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Die Stimme · 1935-12-20 · Heft 509 (20.12.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 509 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1Mb dieser Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG NACH mit den großen, vorzüglichen Salonschiffen »GALILEA«, »GERUSALEMME* UND »PALESTINA* der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA—HAIFA Abfahrten jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag — Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier vorzüglichen Mahlzeiten täglich bloB zirka ö. S 250*-. Zertifikat-Inhaber genießen weitestgehende Ermäßigungen. Auskünfte: Generalagentur, I., Kärntnerring6 und alle Reisebüros LLOYD TRIESTIHO FLOTTE R1UNITE LLOYÖ TOtESTIHO-VlARlTnMMTAUAH A-S1TMA9. Radaktton und Administration i Wlsn, 4 Mara-Aural*ttra8a 5. Tal.r U 22-M1 RadaktlontaahluB Montag und Mtttsroeh vorm. I (24* Kislew 5694) | 9« 'Jahrgang Budgetrede Dr. Ehrllchs In der Wiener Bürgerschaft Der Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, befaßte sich in seiner in der Wiener Bürgerschaft gehaltenen Budgetrede ausführlich mit der Personalpolitik der städtischen Verwaltung. Er habe sich nur solcher Angestellter angenommen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen und aus den städtischen Diensten nur deshalb ausscheiden mußten, weil sie der Gemeinschaft angehören, für deren Vertretung der Redner vom Bürgermeister berufen sei. Es seien für ihn zwei. Gesichtspunkte maßgebend gewesen: soziale Rücksichten, weil es sich meist um sehr arme Menschen handelt, vor allem aber g r u n d s ä t z 1 i che Erwäg u ng en, weil derartige Kündigungen bei allen Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft das bedrückende Gefühl heryorrufen, daß an dieser ein Akt der Zurücksetzung begangen wurde, der sich mit den Grundsätzen der Verfassung nicht in Übereinstimmung bringen läßt. Der Bürgermeister habe die Weisung gegeben, daß jene gekündigten jüdischen Angestellten, die während des Krieges Frontdienste geleistet haben, wieder zurückgenommen werden. Diese Weisung, die natürlich gerechtfertigt war, berühre nur eine Seite des Problems. Redner habe bei vielen Heldengedenkfeiern aus dem Munde alter Generäle dem Gedanken Ausdruck geben gehört, daß die feindlichen Geschosse auf Abstammung und Glaubensbekenntnis keine Rücksicht genommen und daß die Söhne aller Bekenntnisse ihre Pflicht getan haben. Man ehre sie auch heute in der ganzen Welt, abgesehen bloß von einem Lande, in dem die Namen von 12.000 Gefallenen von den Gedenktafeln gelöscht wurden und die nunmehr gewissermaßen ein zweitesmal hinabgesunken sind, diesmal allerdings nicht als Zeugen der Treue und Vaterlandsliebe ihres Volkes, sondern als Zeugen einer traurigen Verirrung des menschlichen Geistes und menschlichen Herzens. In unserem Staate ehre man aber alle Gefallenen und dies müsse man auch dadurch tun, daß man an die Lebenden nicht vergißt, die an der Seite der Gefallenen gekämpft haben und die eine gütige Vorsehung wieder in die Heimat zurückgeführt hat. Redner erinnert an die erwähnte Weisung des Bürgermeisters und an seine Verhandlungen, die er in der Angelegenheit der jüdischen Angestellten mit den maßgebenden Personen geführt hat, und ersucht um Durchführung der in Aussicht genommenen Maßnahmen. Er besprach sodann die Lage der jüdischen Ärzte im Lainzer Spital und in der Heilanstalt „Am Steinhof“. In einem Gemeinwesen, das nach den Grundsätzen des christ- G u t e, billige und moderne Bücher bei SZELINSKI & Co., Buchhanidiung, Schottengaeae 0. Täglicher Provinzversand. liehen Ständestaates aufgebaut sei, das eine Verfassung besitzt, die allen Bürgern das gleiche Recht gewährleistet, eine Verfassung, der die monumentalen Worte vorausgehen: „Im Namen Gottes des Allmächtigen, von dem alles Recht ausgeht!“ könnten derartige Fragen leicht nach gerechten Grundsätzen gelöst werden. Der Appetit gewisser Kreise wird nicht dadurch gestillt werden, daß man ihnen einige armselige jüdische Existenzen hinwirft. Es müsse festgestellt werden, daß sich unter den 22.472 aktiv Angestellten und 12.637 Pensionsparteien der Stadt Wien nur 154 Juden befinden, das sei also weniger als ein halbes Prozent. Unter den 5274 städtischen Lehrern seien bloß acht Juden. Diese Ziffern müßten im Kreise der Bürgerschaft eine beredte Sprache. führen und die Forderungen ßes Redners als billig erscheinen lassen. Die Personalpolitilfe der StadtgemeinÖe habe sich insoweit geändert, als man pensionsreife Kräfte abgebaut und für junge Menschen Raum geschaffen habe. Redner bitte, daß ein Teil dieses Segens auch jungen jüdischen Menschen zugute kommen möge. Er kam auf die Investitionstätigkeit der Stadtgemeinde zu sprechen, welche ein erfreuliches Kapitel darstelle. Auch im heurigen Jahre werden große Summen der notleidenden Wirtschaft zufließen. Die Stadt Wien sei der größte Auftraggeber und die Existenz großer Gruppen von Gewerbetreibenden hänge von der Art der Verteilung der Aufträge ab. Es könne nur ein solcher Gewerbetreibender einen Auftrag bekommen, der Mitglied des Gewerbebundes sei. Man spreche oft davon, daß nur anständige Gewerbetreibende dort Aufnahme finden könnten. Gegen diesen Grundsatz sei wohl nichts einzuwenden, es komme aber darauf an, auf Grund welcher Merkmale die Gewerbetreibenden in die Kategorie der Anständigen oder Unanständigen eingeteilt werden. Redner sei daher überrascht von der Rede. eines hohen Gemeindefunktionärs, über welche die „österreichische Gewerbezeitung“ jüngst berichtet habe. Wenn darin gesagt wurde, daß der Gewerbebund keine oder wenig Juden aufnimmt, und dies auch damit begründet worden sei, daß „gewisse Namen“ in den alten Zunftbüchern nicht zu finden sind, könne jeder Kenner der Geschichte Wiens erklären, warum dort gewisse Namen nicht Vorkommen. Aber die Geschichte des österreichischen Gewerbes und Handels höre bei den alten Zunftbüchern nicht auf, Gewerbe, Handel und Industrie hätten vielmehr erst einen ungeahnten Aufschwung zu einer Zeit genommen, als die alten Zunftbücher schon der Geschichte angehört haben. Unter den großen Erfolgen der Wiener Bevölkerung auf dem Gebiete der gewerblichen und indu- BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL SERIE I) 42-5-40 strlellen Betätigung, des völkerverbindenden Handels, des Ausbaus des Exports der österreichischen Vorkriegszeit, gebühre ein bedeutender Anteil dem Fleiß, der Schaffensfreude, der Tüchtigkeit und ständischen Ehrenhaftigkeit des jüdischen Kaufmanns, Gewerbetreibenden und Industriellen. Eine gerechte Lösung der vom Redner berührten Fragen sei nur in einer Atmosphäre des Friedens und der allgemeinen Beruhigung möglich. Heute sei eine große Machtfülle in die Hände der Mehrheit gelegt und diese verpflichte sie auch der Minderheit gegenüber. Man habe erst jüngst aus dem Munde eines berufenen Führers gehört, daß in Österreich nur eine Politik gemacht werden dürfe. Er hoffe, daß dies jene Politik sein wird, der es nach den bekannten Aussprüchen des Bundeskanzlers und Bürgermeisters -fernliegt, die Rechte und Lebensnotwendigkeiten der Minderheiten zu verletzen. Redhör schloß seine Rede, die von der ganzen Bürgerschaft mit großer Aufmerksamkeit angehört wurde uiid zum Schluß den Beifall eines großen Teiles des Hauses fand, mit den Worten: Er sei überzeugt, daß diese Politik allen Bewohnern der Stadt Wien Gerechtigkeit und Frieden bringen werde, den wir zum Aufbau unseres schwergeprüften Landes dringend benötigen. Die Antwort des Bürgermeisters auf die Rede Dr. Ehrlichs ist aus den Tageszeitungen bekannt. Er verwies auf die große Anzahl der jüdischen Ärzte in den städtischen Diensten, unterließ aber, darauf zurückzukommen, daß in den sonstigen Zweigen der städtischen Verwaltung die Juden so gut wie ausgeschlossen sind. Verlegung der Leipziger Pelz• messe nach Genf Genf, 17. Dezember. (2. T. A.) Wie die Genfersozial iß tische Tageszeitung „Le Travail“ erfährt, beschäftigen sieh augenblicklich drei verschiedene Interessengruppen von Pelzhändlern mit der Frage einer eventuellen Etablierung der früheren Leipziger Pelz messe in Genf. Das Blatt begrüßt diese Bemühungen auf das wärmste und weist auf die Vorteile hin, die der Stadt Genf dadurch erwachsen würden. Für wenig Geld das gute Buch WMIlllAü Buchhandlung ■ PlUliery Vll.'Slebenaterngasse 13 Unser Sehlagar: 5 Romane guter Autoren nach Wahl (liste gratis) In Kassette zusammen 8 8-50! Q«*oBas I « 9 >* «*«chrlItenlager I Licht, Land, Freiheit! Menorah aus der Synagoge zu Pogrebyszcze Das neue, junge Judentum hat diesem Chanukka;h-Fest wieder zu seiner Bedeutung verholfen. Es hat die Lichter wieder vor das Volk gestellt und ihren Sinn neu gestaltet. Das Lieht ist das Bekenntnis zum Volk. Das Licht ist vor mehr als zwei Jahrtausenden entzündet worden, als die jüdische Jugend die Hauptstadt zurüokerobert und den entweihten Tempel wieder gereinigt hatte. Die fromme Legende berichtet von dem Wunder des Öls. Aber es war ein größeres Wunder, wie dieses ruhige, arbeitende Volk von Bauern und Fischern sich erhoben hatte. Und es ist wieder ein Wunder, wie dieses über die ganze Erde zerstreute, in der Schande der Assimilation sich selbst entfremdete Volk wieder zu sich selbst zurückgefunden und mit neuem Mut au die Aufrichtung einer neuen Heimat gegangen ist. In dieser dunklen Nacht der neuen Wanderung, in die der Schein des Lichtes fällt, hat wenigstens ein Teil der Flüchtenden ein festes Ziel, das neue jüdische Land, Der Zionismus hat dem jüdischen Volk wieder einen Halt gegeben, er verbindet es durch die Brücke des nationalen Programms mit seiner Geschichte, mit dem Boden der Väter, im Geist der Makkabäer, von denen dieses Licht stammt. Dieses Licht überbrüokt Jahrtausende und schafft TANZINSTITUT RABENSTEINER Tanxkurs für Anfänger Beginn 14. Jänner 1936, 7 Uhr abends (sämtl. alte und moderne T8nze) Kursdauer 3 Monate, 2mal wöchentlich, Dienstag und Donnerstag, je 2 Stunden Honorar f. Kursdauer S12.-, Einschreibgeb. S 2.- Studenten und Studentinnen Ermäfiigung Den geehrten Vereinen und Geeelleohaften stehen unter obiger Adresse für Nachmittags- und Abendveranstaltungen schöne geräumige Säle (Fassungsraum 850 Personen) gegen mäßiges Entgelt, mit oder ohne Musikbeigabe, zur Verfügung I., Parkring 16 (Eingang Hegelg. 3) Telephon R 21-8-29 Tanzkurs für- Fortgeschrittene Kursbeginn Freitag, 17. Jänner 1936 Kursdauer 3 Monate (u. a. Englischer Turnierstil) Honorar f. Kursdauer S 6.-, Einschreibgeb. S 2.«

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