Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 582 (22.9.1936)
- Date
- 1936-09-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 862 — Wien, Dienstag, 22. September 1986 Dil STIMME Seite 3 Prof. Davide Prato, Oberrabbiner von Rom Zum Oberrabbiner von Rom, an Stelle des verstorbenen Prof. Angelo Sacerdoti, wurde soeben der bisherige Oberrabbiner von Alexandrien, Prof. Davide Prato, berufen. Prof. Prato war vor seiner Berufung nach Alexandrien Rabbiner in Florenz und leitete von dort aus die Keren-Kajemeth-Aktion in Italien. Er verfaßte eine Reihe vielbeachteter Werke auf juristischem Gebiet. Auf seine Anregung wurde in Ägypten der Verlag „Cahiers Julfs“ gegründet. Dr. Prato gehört zu den Gründern der Zionistischen Bewegung in Italien. Zusammen mit Dante Lattes und A. Pacdfici arbeitete er in Italien und den italienischen Kolonien als Agitator der zionistischen Idee. Antisemitischer Ausfall italienischer Zeitung Rom, 20. September. (JTA.) Ein Leitartikel des „Regime Fascista“ knüpft an die Nürnberger Rede des deutschen-Propagandaüiiinisters Dr. Goebbels an und bemerkt dazu: „Wir müssen gestehen, daß die Juden in Italien (die übrigens nur eine unbedeutende Minderheit bilden) keine Tätigkeit entwickelt haben, die den Fortschritt der faschistischen Revolution hätte gefährden können. Aber die Juden in Italien nehmen eine sündhaft passive Haltung ein, welche ein gewisses Mißtrauen zu erwecken geeignet ist. Warum haben sie nie ein einziges Wort gesagt, welches alle Italiener hätte überzeugen können, daß sie ihre bürgerlichen Pflichten aus Liebe erfüllen, nicht aus Furcht oder Berechnung? Warum haben sie nicht klar und deutlich die Absicht kundgetan, ihre Verantwortung gegen die der Juden aus der ganzen Welt abaugrenzen, die nur ein Ziel kennen: den Triumph der jüdischen Internationale? Warum sind sie noch nicht gegen ihre Glaubensgenossen aulgestanden, gegen die Urheber des Blutvergießens, gegen die Zerstörer der Kirchen, gegen die Säer von Haß und Mißgunst, gegen die verwegenen und verbrecherischen Aushungerer der Cristen? Es beginnt sich die Anschauung au bilden, daß Europa in naher Zukunft zum Schauplatz eines Religionskrieges wird. Merken Sie das nicht? Wir sind sicher, daß sich von vielen Seiten dor Ruf erheben wird: Wir sind faschistische Juden. Aber es ist nötig zu beweisen, daß sie erst Faschisten sind, dann erst Juden.“ * E® ist phantastisch, wie die antisemitischen Schlagworte die Gehirne zu vemebelu imstande sind. Also nicht einmal in Italien weiß man, daß es in Spanien kaum Juden gibt und daß kein einziger Jude dort auch nur den geringsten politischen Einfluß besitzt. Und es gibt in Italien eine große Zeitung, deren Redaktion an die „Zions- Protokolle“ glaubt! Seelenandacht für gefallene englische Soldaten Bukarest, 20. September (JTA.). Oberrabbiner Senator Dr. I. Niemirower, Vorsitzender der Zionistischen Organisation Rumäniens, hat verfügt, daß in allen Synagogen Rumäniens während der Seelenandacht (Jiskor) am Jom Kippur ein eigens verfaßtes feierliches Gedenk- und Damkgebet für die englischen Offiziere, Soldaten und Polizisten, die ihr Leben für die Verteidigung der angegriffenen Juden während der letzten Unruhen in Palästina geopfert haben, gesprochen wird. Die rumänischen Juden glauben, daß dieses Beispiel in anderen Ländern Nachahmung linden wird. „Alle Bürger Rumäniens haben gleiche Rechte" Bukarest, 20. September. (JTA.) Justizmiinißter Djuvara berief die Vertreter der Presse zu sich, um ihnen eine Erklärung über seine Aufgaben zu geben und keinerlei Verhöhnung des Gesetzes zuzutesen. Der Minister sagte unter anderem: „Sämtliche Bürger dos Staates ohne Ausnahme haben gleiche Rechte. Wcllgeniiorkt, jeder Bürger muß mich in den Dienst des Landes stellen, in den Dienst des Staates, der national ist. Auch ich vertrete den Standpunkt, daß jeder Rumäne sich aller materiellen und moralischen Errungenschaften, die unser reich gesegnetes Land hervorbringt, in vollstem Maße erfreue. Aber wer ist Rumäne? Jeder rum änische Staatsbürger ist Ruin ä n e.“ Diese Erklärung des neuen Justizminisiters, die so deutlich aibrüokt von der These Vaida. Voevods und der Rechtsradikalen, wonach die Staatsbürger rumänischen Blutes bevorrechtigt sein sollen, hat in der demokratischen Öffentlichkeit Rumäniens einen guten Eindruck gemacht. Es bleibt freilich abzuwarten, c;b gewisse staatliche Behörden, ehe Vaiidais Theorie entgegen den Gesetzen in die Praxis nmausetzen versuchen, indem zum Beispiel jüdische Angestellte auch in Privatbetrieben durch amtlichen Druck entfernt werden, sich diuroh die Erklärung des Jiistizmiinistens Djuvara werden belehren lassen. Neue antisemitische Exxesse Bukarest, 20. September. (JTA.) Aus verschiedenen Teilen des Landes werden schwere Ausschreitungen der cuzistischen „Blauhemden“, die sich der von der Regierung anbefohlenen Auflösung widersetzen, gemeldet. In Balotina bei Beiz wurden 38 jüdische Häuser demoliert und alle ihnen in den Weg kommenden Juden schwer mißhandelt. Die Bande ver-‘ schwand vor Eintreffen der Gendarmerie. In Cajutz bei Bacau wurde die Synagoge schwer beschädigt, die Beter wurden mißhandelt, ln Tetzcan wurden die Marktstände aller jüdischen Händler und die ausgelegten Waren vernichtet. In dem unter staatlicher Kontrolle stehenden Rundfunk wird systematisch judenfeindliche Propaganda getrieben. Wieder Pogrom-Ausschreitungen in Polen Warschau, 20. September. JTA.) In einer Reihe polnischer Kleinstädte ist es zu scliwe- ■ ren judenfeindlichen Unruhen gekommen. In ( Wysokie Mazowieckie wurden jüdische Händler überfallen, die Läden geplündert und die Waren vernichtet. Später durchzogen Exzedenten die Straßen, zertrümmerten die Fenster der jüdischen Geschäfte und Häuser und griffen die jüdischen Passanten an. Im Verlaufe der Ausschreitungen, die bis in die späten Abendstunden andauerten, wurden über fünfzig Juden verwundet. Sechs von ihnen wurden in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Auch in Pultusk haben die Nationaidemokraten den Markttag dazu benutzt, judenfeindliche Unruhen hervorzurufen. In Przytik wurden in der Nacht die Fenster vieler jüdischer Häuser eingeworfen. Die Behörden haben die Abhaltung von Märkten in Przytik für die nächsten Wochen verboten. Judenfeludliche Exzesse ereigneten sich auch in Wilna. Der Dichter Schalom Asch, der jetzt wieder in Amerika weilt (er ist amerikanischer Staatsbürger), telegraphierte an die Pogromopfer von Wysokie Mazowiecki: Im Namen von Millionen amerikanischer Juden sende ich euch Worte warmer Sympathie und Grüße zum Neuen Jahre, ich versichere euch, daß in zehntausenden Synagogen und Bethäusern der Vereinigten Staaten eurer Leiden und Nöte mitfühlend gedacht wird. Vereitelter Anschlag gegen Lodzer WIZO-Hatts Lodz, 18. September. (JTA.). Mitglieder der WIZO entdeckten, als sie sich in das Haus der WIZO begaben, im Vorraum ein Paket mit einer rauchenden Schnur. Die sofort benachrichtigte Polizei entfernte die brennende Schnur und stellte fest, daß das Paket eine stark explosive Bombe enthielt. Die Untersuchung gegen die Urheber des Attentats wurde eingeleitet. Kaufet SCHULBÜCHER neu und antiquarisch in der BÜCHERSTUBE RATH&Co. Wien, II., Taborstraße 20 a. Tel. R 45-305 ankauf und Umtausch ant. Bücher zu höchsten Preisen. Moderne Leihbibliothek. 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In Völkorbundkreisen hält man aber — wie der „Pariser Tageszeitung“ gemeldet wind — eine derartige Entwicklung für u ntragbar und weist darauf hin, daß es die micraliiiscibo Pflicht der diesjährigen Völkenbundtiagung sei, Mittel und Wege für die Aufreohteahaltung der Sobutzbestimmungmi für alle Minderheiten zu finden. Vor dem „Ritualmord* prozeß“ ln London London, 18. September. (JTA.). Aus zuverlässiger Quelle wird der JTA. mitgeteilt, daß der Prozeß gegen den Herausgeber des „Faselst“, des Organs der Imperial Faselst League, Arnold Spencer Lesse, und den Drucker Walter Whitehead wegen Veröffentlichung aufrührerischer Verleumdungen gegen das jüdische Volk und die englischen Untertanen jüdischen Glaubens im Zusammenhang mit der Blutbeschuldigung Ende dieser Woche oder am kommenden Montag vor dem Hauptstrafgerichtshof unter dem Vorsitz von Richter Greaves-Lord eröffnet werden wird. Die Anklage wird Generalstaatsanwalt Sir Donald Somervell vertreten. Die Hetze an den ungarischen Hochschulen Budapest, 18. September. Die Immatrikulationen stehen vor 4er Türe, doch wiederum — zum 16. Male seit der Numerus clausus-Verordnung des seinerzeitigen Kultusministers Haller — sind der überwiegenden Mehrzahl selbst der vorzüglichsten Abiturienten jüdischer Konfession die Universitäts- und Hoohsehulpforten verschlossen. In den Vorhallen der Hochschulen und Universitäten sieht man die. bekannten antisemitischen Affichen der rechtsradikalen Studentenorganisatlonen, so z. B. der Werböczy- Verbindung, die die Juristen mit der folgenden „Aneiferung“ zum Eintritt auffordert: „Die Judenheit ist eine Rasse, nicht eine G laubensgemeinscha-ft.“ Gesucht für Palästina Die Wirtschaiftssteile des Palästina- Amtes teilt mit: Filr eine Lederfabrik in Palästina wird ein erstklassig qualifizierter Gerber gesucht, der im der Erzeugung von Sohlenleder sowie Oberleder bewandert ist und in der Lage ist, ein derartiges Unternehmen zu leiten. Voraussetzung hiefiir ist, daß derselbe ein geprüfter Spezialist ist mit mehrjähriger Praxis in diesem Fache. Interessenten wollen sich mit don entsprechenden Unterlagen an die Wirtscliaiftsstelle des Palästina-Amtes, Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5, Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags wenden. Die Arbeit des Keren Kajemeth Tischri-Aktion. Erste Berichte. — E r f o 1 g r e i c h c Durchführung in VI/VU. Dank den Erfahrungen anläßlich der Pessaeh- Aktion gelang es Gg. Arnold David die bei dieser Aktion bewährton Gg. auch in den Dienst der Tisehri-rAktion zu stellen. Gg. David fand das beste Verständnis bei den Tempel- und Bethausvorständen und dieser Umstand trug zu dom ausgezeichneten Ergebnis viel bei. (70 bis 80% der zur Thora Aufgerufenen spondoten für den Keren Kajemeth, in manoben B o t h ä u s e v n spendeten all e.) Als Mitarbeiter bewährten sich dio Gg. Jtingloib, Seinfeld, Stockknopf, Heiersdorf, Mamber, deren besonderer Hingabe und Organisationstalent der vorläufige Erfolg besonders zu danken ist. Den Tempel Vorsteher» sei auf diesem Wege besten* gedankt: sie werden ersucht, ihren ganzen Einfluß auch am Jom Kippur lin luler- Richtige Einkaufstelle für $ CHULBOCHER für alle Lehranstalten. Reichhaltige Auswahl antl* quarischer Lehrbücher zu mäßigen Preisen. Einkauf, Verkauf u. Umtausch Antiquariat Herrn. lUCHNER WIEN, II., ECKE TABORSTRASSE 52 FÜR AUSKÜNFTE: TEL. R 41-4-20 ZUFRIEDENSTELLENDE BEDIENUNG esse von Ercz Israel und des Keren Kajemeth geltend zu machen. Im „Auge Gottes“ hielt Herr Dr. Jakob Bronner mit Zustimmung des Tempclvorstandes vor der Thoravorlesung eine kurze Anspraceh über den Keren Kajemeth mit dem Erfolge, daß alle Aufgerufenen für den Keren Kajemeth spendeten. Im Großen M u s i k v e r c i n s s a a 1 hielt hielt Rabb. Dr. A. Kaminka eine hinreißende Ansprache über Erez Israel und den Keren Kajemeth. Im Storchenterapei spendeten alle zur Thora Aufgerufenen für den Keren Kajemeth, aber auch eine Reihe von Personen, ohne daß sie zur Thora aufgerufen waren. Den Gg. N. Schreiner gebührt großer Dank für seine dem KKL. hier geleistete Hilfe. I n d i c s e m wie im Turnertempel wurden zusammen zirka S 700 für den KKL. gespendet. — Die Organisierung der Arbeit lag bezüglich dieser Tempel in den Händen des Gg. Sax. Jeder Zionist muß mithelfen bei den Wahlen. Wenden Sie sich sofort bei Ihrer Bezirkssektion! Mitteilungen der Isr. Kultus* gemeinde Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen sowie in den temporären Betlokalen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien am Versöhnungsfeste. Am Freitag, den 25. September 1936 (Vorabend des Versöhnungsfestes, Beginn 5 Uhr 40 Minuten abends): V., Siebenbrunnengaisse ia: Rabbiner Doktor M. G. Mehrer. — VHI., Neudeggergasse 12: Rabbiner Dr. J\I. Bauer. — X., Humboldtgasse Nr. 27: Rabbiner Dr. A. Weiner. — XIII., Eitelbergergasse 22: Rabbiner Dr. M. Lewin. — XVIII., Schopenhauerstraße 30: Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. — XIX., Dollinengasse 3: Rabbiner Dr. A. Frankfurter. — XX., Kluoky-* gasee 11: Rabbiner -Dr. B. Murmclstein. — XXI., Holzmeistergasse 12: Rabbiner Dr. M. Landau. Am Samstag, den 26. September 1936 (Versöhnungstag, Beginn 8 Uhr früh): I., Seitenstettengasse 4: Oberrabbiner Doktor I. TagMcht. — I., Dumbagas.se 3 (Großer Musikveremssaal): Rabbiner Dr. A. Kaminka. — L, Fleiscbmarkt 24 (Festsaal des Hotel „Post“): Inspektor I. Oehler. — H., Tempelgasse 5: Rabbiner Dr. M. Rosenmann. — III.,- Untere Viaduktgasse 13: Rabbiner Dr. K. Kupfer. — III., Marxergasse. ,17 (Großer Sophiensaal): Rabbiner-Kandidat Dr. Z. I. Kanner. — V., Siebenbrunnengasse lat Rabbiner Dr. M. G. Mehrer. — VI., Sehmalzhofgasse 3: Rabbiner Dr. J. Drobinsky. — VHI., Neu-, deggergasso 12: Rabbiner Dr. M. Bauer. — IX., MiilLnergasse 21: Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. — X., Humboldtgasso 27: Rabbiner Dr. A. Weiner. — XV., Turnergasse 22: Doz. Dr. H. J. Zimmcls. — XVI., Hubergasse 8: Rabbiner Dr. J. M. Bach. — XIX., Dollinergassc 3: Rabbiner Dr. A. Frankfurter. — XX., Kluckygasse 11: Rabbiner Dr. B. Murmelstein. Prof. Josef Zimbler übernimmt noch einige Schüler für Violinunterricht und Kammermusik, IX., Hahiigasso 31, Telephon A 12-8-28. Zehn Jahre jüdischer Kindergarten, XV., Herklotzgasse 21. In diesem modenist geführten Kindergarten sind noch einige Plätze frei. Einschreibung täglich von 8.30 bis 12.30 Uhr. Wir werden von der bekannten Fleischlirma Siegm. Kornniehl, IX., Borggasse, aufmerksam gemacht, daß im IX. Bozirko nur die Koseherabtoiiung seiner Firma, Berggasso. 15, unter Aufsicht des Rabbinatcß der Israelitischen Kultusgemcindo steht. Wir machen unsere gesell. Leser auf das Inserat der renommierten Buchhandlung R a t-h & O i e, H., TaboCstraße 20a, besonders aufmerksam. 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