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Die Stimme · 1936-02-28 · Heft 527 (28.2.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 527 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frei« die:«* * Nummer 20g V. b. b. S -;■ vt ■*■• .v.v'> / ";■■■:S-vt Kcawat JÜDISCHE ZEITUNG W-VfV'i'i PURIMREISEN NACH PAIXSTINA VOM 19. FEBRUAR BIS 26. MÄRZ AUF HIN- UND RÜCKFAHRKARTEN 50% Ermäßigung für die I. und II. Klasse 30% Ermäßigung für die Touristenklasse Vorstehende Ermäßigungen glltlg bis Ende Mai 1936 Auskünfte: Generalagentur, Wien, I., Kärntnerring 6 und alle Reisebüros Nr. 527 | Wien, 28. Februar 1936 | Redaktion und Adminf«tretton; Wien, u, Mere-Aurel-StraOe & Tel.: U 22-3-91 RedaktloneeehlaB Montag und Mittwoch vorm. I (5. Adar $696) ( 9* Jahrgang Die Arbeit der Kultusgemeinde Wer Zeuge deir Budgetdebatte in der Kultusgcmedaüe gewesen ist, konnte versucht sein, dem Exodus der Union österreichischer Juden aus der offiziellen Vertretung der Wiener Juclenisetoft eine neue Erklärung zu geben. Man mußte eich nämlich fragen, ob eis für diese Juden, die doch nur Negatives wollen, nicht wirklich das Klügste gewesen ist, sich der Verlegenheit, dort Rede und Antwort stehen zu müssen, einfach durch Abwesenheit zu entziehen. Es soll hiier gar nicht von den politischen Dingen gesprochen werden, die Dr. Jakob Ehrlich überzeugend formuliert hat. Daß sie eich politisch belehren lassen, verlangt man schließlich von den Unionisten nicht mehr. Aber da waren die Tatsachen der Arbeit der Kultusgemeinde, wie sie sich in den unerschütterlichen Ziffern dies Budgets eindeutig spiegeln, und zu diesen Ziffern gab Präsident Dr. Desider Friedmann wieder einen T-ateachenkonxmen tar, demgegenüber auch der geübteste Nörgler hilflos bleiben mußte. Seit 1932 verwaltet die zionistische Mehrheit die Israelitische Kultusgemeinde von Wien. Sie hat die Aufgabe übernommen, als die Notzeit begann, und seither verschlimmern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Allgemeinheit und ganz besonders der Juclenschaft Österreichs ständig. Dabei mußte man von Jahr zu Jahr große Summen aufbringen, um den Gebanmgsabgang, den die Zionisten von ihren Vorgängern in der Verwaltung der Kultusgemeinde übernommen hatten, abzubauen. Tatsachen häuften sich auf Tatsachen in der Rede Dr. Friedmanns, Tatsachen, die Zeugnis ablegen von einer mustergültigen Verwaltung. Budgets sind sonst für den Nichtfachmann eine schwierige und undurchsichtige Sache. Aber dieses Budget muß jeder verstehen. Es ist in seiner Anlage einfach und übersichtlich und es war im Kommentar des Präsidenten der Kultusgemeinde selbst für den Menschen mit einfachsten Matheinatikkenntnissen faßbar. Was hätten, so muß man wieder fragen, die Unionisten in dieser Budgetberatung am gefangen? Gegen die Sauberkeit und den Erfolg der zionistischen Verwaltung kann selbst ihre Phantasie nicht aufkommen. Geradezu erdrückend war, was Präsident Dr. Friedmann über die Ftirsorgetätigkeit der Gemeinde mitteilte. Die Not unter der Wiener Judenschaft ist erschreckend, immer größer wird die Zahl derer, die sich an die Gemeinde um Hilfe wenden, und die Zahl derer, die helfen können, und ihre Leistungsfähigkeit wird immer kleiner. Die Kultusgeineinde hat auch diese Aufgabe bewältigt. Die Verwaltung ist einfach und billig und darum kann man den Aufgaben, für die die Gemeinde da ist, auch unter den schwierigsten Verhältnissen gerecht werden. Die zionistische Mehrheit der Kultusgemeinde hätte natürlich nichts dagegen getobt, die Union bei der Budgetdebatte zu sehen. Sie hätte gern dio Antwort auf die Tatsachen ihrer Gebarung gehört. Sie hätte gern die Antwort gehört auf die Frage, was in einer solchen Gemeinde ein Regierungskommissär sollte. Sie hätte gern erfahren, wie man noch besser wirtschaften soll. Aber die Union hat nicht die Gewohnheit, sich kongreß hat beschlossen, den Weltkongreß für August 1936 einzuberufen. Über die Sitzung wird uns aus Paris gemeldet: Die Plenarsitzung der Exekutive des Komitees der jüdischen Delegationen und des jüdischen Weltkongresses nahm zwei. Tage, den 22. und 23. d., in Anspruch. Es nahmen teil: Dr. J. Hellmann, Dr. Rosmarin, Dr. -Schipper, Dr. Silberstein (Polen), Dr. Emst Beermanri (ÖSR), Dr. M. Nurock (Riga), Cornrn. Dr. Angiolo Orvieto, Doktor Dante Lattes (Italien), Dr. Vidal Modiano (als Vertreter Griechenlands), M. H. Davis, L. C. C. (London), Sohalom Asch, Me. Leonoe Bernheim, Robert Bollack, M. Jarblum, I. Jefroykin, Dr. Schaohtmann (Frankreich), Dr. N. Goldmann (Genf), Me. Leon Kubowitzky (Belgien), Louis Lipski (USA), als Gast Professor Georg Bernhard. Die Sitzung befaßte 6ioh in erster Reihe mit der Frage der Einberufung des Jüdischen Weltkongresses. Es wurde e i nstimmig beschlossen, den Weltkongreß für August 1936 einzuberufen. Aus allen Ländern lagen dringende Aufforderungen der dem Exekutivkomitee angeschlossenen Organisationen vor, die im Hinblick auf die außerordentliche Notlage großer Teile des jüdischen Volkes einen weiteren Aufschub des Weltkongresses für untragbar erklärten. Die Beteiligung am Weltkongreß wird grundsätzlich auf der Basis allgemeiner demokratischer Wahlen erfolgen in Übereinstimmung mit den Beschlüssen der vorangegangenen Weltkonferenzen. In den Ländern, in denen die Judemheit. in offiziell anerkannten, demokratisch organisierten Gesamtrepräsentanzen bereits vereinigt sind, sind diese zur Vertretung der betreffenden Judenbeiten auf dem Weltkongreß berechtigt. Die Form der Durchführung der Wahlen in Amerika wurde, wie bekannt, bereits durch Beschlüsse des American Jewish Congress geregelt. In den andcreu Ländern soll die Vorbereitung der Wahlaktion unverzüglich mit aller Energie aufgenommen worden. den Tatsachen zu stellen. Wie sollte sie dann noch denunzieren und die Zerschlagung der Autonomie der Gemeinde verlangen können? Dr. Ehrlich bat sehr treffend folgende Charakteristik der durch die Abstinenz der Union geschaffenen Situation gegeben: Wenn die Union habe beweisen wollen, daß sie in der Kultusgemeinde überflüssig ist, so sei ihr das schon jetzt gelungen. Tatsächlich, die Sachlichkeit und Gründlichkeit der Budgetdebatte hat diese Auffassung bestätigt. Die Tagesordnung des Weltkongresses wird in erster Reihe der Behandlung der politischen, rechtlichen und ■wirtschaftlichen Lage der Juden in den verschiedenen Ländern gewidmet sein. Der Kampf zur Verteidigung der Rechte der Juden in den verschiedenen Ländern, die Abwehr des verstärkten Antisemitismus in seinen verschiedenen . Ausdrucksformen, die Bemühungen um die ökonomische und soziale Hilfe für die notleidenden jüdischen Massen und die Festlegung der Grundlagen einer konstruktiven Wirtschafts-, Emigrations- und Kolonisationspolitik sowie die Frage des jüdischen Palästina werden die zentralen Fragen des Weltkongresses bilden. Die entscheidende Aufgabe des Weltkongresses besteht in der Schaffung einer legitimierten, autoritativen und permanenten Repräsentanz des Juden- Hach PalisHna zu Pessach. und zur Levante-Nesse! Billigste Preise von eilen Häfen, billige Bahnarrangements Kostenlose Auskünfte schriftlich u.telephon. Prospekte durch Dr. S. Mer, Ulen, IX.. LiechtensteinstraBe Z Telephon A 14-6-04 ' " - »in die Welt" ■ ■ tums zur Verteidigung der gemeinsamen jüdischen Rechte und Interessen. Es ist selbstverständlich, wie bereits die Genfer Weltkonferenzen konstatiert haben, daß die innere Politiken den verschiedenen Ländern sowie die religiösen Fragen außerhalb der Kompetenz des Weltkongresses bleiben. * Die JTA meldet: Louis L i p s k y und M. H. Davis (London) kritisierten scharf die Sir Herbert Samuel-Mission als ein Beispiel unorganisierter Initiative. Beide Redner erklärten, die Judenheiten ihrer Länder werden die Weltkongreß- Idee sehr unterstützen. Im Verlauf der Aussprache wurde auch die Frage erörtert, welche Haltung hinsichtlich DavidFrankfurters, dessen Prozeß bald stattfinden wird, eingenommen werden solle. Jeden Sonntag „Francopoi“-Sonderfahrten nach Polen und (zernowitz Rückf.: 3., 17., 31. März 1936. Erstes Poln. Verkehrsbüro „F r a n c o p o 1“, III., Schwarzenbergplatz 7 (Ecke Rennweg), vis-ä-vis dem Poln. Konsulate, Tel. U 16-4-90, Reisebüro Gerngroß, VII., Mariahilf er str. 42. Tel. B 38-2-68. Jewish Agency und Council Sor German Jewry Der Schatzmeister der Jewish Agency Elles er Kaplan und der Direktor der Anglo- Pa-lestine Bank S. Hoofien begeben sich nach London, um als Mitglieder der Jewish Agency-Delegation an den Verhandlungen zur Bildung des Council for German Jewry im Rahmen der Sir Herbert Samuel-Mission teilzunehmen. Der Präsident der Jewish Agency, Doktor Ghaim Weizmann, und der Leiter des Kolonisations-Departements der J. A. Dr. Arthur Ruppin begeben sich am 29. Februar nach London, um an den gleichen Verhandlungen teilzunehmen. Antisemitische Provokationen In mehreren Straßen Wiens wurden dieser Tage Zettel verstreut, in blauen Lettern auf weißem Grund seitwärts von einem linksstehenden Davidstern, die folgenden Text trugen: „Juden, kauft nur bei Glaubensgenossen!“ Es ist ausgeschlossen, daß solcher Unfug von Juden verübt wird, und die ganze Aufmachung deutet auf eine nationalsozialistische Provokation hin: Das „Weltblatt“ berichtet, die Polizei vermute, daß die Zettel von jüdischer nationalradikaler Seite stammen. Nach unseren Informationen vermutet die Polizei dies nicht, sondern sucht in nationalsozialistischen Kreisen den Täter. Eine Erklärung der Kultusgemeinde Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde verlautbart die folgende Erklärung: „Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wurde mehrfach darauf aufmerksam gemacht, daß in mehreren Bezirken Wiens weiße Zettel, auf welchen mit blauem Aufdruck ein Davidstern und die Aufforderung ,Juden kauft nur bei Glaubensgenossen* angebracht sind, auf den Straßen verstreut werden. Das Präsidium der Kultusgemeinde stellt fest, daß die Verbreitung dieser Zettel nicht von jüdischer Seite ausg e h t. Es ist vielmehr zu vermuten, daß es sich um eine Provokation von antisemitischer Seite handelt, weshalb das Präsidium die Anzeige bei der Staatspolizei erstattete, um auf diese Weise die Urheber dieser Provokation festzustellen.“ B ASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL.: U 47.5-40 KOHLE »KOKS ANTHRAZIT .ALLEINIGE LIEFERANTIN DER „ASCA" BUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN KEREN KAJEMETH JÜDISCHE KULTUR STELLE Alle ins Caf& Weghuber (HINTER DEM DEUTSCHEN VO L K S T H E AT E R) KAPELLE IST GEIGER GESANG: OTTO HAUSER Jeden Samatag und Sonntag: Konxerl, Tanz-und Stlmmungsmuslk Beginn: Halb 9 Uhr abendi Besucherkarte: S -*60 jüdischer Weltkongreß Im August Die Exekutive für den jüdischen Welt- 3718247474651^^49^

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