New York, 12. Jänner. (JTA.) Das Amerikanisch-jüdische Komitee, dio seinerzeit von Louis Marehall ins Leben gerufene Institution zur Wahrnehmung der Rechte der Juden in der Welt, hielt soeben in New York seine 30. Jahresversammlung ab. Der Präsident Dr. Cyrus Adler gab einen Überblick über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern. Zunächst gab er einen Umriß der jüdischen Situation in Amerika und sprach den Glauben aus, daß die USA. nicht von antisemitischer Propaganda verseucht sein werden, sondern daß es gelingen werde, den Propagandisten das Handwerk zu logen. Dagegen sei, fuhr Cyrus Adler fort, die Lago der Juden in mehreren Ländern dor Alten Welt nur als eine tief tragische zu bezeichnen. Der Redner wies darauf hin, daß die deutschen Nationalsozialisten ein sorgfältig ausgearbeitetes Programm der antijüdisohen Agitation in der Welt aufgestellt und es mit einem Aufgebot von fast unerschöpflich scheinenden Mitteln verwirklichen. In Deutschland selbst sei der Lebensstandard der Juden zerstört, ihre Hoffnung auf Existenz vernichtet. Dr. Adler trat entschieden für dio Durchführung des vom früheren Völkorbundkommissär für deutsche Flüchtlinge, Prof. James M a c D o n a 1 d, in seinem denkwürdigen Abschiedsbrief an den Völkerbund ausgesprochenen Ersuchens ein, daß dio Mächto, dio durch Deutschlands Judenpolitik direkt betroffen wordon, b o i m Dritten Roich ein schreiten, damit eino Ändorung d/iosor das Gewissen dor Menschheit belastenden barbarischen Zustände horbeigeführt wird. Dr. Adler wandto eich dann auch gegen dio Judenpolitik der rumänischen Regierung und zählte eine Reihe Diskriminierungen dier jüdischen Gemeinschaft in Rumänien auf, deren Gleichberechtigung^ lediglich auf dem Papier steht«,