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Die Stimme · 1936-02-04 · Heft 520 (4.2.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 520 (4.2.1936)
Date
1936-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Freit «Meter Nummer 30 g jo^KasUin Sfutiäti om H.T-e&MCic im QcofeHHlusikueceiMsaat m 3 PURIMREISEN NACH JÜDISCHE ZEITUNG mit den vorzüglichen Schiffen des Lloyd Trlestlno in der Zeit vom 19. Februar bis 26. März. — Besonders ermäßigte Preise auf Hin- und Rückfahrkarten 50%.in der I. und II. Klasse 30% ..... in der Touristenklasse Auskünfte: Generalagentur, Wien, I., Kärntnerring 6 und alle Reisebüros Nr. 520 | Wien, 4* Februar 1936 | Redaktion und Administration; Wien, i, Mare-Aurel-StraBe 5. Tel.: U 22-3-91 RedaktioneeehiuB Montag und Mittwoch vorm. | (II. Schwat S696) | 9« Jahrgang Die antijüdische Internationale Die Samuel-Aktion beginnt allmählich feste Formen anzunehmen. Es ist aus den verschiedenen Erklärungen zu entnehmen; daß etwa 25.000 Juden jährlich aus Deutschland nach anderen Ländern überführt werden sollen, wobei Palästina al Haupteinwanderungsland in Frage kommt. Der notwendige Betrag ,wird mit drei Millionen Pfund angenommen, von denen eine Million in Eng- Jang aufgebracht werden soll. Von vier eng lischen Juden sind 200.000 Pfund bereits gezeichnet. Ein größeres Kontingent soll von den Juden Deutschlands selbst gestellt werden. Die Initiatoren erklären, daß die Aktion nichts mit dem deutschen Warenexport zu tun hat, und äußern sich sonst sehr optimistisch über die Aussichten des Planes. Man darf sich aber nicht verhehlen, daß die Schwierigkeiten außerordentlich groß1'sind. Das Mißbehagen der Staaten, die als Einwanderungsländer gelten, äußert sich sehr deutlich. Wir haben mitgeteilt, daß der rumänische Außenminister T i t u I e s c u, einer der einflußreichsten Männer Europas, aufmerksam gemacht hat, sein Land könne auch nicht einen einzigen Fremden aufnehmen. Er soll diese Erklärung im Hinblick auf die mit deutschem Geld in Rumänien betriebene Agitation abgegeben haben, was also bedeuten würde, daß selbst er vor C u z a und G o g a kapitulieren muß. Hilfsbereitschaft, Asylgewährung usw. sind eben genau so Politika geworden wie etwa Holzurtd Butterexport. Die Frage der jüdischen Flüchtlinge ist eine politische Frage, und James Mac- Donald hat in seinem bekannten Brief ausgefüihrt, daß philanthropische Mittel nicht ausreichen. Es wurde auch zu Beginn der Samuel-Aktion autoritativ betont, daß Englands politische Hilfe gesichert sei. Da Herbert Samuel kaum ohne Zustimmung der Regierung seine Reise nach USA. abgetreten hätte, würde sich diese Nachricht bestätigen. Aber damit wirft sich sofort die Frage auf, was unter politischer Hilfe zu verstehen wäre. Der Unbefangene würde annehmen, daß diese Hilfe mit der in Palästina angebahnten politischen Lösung in Verbindung gebracht wird, daß also England als M a n d a t s r e g i e r u n g für eine Unterbringung der aus Deutschland Abwandernden in Palästina sich einsetzen müßte. Da eben jetzt dem amerikanischen Kongreß der Antrag vorliegt, den Quotenschlüssel zugunsten jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland außer Kraft zu setzen, würde in diesem Zusammenhang eine fühlbare Erleichterung der Situation eintreten. Aber England hat ein gutes Herz für andere Staaten. Was in seinem Machtbereich liegt, das ist eine andere Sache. England hat den Arabern erklärt, daß eine Einstellung der jüdischen Einwanderung nicht in Frage kommt. Aber die Maßregeln, dio es trifft, zeigen den Widerspruch zwischen Versprechen und Tat. Durch den Plan eines Gesetzgebenden Rates ist das jüdische Recht an sich negiert, und versucht worden, die Juden auf dem Niveau einer Minderheit festzuhalten. Dann sind Beschränkungen für Kapitalisten und Touristen verfügt, und dra- Council-Plan zurttckgestellf Aus Jerusalem meldet die Jüdische Telegraphenagentur: Unter Berufung auf eine gut unterrichtete Quelle teilt die Tageszeitung „Doar Hajom“ mit, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauchope dem Colonial Office alle ihm von jüdischer und arabischer Seite überreichten Denkschriften zur Frage des Legislative Council übersandt habe. Es werde erwartet, daß gemäß den Vorschlägen des High Commissioner das Ministerium für die Kolonien alle Denkschriften gemeinsam beantworten und auf die besonderen Punkte jeder einzelnen nur ganz kurz zurückkommen werde. Gleichzeitig berichtet „Doar Hajom“, es sei beschlossen worden, die ganze Angelegenheit des Legis 1 ative Council bis nach dem XX. Zionistenkongreß zurückzustellen. * Die Meldung des „Doar Hajom“ über die Verschiebung des Council-Planes für Palästina kann als Bestätigung der arabischen Meldungen angesehen werden, die vor kurzem veröffentlicht worden sind. Von englischer Seite liegt wohl noch keine Äußerung vor, die Vertagung ist aber doch glaubhaft. Die Beschlüsse, die in allen Ländern von der Erregung des gesamten jüdischen Volkes Zeugnis ablegten, haben also doch die Wirkung gehabt, daß die Londoner Zentralregierung sich zu einer Überprüfung des Problems entschloß. Das würde bezeugen, daß die Regierung auch einsieht, daß vorschnell gearbeitet worden ist und daß die Angelegenheit ohne die für solche Fragen notwendige sorgfältige politische Vorbereitung nicht ins Werk gesetzt werden kann. Man darf auch annehmen, daß die fremdenfeindliche Agitation unter den syrischen Mohammedanern, die rings um Palästina fruchtbaren Boden gefunden hat, in London Bedenken erregt. Als günstiges Zeichen wäre zu werten, daß die endgültige Entscheidung des Kolonienministeriums auf die Zeit nach dem nächsten Zionistenkongreß vertagt wird. Das ist eine volle und erfreuliche Anerkennung des Sinnes des Mandats und bedeutet die Feststellung, daß der Gedanke des jüdischen Nationalheims nicht durch die mißbräuchliche Anwendung einer mechanistischen Demokrat i e beeinträchtigt werden darf. Jüdische Delegation beim Kolonienminister Thomas Aus London meldet die JTA.: Freitag mittags empfing der Minister für die Kolonien, Thomas, eine Abordnung von Bevollmächtigten der großen jüdischen Verbände Englands, die ihm die von der Konferenz der englisch-jüdischen Verbände am 19. Jänner angenommene Resolution gegen den Legislative Council in Palästina überreichte. Die Delegation wurde von Lord M e 1c h e 11 geführt, der die Mitglieder derselben dem Kolonienminister vorstellte. Christliche Araber für Council Entsprechend ihrem seinerzeit gefaßten Beschluß haben die christlichen Araber Palästinas dem High Commissioner ein Memorandum überreicht, in dem sie sich bereit erklärten, sich an dem geplanten Legislative Coun- Billige Reisen nach POLEN u. CZERNOWITZ Abfahrten: 12., 19. Februar 1936 Rückfahrten: 5. März 1936 mit D-Zug in geheizten Pullmannwagen unter bewährter Führung Poln. Verkehrs - Büro „Francopol“ III., Rennweg I, Tel. U 16-4-90 eil zu beteiligen. Sie fordern vier Sitze im Council, drei davon für gewählte Mitglieder, einen für ein zu. ernennendes Mitglied. Wauchope an die Araber Aus Jerusalem meldet die JTA.: Das Mufti-Organ „El Liwaa“ teilt die folgende Episode mit, die sich während des letzten Empfangs der arabischen Führer durch den High Commissioner Sir Arthur Wauchope abgespielt hat: Als der High Commissioner den Arabern die Antwort des Kolonienministers Thomas auf das arabische Memorandum überreicht hatte, klagten die arabischen Führer, daß die Regierung so wenig auf die Forderungen der Araber eingegangen ist. Sir Arthur Wauchope erwiderte: (Es tut mir leid, aber das ist alles, was ich nach ungeheuren Anstrengungen beim Colonial Office erreichen konnte.“ 200.000 Pfund für die Samuel-Aktion gezeichnet Aus N e w Y o r k meldet ITA.: Auf einem Empfang, den das American Jewish Joint Distribution Committee zu Ehren der Mitglieder der Samuel-Delegation im Temple Emanuel zu New York gab, teilte der Vizepräsident des Joint Distribution Committee, James Roeenberg, mit, daß auf Konto der Million Pfund, die England als Teil der drei Millionen-Pfund-Quote aufzubringen hat, vier englische Juden bereits 200.000 Pfund gezeichnet haben; unter diesen vier englischen Juden befinden eich die beiden anwesenden Delegierten Viscount Bearsted und Simon Marks. Der frühere Hochkommissar James G. MacDonald sagte, daß sich Simon Marks ihm gegenüber bereits früher verpflichtet hatte, 100.000 Pfund für einen Rettungisfonds zugunsten der deutschen Juden zu geben. Sir Herbert Samuel erklärte, er wolle jeden Argwohn zerstreuen, als ob seine Mis-1 sion etwas m i t d e u t s c h e n E x p o r t e n zu tun habe, Er sagte wörtlich: „Ich bin nicht willens, als Handelsreisender, für deut-. sehe Erzeugnisse zu. fungieren!“ Viscount Bea.rsted sagte, eine Massenauswanderung sei gegenwärtig undurchführbar, aber ein Programm der Herausnahme von etwa 25.000 Juden jährlich im Verlauf einer Reihe von Jahren sei durchaus zu verwirklichen. Simon Marks erklärte, er erwarte, daß dreißig amerikanische'Juden den gleichen Betrag wie Viscount Bearsted zeichnen. Juden ln der palästinensischen Polizei Jerusalem, 2. Februar. (2. T. A.) Unter 22 Polizisten, die soeben an dem Jerusalemer Polizei-College graduiert wurden, waren 16 Juden. konische Bestimmungen für die sogenannten Illegalen erlassen worden, für die ein Ausnahmsgesetz gilt. Daß es im jüdischen Nationalheim überhaupt keine illegale jüdische Einwanderung geben kann, versteht sich von selbst. Aber die Illegalen werden von arabischen Scouts gejagt, verschiedenen Nachrichten zufolgo von Polizisten geprügelt, und kürzlich soll ein solcher Unglücklicher in den Kasematten von Akko an Mißhandlungen gestorben sein. Und nun erfährt man, daß die Mandatsregiernug ein Gesetz erlassen hat, das die Bodentransaktionen für arabischo Besitzer e i nechränkt. Bodenverkauf soll nur dann genehmigt werden, wenn der Verkäufer ein zu seiner Existenz erforderliches Minimum i an Boden zurückbehält. Das ist das G eschenk an die Araber, um ihre Zustimmung zum Parlamentsersatz zu gewinnen. Das ist freilich ein untaugliches Mittel, da seit dem Zusammenschluß der islamischen Staaten und den Vorgängen in Ägypten die arabische Begehrlichkeit angewachsen ist und unter der Führung deutscher Agenten in Syrien und in Palästina gegen das Mandat selbst zu revoltieren beginnt. Es ist allerdings diesen Tendenzen kein günstiges Prognostikum zu stellen, aber das ewige Zurückweichen Englands, das immer auf die jüdische Position geschieht, ist nicht darauf angetan, den Arabern zu imponieren. Aber in den jüdischen Kreisen haben diese Maßnahmen Waucbopes den schärfsten Widerstand entfacht und einer — noch unbestätigten — Meldung zufolge, hat sogar Professor W e i z m a n n dem Oberkommissär die Anrufung des Haager Gerichtshofes angekündigt. * Was England tut, ist praktisch eine Unterstützung des Weltantisemitismus. Die antijüdische Internationale, die einzige, die es-gibt, verträgt nicht den Gedanken, daß sich das jüdische Volk in eine bessere Zukunft rettet, daß es einen Staat bildet und auf seinem eigenen Boden wiederfindet. In einem Land wird mit Pogrom, im anderen mit 1 e g a 1 e n Mitteln gekämpft. England, dem die wichtigste und letzte Hoffnung des Judentums anvertraut ist, hat das Mandat. Aber die Stimmung und das Empfinden des jüdischen Volkes ist doch eine Angelegenheit, die auch das mächtige England nicht unterschätzen darf. Eines Tages wird der Nationalsozialismus ausgespielt haben, und wir werden uns dann an die diversen Amaleks erinnern, die uns auf der Wanderung augefallen haben.

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