Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 314 (21.12.1933)
- Date
- 1933-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054068--3902-3059458- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mr.SH 81.Ptieftitef 198». ... QK 8TJMMB . - ........ _ _-S»He»\ *‘l'i I'I 1 . "■... n , ~i.~; . — LITERATUR &te gfiaße, Hoj&Jt. von% tn-7-ivox. 9<8A cUafaabCsiehJte. «htd $ßM» &d dah, Ha&itnaJk Vqa JMtfi ÖbttgetfE« tla^rt bn ftafek. P« Bmek, 1WM***, tat «ln fru«ht-bw, gottfaMfcaetar Streifen Irtffc zwischen k*hlen, hartnäckigen Bergen: PehJ «iht Weh m ro|, Weinberg an Weinberg, Plantage tu Pinnt«««; ffrtjri, bvtth yAd golden leuchtet Mef die Welt; un4 zwischen den OUten di« $«gen« Hegen die Siedlungen der JfldtoehMi Arbeiter und Arbeiterinnen, die unter Mtlben und Leiden, bedroht vdn Typhus und Malaria, bedrückt von Hitze ujtd Sehw!lte, die »Ufte Frucht dem Boden atigerungen und abgetrotzt haben. Mit dir <K«Jtur> Ist e* hier allerdings nioht immir ganz «tntaeh. 0« noeh heitte Landstraße durch da« verhältnismäßig dtoht Medelht Tai der Arbeit fuhrt, weij der Eisenbahn tmarwünichte Konkurrent; ferngdialten werden soll, müssen hWspleleweise die beiden mit Kulissen vollgentopften schwoft!« Lastauto» der Hebinrah, die heute nicht» ln ftn-Tivon spielen will, über staubbedeckte Feldwege hoppeln und torkeln, obwohl fronst der Siegeszug der Kultur Feldwege als Mittler 2u verschmähen pflegt: von weitem aietit e$ aus, als <frb dl« Auto» betrunken Wären: trunken vor Pbetide, aJs Thnatiiauto» zu dienen; trunken vor Vergnügen; in die Einsamkeit Freude bringen zu dürfen; trunken vor Wonne endlich» vor einer hoehfeudalen Bahne hsltmaehen zu können. HoehfeudaJ? Mat» zeihe den Erzähler nicht der Uebestrdftung. Gewiß, das Teater von En-Tlvon »teht «litten ZWischftn Feldern und ZypressenStreifeh; die Hühner der jüdischen BSUern des Dorfe« müssen höllisch äufpassen, daß ete Weht auf den Schnürboden geraten, anstatt auf den für all bestimmten, und für die Kühe und Pferde ist die Situation sieht minder schwer. Aber anderseits weist das H«u$ eise elektrisch betriebene, lautlös und rasüh funktionierende Drehbühne Auf/ mit dir auch der modernste europäische RagiÄ»eur zufrieden sein könnte. Wer aber weift kt Europa, w«r in Amerika ein Feld mit einer Drehbühne? Der Erzähler braucht sich nicht zu verteidigen. , pi« iusihauerabtlliung ist primitiv, das sic bergende Zemdntgehäusp entstand «icher in wenigen Wochen. Als fördkreb&i dienen Baracken in der blähe, pas Magazin steht von« ptihncntüri: auf zwei Lastautos Gerade wird es abgeladen. Setzt man’s wieder zusammen, scheint’* ein Sfchlnß;u werden. SO ißt in der ganzen Welt keine zweite Bühne gelegen Keine Untergrundbahn knattfert unter Ihrem Keller durch, kein Autobus fährt vorbei, kein« Straßenbahn hält Hier. Die eiftz;.ge regelmäßige Verkehrsverbindung ist das Milchäutö wich Jerusalem, Abfahrt kurz vor Mitternacht. Eine solche . Bühne ln Präg oder Wien geplant, und da« Theater ist schon ta dir Idee bankrott. Aber hier Ist selbst das wichtigste vorhanden: Publikum. Heute Abend erst in einem halben Jahr mag sich ein ähnlicher wiederholen *— führen sie kn ganzen Rmek die Pferde vorzeitig kl die Stäke. Die Pferde wundern sieh» e» sind eben Pferde. Heute abends mäht und schnitzelt dte Cööibine, frisCh aus UßA. nach Aih ChafOd importiert, wenigst Klee »1$ sonst in den Tod. Haute abend« setzt man sich 1« «Heft FärniHanhäuser« und Speiseaätat de« Emek gegen s«ßh$ »um Nachtmahl, schneller als gewöhnlich «ind die Chazilim verzehrt. Und heut« abends bringe« die Mütter de« jSmok hire Kinder noch früher als sonst zu Bett w aber nur d» gtn* kleinen; die großen werde« söho« mitgenommen. Von allen Seiten ziehen sie nach Bn-Tlvon. ple Alten, di« Jungen, Männer, Frauen, Burschen, Mädels. Kurze Wege, lange Wege, endlos, «ncjtös. Was sijid schon fünfzehn Kak» «tatef Marsch für eine Thcäteraufführung! Autos knattern, Wagen rattern, alles nach En-Tivon, nach En-Tlvon. Ein pt$ dampft, vor. Malta her, di« Tel hinauf» ein anderer fährt, von Tiberia« kommend, hinunter. Beide sind heute Theaterpg«. ihr Pfiff ipt Musik, Auf den Wegen wölkt Sich in dtal*tar» Schwaden des Staub. Bald fühlt man ihn nur noch in dir Kehl«, schnell Ist es Naeht geworden, die Erde Im großen ÜRif IdcltkCn unsichtbar. Der ÖerboriZönt ist nur noch eine Ahnung. Pie Sterne erzählen biblische Oeachlchteh. tbid wövö« sprechen die Wanderer in die TheetafWölt? Vbni Eriebni«, das sie erwarten. Die HU b i tri s h will mi«h halbjähriger Probenarbelt «Jud Süß» spielen. P«r fj«bfä!taeh(e Oichter AwlSchaul hat P « « c h t w « n g e f 8 jfeftfitan dramatisiert. Fast jeder weiß um die tragische Ij^eh-jüdische Gestalt. Ihre Aktualität liegt in der Luft, «In und zurück ß 4iäl-- t 1.! fil&i H Unrop früh Fäi«e Und V|sä fritl«, R|hgre Auskünfte: E-FERSTE "? Tel. M 40 F 7. Jänner Rückkunft * numeriert I h, Kärntnerring Nt. fl ' JtiMf auch in der welch«« orientafiftschan, sechs Reisetage von Stuttgart enttarnt. ple Aktualität der Oe«talt prägt dl« Gestaltung des Ab|nd*- der Vprstelluiig macht man sich nuf schwer «fit« Vorstmidng. Noch hat die Hablmah keinen klaren «Stil», ist ein Theater dos Werdens in diesem Land des Werdens, aber die Leidenschaft ihrer Darstellung — Leidenschaft, die nicht zuletzt aus russischen Quellen strömt ist hinreißend, ßpürbar steigert sich die Aufführung von Minute zu Minute. Pie. Leistung des Ensembles entzündet sich an der Empfangsbereitschaft des Publikums. Es ist kritisch, bei Gott, es M verdammt kritisch, s6 schwer tat vielleicht kein Publikum d«r Welt zu erobern. Aber es tat auch dankbar, und sejn Dank wird Begeisterung. Nicht einmal bei den so theaterreifen Iren, in Abbeys Theatre in Dublin, nicht einmal im vordivolleit, riesenrunden Amphitheater Veronas erlebte ich solch ein» raaende Anteilnahme. Und nie »ah ich auch «in derart Überfülltes Haus. Eine europäische TheaterpoUzel stünde beim Anblick solcher Maasenquetschyng Kopf, falls sie ihn nicht schon vorher verloren hat. Im Zuschauerraum, für Hunderte bestimmt, drängen sich Tausende. Aut den ersten der lehnlosen Bänke sitzen die Kinder und die Alten, weiter, hinten Wogt Masse,. Masse. Aus Kisten und Tischen wird ein Notsitz* (und Notstands-) Lager, aus dem Zusehauerraum das Magazin eines Spediteur». Auch ln den Gängen Ist kein Stöhplatz frei: Hunderte lugen vom offenen Dach her in die Tiefe. Niemand spricht bi« zum Aktschluß ein Wort. Alles ist Sehen, Denken, iretmere IIIMN HARVEV in der grandiosen tuStsptalopereUe der FÖX Meine Küsse Ab mergeai SCHWEDEN-KINO, II. Nuesenblatt Tulo, Ein Volk unterwegs zum Frieden*) Die Bemühungen Dr. Tulo Nüssenblatt$, immer wieder neue« Material aus dar Werdezeit des Zionismus und aus der Umwelt Theodor Herz!« aus licht zu fördern, entspringen nicht einem lebensfernen Ahnenkult und einer wirkllchkeitsabgewandten Toten Verehrung. Diesem unermüdf liehen und glücklichen Forscher tat es vielmehr darum zu tun, durch die geschichtliche Erinnerung die Vergangenheit mit d«r Gegenwart und dadurch auch mit der Zukunft zu v«r* binden, ln Nussenblatts Buch dient die Historie dem äugen* bliqktichcn Leben, indem sie zur Selbsterkenntnis und zur Selbstbesinnung unserer Bewegung führt, wenn auch daneben das Interesse an überraschenden Einzelheiten durchaus auf seine Rechnung kommt, Schon der Titel des Buches zeigt, welche Ziele und Wertsetzungen unterstrichen, wie die Akzente verteilt werden: im Vordergründe Theodor Herzl und der Pazifisms, im Kern die weltpolitische Bedingtheit des jüdischen Problems und seiner zionistischen Lösung. Mit Herzte Stellungnahme zu den Bestrebungen de« «Vereines zur Abwehr de« Antisemitismus» in Oesterreich wird da» Hauptthema angeschlagen, nachdem eine übersichtliche, viel Neues bringende Darstellung des Antisemitismus gegeben wurde. Aus Herzls ausführlicher Antwort an Baron Leitenberger, der ihn für diesen Verein gewinnen möchte, klingt es vielleicht zunächst etwas spielerisch heraus, aber dar Untertan Ist unverkennbar ernst und wird immer verantwortungsvoller im Verlaufe dieses .außerordentlich wertvollen Briefwechsels zwischen dem böhmischen Großindustriellen und dem Pariser Korrespondenten der «Neuen Fneiieji Presse». Noch fehlen uns di« letzten menschlicheft Dokumente für die Wandlung Herz!« vom leichtsinnigmmlancholiSchen Aesthefeh <|ej» Mftanar. yter4te«ktais<ss. zur ethisch bewqftySF Persönlichkeit, «ie unter datfli Eindruck de* Breyfüs-Pi'ozessai» M Theodor Hßrzl —- Bertha von Suttner, Wien—Leipzig, RalfthokkVerlag* 1^3. Alle Radioapparate modernste Typen, stets lagernd bet 1. HAHN, Wien, IX. W«iscä0<isse 12, Tel. A 1B-5-B0 Serie Günstige Tellzahlungskonditioiun. Kostenlose Vorführung ln Ihrem Heim. Günsik;e Gdeyenlieitskäute.? Prozent des Kaitfwertes gebi* i h ruvunsten jüdischer Institutionen nach wähl d is Käufer» ab Prov;nz Und Ausiaiulv^rsand. Andacht. Kein Wort des Stückes geht so verloren. Erst in der Pause knattert lang und länger ein Beifaltogewitter lös. Der Wächter, der mit geladenem Gewehr die Siedlung umstreift, flucht (sofern ein Jude fluchen kann; «Zum Teufel» ist so ziemlich daa lästerlichste Wort, das die hebräische Gebrnuchssprache kenntl): wie soll er bei solchem Freudenlärm verdächtige Geräusche erlauschen? Die Pause ist eine Diskussionspause. Theaterkritiker unter sich. «Jud SÜß» ist ein voller Erfolg. Die Hablmah wird das Stück im ganzen Lande spielen, in Tel-Aviv, Jerusalem und Haifa sicher sehr oft. Tel-Aviv hat ein Opernhaus, kein architektonisches Meisterwerk, aber brauchbar. Jerusalems repräsentativer Bühnenbau Ist ein schönes Kino. # Haifa hat ein Amphitheater. So eine ideale Drehbühne gibt es freilich nur auf den Feldern von En-Tivon. Durch Originalität zeichnet sich noch ein anderes «Bauerntheater* aus: In Sch’chunath Borochow hat der Lehrer des Dorfes eine Art Bühne an die Rückseite seines Wohnhauses gezaubert «Aber wir schlagen alle,» erklären heute nacht voller Stolz die .Gäste aus der Kwuzzah Aln Charod, die so ziemlich vollzählig zur Stelle sind, «— wenn erst unser Freilichttheater fertig sein wird.» — «Wo wird es denn gebaut?» — «Na, gleich hinterm HUhnerstalL Am Wege nach Tel Josef.» Die Pause ist zu Ende. Jud Süß wird klein, das Schicksal groß. Ueber den Zuschauern lagert ein Bann. Von draußen heulen Schakale in die Töne der Klage hinein. Hin und wieder weht ein Windhauch kühlend Über d*e Flut der Manschen. Neben mir sitzt, ein bißchen gelangweilt, ein Araber; er hat sein bestes Gewand angezogen, glänzt in braungb'dper Seide," Er scheint verstimmt darüber," daß Ihn niemand beachtet, bewundert. Jud Süß schreitet zum Oalgen. Die Drehbühne bleibt wieder stehen. Stumm verströmt das Publikum. Wie die Letzten heimkehren, flutet hinter der Bergwand TrAnsjordaniens in goldenem, wolkenlosen Lfcht der Morgen hoch. Und neben der Bühne von En-Tivon greift, um Bewässerungsgräben zu ziehen, der Pflug in die Erde, tief, tief. den «Judenstaat», schreibt. Aber schon die Angaben, die Nussenblatt über die immer dringlichere Beschäftigung H^fzls mit der Judenfrage bringt, vertiefen unsere Kenntnis dieser entscheidenden Jahre, Menschlich und historisch ungemein fesselnd sind die dankenswerterweise vom Autor am Schluß de« Buches beigegebenen Tagebuchnotizen der Baronin Suttner zur gleichen Affäre, wenn auch in einem späteren Stadium. Den Höhepunkt der Publikation aber bildet zweifellos die Aufhellung von Herzls Rolle auf der Haager Friedenskonferenz, Daß Herzl der Baronin Suttner die Möglichkeit gab, an der Tagung teüzunehmen, indem er sje als Korrespondentin der «Welt« hlnsehickte, und daß er dann, als die Verhandlungen im Haag auf einen toten Punkt zu kommen schienen, durch die Intervention beim Großherzog von Baden die durch Deutschlands Intrahsigenz entstandene Krisis zu überwinden half, beweist uns nochmals die politische Genialität Herzls. Er sieht die organische Verbundenheit des Zionismus mit der Weitpolitik, wie sie mehr als zwei Jahrzehnt« später von Lord Robert Cecil in Genf ausgesprochen wurde, als er die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte uncj die Schaffung des Völkerbundes als die beiden größten Ergebnisse der Geschichte des Weltkrieges bezeichnete, weil sie die beiden großen Ideen sind, für die der Weltkrieg geführt wurde: die Idee des Nationalismus und des Internationalismus. Und heute ist die Innere Verllechtung der Judenfrag« mit dem Völkerbund und der Weltpolitik evidenter als jemals, unter welchem Aspekt auch immer die Ereignisse, deren Zeitgenossen wir sind, betrachtet werden. Kaum drei Jahrzehnte trennen uns von dem Zeitraum, den Nusseublatt vor uns lebendig werden läßt. Nicht mit Sentimentalität wollen wir diese untergegangene, uns schon fast unwahrscheinliche Welt, die für uns schon Geschieht« geworden ist, anschauen, sondern Nussenblatt dafür danken, daß er uns <$e Möglichkeit gibt, Geschichte ln Ihrer ureigensten Funktion zu erleben, als Deutung des GescliehentMi und Geschehenden, indem er uns zeigt, wie das wurde, was heute tat prof. Dr. Wiih. Stein. o