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Die Stimme · 1935-10-18 · Heft 491 (18.10.1935) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 491 (18.10.1935)
Date
1935-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 0 Dil STIMMI Nr. 491 — 18. Oktober 1935 Die Juden in Belgien Von Ntim* Te*0zyn«r Die Bundeslade der Abessinier Die Eroberung von A k s u m durch die Italiener bedeutet für Italien einen bedeutenden, vor allem psychologischen Erfolg. Für die Abessinier ist Aksum dasselbe, was Rom für die katholische Christenheit und Mekka für die Mohammedaner ist. Es ist die „Heilige Mutter der Städt e“, nach der Jahr für Jahr Tausende und Abertausende von Anhängern der koptischen Kirche wallfahrten. Wie die „Stimme“ bereits berichtet hat, befindet sich in Aksum nach den Behauptungen der Abessinier die echte Bundeslade aus dem salomonischen Tempel. „United Press“ berichtet: Noch heute strömen alljährlich im Dezember Tausende von abessinischen Pilgern nach der Heiligen Stadt, um anwesend zu sein, wenn die Bundeslade in einer Prozession umhergetrag e n wird. Die Lade ist bei dieser Gelegenheit mit einer reichbestickten Decke verhüllt, so daß niemand ihr wahres Aussehen erkennen kann. Hohe Geistliche und vornehme Persönlichkeiten aus allen Teilen Abessiniens, die sich sämtlich der direkten Abkunft von hebräischen Hohepriestern und Hütern des salomonischen Tempels rühmen, umgeben sie während der Prozession. Die Priester schreiten unter feierlichem Gesang in religiösem Tanz, der die Erinnerung an den Tanz König Davids um die Bundeslade wachrufen soll, vor dem Heiligtum. Die Prozession bewegt sich durch die sich drängenden Massen der Gläubigen, unter denen sich auch Aussätzige befinden, die zu Gott um eine Wunderheilung beten. Der Zug geht vorüber an den in der Nähe der Kirche stehenden Obelisken, die die Beziehungen der alten Kultur Aksums mit der ägyptischen beweisen, vorbei an einem großen, steinernen Regenbecken und an den Überresten der Marmorthrone, von denen aus in der Blütezeit der aksumitischen Könige Gerechtigkeit gesprochen wurde. Beh konz. Realbüro lng.M,Mühlbauer Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau* und Zwlsdienkredife Gebäudeverwaltung ★ Büro: Franz-Josefs-Kal 11 lei. R-25-0-44 Wohnung : II.. Vorgarfenstr 150. Tel. R-41*8-88 Eine Erklärung des Tierschutz- Vereines zur Schächtfrage Der Wiener Tierschutz-Verein versendet die folgende Erklärung: Entgegen irriger Darstellung in einzelnen Zeitungen wird seitens der Tierschutzzentrale festgestellt, daß in ihren Vorschlägen, die sie auf Grund der Äußerungen der einzelnen, dem Verbände österreichischer Tiersphutz-Vereine angeschlossenen Tierschutzorganisationen an das Bundeskanzleramt erstattet hat, nicht ein Schächtverbot gefördert wurde. Es wurde lediglich die Forderung gestellt, daß Schlachttiere vor dem Schlachten in irgend einer Form zu b et ä u b e n sind, und diese Forderung wurde sowohl für den Bereich der jüdisch-rituellen Schlachtungen als auch für die sonstigen Schlachtungen (wie zum Beispiel für die Hausschlachtungen der Schweine usw.) in gleicher Weise erhoben. Es liegt daher keine wie immer geartete antisemitische Tendenz vor, vielmehr hofft die Tierschutzzentrale, daß gerade von jüdischer Seite Vorschläge unterbreitet werden, die ein Betäuben der Schlachttiere ermöglichen, ohne daß dadurch irgend welche religiöse oder rituelle Vorschriften verletzt werden. Der Forderung, daß Schlachttiere zuvor betäubt werden sollen, liegt lediglich eine humane Tierschutztendenz zugrunde, weshalb jedwede Verdächtigung anderer Tendenzen vollkommen ungerechtfertigt ist. Da Atteste von hervorragenden Rabbinern ohnehin vorliegen, wonach das Betäuben der zu schachtenden Tiere vor dem Schächtschnitt, wenn dadurch innere Organe nicht verletzt werden, den rituellen Schächtvorschriften nicht widerspricht, wäre es wünschenswert, wenn die Judenschaft keinen extremen ftandjamikt emxfowa Sagt man belgische Juden, so meint man Juden in Belgien. Es wird wenige Länder geben, in denen der Prozentsatz fremder Juden größer ist als hier. Ist doch Belgien die Brücke, über die so viele Judenwanderungen gegangen sind. Schon im Altertum, im Mittelalter nach der Vertreibung aus Spanien, später bei den verschiedenen Regimewechseln auf belgischem Territorium. Die verschiedensten Gründe spielten mit, daß die Juden von Zeit zu Zeit wieder Belgien verlassen mußten, trotzdem sie in den verschiedenen Epochen eine bedeutende Rolle auf belgischem Boden gespielt haben. Der Geschichtsschreiber der Schicksale der Juden in Belgien ist noch nicht da und erst in der letzten Zeit versucht man, auf die Urgründe der hiesigen jüdischen Bevölkerung zu kommen und hat sehr interessante Feststellungen gemacht. Dokumente über Judenvertreibungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind vorhanden. Das Antwerpener Stadtarchiv enthält eine ganze Anzahl von Akten über Maranenfamilien, die im 15. und 16. Jahrhunderteine große Rolle gespielt haben. Die Entwicklung der Diamantindustrie in Belgien ist zum größten Teil auf jüdischen Einfluß im 16. Jahrhundert zurückzuführen. Selbst die Gründung der deutschen Diamantindustrie in Hanau geht darauf zurück, daß Antwerpener jüdische Diamantenhändler im 16. Jahrhundert in die Gegend von Hanau vertrieben wurden, wo sie ihr Gewerbe wieder aufnahmen. An der Gründung des belgischen Staates haben Juden werktätig mitgewirkt. Die belgische Verfassung verdankt ihren ersten Entwurf einem Juden. Der Bau der ersten Eisenbahn auf dem Kontinente (1835) zwischen Mecheln und Brüssel ist der Initiative der jüdischen Bankiers P e r e i r a und Hirsch zu verdanken. Den ersten Finanzschwierigkeiten des neuen belgischen Staates konnte nur mit Hilfe der jüdischen Banken begegnet werden, und in der späteren neuen Entwicklung des belgischen Gemeinwesens hatte eine ganze Anzahl führender Juden großen Einfluß ausgeübt. Aus den Feststellungen der Archivare geht hervor, daß eine ganz große Zahl der belgischen Adelsgeschlechter mit jüdischen Familien versippt war und neue Forschungen ergeben in dieser Richtung sehr interessante Resultate. Es wird angebracht sein zu vermerken, daß in den ersten Jahren der belgischen Unabhängigkeit der W i ener Jude Kuranda eine starke deutsche Propaganda in Belgien entwickelte und nur durch die deutschen Barone, die damals schon hier waren, verhindert wurde, eine führende Stelle einzunehmen. So hatte sich in der Hauptstadt des Landes, in Brüssel, langsam eine jüdische Geldaristokratie ausgebildet, von denen die Philipsons am bekanntesten wurden; Gelehrte, wie die Erreras, hatten einen Kreis um sich geschaffen; Judenstämmiinge, wie der sozialistische Delegierte Sommerhausen, ein Abkömmling eines der ersten Oberrabbiner Belgiens, spielen eine Rolle, während seit ungefähr 50 Jahren eine neue Welle der Einwanderung ein neues jüdisches Element ins Land brachte. Aus Polen, Rußland und Zentraleuropa blieben zum Teil Wanderer nach der Neuen Welt im gastlichen Belgien, wo sie Ruhe und Sicherheit fanden. Der Aufschwung der Diamantindustrie brachte es mit sich, daß aus dem Osten ein Zuzug stattfand, der am bedeutendsten knapp vor dem Kriege wurde. Da die Juwelenbranche im allgemeinen zum größten Teile in jüdischen Händen lag, konnte Antwerpen neben Amsterdam zum Zentraldiamantmarkte werden, wo fast ausschließlich jüdische Verkäufer jüdische Käufer bedienten. Während in Amsterdam auch Diamantarbeiter Juden waren und blieben, verschob sich in Antwerpen dieses Verhältnis nach dem Kriege stark. Die Anzahl der Diamantarbeiter wurde geringer, mehr und mehr gingen die Juden zum Handel über. Unterdessen hatte in anderen Teilen des Landes ein anderer Einwandererstrom Platz gefundeu, der ebenso aus dem Osten kam und sich verschiedensten Erwerbszweigen zuwandte. In Brüssel nahm durch jüdischen Einfluß in Zeiten der Prosperität die Maroquinerie starken Aufschwung. Aus den ungastlichen Ländern Zentraleuropas kamen Hunderte von jungen Menschen an die belgischen Hochschulen; die belgischen jüdischen Gemeinden, die keine Zwangsgemeinden sind, erstarkten, und zum Beginn der Wirtschaftskrise zählte Belgien fa^t 100.000 Juden, von denen die größte Zahl, zirka 45.000, in Antwerpen, und zirka 35.000 in Brüssel wohnten, während die anderen sich auf die übrigen Städte des Landes verteilten. Die Wirtschaftskrise hat speziell die Juden sehr stark angegriffen. Die Diamantindustrie war eines der ersten Opfer. Mit der Arbeitslosigkeit und dem. großen Vermögensverluste begann eine Abwanderung. Auch in Brüssel brach vieles zusammen und die Judenzahl in Belgien übersteigt heute sicher nicht 80.000 Menschen. Wir sind noch imiper keine ausgeglichene Gemeinschaft geworden, da Zu- und Abwanderung im jüdischen Leben in Belgien zu keinem Ruhepunkte kommen. Der Unterschied zwischen dem assimilierten Judentum in Brüssel und der ostjüdischen Masse, die die Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung bildet, ist ein großer. Während in den jüdischen Volksgassen in Antwerpen und Brüssel jüdische Aufschriften häufig sind und jüdisches Volksleben sehr intensiv ist, ist die Brücke zum assimilierten Judentum noch nicht geschlagen. Die offizielle Vertretung des Judentums ist nach französischem Muster das Konsistorium, das seinen Sitz in Brüssel hat und heute noch zum größten Teil von assimilierten Juden geleitet wird. Doch ist ihr Einfluß beträchtlich kleiner geworden, die Antwerpener Vertretung im Konsistorium ist stark geworden und hat eine bedeutende Änderung des Kurses bewirkt. In den Zeiten der Prosperität konnten die jüdischen Gemeinschaften viel Nützliches schaffen. Antwerpen, das in jüdischer Beziehung immer die Führung behielt, hat mustergültige Gemeinde- und Wohlfahrtseinrichtungen, deren Erhaltung in der schweren Krisenzeit eine große Sorge der Gemeindeleitung bildet. Der Zionismus ist in Antwerpen seit den ersten Zeiten seiner Entstehung zu Hause gewesen. Führende Männer wie Heinrich Grünau-Grtinzweig, Moritz Lewin, Dr. L. H e r t z und zuletzt Jean Fischer haben den belgischen Zionismus in der Welt bekannt gemacht. In Brüssel hat der zionistische Gedanke ebenfalls festen Fuß gefaßt und aus den Kreisen der uns früher ganz fernestehenden Brüsseler Juden hat in den letzten Jahren Professor Herbert Speyer unsere Arbeit wesentlich unterstützt. Auf der Brüsseler Weltausstellung konnten wir einen Palästina-Pavillon errichten, der dem zionistischen Gedanken Ehre macht. Dem verstorbenen König Albert konnten wir in Erez Israel zum Andenken einen Wald pflanzen und unsere Jugend ist eine große Stütze der Bewegung geworden in ihrer Bereitschaft, sich für unsere Aufbauarbeit einzusetzen. In der schweren Wirtsohaftserschütterung und in dem schlechten Beispiel, das uns von Deutschland kommt, hat der Antisemitismus in Belgien, besonders in dem flämischen Teil des Landes, stark zugenoinmen. Unter der Flagge der Fremdenfeindschaft wird die Judenfeindschaft fleißig gefördert. Was uns die Zukunft bringen wird, wissen wir nicht. Aber die bewußten Juden Belgiens wachen für die jüdischen Interessen und rechnen darauf, daß die starke freiheitliche Gesinnung der Majorität des belgischen Volkes das Verhältnis zur nichtjüdisohen Welt in Belgien nicht trüben wird. Was für alle Länder gilt, gilt auch für die Judenfrage in Belgien. Wir, die wir wissen, daß die zionistische Lösung die einzig richtige ist, kennen den Weg, der uns vorgezeichnet ist. Doch es gibt noch viele Juden in Belgien, die selbst aus den Ereignissen der letzten Jahre nichts gelernt haben, und es wird Aufgabe dieser Generation sein, das Judentum so zu führen, daß es seine Würde und seinen Stolz behält. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL ZENTRALE IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHONNUMMEiy. A 17-3-99 unrl A 16-9-24 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f. ntps-Flaisch untet Aufsicht des EhrwUrriigen Rabblnats der israelitischen Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX.,Berggasse 15, XVIII.,Währingerstraße 71 LORALCHROWIK Zionistische Sektion Landstraße. Mit der am 1. Oktober sUvttgefundenen Generalversammlung hat die Sektion ihr Arbeitsjahr begonnen. Der bisherige Obmann Dr. Leo Blum erstattete den Jahresbericht, aus dem insbesondere die interessante Tatsache hervorzuheben ist, daß im vergangenen Jahre nicht weniger als 14 Mitglieder der Sektion nach Palästina übersiedelt sind. Der scheidende Obmann verwies auf die zahlreichen Veranstaltungen, welche die Sektion im verflossenen Jahre abgehalten hat und brachte eine Zuschrift der Leitung des Keren Kajemeth zur Verlesung, aus der sich ergab, daß die Sektion dank der Rührigkeit ihres Keren-Kajemeth-Komunissärs, Herrn Maurice Segal, ihr Kontingent voll abgeführt hat. Die von der Sektion eingefüiirten Hebräisch-Kurse für Kinder und Erwachsene erfreuten sieb bis zum Beginn der Ferien eines regen Besuches, obwohl gerade im dritton Bezirk diese Kurse mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten.! Aus dem von Herrn Simon G a s p a r di hierauf erstatteten Geschäftsbericht ergibt sich, daß die Sektion nicht nur alle ihre Verbind, lichkeiten an Schekalims. Parteisteuer, Propagandakosten anläßlich der Kongreßwablen usw, erfüllt hat, sondern darüber hinaus noch Ersparnisse erzielen konnte, die es der Sektion ermöglichten, den aus der Mitte der Generalversammlung gestellten Antrag, die Herren Dr. Leo Blum, Marcell Segal und Simon Ga* spard in Anerkennung ihrer Verdienste um die Sektion ins silberne Buch des Keren Kajemeth eintragen zu lassen, einstimmig anzunehmen. Bei der hierauf folgenden Wahl wurde Herr Dr. Emil Schmitz per acclaanationem zum Obmann gewählt, der, mit kurzen Unterbrechungen, schon seit Jahren an der Spitze der Sektion steht. Zu seinem Stellvertreter wurde Herr Professor Dr. Albert B a t s c h a gewählt. Die übrigen Mitglieder des Ausschusses wurden in ihren bisherigen Ämtern auch für das neue Arbeitsjahr wiedergewählt. Die Persönlichkeit des jetzigen Obmannes und seines Stellvertreters bieten die Gewähr dafür, daß die Sektion auch weiterhin ihre zionistischen Pflichten erfüllen wird. „Jüdische Jugend.“ Unter diesem Titel gibt der „Jüdisch* kulturelle Elternbun d“, Wien, I.* Seitenstettengasse 2—4, eine Jugendzeitschrift heraus, deren erste Nummer kürzlich erschie-, nen ist. Das Blatt enthält ein Kalendarium über die jüdischen Feste mit kurzen Erläuterungen, ein Geleitwort von Oberrabbiner Doktor Feuchtwang und eine Reihe von Artikeln und Erzählungen, ferner eine Photoecke und eine hebräische Seite, sowio Nachrichten aus der jüdischen Welt. Der Stil der Beiträge, die von Lehrern und Rabbinern stammen, treffen den kindlichen Ton und sind für die Jugend sicher interessant. Der Jüdisch-kulturelle Elternbund, der unter der bowährten Leitung von Herrn Dr. K1 ab e r steht, hat mit dieser Jugendzeitschrift einem fühlbaren Mangel abgeholfen. Jüdische Künstlerspiele — Gastspiel Jac Rechtzeit. Infolge des anhaltend großen Erfolges des neuen Stückes bleibt „Der Galizianer Chiusen“ bifl inklusive Donnerstag, den 24. d. M. (Sonntag nachmittags um halb 4 Uhr bei ermäßigten Preisen), auf dem Spieplan der Jüdischen KUnstlerepiele, H, Praterstraße 84. Jüdische Bühne, Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Unter der Leitung von A. M e isöIb wird demnächst die Jüdische Bühne eröffnet. Dio Soubrette Jenny Lowicz und der jugendliche Komiker und Sänger A. Lewin wurden für ein kurzes Gastspiel eingeladen. Tretet dem Allgemein-zionistischen Handwerkerverbende „Besieh Mikzoali// bei I Anmeldungen u. Auskünfte Dienstag u. Freitag von 1-2 Uhr mittags und Mittwoch 8 Uhr abends in Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5.

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