Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 520 (4.2.1936)
- Date
- 1936-02-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2 Off ST1MMI Nr. 520 — 4. Februar 1930 Das vierte Hitler-Jahr Die ITA. meldet aus Berlin: Von autoritativer Seite wird erklärt, daß das eben begonnene vierte Hitler-Jahr von einschneidender Bedeutung für die Juden in Deutschland sein wird, da Hitler versprochen hat, das Parteiprogramm innerhalb von vier Jahren durchzuführen, was vor allem in der Judenpolitik sichtbar werden soll. Als nächste Maßnahme wird die totale Reinigung der deutschen Schulen von jüdischen Kindern bis spätestens März 1936 verkündet. Im Sommer 1936 wird das Gesetz betreffs Einschränkung der TätigkeitderJudenin der Wirtschaft erlassen werden. Die Nürnberger Gesetze im Saarland in Kraft Ab 29. Jänner, nach Ablauf der im römischen Abkommen festgesetzten einjährigen Schutzfrist für die saarländischen Juden, gelten auch im Saarland die Nürnberger Gesetze. Soweit noch jüdische Beamte oder öffentliche Angestellte tätig waren, mußten sie ihren Dienst quittieren, aus einer Reihe Berufen schieden die Juden aus, jüdische Familien mußten ihre unter 45, bezw. 35 Jahre alten weiblichen arischen Angestellten entlassen. Die wenigen im Saarland verbliebenen Juden, denen aus irgend einem Grunde die Auswanderung nicht möglich war, haben schwere Prüfungen zu überstehen. Es wurde für das Saarland ein Rassenamt eingesetzt, das unter der Kontrolle des rassenpolitischen Amtes der NSDAP, in Berlin arbeitet. Auch ausländische Juden rechtlos Aus Frankfurt a. M. meldet die JTA: Die ,Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht ein Urteil des Reichsgerichts, dem folgender Tatbestand zugrundeliegt. In einem im Oktober 1922 abgeschlossenen Beleihungsvertrag hatte sich eine Versicherungsgesellschaft verpflichtet, dem Vertragspartner 150.000 Reichsmark als erststellige Hypothek in Teilbeträgen „auf seine Grundstücke“ zur Verfügung zu stellen. Für noch ausstehende 60.000 Reichsmark wurde von der Versicherungsgesellschaft die Beleihung eines Berliner Grundstücks abgelehnt, das einem jüdischen Industriellen in Lemberg gehört. Auch die Beleihung des Berliner Grundstücks eines jüdischen Bankiers in Krakau lehnte sie ab. In beiden Fällen erfolgte die Ablehnung mit der Begründung, daß der Grundstückeigenttimer Ausländer und jüdischer Abstammung sei and die Beleihung den Beleihungsbedingungeu nicht entspreche. Eine Schadenersatzklage des Vertragspartners der Versicherungsgesellschaft wurde in sämtlichen Instanzen abgewiesen. Ausgebürgerte Juden bekommen keine Arbeit Aus Berlin meldet die JTA.: Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung versandte einen Runderlaß, der bekanntgibt, daß Personen, die auf Grund des Gesetzes über den Widerruf der Einbürgerungen und der Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit ausgebürgert worden sind, der Befreiungsschein zu versagen ist; nur Besitzer von Befreiungsscheinen haben in Deutschland das Recht, Arbeit anzunehmen, die im allgemeinen Ausländem versagt ist. In einer Verordnung des Reiohsarbeitsmiinisters vom 30. Jänner werden die Bestimmungen über das Verwundetenabzeichen in neuer Fassung bekanntgemaeht. Danach erhält einen Berechtigungsausweis für das Verwundetenabzeichen nicht, wer die deutsche Staatsangehörigkeit durch Aberkennung oder Widerruf der Einbürgerung verloren hat. Von diesen beiden Verordnungen sind die vielen Tausende in Deutschland lebender, aus dem Ausland stammender Juden betroffen, die in der Zeit von 1914 bis zur Machtübernahme durch Hitler Anfang 1938 das Bürgerrecht in einem deutschen Staat erlangt haben und die im Jahre 1938 samt und sonders ausgebürgert worden sind. Orbis-Reisen nach Polen. Wie wir erfahren, veranstaltet das Polnische Reisebureau Orbis, I., Kärntneretraße 41, im Jahre 1986 besonders billige Reisen nach Polen. Abfahrt Allfi 14 Xagel KONKURS Bei der ask. jüdischen Kulfctwgiwnetade in Beograd ist die Stell*' eines RELIGIONSLEHRERS FÜR DEN MITTELSCHULUNTERRICHT der gleichzeitig Rabbinerstellvertreter sein kann, vakant, und werden im Sinne der Gemeindestatuten und Vorschriften des Sfcaatsgesetzes über die Judengemeinscbaft in Jugoslawien, alle qualifizierten Interessenten, auf diesem Wege aufgefordert, ihre mit Dokumenten belegte Offerte bis zum 29. Februar 1936 dieser Gemeinde zu unterbreiten. Die Bewerber müssen 1. jugoslawische Staatsbürger sein, 2. eine rabbinische Hochschule absolviert und die rabbinischen Prüfungen mit Er folg absolviert haben, 3. eine philosophische Fakultät absolviert und an derselben das Doktorat erreicht haben, 4. nachweisbar pädagogische Fähigkeiten und Erfahrungen haben und mit der Jugenderziehung im positiv jüdi,sehen Sinne vollkommen vertraut sein, 5. die Landessprache in Wort und Schrift beherrschen, 6. die moderne, lebendige hebräische Sprache vollkommen beherrschen und überdies mit solchen Lehrmethoden vertraut sein, die ihnen eine erfolgreiche Tätigkeit in hebräischen Kursen ermöglicht. Zu allen diesen Bedingungen wird bemerkt: Beograd, 25. Dezember 1935. Der Schriftführer, Mitglied der Gemeinderepräsentanz, Schime Spitzer a) Sollte sich kein entsprechender oder überhaupt kein Bewerber jugoslawischer Staatsbürgerschaft melden, wird die Gemeindeverwaltung auch Anträge fremder Staatsbürger, zunächst solcher Bewerber, die Staatsbürger eines mit Jugoslawien befreundeten slawischen Staates sind, berücksichtigen, jedoch in einem solchen Fall mit allen von Staatsgesetzen vorgesohriebenen Vorbehalten b) Jeder Bewerber muß bereit sein, über Aufforderung der Gemeindeverwaltung und nach deren Ermessen sich der Gemeinde oder dem Gameindevoratand persönlich mit einem entsprechenden Vortrag vorzustellen. Den eingeladenen Bewerbern vergüte! dier Vorstand eine Fahrkarte 2. Klasse und für einen dreitägigen Aufenthalt in Beograd Dinar 600 Spesenbeitrag. c) Das Einkommen wird vertragsmäßig auf Grund des Gemeinde-Haushaltungs- Voranschlages reguliert. Der Präsident: Dr. Friedrich Pops Die Entwicklung des Zionismus in Deutschland Aus Berlin meldet die JTA.: Die Zionisti- 10.000 Mitliedern, die die ZVfD. Ende 1932 sehe Vereinigung für Deutschland legte I hatte, sind mehr als 7000 zur Alijah geganihrem XXV. Delegiertentag, der am 2. Fe-1 gen. Da auch zahlreiche Neuorganisierte bebruar in Berlin in Anwesenheit von etwa j breits ausgewandert sind, so wird die Zahl 300 Delegierten und zahlreichen Ersatzdelegierten eröffnet wurde, einen 250 Seiten starken Bericht vor, in dem sämtliche Arbeitsgebiete und Einrichtungen des Zionismus in Deutschland ln ihrer Entwicklung während der letzten drei Jahre und in ihrem gegenwärtigen Stand eingehend behandelt worden. Dem Bericht geht als Einleitung eine allgemeine Betrachtung des seit dem 1932 in Frankfurt abgehaltenen XXIV. Delegiertentag verstrichenen Zeitraums voraus. Die tiefgreifenden inneren und äußeren Veränderungen, die in dieser Zeit mit den Juden in Deutschland vor sich gegangen sind, werden hier zu einem Gesamtbild zusammengefaßt, das weit über den aktuellen Anlaß hinaus Anspruch darauf erhoben kann, in seiner Art als dokumentarische Bekundung von historischer Gültigkeit zu einem entscheidenden Abschnitt jüdischer Geschichte in Deutschland gewertet zu werden. Der Bericht stellt zunächst die Beziehungen der ZVfD. nach außen dar: zur zionistischen Bewegung außerhalb Deutschlands, zu den jüdisch-politischen Organisationen und zu den allgemeinen Institutionen der Judenheit in Deutschland (Reichsvertretung, Zentralausschuß usw.). Sodann wird der durch die 1933 entstandenen großen Aufgaben bedingte organisatorische Neuaufbau und Ausbau geschildert. Während früher die einzelnen Ortsgruppen unmittelbar der Zentrale in Berlin unterstellt waren, stützt sich diese Zentrale heute auf zwölf Grupp^nverbände. Die Zahl der Ortsgruppen und Arbeitsgemeinschaften hat sich um mehr als das Zweieinhalbfache, auf 135 Ortsgruppen, 75 Arbeitsgemeinschaften und 100 Stützpunkte, vermehrt. Die Zahl derjenigen Mitglieder, die allen Beitragsverpflichtungen regelmäßig nachgekommen sind, betrug am 31, Dezember 1935 etwa 22.500, Von den der Menschen, die sich der ZVfD. neu angeschlossen haben, auf mindestens 25.000 geschätzt. Dazu kommen die ebenfalls nach Zehntausenden zählenden neuen Mitglieder des Makkabi, des Hechaluz, der WIZO und der Jugendhünde sowie deren Olim. Da allein für das Jahr 5695 57.202 Schekelzahler erfaßt wurden und im allgemeinen nur ein Scheckei je Familie gezahlt wurde, kommt der Bericht zu dem Schluß, daß etwa ein Drittel des gesamten Judentums ln Deutschland in die Schekel-Aktion einbezogen worden ist. Die Eingänge des Keren Hajessod waren 1985 um 110 Prozent höher als 1932. Die Zahl der nichtzionistischen Zeichner war 1935 gegenüber dem Jahr 1932 um 341 Prozent gestiegen. Der Keren Kajemeth hat in den ersten vier Monaten des Jahres 5696 bereits höhere Einnahmen erzielt als im ganzen Jahr 5694, dossen Einnahmen wieder um 100 Prozent höher waren als die des vorangegangenen Jahres. Vom Deutschen Makkabikrois wird mitgeteilt, daß er bereits im Oktober 1933 von 3000 Mitgliedern zu Anfang des Jahros, die in siebzehn Vereinen zusammongefaßt waren, auf 10.000 Mitglieder angewachsen war. Auf reiches statistisches Material stützt sich der Bericht des deutschen Hechaluz. Von 500 Mitgliedern in 6 Gruppen im April 1933 ist er auf rund 15.000 Mitglieder in 138 Gruppen im Dezember 1985 angewachsen. Außerdem Ablehnung der Jadentaufen Wie an anderer Stelle mitgeteilt, hat der gewesene Unterrichtsminister Dr. Czer* mak am 29. Jänner in einer Versammlung des katholischen .Soldatenbundes über die Judenfrage gesprochen. Er gab in seiner Rede den Inhalt eines Briefes wieder, deu er vor kurzem von einem jüdischen Schriftsteller erhalten hat und in dem die Taufe aller Judenkinder als einzig mögliche Beendigung des Kampfes gegen das Judentum bezeichnet wird. Doktor Czermak nahm dagegen Stellung und sagte unter anderem: Ein Mensch, der glaubt, die Taufe sei nur eine „widerliche Prozedur, der man sich unterziehen müsse, um den Haß loszuwerden“, wagt es, mich um meine Zustimmung zu befragen. Ich antworte: „Ich bedauere aufs tiefste, daß in gewissen jüdischen Kreisen die seelische Depression einen solchen Grad erreicht hat, daß die Taufe als Rettungsmittel aus der gegenwärtigen Situation angesehen wird. Ich bekämpfe diese Bestrebungen, soweit meine Kräfte reichen, weil ich überzeugt bin, daß damit weder dem Judentum noch etwa gar unserer christlichen Sache irgendwie gedient sein könnte. Das beweist die Weltgeschichte.“ Der Redner teilte mit, daß er von deraselben Juden noch einen zweiten Brief erhalten habe, in dem d i e jüdische Religion als Unsinn bezeichnet wird. Dr. Czermak bemerkte hiezu: „Der Mann glaubt offenbar, in christlichen Kreisen einen Widerhall zu finden, er glaubt offenbar, daß unsere Einstellung zum Glauben, zur Religion überhaupt, nur eine reine Fassadenangelegenheit ist. Hier Btehen wir tatsächlich vor einem der bedeutsamsten Punkte des Judenprohlems. Es war in der Vergangenheit da und dort die Meinung auch in christlichen Kreisen verbreitet, daß man dos Christentum recht bequem praktizieren und auch sehr bequem erwerben könne. Es kommt auch heute noch vor, daß einzelne die Meinung äußern, es wäre am besten, die Juden zu taufen. Sooft in der Weltgeschichte aber die Schein- und Zwangstaufe praktiziert wurde, hat sich das immer bitter gerächt. Die zum Schein oder unter Zwang,Getauften sind auf Generationen hinaus niemals ganz aufrichtige Christen geworden. Ich bekenne mich als ausgesprochener Gegner der Taufe ls Vorbeugungsmittel gegen den Judenhaß, als ausgesprochener Gegner der Scheintaufe zur Beseitigung des Judenproblems. Ich glaube, damit auch im Sinne der anständigen Judenschaft zu sprechen. Im übrigen haben unser Bundeskanzler und die heru- 'enen Führer wiederholt sehr klar und deutlich sich geäußert, daß Österreich nicht die Absicht hat, die nationalen und religiösen Minderheiten zu mißhandeln und zu knechten“ * Wie erfahron hiezu, daß der Briefschreiber ein Herr Blum ist, der in der Schweiz lebt. Es ist erfreulich, daß er eine so scharfe und unzweideutige Zurückweisung erfahren hat. HEBRÄISCHER LEHRER(IN) wir! in ein besseres Haus gesucht. Perfekte Hebräerfinrien) geben Offert mit Gellaltsanspruch an Adr. R. Sternfeld Koprivnica Jugoslavien. 27 Hachschara-Kibuzzim Chaluz. Für die Chaluzim Die Chaluz gruppe des Zionistischen Landesverbandes hat 250 junge Menschen, von denen viele arbeitslos sind. Es ist Ehrenpflicht jedes Zionisten dem Chaluzim Arbeit zu verschaffen und ihnen gebrauchte Kleider und Wäsche zukommen zu lassen. Telephobestehen hTDeutschlandWsche Auskünfte: Zionistischer Landesver- und 26 Bäte i band, Wien, /., Marc-Aurel-Straße 5, \phonU 22-2-11. Teletiwziyw y&dckty De. ü^W—j Dienstag, den 11. Februar, 1A9 Uhr abds. Im Cr. Musikvereinssaal I