Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 526 (25.2.1936)
- Date
- 1936-02-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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35. Februar 1036 DIB 8TIMMB Sette 3 Vt. m - // Liebe zu verkaufen // In tiefstem Schmerz geben wir die Nachricht, daß unser geliebter Gatte und Vater, Herr Moses Weiner MllltSr-Oberrechnungsraf I. P. am 21. Februar 1936 in seinem 71. Lebensjahre plötzlich entschlafen ist. Dem Staate war er ein ergebener Diener, dem jüdischen Volke ein anhänglicher Sohn, uns ein besorgter Gatte und Vater. Das Leichenbegängnis findet am Dienstag, den 25. Februar 1936, um 12 Uhr mittags vom Zentralfriedhof, 4. Tor, aus statt. Rebekka Weiner als Gattin Lucie Adler, Dr. Jakob Weiner, Dr. Siegfried Weiner, Bianca Löw als Kinder Ing. Leopold Adler Robert als Schwiegersohn als Enkel Musikalische Komödie von Kalmanovicz, Musik von Hermann Wohl. ' Premiere in den Jüdischen Künstlerspielen. Mirjams Mutter ist blind, aber eine Operation, die 8000 Dollar kosten würde (das Stück spielt in Amerika), könnte ihr das Augenlicht wieder verschaffen. Das Geld ist nicht vorhanden, und so entschließt sieh die schöne Mirjam, ein Inserat, illustriert mit ihrem Photo, in die Zeitung zu geben, und gutsituierte Leute aufzufordern, sich ihre Liebe und ihre Hand für 8000 Dollar zu kaufen. Sie hat einen Verlobten, den sie liebt, aber sie will sich für die Mutter opfern. Da erscheint der junge Schlosser Itzig auf dem Plan. Er hat ein paar tausend Dollar Bargeld und er bewundert Mirjam aus der Ferne seit, langem. Sofort entschließt er sich, ihre Liebe zu kaufen. Aber er erfährt dann, daß Mirjam bereits einen anderen liebt Großherzig tritt er von seinen Rechten zurück, doch nicht von seinem Versprechen, das Geld für die Heilung der Mutter herzugeben. Die Mutter wird operiert, sie sieht wieder, und Itzig ist glücklich-unglücklich Zeuge des Jubels der Familie. Inzwischen sind aber seelische Komplikationen in Mirjam eingetreten, Sie hat sich in Itzig verliebt und hat ihm das in einem Brief auch zu verstehen gegeben —, ohne daß er es allerdings endgültig verstanden hätte. Aus Pflichtgefühl will sie Saul, ihren Verlobten, heiraten, doch zum Glück erweist der sich als bodenloser Schuft. Er ha* eine Freundin Mirjams verführt und sitzenlassen. Itzig und Mirjam werden ein Paar, und darüber ist jetzt auch Beb Schlojme, Mirjams Großvater, dem der Schlosser zuerst — nur ein Schlosser gewesen ist, überglücklich. Den Schlosser spielt Sevilla Pastor. Es ist wirklich schwer, über diese jüdische Künstlerin noch etwas zu sagen. Nicht nur darum, weil schon so viel gesagt worden ist, sondern vor allem darum, weil sich das, was sie bietet, einfach nicht so in Worten wiedergeben läßt, wie es auf den, der sie sieht, unmittelbar wirkt. Wie soll man den Scharm beschreiben? Und Scharm: allerpersönliobster, einmaliger Scharm, den nur sie unmittelbar ausübt, der sich nicht einfangeo und weitergeben läßt, das ist Sevilla Pastor. Wie soll man die hundert Gemütsbewegungen, durch die sie hindurchgeht und die sie mit einem Blick, mit einer Handbewegung, mit einem kleinen Umschlag in der Stimme ausdrückt, w-ie soll man ihren Tanz, ihren Gesang, wie soll man all diese Unnachahmlicbkeiten in Worten photographieren? Es ist die Pastor, mehr kann man wirklich picht mehr sagen. Die Mirjam spielt Erna Siegler. Als liebende Tochter und als liebende Frau wirkt sie in gleicher Weise überzeugend. Sie hat keinen leichten Stand, denn inmitten einer Fülle von übermütigen, grotesken oder sonstigen unterhaltsamen Figuren repräsentiert sie den Ernst des Lebens. Sie löst die Aufgabe mit ihren Mitteln: ihrem reizvollen fraulichen Wesen und einer Art des Spiels, das oft gerade durch Zurückhaltung die größten Wirkungen hervorzurufen imstande ist. Dolly Nachbar ist der Großvater. Bei ihm wirkt immer von vornherein schon die Maske explosiv, und so ist es auch diesmal. Wenn er auf die Bühne kommt, hat er don Erfolg in der Tasche. Er steigert ihn aber von Szene zu Szene, denn sein Spiel hält schließlich noch mehr, als dio Maske versprochen hat. Der Höhepunkt seines Auftretens ist eine Trinkszene mit Itzig, dem Schlosser. Den Song müssen dio beiden endlos wiederholen. Kastein über Palästina Dr» Josef Kostern hält nach seinen wissenschaftlichen Vorträgen, die beim Wiener jüdischen Publikum den größten Erfolg gebracht haben, am 3. März im Offenbach-Saal (neben dem Porrhaus, Treitlstraße 3), einen Vortrag über „Dii Wirklichkeit Palästinas" Der Vortrag beginnt um 149 Uhr, Es liegen schon jetzt außerordentlich viel Kartenvormerkungen vor. Kartenverkauf: siehe Inserat. M u n i u Pastor hat eine wunderbare Groteskrolle als Kellner und Gatte von Mirjams Tante Gittl, die von Ella Silber gespielt wird. Sein Verdienst ist auch die Inszenierung des Stückes, in dem alles wunderbar klappt. Es ist wieder jedes Detail durchgearbeitet, ee ist jede Szene, jedes Wort wirkungsvoll angebracht, man spürt von Anfang bis zum Ende die straffe und sorgfältige Führung. Rosa Siegler spielt die blinde und dann wieder sehende Surele, Hermann K os o w s k y den Leibusch Kimmei, einen aus Europa gekommenen Landsmann, Sophie Kosowsky iet Frau Kimmei; Emil Schorr gibt den Chusen Saul und Lotte Silbermann das betrogene Mädchen Lussi. Da« neue Stück der Jüdischen Künetlerspiele ist wieder ein voller Erfolg. Ein unterhaltsames Stück und eine herrliche Aufführung. —ei— „DU fröldettc lUtte" Zur Uraufführung des Dramas von Perez im Jüdischen Kulturtheater. Der OhassMismus — das war die Erneuerung der Judenheit von innen! Baal Sehern Tow war der dritte Moses in Israel — nicht sein stark überschätzter jüngerer Zeitgenosse Mendelssohn. Ist die nationale Renaissance des Judentums vorstellbar, ohne die seelische Aufwühlung speziell der ostjüdischen Massen durch den Chassidismus? Verdanken wir nicht seiner starken, lebensnahen Religiosität den größten, den tiefsten Dichter des Ostjudentums: Jizchak Leib Perez, den „einzigen dichterischen Weltenbauer Israels“, wie ihn Nathan Birnbaum bezeichnet? Nicht die subtilsten Unterscheidungen und Haarspaltereien führen zur Erkenntnis der Wahrheit — nur die reine Einfachheit des Herzens! Gott will nicht Trauer und Askese, nicht Fasten und Abtötung, sondern Liebe zum Leben! Dies lehren die Frommen, die Chassidim. In Beseht war dieser bergeversetzende, herzenerobernde Optimismus sieghaft mächtig; seine Nachfolger aber büßten im Laufe der Generation mählich die Urkraft der,Inbrunst und Ekstase ein. „Die goldene Kette“, dieses Drama einer chassidischen Familie, vom Dichter selbst als die Krönung seines Schaffens empfunden, berichtet in unvergleichlich poetischer Sprache, mit dialektischer Wucht von diesem Verblassen des göttlichen Funkens in den späteren Generationen. Rabbi Salomo, der Uralte, eine Art Überjude mit Überseele, besitzt die Glaubenskraffc, an einem Sabbath dem Gesetze zuwider zu handeln und die Verabschiedung des Sabbaths zu unterlassen. Er will mit aller Judenbeit fort aus der Werktagsnot, will ewigen Sabbath herbeiführen, will seinem Volke die „hündischeMetamorphose“, wie Heine das Zurückßinfeen des Prinzen in das Alltagsgrau bezeichnet, ersparen. Gelöst aus Pein werde die Welt! Nicht gerichtet, nicht gestraft werde fürderhin die Welt! Aber feige und schwach ist die Menge, sie wagt nicht, zur Glaubensstärke vorzudringen, sie jubelt Pinchas zu, Rabbi Salomos „schwarzem Sohne“, der die Ha/wdalah macht, statt und trotz seines Vaters, und die „Last“ des ewigen Feiertags von den kleinen vertrockneten Judenseelen, den „werktagtrocknen Herzen“ nimmt. Ein Zelot, ein Dogmatiker ist Rabbi Pinchas, im Gegensatz zu seinem gottsichereu Vater. Er verdammt unbarmherzig seine Enkelin Leah, weil sie dem Aufklärer Dr. Bergmann, einem kalten Rationalisten (einer typischen Haskalah-Figur) verfallen ist, der ihr den „Weg des Lichtes“ zeigen will. Welch dramatische Wucht in der Begegnung zwischen Rabbi Pinohas und Dr. Bergmann, zwischen Relegionsgesetz und materialistischer Weltanschauung: der Zaddik deutet es als Wunder, daß eino Feuerabronst, die in der Ortschaft ausgebrochen ist, zuerst das Haus dieses Abtrünnigen ergriffen hat. Worauf Dr. Bergmann kalt feststetlt: „Ich bin versichert...“ Auf Pinchas folgt sein Sohn Mosche. Zwar frohlockt der Gabbe, der treu bereits dem 'Urahn gedient, nun sei „die Kette, von Baal Sehern begonnen, gefestigt in Geschlechterfolge, durch heilige Urglaubenskraft, die goldene Kette“ weitergeführt durch den neuen Zaddik — aber Rabbi Mosche ist bereits ein Schwacher, ein von Zweifeln Angekränkelter: „Schwindle r!“ ruft ihm die innere Stimme zu. Als seine unglückliche Tochter, bitter ihre flucht aus der Geborgenheit ins eiskalte Licht bereuend, Hilfe von dem Vater begehrt, rafft dieser sieh zusammen, beschwört seine Ahnen, fordert Gott heraus — vergebens! „Faul!“ wagt ein armer Chassid über den Zusammengebrochenen zu urteilen. Ist nun die goldene Kette zerrissen? Nein, Die Makkabiade Bericht unseres Sonderberichterstatters Banskä Bystrica, 22. Februar. Ali Schapina stellt unzweifelhaft die größte Klasse unter den hier versammelten Schifahrern dar. Mittwoch Abfahrtssiiegor und Donnerstag Gewinner des S 1 a 1 o mrennens, dazu Sieger in der Kombination und Mitglied der 4Xmal-10-Kilometer- Staffel, das macht immerhin die ansehnliche Anzahl von 4 Goldmedaillen aus. Ali ist auch schon eine der populären Figuren von Banskä geworden und seine Autogramme steigen von Tag zu Tag im Wert. Im Slalom war er aber aiuch wirklich wunderbar gefahren. In beiden Läufen erzielte er die weitaus beste Zeit, zeigte schöne, weiche Schwünge, und wurde von den vielen Zuschauern, die in Taxis, Autobussen und Schlitten zur Rennstrecke geführt worden waren, stürmisch bejubelt. Der näohistplaoierte Österreicher war Medak, der Sechster geworden war; er lief wohl recht schön und sicher, ließ aber ein Tor aus und mußte zurück, um nicht disqualifiziert zu werden. Neuron, der am Vortag bei der Abfahrt so gut abgesclmitten hatte, enttäuschte und konnte sieh gerade noch als Siebzehnter placieren, was ihn leider auch seinen schönen Platz in der Kombination kostete, im Gegensatz zu Medak, der sich sogar auf den vierten Platz vorschieben konnte. Der beste Slalomfahrer der Tschechen ist der Silleiner W e i d e r, der im zweiten Lauf 1:01.2 gegen 58 Sekunden von Schapoira erreichte, dann folgt sein Landsmann Kraus als Dritter und Zweiter der Kombination. Aber die Daunen waren vielleicht noch tüchtiger! Die Schwierigkeit des Kurses stellte an die Teilnehmerin. die höchste Anforderungen, denen sich nur die Österreicherinnen durch ihr technisches Können gewachsen zeigen konnten. Trude Raubitschek kam wieder ganz wunderbar über die Strecke, und fuhr im zwoiten Lauf die Bestzeit der Damen heraus. Im ersten Lauf hatte sio das Pech, zwei Fahnen zu berühren, bekam sechs Sekunden als Strafe aufgepelzt und mußte den Gesamtsieg unserer M i m i Beck überlassen, die, obzwar sie wiederholt stürzte, in beiden Läufen gleichmäßig gute Zeiten erzielte. In der Kombination steht Raubitechek an erster, Beck am zweiter und die beste Tescheohoslowakin an dritter Stelle. Dio Eishockeyspieler, die infolge des Tnanvotiters arbeitslos geworden waren, beiteiiLigtcii sich fast vollzählig an den ltodol- . Mosches Sohn Jonathan, das „arme Unruhkind“ wird vom Volke zum Rabbi ausgerafen, und dieser, nur mehr ein dünnes, zerbrechliches Glied der Kette, beugt demütig resignierend den Kopf vor dem Volke... Dr. Alfred ferner. 1 konkimreazen und konnten sich in Anbetracht ihrer Ahnungslosigkeit ganz galt placieren. Im Single Landete Grünbaum auf dem vierten Platz und Gonidi Winter als Sechster. Im Zweier gab es sogar einen dritten Platz durch Grünbaum-Winter, und Resohofsky-Glamzc, die als Vierte eiinfuhren, kamen nur 50 Sekunden später. Am Langlauf_ beteiligten sich die Österreicher nicht. Erstens waren wir von vornherein so ziemlich chanoemlos, zweitens wollte man unsere Leute* die schon drei schwere Konkurrenzen in den Füßen hatten, nicht noch mehr ermüden. Der. Tscheche Kürti, der hier überlegen gewann, entschied das Rennen erst auf den letzten zwei Kilometern für sich, da hier der Favorit, der Pole Warenhaupt, einen toten Punkt hatte, im Nu seinen ganzen Zeit.vorsprung einbüßte und mit einer Minute Zeitdifferenz nur mehr Zweiter wurde. Bei den Damen fuhr Trude Raiubitschek mit und kam aiuf den vierten Platz. Fritz A. Präger. Die SprimglauSkonkurrenz Ans Banskä Bystrica* 23. d. M., wird uns gemeldet: Heute, am vorletzten Tag der Winter-Makkabiade, wurde der Sprunglauf ausgetragen, der jedoch wegen der sehr ungünstigen Sekneeverhältnisse nur von der Übtingsbrüeke absolviert wurde. Die ersten Plätze in dieser Konkurrenz besetzten Kürti (Tschechoslowakei.), Bognyansky (Tschechoslowakei), Tauber (Jugoslawien). Sieger in der Kombination ist Kürti (der gestern aaich im 18-Kilometer- Lauf den ersten Platz besetzte) mit 339.7 Punkten, Zweiter Tauber mit 329.7 Punkten, Dritter Bognyansky mit 293.2 Punkten. Am Montag wird die Winter- Makkabiade mit dem 30-Kilometer-Lang- 1 a u f beende t. * * * Alis Banskä Bystrica wird gemeldet: Am 19. Februar wurden im Rahmen der II. Makkabi-Wintenspiele in Banskä Bystrica Skiwettkämpfe und Rodolbewerbo ausgetragen. An don Sportkümpfen nehmen 450 jüdische Sportler, dio für die Wettspiele aus den Auösc heiduiigskämpfeil hervorgdngeu, teil. Außerdem hatten sich außerordentlich viele „Schlachtenbummler“ und interessierte Zuschauer oingefunden. Skl*Afefahs*t An dem Rennon der Herren beim Ski-Abfahrtslauf, das über eine 3.5 Kilometer lange Strecke bei eiuoni Höhenunterschied von 500 Metern führte, beteiligten sieh 70 Läufer. Die Ergebnisse waren: JÜDISCHER SPORT