Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 569 (4.8.1936)
- Date
- 1936-08-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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."Stimme y. ». 6. 20 g S V i!)' *N 5k* ■ ’'ejr .v'*V7 n Nr. 569 JÜDISCHE ZEITUNG 9Vleti, Dienstag, 4. August 1936 16. Aw 5696 9. Jahrgang Ormsby Gore kapituliert vor den Arabern? I '»ndon, 30. Juli. Im Unterhaus fragte Sir N. Gratton-Doyle den Kolonienminister, ob er nicht in der Lage sei, die Versicherung abzugeben, daß keine Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina während derzeit, in der die Kgl. Kommission ihre Untersuchungen durchführt und ihren Bericht, unterbreitet, erfolgen wird. Der Kolonienminister verwies den Abgeordneten auf seine früher erfolgte Antwort. Abg. Gratton-Doyle: Weiß der Kolonienminister nicht, daß seine früheren Antworten in diesem Punkte ganz unbestimmt waren? Ich würde mir erlauben, ihn um eine bestimmte Erklärung zu bitten, um die große Besorgnis der jüdischen Bevölkerung zu zerstreuen. Der Kolonienminister: Aus metner Antwort geht ganz klar hervor, daß ich keine Antwort geben wollte. Die Frage ist nicht entschieden. Erregung in Jischuw Jerusalem, 31. Juli. (Palcor.) Die Veröffentlichung dieser Antwort des Kolonienministers auf die an ihn gestern im Parlament gestellte Frage, betreffend die Einwanderung im amtlichen Communiqu6 der Palästina-Regierung, hat im Jischuw große Erregung hervorgerufen. Die Veröffentlichung, für die es keinen Präzedenzfall gibt, wird als deutlicher Wink an die Araber aufgefaßt, daß sie eine Sistierung der Einwanderung erwarten dürfen, was im Wider- 6pruch zur Erklärung der Regierung steht, daß sie sich durch Gewalt nicht zu Konzessionen zwingen lassen werde. * (Wenn ©s tatsächlich zur Suspendierung der Einwanderung kommt, so steht zu befürchten, daß der Jischuw eeine bisherige Selbe tbelierrsohu ng verliert. Ee wird aber auch das jüdische Volk in der ganzen Welt wie ein Mann a.üfstehen, um diesem Vertragsbruch Englands jeden Widerstand, so wie im Jahre 1929, entgegenzusetzen. Die Lage ist zweifellos ernst. Die Red.) „Manchester Guardian“ warnt vor Einwanderungssperre London, 2. August. (JTA.) In einem Leitartikel warnt der „Manchester Guardian" die Regierung Vor einer zeitweiligen Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina. Das Blatt meint, daß ein solcher Entschluß die Schlußfolgerungen der Kommission vorwegnehme und den Arabern den Eindruck vermitteln würde, daß die britische Regierung dem Zwang nachgibi. Was. auch immer die Kom%. mission feststellen möge, das letzte Ziel muß die aus sichherauszüstandegekomraene Aussöhnung der beiden Völker sein; es muß eine Beilegung des Konfliktes erfolgen, die beiden Teilen die Furcht nimmt, eine von dem anderen beherrschte Minderheit zu sein, und die dem Nationalheim die Möglichkeit gibt, sich an der Seite einer aufblühenden arabischen Gemeinschaft zu entwickeln. Dies sollte nicht jenseits der Macht von britischer und jüdischer staatsmännischer Kunst liegen. Neue Gewaltakte in Palästina Jerusalem, 2. August. Seit dem Bekanntwerden der Ernennung der Königlichen Untersuchungskommission ist ein neues A u f f 1 a m m e n der Bandenk a m p f e zu merken. Nachdem am Samstag die Petroleumleitung an der Grenze von Transjordanien beschädigt und das ausströmende Petroleum in Brand gesteckt worden war — der Schaden wurde sehr bald behoben — ist es am Sonntag zu neuen Kämpfen und Gewalttaten gekommen, denen e i n arabischer Wachleute zum Opfer fielen, während ein englischer Soldat verwundet wurde. Die Königliche Kommission wird, wie verlautet, ihre Tätigkeit frühestens im Oktober aufnehmen. Sollten die Unruhen bis dahin anhalten, so dürfte der Termin ihrer Abreise noch weiter verschoben werden. 37 Araber in zwei Tagen erschossen Jerusalem, 31. Juli. (JTA.) In der Nähe von J e n i n kam es wiederum zu einem scharfen Kampf zwischen Regierungstruppen und arabischen Banden, wobei 15 Araber fielen. Auf Seiten des Militärs gab es keine Toten. Allein in den letzten zwei Tagen wurden 37 Araber in den Kämpfen mit Militärs getötet. Exzesse in Tiberias Jerusalem, 31. Juli. (JTA.) Seit drei Tagen werden auf die jüdischen Einwohner inraiet wieder Überfälle von Arabern verübt, Die Unruhen breiteten sich jetzt auch auf ganz Untergaliläa aus. Eine mehrhundertköpfige arabische Menge bewarf jüdische Häuser und Passanten am Morgen mit Steinen, zertrümmerte Fenster und Türen, steckte zwei jüdische Läden in Brand, plünderte sie und vernichtete die Einrichtung, Heute ist wieder ziemliche Ruhe eingetreten. Fast alle Geschäfte, die nach den Exzessen geschlossen worden waren, sind wieder geöffnet, und die aus der Stadt geflüchteten Einwohner kehren allmählich zurück. 15 Juden und 6 Araber wurden verhaftet. Den Juden wird vorgeworfen, daß sie während der arabischen Angriffe auf das jüdische Vierte] aus den Häusern geschossen haben. Ein 13 Jähriger Araber .«. In Ness Ziona hatte ein 13jähriger arabischer Knabe der Polizei mitgeteilt, daß er Juden bei der Ermordung eines arabischen Mädchens überrascht hatte, dessen Leiche in der Nähe der Siedlung gefunden wurde. Die Polizeiuntersucliung ergabt, daß der Knabe selbst das zehnjährige Mädchen vergewaltigt und erdrosselt hat, was er auch gestand; er wurde in Haft genommen. Polizei von Tel-Aviv verstärkt Tei-Aviv, 30. Juli. (Palcor.) Die Tel-Aviver Polizei wird demnächst um 50 jüdische und 10 britische Polizisten verstärkt werden. Vor Tel-Aviv ankern heute drei Frachtdampfer; die Warenausladung ist in vollem Gange. In KfarSaba werden demnächst 40 neue Wohnhäuser für Arbeiter errichtet werden. die Bitzur-Geseilscbaft hat zu diesem Zwecke eine fünfjährige Anleihe gewährt. Wieder Bomben in Tei-Aviv Jerusalem, 28. Juli. (Palcor.) Heute mittags kam ee in der Aohwastraße in Tel- Aviv, die an Jaffa angrenzt, zu einer Bombenexploeion, wobei Elijahu Kaplansky, ein bei der Palestine Electric Company angestellter Arbeiter, schwer verletzt wurde. Die vierjährige .Ella Weint raub erlitt leichte Verletzungen. Beide wurden ins Krankenhaus geschafft, wo Kaplansky belassen werden. mußte, während das Kind na#’Hause geschickt-werden konnte. . Jeden Sonntag billige Ferien-Sonderfahrten mit der Czernowitzer Allgemeinen Zeitung naöh Polen ..Czemowltz Abfahrten: 9. und 16. August Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „Martenbrttcke“, I. RotenturmstraBe 26 Telephon R 24-2-86/87 Flüchtlinge demonstrieren Tei-Aviv, 31. Juli. (JTA.) In Tei-Aviv veranstalteten tausende Flüchtlinge aus Jaffa und Umgebung einen Demonstrationszug zum Rathaus und verlangten Brot. Sie wurden durch Polizei vertrieben. Die Flüchtlingskommission der Jewish Agency ist zu einer dringenden Sitzung einberufen worden. Bekanntlich ist die Krise in der Flüchtlingshilfe dadurch entstanden, daß die Regierung für die Flüchtlingshilfe bisher im ganzen 500 Pfund beistellte und das jüdische Hilfskomitee zum Protest gegen dieses Verhalten der Regierung seine Arbeit zeitweilig einstellte. Kein Makkabi startet in Berlin! In einer Sportzeitung ist eine Mitteilung erschienen, wonach König noch immer Mitglied der Hakoah sei. Es wird auch der Austritt Finczus’ aus der Hakoah angezweifelt. Demgegenüber erfahren wir von authentischer Seite, daß beide Sportler die Konsequenzen aus ihrer unhaltbaren Lage gezogen und sich bei der Hakoah abgemeldet haben. Sie waren schon im Augenblick des Olympia-Aufmarsches in Wien nicht mehr Mitglieder der Hakoah. Guth aber ist schon seit längerer Zeit nicht mehr Mitglied des Hakoah-Schwimmklubs. Was Grete N e u m a n n anlangt, so hat sich jetzt herausgestellt, daß sie wohl von jüdischen Eltern stammt, aber schon nach ihrer Geburt getauft wurde und sich später konfessionslos erklärte, was sie noch heute ist. Es sind also die Vorbedingungen ihrer Mitgliedschaft beim jüdischen Sportklub Hakoah nicht gegeben, so daß ihre Mitgliedschaft automatisch erlischt. Hakoahner können nur dem Judentum auch konfessionell angehöpende Personen sein. Die Situation ist also klar: Es ist letzten Endes der Beschluß des österreichischen Kreises des Makkabi-Weltverbandes verwirklicht, denn es startet tatsächlich kein Makkabi bei den Olympischen Spielen in Wien. Wie wir weiter erfahren, wird die Angelegenheit der Berliner Olympischen Spiele tiefgreifende Rückwirkungen auf die Zusamm«il*«&i*Mfcg der Leitung des Sportklubs Hakoah haben. Es gibt nur ein Land.. Es ist wieder ein Projekt für eine Masscnsicdelung deutscher Juden aufgetaucht. Diesmal soll der Schauplatz die Insel Kuba sein, und es wird versichert, daß nicht weniger als 200.000 Personen untergebracht werden können und daß alle führenden Persönlichkeiten dieses Landes sich für den Plan ausgesprochen hätten. Wir sind aus alter leidiger Erfahrung allen solchen Plänen gegenüber skeptisch, haben uns aber bei diesem letzten Vorschlag rein referierend verhalten, um nicht eine ziemlich seriös auftretende Aktion zu stören. Aber unsere Zweifel scheinen sich a,uch jetzt als richtig zu erweisen. Ein in Prag anwesender kubanischer Staatssekretär zeigte sich auf eine Anfrage sehr überrascht; ihm sei von der Angelegenheit nicht das mindeste bekannt und die wirtschaftlichen Verhältnisse auf Kuba ließen kaum die Ansiedlung von 1000 Personen zu. Es ..ist bekannt, daß Kuba unter der Weltkrise außerordentlich leidet und daß di,e Unmöglichkeit, seine Produktion a,n Zucker und Edelhölzern in den Markt einzufügen, auch zu schweren politischen Erschütterungen geführt hat. Es ist unmöglich, eine so große Zahl von Menschen, die' an mitteleuropäisches Klima und am ganz andere Berufstätigkeit gewöhnt sind, in die Tropengegend zu bringen. So ist es in Kuba, so war es in Uruguay und in Bolivien und in Argentinien und in Südafrika. Das ist jetzt so und war es auch zu den Zeiten, als der warmherzige Zangwill mit seiner Ita überall in der Welt nach Lebensraum für jüdische Siedler suchte. Und es sind nicht allein geographische oder klimatische Verhältnisse, die alle Versuche dieser Art zum Scheitern bringen.,Es gibt auch seelische Imponderabilia, die bei Umsiedlung in Frage kommen, eine gewisse psychische Bereitschaft der jüdischen Masse, verstärkt' durch das Mißtrauen, das sich in den Nachkriegsjahren gegen jedwede Territorial Philanthropie herausgebildet hat: Es gibt nur ©in Land, dem sich das Herz des jüdischen Volkes zuwendet — Palästina, und die Gründe hiefür liegen auf der Hand. Palästina ist geheiligt durch die Tradition, in allen Gebeten wird die Rückkehr nach dem verlorenen Land erfleht, durch tausend historische und religiöse. Fäden ist es mit dem Volk verbunden. Nie war es seinem Gedächtnis fern, stets lebten Juden im Heiligen Land. Und seit Herzl den politischen Zionismus geschaffen und ihn zum politischen Willensträger des Volkes erhob, hat das Judentum für seine Wanderung ein neues und festes Ziel erhalten, an das es glaubt. Hier ist eine seelische Bereitschaft vorhanden, vertieft durch die Tatsachen, die das jüdische Volk aus seiner eigenen Anstrengung hervorgebracht hat. Wenn es von Ekuador oder Kuba hört, schüttelt es den Kopf, fragt und. prüft. Palästina ist das Land, „das wir nicht zu untersuchen brauchen, um es zu lieben“, wie dies Nordau auf dem Uganda-Kongreß ausgedrückt hat. Die |Krim und Biro Bidschan sind dem Judentum fremd; die Namen besagen ihm nichts. In Palästina hat das Judentum sich selbst verankert. Die Städte, Dörfer, die Äcker und Wälder sind Zeugnisse eines staatsbildenden Willens, der sich durch gar keine fremde Macht und durch keine innere Strömung zurückdrängen läßt. Palästina ist die Bejahung des jüdischen Willens zum Leben. Dort gewinnen Sprache und Schrifttum neuen Inhalt, dort kann eine jüdische Kultur erwachsen. Kein Land der Golah hat diese Wirkung und darum werden auch die blutigen Wirren dieser Tage, so schwer sie uns treffen, ohne tieferen Einfluß bleiben, da sie die moralische und psychische Grundlage nicht erschüttern können. Das jüdische Volk glaubt an sich, an seine Leistung in Palästina und an seine Zukunft. Der Jischuw hat die Schwäche des Exils überwunden. Aber die Assimilation, die Schicht derer, die an das Judentum nicht glauben und mit ihm nur mehr durch die dünnen Fäden der Matrik verbunden sind, geht diesen Weg nicht mit. Gewiß erkennt auch sie die Unhaltbarkeit des Zustandes und sie sucht nach Land. Aber sie verzettelt lobenswerte Bemühungen; sie läßt sich nicht dadurch beirren, daß ihr die Massen mit dem deutlichsten Mißtrauen gegenüberstehen, und sie will in