Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 411 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 411 - 21. Dezember 1934 DU STIMMI Seit« 9 ohne die Pflichten zu erfüllen. An internationalen Revolutionen sind Juden niemals stärker beteiligt als Andersnationalc. Der internationale Fasohisten-Kongreß hat sieh mit seiner Resolution unter das Joch des Nationalsozialismus begoben. Seine Kriegserklärung bedeutet den Anschluß an den von allen Ehrlichen verabscheuten nationalsozialistischen Deist. LETZTE NACHRICHTEN Aus jüdischem Geld Anleihe für Transjordanien Jerusalem, 19. Dezember. (2. T. A.) Die Regierung Palästinas hat aus ihren Reserven 100.000 Pfund als A n le i h e a T r a, ns j o r d a n i e n gewährt; 30.000 Pfund sind als Hilfe fiir die notleidende Fellaohen- Bevölkoning Transjordanicnß bestimmt. (Diese kurze Meldung spricht Bände. Die Juden dürfen nicht in Transjordanien siedeln. Mit ihrem Geld aber darf Trans- Jordanien saniert werden.) Achi-Meir Jerusalem, 19. Dezember. (Z. T. A.) Vom Inuniigrations-Departemcnt der Palästina-Regierung wurde A c h i - M e i r mitgeteilt, daß ihm das palästinensische Bürgerrecht aberkannt werden wird, falls nicht gewichtige Gründe dagegen vorgebracht werden. Achi-Meir wird vor allem nachzuweisen haben, daß er seine Bürgerschaft rechtmäßig erworben hat. Die innerzionistische Befriedungsaktion In Verfolg der im Oktober d. J. zwischen der Exekutive der Zionistischen Organisation und dem Exekutivkomitee der Union der Zionisten-jRevisionisten begonnenen Verhandlungen zur Herstellung des inneren Friedens ln der zionistischen Bewegung ist nunmehr .beschlossen worden: a) ß r i t h Tr u m p e I d o r suspendiert seine „Order Nr.'60“, die sich mit der Frage der Z e r fc i f i k a t e befaßt; b) Weltverband der Zionisten-Revisionisten und Brith Trumpeid or suspendieren alle ihre betreffend Keren Kajemeth und Keren H a j e s s o d erlassenen Orders; c) die Zionistische Exekutive setzt die Herbeiführung eines Gerichtsurteils betreffend die Einwanderungsrechte des Brith Trumpeldor aus; dies bedeutet die Wiedereinsetzung des Bcthar in seine Rechte betreffend Hachschara, Einwanderung und Vertretung in den Palästina-Ämtern. Das in London geschlossene Übereinkommen betreffend Arbeitspakt ist jetzt in Palästina Gegenstand der Erwägung. Die Verhandlungen über allgemeine im Vordergrund stehende zionistische Problome dauern an. Staatsfeiern zur Erinnerung an Maimonides Die spanische Regierung erließ eine offizielle Kundgebung aus Anlaß des 80Q. Geburtstages des großen jüdischen Lehrers und Philosophen Maimonides (Moses ben Maimon), in der die große Bedeutung des Maimonides für das Denken der Welt hervorgehoben und offizielle Feiern angekündigt werden. Auch das o f f i z i e 11 o Ä g y p t o n rüstet sich zur Feier des 800. Geburtstages von Maimonides. In Kairo haben sich prominente ägyptische Persönlichkeiten, Juden und Nichtjuden, zu einem Komitee zusammongeschlossen, das Maimonidos-Feiorn vorbereitet. Die Hauptfeier wird im März 1985 im Königlichen Opernhaus zu Kairo stattfinden. Rabbi Moses bon Maimon wurdo am 30. März 1135 iri Cordova (Spanien) geboren und starb in Kairo am 13. Dezember 1204. 25» Schuljahr Tal. U 46*4-37 Neues Wiener Konservatorium Musikvereinsgebäude, I., Bösendorferstraße 12 rnterrlob» iu Getung, Klavier und allen Orcboetarinatnimeuieq von dep eraten Aoflngou bis zur ktlnatlerlaeben Ausbildung. ISig-eDe K ludorebf ei luug. Anmeldungen und AufmibwaprOfunir täglich vor- und n&cümftlafis ansa u b 1 i o ß 11 o h im Muaikverejuagubäudo. TQealer * Kunsi Opernsänger Gustav Peäur Sett&Ca P.artw Einncrt ihr euch noch an die kleine, zarte, bezaubernd anmutige Frau mit der knabenhaft grazilen Figur, den großen, fragenden Kinderaugen und der süßen, weichen Stimme, erinnert ihr euch noch an diesen hell funkelnden und so viel Freude und Licht spendenden Stern am Himmel des jiddischon Theaters? An die göttliche M a I y P i c o n, oder, wie wir sie damals nannten, der weibliche Chaplin, diese scharmanteste und entzückendste Soubrette, Diseiise und Schauspielerin, die wir je auf den Brettern des modernen jiddischen Theaters gesehen haben. Ich wüßte nach diesen Worten keine ehrendere und gerechtere Würdigung der Künstlerin Sevilla Pastor, als daß ich mein Referat über sie mit Worten über — die Picon einleito und sie eine zweite P i c o n nenne. Denn Sevilla Pastor vereinigt in sich jene reizvollen Elemente, die wir so gerne an dem Piconschen Wesen, der Piconschen Anmut bewunderten. Grazil und knabenhaft und gertenschlank ist Sevillas Gestalt, aus ihrem edlen, fein geschnittenen Etonkopf leuchten zwei große, dunkle Augen mit seltenem Schimmer. Augen, die bisweilen schalkhaft aufblitzen und dann wieder kindhaft fragend nach etwas Fernem, Weitem blicken. Und Sevilla spielt mit jenem feinen Scharm, mit jenem Reiz und jener herzerquickenden Anmut und Natürlichkeit, die die Herzen aller rasch erobert. Und Sevilla singt. Wie weich und zart und schön klingt doch ihr Lied! Es macht lachen und weinen, es stimmt froh und traurig. Auch Sevilla Pastor verkörpert mit Vorliebe Knabenrollen. In diesen lebt sich ihr ganzes unerhörtes Theatertemperament aus. Mehr als das. Denn sie liebt diese kleinen Jungen, die oben zu unterst und unterst zu oben kehren. Mit kluger Kindlichkeit spielt sie diesen Jungen, den schalkhaften, witzigen, der sieb herausnimmt, die verzwicktosten Situationen der Erwachsenen lösen zu wollen und sie auch mit aller Naivität löst. Das unmöglichste Stück, die unscheinbarste, wesenlose Rolle erhält, von Sevillas Theaterfluidum erfüllt, Sinn und Odem. Neben Sevilla darf ihre Schwester Erna Siegler nicht übersehen werden. Wie leicht könnte man diese Künstlerin, die man nicht so schnell vergißt, mit dem sicherlich stolzen Attribut: Erna Siegler — eine Büli nenschönheit — abtun, wenn sie nicht mehr wäre. Aber ihre Schönheit ist geradezu biblisch. J. R. Emst Deutsch ton t toctesetisch Der warme Applaus des dichtgefüllten mittleren Konzerthaussaales zu Beginn der Vorlesung war eine Kundgebung: Er galt dem emigrierten jüdisch-deutschen Schauspieler Ernst Deutsch. Der große Mensc-hendarsteller und Gestalter, der berühmte „Disraeli“-Verkörperer auf der Bühne, ist auch am Vorlesopult ein interessanter, oinfühlungsfähiger, Dichtung und Autor gerechtwerdender Interpret. Seine tiefernste, aus dom Innern heraus erfaßte Wiedergabe biblischer Dichtungen, so des ersten Kapitels aus dem Buch „Hiob“, dos „Josua“-Gedichtes von Rainer Maria Rilke, der ergreifenden, von dynamischer Kraft erfüllten Engelszene aus B e e r - II o f m a n u s „Jakobs T r a u m“ und schließlich der Szene au« dem großen biblischen Drama „Der Wog der Verheißung“ von Franz Werfel ergriff zutiofst. Voll Beseeltheit und Innigkeit brachte Ernst Deutsch „M i r j a m s S c h 1 a fli qd“ von Beer-Hofmann. Wie ein zarter Hauch schwang harfengleich seine Stimme. Heiter und beschwingt klang der Prolog zu einem „E s t h e r - P u p j. e np i e i“ von Heinz Pollitzer. Den Höhe punkt erreichte Ernst Deutsch mit seiner Interpretation der bereits erwähnton Engciszene aus „Jakobs Traum“ und der köstlichen, von stillem Humor und himmli clior Weisheit erfüllten Perezschen Dichtung „Bonzie Schwoig“. Das Programm wurde vielleicht ein wenig als zu einseitig empfunden. Jedenfalls hätte man gern auch B i a 1 i k in der Interpretation eines Ernst Deutsch’ gehört. Ein begeistertes, dankbares Publikum applaudierte stürmisch. J. R. Gastspiel Sevilla Pastor — Erna Siegler, Jüdische Künstlerspiele. Freitag, Samstag und Sonntag zum erstenmal „Der Lediggeher“. Komödie in zwei Akten von Freimann, Musik von Wohl. Sonutag nachmittagiß 144 Uhr bei ermäßigten Preisen „Der Lediggeher“. — Montag, 24. Dezomber, geschlossen. — Dienstag, den 25. Dezember, Erstaufführung von „Hulio Kabtzen“, von Rosenberg. Musik nach Volkemotiven. — Dienstag, 25. Dezember, nachmittags VA Uhr, bei ermäßigten Preisen „Ester Fröhlich“, Lustspiel in drei Akten von M. Richter. —- Mittwoch, 26. Dezember, nachmittags K4 Uhr, „Hulie Kabtzen“. Bei sämtlichen Aufführungen Frau Sevilla Pastor in den Hauptrollen Jüdische Bühne, H, Praterstraße 60, Telephon R 43-4-59. Infolge des großen Erfolges und auf vielseitiges Verlangen wird das große Schlagerlustspiel „Parnose“ mit dom Schauspieler und Sänger Rudolf Zaslawsky und dem Komiker Salo Naumow bis inklusive Sonntag, den 23. Dezember 1934, prolongiert. — Dienstag, den 25. und Mittwoch dem 26. Dezember, *49 Uhr abends, „Cbassidim“, Lustiger Traum in drei Akten. Zum ersten Male in Wien. — An beiden Tagen YA Uhr Naclim it tags vors teil u n g. Ein junger Tenor am Wiener Opernhimmel. Gestern debütierte in der Wiener V o l k s-. oper Gustav Pedur als Link er ton in. der Puceinischen Oper „B u 1.1 o r f 1 y“ mit durchschlagendem Erfolg, Der junge Künstler isc seit Beginn der Saison in der Volksoper, engagiert und begann als Linkerton seine.. Tätigkeit. Das Debüt in der Volksoper, auf daswir noch ausführlich zurückkommen werden, ist das erste Auftreten des jungen Säugers in Wien überhaupt. CoRalcßroniR JÜDISCHER KALENDER 21.-27. Dezember 1934 15.—21. Tebeth 5695 Freitag (21.) Sabbath-Eingang.3 Uhr 55 Samstag (22.) Sabbath Ausgang ..... 4 Uhr 45 Wodienabsdtnitt; Wajchi Zionistischer Vortragskalender Freitag, den 21. Dezember 1934 2. Bez.: Sektion II, H., Praterstraße 13, %8 Uhr abends: Oneg Sabbath. Vortrag: Rabbiner Rothschild. 2. Bez.: Prater II. n., Jungstraße 8, % 8 Uhr abends: Oneg Sabbath. Vortrag: Dr. Glaser. 20 Bez.: Sektion XX, XX., Jägerstraße 30, X<8 Uhr abends: Oneg Sabbath. Vortrag: Rabbiner Gerstel. Samstag, den 22. Dezember 1934 9. Bez.: Sektion VIJI/1X, IX., Wäbringerstraße 6/8, 4 Uhr nachmittags: Oneg Sabbath. Oberkantor Postolow, Dr. Tartakower. X9 Uhr abends: Gesprochene Zeitung: Dr. Z. F. Finkeistein, Feuilleton; Dr. Leo Fischmann: Erinnerungen an Hugo Zuckermann; Fräulein Hanni Singer: Gedichte von Hugo Zuokermann; Doktor Viktor Pordes: Leitartikel; Marek Scherlak: Aus eigenen Werken, und Dr. Cliahn Tartakower: Kulturelle Probleme. Sonntag, den 23. Dezember 1934 1. Boz.: Sektion I, I., Neutorgasse 6, Gesellige Zusammenkunft, 6 Uhr abends. 6. Bez.: Sektion und Wizo VI/VH, VI., Loquaiplatz 11, Five O’clock. Dienstag, den 25. Dezember 1934 2. Bez.: Sektion II und Klub Erez Israel, II., Praterstraße 13, }0 Uhr und ys9 Uhr abends: Festsaal des Hotel Stephanie, II., Taborstraße Nr. 12: Wiederholung des Palästina-Films von Dr. Ph. Rezek: „Palästina Oktober 1934.“ Karten zu haben: Zion. Landeskomitee, Zion. Bezirkssektion, II., Praterstraße 13, Telephon R-42-407; Bücherstube Rath, II., Taborstraße Nr. 20, Telephon R-45-305; Hotel Stephanie. II., Taborstraße 12, Telephon R-41-2-53; Kaufhaus Halpern, II., Förstergasse 6. Anmeldungen für die FilmdurchfUhrung; Dr. F. Pickholz. Sektion und Wizo, Prater, H, Jungstraße 8, 8 Uhr abends: Gesell'gkeiteabend. Vortrag: Rabbiner Dr. Fränkel. Es wirken mit: H. Naumow, Frau Gold und die Jüdische Bühne; ferner: Frau Dr. Pia Klein, Frau Dr. Lisi Sporber und Geschwister Oppermann. 6. Bez.: Sektion VI/VII, VI., Loquaiplatz 11, Dr. Richard Taussüg: Kurs für allgemeine Geschichte, 8 Uhr abends. 9. Bez.: Sektion VII1/IX und Wizo. IX.,Währingerstr. 6/8, *48 Uhr abends: Hebräisches Seminar für Fortgeschrittene unter Leitung Prof. Wiesen. *49 Uhr abends: Chug Iwri, unter Leitung prominenter Hebräer. 20. Bez.: Sektion XX, XX., Jägerstraße 80, 8 Uhr abends: Dr. A. Groß: „Die Protokolle der Weisen von Zion.“ Mittwoch, den 26. Dezember 1934 20, Bez.: Sektion XX und Wizo, XX., Jägerstraße 80. 8 Uhr abends: Abend jild’seher Kunst unter Mitwirkung namhafter Künstler. ii I Donnerstag, den 27. Dezember 1934 20. Bez.: Sektion XX, XX., Jagerstraße 30> . 8 Uhr abends: Diskusdomsabend. Sektion XIH und Wizo, Hietzinger Haupt* Straße 22, 8 Uhr a-bends, Dr. Leo Goldhammer: „Erfüllte Träume Herzls.“ Sektion H und Klub Erez Israel, Praterstraße 13, 8 Uhr abends, Dt. Ludwig Neumann, Direktor der Gesiba: „Wirtschaft und Siedlungspolitik Palästinas.“ Bezirkssektion Josefstadt-Alsergrund, DU Währiifgerstr. 6—8 (Eingang Hörig. 2) Tel. R-52-0-12. Hebräisch-Kurse jeden Montag und Mittwoch für Anfänger von K8bds Uhr, für Fortgeschrittene von %9 bis % 10 Uhr abends. Gesellige Zusammenkünfte jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag ab 4 Uhr nachmittags, in den großen Lese- und Gesellschaftsräumen. Sämtliche Tages- und jüdische Zeitungen liegen auf. Gäste willkommen. Danksagung Herr Oberrabbiner Dr. Feuchtwang bittet uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Allen, die mich zu meinem siebzigsten Geburtstage beglückwünscht haben, Einzelnen, Familien und Körperschaften, spreche ich herzlichsten Dank aus. Oberrabbiner Dr. David Feiichtwang. Börserat Kultusvorsteher Josef H. Waltuch. . Bei den am 12. Dezember stattgefundenen ' Wahlen der Räte dor Effektenbörse wurde Kultusrat I. H. Waltuch zum Börserat den Wiener Effektenbörse gewählt. Verein zionistischer Hochschüler „Theodor : Herzl“. W i n t er 1 a g e r: Vom 23. bis 80. Dezember in Türnitz (Ttirnitzer Tauern). Kosten 41 S, alles inbegriffen. Nähere Auskünfte und Anmeldung im Vereinsheim, II., Krummbaumgasse 10, Montag, Mittwoch und Samstag von 8 bis 10 Uhr abends. Die Wizo Hietzing und Sektion XIII, veranstalteten Sonntag, den 9. Dezember 1934, ein Kinder-Ohanukkah-Fest. Der große Saal des „Weißen Engel“ war von kleinen und großeu Gästen dicht gefüllt. Das meist von Kindern ausgeführte Programm fand begeisterten Beifall. Größten Anklang fand ein liebes Theaterstück, „Ohanukkah im Puppenladen“, das die Mädchen des jüdischen Kinderheimes, XIII., Auhofstraße 22. in reizendeu, selbst angefortigten Kostümen mit Anmut und Geschick aufführten. Für ihre aufopfernde, verständnisvolle Arbeit gebührt besonderer Dank vor allem der Arrangeurin der Darbietungen, Frau Religionslehrerin Mirjam Kriegsmann. Histadruth Ivrith, II., Kleine Mohrengasse 3. Samstag, den 22. Dezember, 8 Uhr abends, im Heime II., Kleine Mohrengasse 3, Vortrag des Herrn S. Auerbach über: Hasimbolika ezel Bialik. Seminare der Histadruth. Samstag, den 22. Dezember, 6 Uhr abends, Bialitz-Sendnaro. Leiter: Dr. Cb. Tartakower. 7 Uhr abends