Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 389 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 369 5. Oktober 1934 Dli STIMMI Seite 5 PALÄS TI NA Die jüdische Einwanderung und ihre Zusammensetzung Jerusalem. (Palcor.) Auf der Pressekonferenz der Histadrut hielt Herr D o b k i n ein Referat über die Grundprobleme der jüdischen Einwanderung und ihre Zusammensetzung, in welchem er unter anderem ausführte: Annähernd 23.000 Juden sind im Laufe der ersten acht Monate des Jahres 1934 nach den offiziellen Ziffern der Regierung nach Palästina eingewandert. Wie vorauszusehen iet, werden nicht weniger als 17.000 Juden im Laufe der letzten vier Monate des Jahres noch nach Palästina kommen. Insgesamt wird die legale jüdische Einwanderung im Jahre 1934 mehr als 40.000 Personen betragen. Wenn wir annehmen, daß wir auch in diesem Jahre nicht weniger als 10.000 Juden haben werden, die innerhalb anderer Kategorien ins Land kommen werden, kann man bereits jetzt feststellen, daß in diesem Jahre mehr als 50.000 neue jüdische Einwanderer nach Palästina kommen werden. Wenn wir uns erinnern, daß im Jahre 1933 etwa 40.000 Einwanderer und 1932 19.000 Einwanderer ins Land gekommen sind, haben wir in diesem Jahre eine weitere Steigerung des Umfanges der jüdischen Einwanderung vor uns. Im Jahre 1933 hat sich die jüdische Bevölkerung um 20 Prozent ihrer Gesamtzahl vergrößert, im Jahre 1934 wird sie sich um weitere 22 Prozent vergrößern. In der Geschichte der Weltimmigration gibt es wohl kein zweites Beispiel eines so starken Anwachsens im Verhältnis zur Bevölkerung eines Landes. Durch die Einwanderung und den natürlichen Bevölkerungszuwachs hat sich das Prozentverhältnis der jüdischen Bevölkerung zur Gesamtbevölkerung Palästinas bedeutend verändert. Bei der letzten Volkszählung im November 1931 bildeten die 'Juden 17 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes (174.610 Juden und 861.200 Nichtjuden). Am 1. September 1934 bilden die Juden bereits mehr als 23 Prozent der Bevölkerung, am Ende des laufenden Jahres wird die Zahl der Juden Palästinas mehr als 300.000 betragen und etwa 25 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Der Massencharakter der jüdischen Einwanderung nach Palästina kann nur mit der Auswanderung nach Amerika in den Jahren vor dem Weltkriege (1900 bis 1914) verglichen werden. Die durchschnittliche jährliche Ziffer der jüdischen Einwanderung nach Amerika betrug in jenen Jahren 95.000 Pensonen. Wir stehen heute bereits in Palästina bei 55 Prozent dieser Ziffer. Palästina ist heute fast das einzige jüdische Einwanderungsland in der Welt. Alle übrigen Länder jenseits des Ozeans nehmen in der letzten Zeit zusammen nicht mehr als 20.000 jüdische Einwanderer jährlich auf. Palästina beginnt hinsichtlich der jüdischen Einwanderung den Platz ednzunehmen, den vor dem Weltkriege die Vereinigten Staaten von Amerika eingenommen haben. Die regelmäßige Steigerung der Einwanderung darf unsere Energie im Kampfe um die Erweiterung der Einwanderung nicht verringern, solange wir dae klare Bewußtsein haben, daß das Land viele tausend und zehntausend Juden mehr aufnehmen kann, als os gegenwärtig aufnimmt. Die Schattenseiten der gegenwärtigen Entwicklung Im Laufe der letzten drei Jahre hat sich die ländliche jüdische Bevölkerung prozentual verkleinert und ist von 26 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung auf 21 Prozent gesunken, ja sogar noch darunter, weil unter den Siedlungspunkten, die heute noch als landwirtschaftliche zählen, solche vorhanden sind, die, wie zum Beispiel Ramat Gan, Bne Berak und zum Teil sogar Petach Tikwa, mehr und mehr den Charakter städtischer Siedlungen annehmen. Im Laufe der letzten vier Jahre sind durch Juden insgesamt 92.000 Dunam neuer Boden erworben worden, hiervon 60 Prozent durch den Keren Kajemeth. Das bedeutet, daß durch Privatinitiative in diesen vier Jahren kaum 40.000 Dunam neuer Boden erworben worden sind. Die Zusammensetzung der Einwanderung Der Referent behandelte sodann die Zusammensetzung der Einwanderung und bewies an der Hand von Ziffern, daß der Prozentsatz der Chaluzim und Arbeiter in der gesamten jüdischen Einwanderung ständig sinkt. Während in früheren Jahren die Arbeitereinwanderung 60 Prozent der Gesamteinwanderung ausmachte, bildet sie dieses Jahr nur 32 Prozent. Selbst voriges Jahr ergab sich, daß auf jeden einwandernden Kapitalisten sieben Zertifikateinwanderer entfielen. Dieses Jahr dagegen kommen auf einen Kapitalisten kaum 2.8 Zertifikateinwanderer. Dieses ungesunde Verhältnis, das heißt die ungenügende Zahl von Zertifikaten, führt zu dem ungeheuren Mangel an jüdischen Arbeitskräften und bedroht die gesunde soziale Struktur der jüdischen Bevölkerung. Noch stärker gesunken ist der Prozentsatz der Chaluzim in der jüdischen Einwanderung, sogar in der Zertifikatseinwanderung. Im Jahre 1931 erhielten die Mitglieder der Chalüzorganisationen 84 Prozent aller Zertifikate, im Jahre 1932 nicht mehr als 65 Prozent, 1933 nur 44.5 Prozent und dieses Jahr kaum 39.5 Prozent. Blau-Weißer-Expreß. intofflmii Wien-Palästina auf dem Mm Reisedauer Wien-Haifa ungefähr 4 Tage. Abfahrt des ersten Sonderzuges am 17. November 1934, um 19.30 von Wlen-Ostbahnhof. Die Reise führt über Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Türkei, Syrien nach Haifa. Speise- und Schlafwagen Rituelle Kost. Radlosende- und Empfangsanlage. Schlafgelegenheit für Reisende III. Klasse geboten. Fahrpreis Inkl. Durchreisevisa, ab Wien : III. Klasse, für Chaluzim (Zertifikatsbesitzer) S 195*— ohne Verpflegung, 8 209’— mit Verpflegung. III. Klasse, für Touristen S 290*— mit Verpflegung. II. Klasse, für Touristen S 490*— mit Verpflegung. Schlafwagenbenützung für Reisende II. Kl. gegen normale Gebühr. Für leidende Personen, die sich nicht der Gefahr der Seekrankheit aussetzen dürfen, die einzige Möglichkeit gefahrlos nach Palästina und den vorderen Orient zu gelangen. Anmeldungen, Auskünfte erteilen: Osterr. Verkehrs-Bureau Wien, I., Friedrichstraße 7, Tel. B 27-500. Osterr. Pal&stlnaamt Wien, l., Kärntnerstraße 2b, Tel. R 27-4-86. Oie Mittel zur Gesundung der Einwanderung Am Schlüsse seiner Referates behandelte Herr Dobkin ausführlich die Mittel, die ergriffen werden müssen, um die Zusammensetzung der Einwanderung zu verbessern. Der Prozentsatz der Chaluzim in der Gesamteinwanderung muß vergrößert werden. Die Zertifikate dürfen ausschließlich an solche verteilt werden, die bereit sind, zur Arbeit überzugehen. Dieses Prinzip muß auch auf die Verwandten palästinensischer Einwohner, die Zertifikate erhalten, angewandt werden. Man muß ferner die strengsten Mittel ergreifen, um die gesamte Chaluzeinwanderung in die Landwirtschaft und in andere Pionierarbeiten zu lenken. In dieser Beziehung ist die Mithilfe dee ganzen Jischuw erforderlich. Die Chatuzbewegung in der Diaspora Die Chaluzbewegung umfaßt heute in den verschiedenen Diasporaländern insgesamt 120.000 organisierte Mitglieder. Davon befinden sich 28.500 auf Hachschara. Die Schicksalsfrage der jüdischen Einwanderung Das Wichtigste von allem aber, so schloß der Referent, iet der Kampf für die jüdische Arbeit inder jüdischen Wirtschaft, weil dies die Schicksalsfrage für den Zionismus und unsere Aufbauarbeit ist. Das Schicksal der jüdischen Einwanderung wird gleichzeitig mit dem Schicksal der jüdischen Arbeit entschieden. 283.000 Juden in Palästina Jerusalem. (Palcor.) Nach den letzten Berechnungen über das Wachstum der jüdischen Bevölkerung Palästinas ergibt sich, daß am 1. September dieses Jahres der Jischuw rund 283.000 Personen zählte. Hievon befinden sich etwa 222.000 Juden, das heißt 78.8 Prozent, in den Städten, und zwar in Jerusalem 64.000, in Tel-Aviv 102.000, in Jaffa und Bajit we-Gan, 14.000, in Haifa 33.000, in Tiberias 6000, in Safed 2500. Auf dem Lande befinden sich etwa 61.000 Juden. Im November 1931, bei der letzten Volkszählung, gab es in Palästina 171.610 Juden. Im Oktober 1922, bei der ersten Volkszählung, betrug die jüdische Bevölkerung Palästinas 83.790 Seelen. JUdiscße Investitionen im letzten Jaßr (Palcor.) Nach proviso riechen Berechnungen werden die Juden im Laufe des Jahres 1934 in Palästina einen Betrag von etwa 10,000.000 Pfund Sterling investiert haben, hievon etwa 4% Millionen Pfund Sterling im Häuserbau in den Städten, 1,750.000 Pfund Sterling in neuen Pflanzungen, 800.000 Pfund Sterling in Gebäuden in den Kolonien, 250.000 Pfund Sterling in der gemischten Wirtschaft, durch den Keren Hajessod, die Pica, bei Wasseranlagen usw., 1,000.000 Pfund Sterling in neuen Industrieunternehmungen und in der Vergrößerung der vorhandenen Industrieunternehmungen, % Million Pfund Sterling in Verkehrsmitteln und Automobilen. Hiezu muß man noch die Investitionen bei neuen Bodenkäufen und im Handel usw. hinzurechnen. Die Ausdehnung der arabischen Wirtschaft (Palcor.) Im Laufe der letzten zehn Jahre sind durch Araber 100.000 Dunam neue Pflanzungen angelegt worden, in denen etwa 10.000 Arbeiter beschäftigt sind. Nach Nachrichten aus zuverlässigen Quellen sind in den letzten Jahren in der arabischen Wirtschaft 20.000 Dunam Gemüsebeete und tausende Dunam Obstbäume hinzugekommen; auch die arabische Milchwirtschaft und Hühnerzucht hat sich vergrößert. Die Baubewegung in den arabischen Städten steigt und beschäftigt heute bereits tausende Arbeiter. Die arabische Industrie und die öffentlichen Arbeiten der Regierung und der: Stadtverwaltungen geben vielen tausend arabischen Arbeitern Beschäftigung. Es genügt, einige charakteristische Ziffern zu nennen: Am Ende des Jahres 1932 gab es in Palästina 2800 arabische Automobile, heute sind etwa 7500 vorhanden. Der Arbeitslohn des arabischen Arbeiters ist heute um zwei Drittel höher alB im Jahre 1932. Schulbücher für alle Lehranstalten in den vorgeschriebenen Auflagen, auch antiquarisch, zu wirklich billigsten Preisen liefert die Jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner, ölen ll,9 ECKE Taborstraße Nr. 52 Verzeichnisse umsonst. Spesenfreie Zustellung überallhin Für Auskünfte Telephon R 41-4-20. Dev Mangel an Arbeitskräften (Palcor.) Auch die jüdische Industrie und das jüdische Handwerk haben infolge des Mangels an Arbeitskräften mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Viele Fabriken sind aus dem genannten Grunde nicht in der Lage, ihre Bestellungen auszuführen. Als Illustration mögen einige Beispiele dienen: In Ramat-Gan bei Tel-Aviv wurde eine neue Schuhfabrik „Na alija“ errichtet, alle Maschinen sind bereits da, mit der Arbeit kann man jedoch nicht beginnen, weil Arbeiter fehlen. Die Fabrik für Lederverarbeitung „Zetge“ pflegt jedes Jahr für tausende Pfund Ware nach Ägypten zu verkaufen; heute mußte sie den Export einstellen, weil sie nicht einmal imstande ist, den Bedarf des Binnenmarktes zu decken. Die Kartonnagenfabriken erhielten größere Bestellungen aus Südafrika, Amerika und Syrien — manche erhielten sogar die bestellten Waren im voraus bezahlt —, sie können jedoch die Bestellungen nicht ausführen, weil sie nicht genügend Arbeiter haben. Das gleiche gilt für eine Reihe weiterer Industriezweige. Nicht besser sieht es in der Baubewegung aus. Der Mangel an Arbeitern führt zur Verteuerung der Wohnungsmieten und zur Vergrößerung der Spekulation. So zum Beispiel befinden sich im Besitz der Palestin© Land Development Co. verschiedene größer© Bodenstücke in Haifa und auf dem Har Hacarmel, wo man hunderte neuer Häuser, hätte errichten können. Hiezu aber müßtej man Chausseen bauen und Wasserleitungen; anlegen. Die Mittel für diese Arbeiten —i annähernd 100.000 Pfund Sterling — sindi vorhanden, alle Pläne sind auch bereits aus-! gearbeitet, aus Mangel an Arbeitern kann man jedoch nicht an die Ausführung schreiten. Der Keren Kajemeth Leisrael hat in der Umgegend von Haifa einige Bodens stücke zum Bau von Wohnvierteln für Arbeiter, mittelständische Elemente und Ein-* wanderer aus Deutschland zur Verfügung gestellt. Einige hundert Häuser sind auch bereits errichtet worden. Weitere Hunderte sollten gebaut werden, es fehlt jedoch an Arbeitskräften. Viele landwirtschaftlich© Siedlungspunkte benötigen Wirtschaftsn gebäude, Wohnhäuser und Wasseranlagen. Die erforderlichen Geldmittel hiefür sind bereits durch den Keren Hajessod, di© deutschen Hilfefonds und durch Darlehen aufgebracht, man kann jedoch diese Arbeiten nicht durchführen, weil kein© Arbeiter vorhanden sind. Der Mangel an jüdischen Arbeitern hat Zionistisches Landeskomitee iiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiinii *5< I llllllllllllllllllllllltlllllllll für Oesterreicti, iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiimiitittimiiiiiiiiiiiiiiiiimmiimimium Schwarzenbergplatz 1 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimi Festsaal iiiiitiiiifiiininiiiiiniiitiiiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiimummiimim des Mllltärkaslnos Donnerstag, den n. Oktober 1934, präzise ytg Uhr abends Dr. Josef £öwen£)erx, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde: Amerika, wie ich es sah« Karten sind zu haben: lm Zionistischen Landeskomitee, 1., Kärnmerstraße 28, Telephon R 27-4-86, täglich von 9 bis 12 und 3 bis 6 Uhr abends, in der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praferstraße 13, Telephon R 44-3-45» Jüdische Kultursfelle, II., Aspernbrückengasse 2, sowie bei allen Vorstandsmitgliedern aller Sektionen und Bücherstube M Rath. 11., Taborstraße 20 a. Telephon R 45-305