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Die Stimme · 1936-12-24 · Heft 606 (24.12.1936) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 606 (24.12.1936)
Date
1936-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 000 — Wien, Donnersteg, 54. Dezember 1980 Oll STIMM! Seit« 5 Sdccdctc ^C'Sfocfo't' für große zionistische Organisation. Offerte mit Curriculum vitae, Angabe der bisherigen zionistischen Tätigkeit an die Administration der „Stimme" unter „Sekretär". ftlc. Ctaüdc (f. ftUHttefioce fceüt suU ln der Zeitschrift „The Rational Review” schreibt Claude G. Montefiore einen Artikel über „Zionismus und KaUonaljudentum”. Montefiore rühmt sich, daß Rerzl es vergeblich versucht habe, ihn für die zionistische Bewegung zu gewinnen. Palästina habe zioar als Zufluchtshafen für viele T ausend c ,^deutsche und polnische Juden” gute Dienste geleistet. Seit der Judenverfolgung in Deutschland habe der Zionismus viele Juden bekehrt, so daß es die Antizionisten — zu denen sich Montefiore mit Stolz zählt — für gut befunden hätten, sich schweigend zu verhalten. Aber Montefiore tröstet sich. Er sagt; „Unter den tausenden ruhigen jüdischen Mittelständlern Englands gibt es noch eine beträchtliche Zahl von Antizionisten Ausgezeichnet! Das war die Ideologie der Berliner Juden vom Kurfürstendamm bis 1. April 1933. Aber was schert das den „Engländer” Montefiore. Rerzl hat ihn nicht überzeugen können und Hitler auch nicht, und so rühmt er sich, daß seine Familie seit 150 Jahren in England ansässig ist, er fühle sich als Engländer und ein russischer Jude sei höchstens sein Glaubensgenosse. Und mm kommt der Clou. Claude G. Montefiore berichtet, das englische Kabinett habe sich gelegentlich dar Beratung über die Baifour-Deklaration auch an ihn um ein Gutachten gewendet. Da habe er Gelegenheit gehabt, zur Frage der jüdischen Kation Stellung zu nehmen. Er sei der Meinung gewesen — der er noch jetzt huldigt —, daß die Juden leeine Kation mehr seien, und er habe nicht g ew ünsch t, daß sie wieder eine Kation werden sollten. Da habe er sich gegen den Passus im Entwurf der Balfour-Deklaration gewendet, der lautete, daß in Palästina „t h e national home for the Jewish people“ (das nationale Reim für das jüdische Volk) errichtet werden sollte. Er und noch ein zweiter Antizionist hätten durchgesetzt, daß das englische Kabinett statt des Wortes „the” das Wort „a“ („ein”) setzten, so daß die Balfour-Deklaration nur von der Errichtung einer nationalen Beimstätte für das jüdische Volk spricht. Seither schläft Mr. Claude Montefiore offenbar ruhiger. Der Gedanke würde ihm den Schlaf rauben, daß er, der „bodenständige" Engländer, dasselbe nationale Reim hätte wie ein polnischer oder russischer Jude. Das wäre doch shockingl Aber Gott sei Dank, er, Claude G. Montefiore, hat es diesen darnned Rationaljuden gegeben, und er rühmt sich noch öffentlich, daß er dem Zionismus im entscheidenden Moment in den Rücken gefallen ist. Da möchten wir sagen: Shocking! Mr. Claude G. Montefiores Heldentat wird kein Ruhmesblatt in der jüdischen Geschichte sein und auch nicht in seiner Familie, die den großen Kamen Moses Montefiore zu vertreten hat. Und, Mr. Claude G. Montefiore, lassen Sie es sich gesagt sein: „Worte, wie thc‘ und ,a( machen so wenig jüdische Geschichte, wie Sie mul Ihresgleichen, die ,ruhigen Juden des Mittelstandes in Englandf. Jüdische Geschichte fiat jener Theodor Rerzl gemacht, dem Sie Ihre Hilfe m einem historischen Augenblick versagt haben. Jüdische Geschichte macht das nationale Judentum, dem Sie bei der Erlassung der Balfour-Deklaration in den Rücken gefallen sind. Geschichte machen unsere Chaluzim, die Erez Israel für alle Juden als die nationale Heimstätte aufbauen, auch für unverbesserliche Assimilanten, denen doch einmal die Augen aufgehen werden." Mr. Claude G. Montefiore freut sich, daß „a” über „the” gesiegt hat. Lassen wir ihm seine Freude und gehen wir zur Tagesordnung über, die da. heißt: „Wiederaufbau der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk!” Nachdruck verboten! Hadj abu dhib? Leiden und Freuden eines Zeitungskorrespondenten in Jerusalem Von M. Y. Ben-gavriel loh hörte von verschiedenen Seiten die etwa« beunruhigende Meinung, daß die Tätigkeit eines Zeitungskorrespondenten in unseren Gegenden eine hervorragend angenehme sei. Ich hoffe, daß der folgende Bericht diese reichlich merkwürdige Ansicht zerstören wird. Ich traf einen Holländer, so gegen zwei Uhr früh, der mir mitteilte, daß er gehört habe, daß ein gewisser Hadj abu dhib vom Stamm der Beni-sachr-Beduinen am nächsten Tag in Ain ei raelek eine Zusammenkunft mit Agenten der Wahhabiregienmg habe. Ich schnappte sofort ein, denn eine derartige Zusammenkunft von Leuten aus gegnerischen Lagern konnte bedeutsame politische Veränderungen in der Wüste anzeigen. Ich mußte also trachten, die Dinge zu erfahren und an meine Blätter zu berichten, ehe die anderen Korrespondenten dahinterkamen. Sofort rannte ich auf die Jaffastraße, wo ich zwar schlaftrunken dahintorkelnde Esel und Kamel, aber kein Auto vorfand, das mich nach Ain el melek hätte bringen sollen. Endlich verriet mir ein Negerpolizist unten beim Ba.b el chalil, daß ein Mann, der unweit von diesem Stadttor wohnte, für drei Uhr früh ein Auto nach Damaskus bestellt habe. Richtig fing ich dieses Auto schon um acht Uhr morgens ab, bot ihm das Doppelte der Summe, die ihm der andere geboten hatte, und fuhr die paar Kilometer nach Ain el melek, ohne unterwegs beschossen zu werden. Ain el melek mag sehr schön sein, aber man verliert jeden Überblick über das, was schön ist, wenn man, zerschlagen und unausgeschlafen, nach endlosen Salams und Kaffees mit dem Muehtar des Ortes, mit dem Polizisten und dem Sohecli der Moschee, endlich erfahren hat, daß Hadj abu dhib „seinen begnadeten Fuß in diese Ortschaft niemals gesetzt“ hatte und daß auch von Wahhabiagenten niemals etwas gehört wurde. Ich fuhr nach Jerusalem zurück, das heißt, ich fuhr solange, bis es sich herausstellte, daß der Chauffeur vergessen hatte, Benzin mitzunebmen. Ein mitleidiger Beduine nahm mich auf sein Pferd; bei dieser Gelegenheit machte ich die Erfahrung, daß ein arabischer Sattel sowohl für einen Beduinen, wie auch für einen Korrespondenten ausgezeichnet ist, für einen Beduinen und einen Korrespondenten aber weit weniger. Ich rannte zur Regierung. Nachdem ich eineinhalb Stunden gewartet hatte, wurde mir die offizielle Eröffnung gemacht, daß der politische Beamte, der ermächtigt ist, den akkreditierten Vertretern der ausländischen Presse mitzuteilen, daß die Regierung nicht in der Lage ist, Auskünfte zu geben, erkrankt sei. Das war fatal; mein Gewissen machte eich störend bemerkbar, da der Gedanke schmerzte, daß der mächtige Stamm der Beni-saehr zu den Wahhabi übergehen könnte, ehe meine Blätter dies vor den anderen erführen. Da packte mich die rettende Idee. Ich rannte in das arabische Referat der Jewish Agency. „Hadj abu dihib?“ sagte dort der Fachmann, „Hadj abu dhib? Meinen Sie den, der am 24. April des vorigen Jahres die Affäre mit der Schwarzen Hand in Rabbath ’ammon hatte, oder meinen Sie den Hadj abu dhib, den man am 11. Februar vor drei Jahren wegen der Geschichte mit den Zubeid-Beduinen in Akko aufhängte, oder meinen Sie am Ende jenen Hadj abu dliib, den Sohn des Hadj ahrned ihn schemms ed-din ihn mohammed, dessen Zweitältester Sohn Ali die Cousine des Schoch Omar el hak im ibn ibrahim ihn nimr el idrisi aus Assir geheiratet hat und bald darauf den Mudir et tabu von Arrs el kebir, Fuad el maqet, umbringen wollte, oder meinen Sie.. * Ich weiß nicht, was sonst noch in der Erinnerung dieses exzessiven Genealogen aufgespeichert war, denn ich stürzte davon. Ein Bekannter gab mir unterwegs den Rat, einen gewissen Elazar el misrahi, einen Juden aus Bagdad, der in allon diesen Angelegenheiten vorzüglich informiert sei, zu fragen. Ich möge aber laufen, da dieser Mann im Begriff sei, nach Bagdad zu fahren. Ich rannte wie ein hungriger Schakal in den Hart el yahud in der Alten Stadt, warf einen Rosinenwaseerverkäufer um, wodurch eine halbe Melone, ziemlich gut gezielt, mein rechtes Ohr erreicht, und als ich dann im Bazar el attarin über einen Nargilehrauc>henden in ein arabisches Kaffeehaus hineinflog, wobei einige Bestandteile dieses Kaffeehauses dem weiteren Gebrauch entzogen wurden, konnte ich in der Schnelligkeit wichtige Beobachtungen über die Flugbahn gut gezielter Datteln, Feigen, Eier- und Bananeneohalen anstellen. In der Nähe meines Ziels stolperte ein mit Sand beladenes Kamel, wodurch dieses Kamel sichtlich erleichtert wurde, das Passieren der Gasse aber unmöglich war. Dadurch verschaffte ich mir folgende Gewißheiten: erstens, daß ein orientalisches Straßenbild weit bewegter ist als ein europäisches, zweitens, daß die arabische Sprache einige reizende Schimpfwort© besitzt, die man nicht übersetzen kann, ohne mit der europäischen Strafbehörde in Konflikt zu kommen, und drittens, daß Elazar el misrahi bereits abgefahren war. Was nun? Hadj abu dhib, Hadj abu dhib, sprach unaufhörlich mein Gewissen aus dem Magen — ich hatte ja schon längere Zeit nichts gegessen — und ich rannte weiter. Bei einem Friseur erfuhr ich endlich, daß man einige Leute in der Stadt gesehen habe, die auf der Fahrt ins Wahbabiland begriffen seien. Bald fand ich die Gentlemeu in einer Kaffeeschenke beim alten Serai. Als ich sie nach Hadj abu dhib fragte, griffen sie wie auf Kommando dorthin, wo man gewöhnlich den Dolch trägt. Einer von ihnen hatte einen schönen' Stock bei sich, und ich ließ mir bald darauf in der Hadassabstation in der Alten Stadt eine unbedeutende Rißquetschwunde am Hinterkopf ein wenig mit Jod einreiben. Bei dieser Gelegenheit lernte ich einen Herrn kennen, der mir versprach, mich in einer Garküche mit einem Kurden zusammenzubringen, den man ruhig den Schatten des.Hadj abu dhib nennen könne. In dieser Garküche zahlte ich ein sehr ausreichendes Menü für meinen neuen Freund und für mich einen Kaffee, den Schatten des Hadj abu dhib aber trafen wir nicht, denn er war, wie mir der Wirt, nachdem ich die Rechnung bezahlt hatte, mitteilte, am Tag zuvor in die Flugbahn deT Gewehrkugel eines Tsoherkessen drüben in Transjordanien, unvorsichtig, wie Kurden nun schon manchmal sind, hineingelaufen. * Nun beauftragte ich zehn Jünglinge, den Gesuchten zu finden. Nach einer Stunde erhielt ich zehn Meldungen, aus denen ich, nachdem ich sie honoriert hatte, entnehmen konnte, daß der edle Hadj gleichzeitig an Abend jüdischer Kunst Unter dem Protektorate des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, und des Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes, Dr. Oskar Grünbaum, veranstaltet vom Hechaluz Haklal Zioni-Brith Zion im Festsaal des Hotels „Bayrischer Hof", ll„f Taborstraße 39 Dienstag, 5. Jänner 1937, präzise Ys9 Uhr abends Mitwirkend: Hilda Dulitzkaja Kapellmeister Kurt Fuchsgelb Heiteres Quartett des Jüdischen Gesangvereines Josef Kanten Oberkantor J> L. Müller Richard Müller David Seidermann Prof. Joachim Stutschewsky EvI Wächter Bobby Weiser Am Flügel: Kapellmeister Rudolf Beck,Max Lubefzky u. Walter Robert Spitz Das Reinerträgnis fließt zur Gänze dem Stadtkibuz (II., Rueppgasse 8) zu Karten zum Preise von S V— und S 1‘50 erhältlich: Zionistischer Landesverband, I., Marc- Aurel-Straße 5, Tel, U 22-2-11, Wlzo, I., Schottenring 25, Tel. A 11-6-26/ Jüdische Kulturstelle, I., Kai 3, Tel. R 28-2-36, in allen Zionistischen Bezirkssektionen und im Stadtkibuz, II., Rueppgasse 8 zehn durchaus verschiedenen Punkten der Stadt gesehen worden war. Die Meldung aus dem Bad Sittna roaryam schien mir die einleuchtendste zu sein. Ich eilte also in dieses Bad und fand — jawohl, Ich fand Hadj abu dhib auf einer Steinbank unter der Brause liegen. Leider aber war dieser Hadj abu dhib ein friedlicher Schneider aus der Musrarah. Er empfahl mir seine Kunst, und ich tat, was ein anderer schon hänget getan hätte: ich verzweifelte. Aber an der Grenze der Verzweiflung steht die Rettung. Bei der Post stieß ich mit einem Engländer zusammen, der von der Pipe-lino aus der Wüste kam. Und da stellte es sich heraus, daß der verdammte Holländer sich geirrt hatte. Der Gesuchte hieß nicht Hadj abu dhib, sondern Hadj i b n dhib und war nicht vom Stamm der Bcni-sachr, sondern‘von den Ruala-Beduineu, und hatto nicht, die Absicht, mit den Wahhabi zu unterhandeln, sondern wollte einige Säcke Zwiebel kaufen, und schließlich war die Besprechung nicht für Ain el melek, sondern für Ra« el ain verabredet, was immerhin einen Unterschied von einigen Kilometern bedeutet. * Erleichtert atmete ich auf. Meine Nachforschungen waren also doch schließlich von Erfolg gekrönt. loh hatte erfahren, was niemand bezweifelt hatte, denn niemand hatte es vor mir gewußt, daß nicht Abu, sondern Ibn dhib und eo weiter. Ich teilte dies dem Holländer mit. Dieser ging hin und telegraphierte es seiner Zeitung, wobei er in gefälliger Form zwei Überfälle, ein Ultimatum und einen Prätendentenmord einfügte. Ich aber kann der Befürchtung nicht Herr werden, daß man die Sache in Europa nicht verstehen wird. Wie man sieht-, grenzt die Behauptung von den hervorragenden Annehmlichkeiten unseres Berufes hart an Verleumdung. Aber dieser Beruf kann, wie man aus diesem Bericht ersieht, erfolgreich sein. Mitunter kommen zwar kleine Irrtiimer vor, eie richten aber keinen weiteren Schaden an, denn erstens versteht man in Europa sowieso unsere Politik nicht-, und zweitens ist die Zukunft unberechenbar, das heißt: was heute nicht ist, kann ganz gut morgen eintreffen. smoHnnnBntiiHnanBHi Restaurant Billet Bestrenommierte Küche ^3 Reichhaltige Menüs a S 1a90 u. 2a60!l.lHammerpurgstal]gasse3 (nächst Salztotbrücke) l<bko&’ Uld’SS&WinCUAlA' (zum dritten Todestag). Nürnberger Bub’ — aus Hunger, Fremdheit, Qual Erwuchsen ihm die ersten Glut-Gesichte, Es floh der Jüngling, hohlen Blickes, fahl Aus Unvernunft und Frohn empor zum Lichte. Ein Artverwandter hat ihn jäh erkannt, Er sah auf seiner Stirn das Hoheitszeichen, Er bot dem Ringenden die Bruderhand, Und so begann die Nacht um ihn zu weichen. Dio „Juden Zirndorfs“ hieß sein erster Dank, Sie horchten rings dem Ton, der da verklungen, Herb noch erschien der ungewohnte Trank, „Renate Fuchs“ erst hat sie ganz bezwungen. Und Buch um Buch dann weiter — Schlag auf Schlag, Er wußte kaum dem Drängenden zu wehren, Ein einz’ges Demut-Dienen war sein Tag, In harter Zucht warb er um Meister-Ehren. Von Menschenliebe mitleidsvoll erhellt, Ward Tat sein Wort, — nicht spielerisch Gelüsten, — Der Bayernbub’ eroberte die Welt Und trug den deutschen Ruhm an ferne Küsten. Es schonte seiner nicht das Erdenleid, Die stolze Antwort hat sein Werk gesprochen, In seiner teuren Bergeseinsamkeit Hat ihm der Tod das müde Herz gebrochen. Doch was er rastlos plante, formte, sann, In ach zu kurzen, vollgenützten Tagen, Erkenner, Künder Jakob Wassermann, Wird ungebrochen durch die Zeiten ragen.., Oskar Bendiener. Der Verein „Ohel Mosche“ gratuliert Herrn Hermann Neumann und Frau zur Vermählung ihrer Tochter Gisa und wünscht ihnen herzlich Maseltow.

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