Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 264 (26.1.1933)
- Date
- 1933-01-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Arte * DIE STIMME Nr. 364 — 26. Jlmier 1933 Ein weites Qra,i stand bereit,. £um Emplany der sterblichen Ueberreste unseres Propheten, den das Banner Israels deckte. Während der letzten Rede trugen die Jünglinge den Sarg auf ihren Schultern zur Gruft und ließen ihn hinab, wo bei sich alle Fahnen zu Boden senkten. Als die Gruft geschlossen war, mußte ich einige hebräische Worte sagen. Dann, als letzter, sprach noch Bürgermeister D.zengoff, er, dessen Idee es gewesen, die sterblichen Ueberreste Max Nordaus nach Palästina zu bringen. Er pries den Schöpfer von Tel-Awiw, den aktiven Genius dieser Stadt, den Mann, der der Welt gezeigt habe, was ein Jude an der Spitze von Juden in wenigen Jahren schaffen könne. Max Nordau ruht für immer in Erez Israel. Ein wahrhaft königliches Begräbnis wurde ihm bereitet. Die ganze Stadt nahm teil an dieser Huldigung. Niemand blieb da zurück und die Größe der Zeremonie und ihre Feierlichkeit lassen sich kaum beschreiben. Eine überwältigende, dabei aber doch einfache Prozession war es: Die kleinen Kinder, die Ordnung, die da herrschte, die Bewegung, die sich eines jeden bemächtigt hatte, der heilige Schauer, der alle überlief, das alles bot ein Gesamtbild, wie es ergreifender nicht gedacht werden kann. Es war so modern, so ganz aus unseren Tagen, gleichzeitig aber fühlte män sich um Jahrhunderte zurückversetzt, fühlte, daß die Propheten das Tor ihres Steinpalastes öffneten und Ihren Erben feierlich und Hebevoll willkommen hießen. ◄ Zionistische Wochenschau ► Mandatskommission zur Frago des Legislative Council Genf. Wie dem JTA-Vertreter aus gut unterrichteter Quelle mitgeteilt wird, ist in der letzten Session der Mandatskommission des Völkerbundes die Frage der Schaffung einer gesetzgebenden Körperschaft (Legislative Council) in Palästina sehr eingehend behandelt worden. Als die Mandatskommission an die Formulierung ihrer allgemeinen Bemerkungen (general observations) hinsichtlich der Verwaltung Palästinas im Jahre 1932 schritt, war sie entschlossen, in diesen ■ Bemerkungen mit keinem Worte der vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope angekündigten Schaffung des Legislative Council Erwähnung zu tun, um '. auf diese Weise der Mancjatarmacht zu bedeuten, daß sie, die Kommission^ der Meinung sei, daß diese Frage mit g r Ö ß t e r V Öt s i c h t .zu behandeln s e i, und daß sie es für wünschenswert halte, daß nach dieser Richtunghin. keine übereilten!S c h r i 11 e getan werden. ' Dieser' anfängliche Entschluß^ der Kommission, mußte aber in den späteren ' Sitzungen umgestoßen werden. .Dies geschah bei der . Behandlung einer Petition der-arabischen Frauen Palästinas, in der Unter anderem die Einsetzung einer parlamentarisch-demokratischen Regierung in Palästina und die Annullierung der Balfour-DeklaraLon verlangt werden. Prof. R a p p a r d, der Berichterstatter über diese,Petition, machte den Vorschlag, daß die ‘ Kommission dem. Verlangen der aVabrschen -.Frauen ";;'dfe Bemerkung entgegensetzen' soll, ' daft: sie -Fofde- ' 'hingen,' die auf die'Abschäffurig eines Regimes hinaus- ' gehen) dessen Durchführung die Kommission zu überwachen., habe, -gar nicht zum Gegenstärid einer Erwägung machen künde. - pas Spanische Mitglied der Mandatskommission, Päjacios, machte daraufhin den -folgenden Vorschlag: ßä die Kommission früher "beschlossen bät-1'in’ ihren;: allgemeinen Bemerkungen •die Amgelegenheit des' 'LegislätiV Council unerwähnt zu lassent w#re; es angezeigt, jetzt, bei Beantwortung der Petition' der arabischen Praüeri, zu erwähnen, daß Berlin. Die Berliner Revisionisten haben gegen d2s Urteil ' des'zionistischen Ehrengerichtes, das bekanntlich aüf $o- fertige Suspendierung.des revn (.n';$t;schwn Sonderv.rbandef und den Antrag, an die:zionistische Exekutive auf Auflösung des Sonderverbandes lautet, eine Piotestversammlung in das Lehrervereinshaus einberufen, in der Richard Lichtheim u. a. folgendes ausführte: Politisch gesehen ist der ganze.Prozeß eine Torheit. Die Zionistische Organisation ist jetzt viel zu schwach, um sich einen solchen Vorstoß gegen die zweitstärkste Kongreßpartei erlauben zu können. Statt daß man sich um ihre Mitarbeit bemüht, wurde diese Partei vor den Kopf gestoßen und von der Mitarbeit ferngehalten. Die letzte Sitzung des A. C. hat uns als Sonderverband anerkannt. Das hatte mehr moralische als politische Bedeutung. Deshalb wird das Urteil für uns keinen praktischen Wert haben, denn an Kongreßwahlen kann jede Gruppe von Schekelzahlern teilnehmen. Wir bleiben auch nach dem Urteil Mitglieder der verschiedenen zionistischen Institutionen. Das Urteil ist nicht nur politisch ein Unsinn, sondern auch jurst* *ch höchst anfechtbar. Die Funktion des, Ehrengerichtes war die einer Schiichtungsbehörde bei Streitigkeiten zwischen Zionisten. Aber niemals sollte ihm eine Entscheidung über 65:000 Schekelzahler zustchfen. Die Revisionisten .unterliegen der Disziplin der Union, enau so wie der Misrachi der misrachistischen und die oale Zion der poale-zionistischen Disziplin, bezw. der der Zweiten Internationale unterliegen. Man kann theoretisch überall Gegensätze, konstruieren. Aber ein Bruch muß nachgewiesen werden. Das zweite große Vergehen soll die Verlegung unserer Exekutive von London nach Genf sein. 1n Genf wurden keine politischen Aktionen unternommen.' Wo liegt hier Disziplinbruch vor? Jeder kann seine Zentrale verlegen, wohin er will. Weiter wird für die Verurteilung die in Wien beschlossene Petition als Begründung genommen. Man kann gegen die Petition sein; aber warum ein Verband bestraft werden soll, wenn er eine Petition der jüdischen Massen einleiten will, Ist unverständlich. Der Text der Petition liegt nicht vor; die Vorbereitungen sind noch nicht getroffen; der Adressat steht noch nicht fest. Vielleicht wird die Petition sogar von der zionistischen Exekutive unterstützt werden; vielleicht werden wir hierin Zusammenarbeiten! Es ist höchst merkwürdig, wenn Richter über eine Aktionurteilen, die man nicht kennt. Das alles erinnert an Urteile, wie man sie letztens in Deutschland fällt und die von der Presse, die Herrn Qr. Cohn, einem der Richter des zionistischen Ehrengerichte!; nahesteht, schärfsten« verurteilt werden. Auch bei der High Commissioner die Schaffung eines Legislative Council angekündigt hatte. An den Vorschlag von Palacios knüpfte sich eine sehr ausgedehnte ernste Aussprache, die sich in der Hauptsache darum drehte, ob man in den allgemeinen Bemerkungen der Ankündigung des Legislative Council seitens der Mandatsregierung denn doch Erwähnung tun oder dies unterlassen solle. Die Mitglieder der Kommission Van Rees, Rappard, Penha Garcia, Orts und Meriin sprachen sich dahin aus, daß des Legislative-Council- Planes weder ln den allgemeinen Bemerkungen der Kommission noch in der speziellen Bemerkung, betreffend die Petition der arabischen Frauen, Erwähnung getan werden solle. Van Rees begründete in einer längeren Rede seine Bedenken gegen die Schaffung eines Legislative Council in absehbarer Zeit und kam zu dem Schlüsse, daß eine solche einschneidende konstitutionelle Aenderung dazu angetan wäre, die jetzt schlummernden politischen Leidenschaften wieder zu entfachen, was doch keineswegs zum Guten des Landes sein könne. Rappard führte aus, wenn man in der Antwort auf die Frauenpetition zu der Forderung nach einer Volksvertretung Stelin‘einem Gespräch mit dem Vertreter dier Jüdischen Telegraphen-Agentur führte Nahum Sokolow. Präsident der Jewish Agency, aus: Es ist falsch anzunehmen, daß nur die Juden es sind, «intellektuellem Hochverrat» werden Zeitungsartikel, Resolutionen usw. als Fakta, angenommen und danach Urteile gefällt. Diese Methoden des «vorbereitenden Handelns» und des «intellektuellen Hochverrates» wollen die Herren gegen uns anwenden Wir sind Mitglieder der Zionistischen Organisation, weil wir. es sein wollen, nicht weil wir es sein müssen. Der erste durch dieses Urteil Betroffene ist die Zionistische Organisation. Der Schlag, der uns treffen sollte, ist zu feinem Schlag für sie geworden. Wir protestieren gegen dieses unsachliche und ungerechte Urteil. Wir protestieren ffegen die schikanöse Weise der Behandlung von 65.000 chekelzahlern. Wir protestieren dagegen, daß gewählte Instanzen, die die Hüter der Organisation sein ßollen, diese unterwühlen; diese Instanzen werden mitschuldig sein, wenn die Zionistische Organisation zu Grabe getragen werden wird. Unsere Antwort auf dieses Vorgehen ist: Schekel kaufen und revisionistisch wählen! Folgende Resolution gelangte zur Annahme: «Die im Lehrervereinshaus in Berlin abgehaltene Massenversammlung protestiert gegen das Fehlurteil des Ehrengerichtes der Zionistischen Organisation, dessen Verfahren und Spruch eine rechtliche Ungeheuerlichkeit und ein zionistisches Unglück Sturm der polnischen Revisionisten gegen das Berliner Ehrengerichtsurteil Warschau. (J. T. A.) Gegen das Urteil des Ehrengerichtes der Zionistischen Organisation in Sachen des Sonderverbandes der Zionisten-Revislonisten, das auf Suspendierung und Auflösungsantrag lautet, haben die Führer der polnischen Revisionisten eine scharfe Protestaktion eingeleitet. Die zionistische Tageszeitung «Hajnt» führt aus: Seit Theodor Herzl den Zionistenkongreß geschaffen hat, gibt es Kongreßgerichte. Es ist dies aber der erste Fall, daß ein Urteil des Kongreßgerichtes ln einer solchen Weise kritisiert wird. Bisher wurden Urteile des Kbngreßgerichtes von allen Parteien mit Achtung und Respekt auf genommen. lang nimmt, müsse <fie Kommission gleichzeitig betonen, daß die Durchführung der Balfour-Deklaration gesichert werden solle. Andere Mitglieder der Kommission, wie Pafacios, Lord Lugard, der Präsident der Kommission Marquis Teodoli, vertraten einen entgegengesetzten Standpunkt, indem sie darauf hinwiesen,' daß die Schaffung von Selbstverwaltungsinstitutionen Im Mandat vorgesehen sei und daß es im Hinblick auf die Verpflichtungen gegenüber den Arabern geböten siei, daß die Kommission über die Deklaration von Sir Arthur Wauchope, betreffend Schaffung eines Legislative Council in Palästina, nicht mit Stillschweigen hinweggehe. Da nun die Meinungen in dieser Frage gefeilt waren, mußte zur A b s t i m m u n g geschritten vverden. Mit einer ganz kleinen Mehrheit wurde dann beschlossen, den anfänglichen Beschluß, des Legislative Council in den Bemerkungen nicht Erwähnung zu tun, umzustoßen und in die allgemeinen Bemerkungen den Satz aufzunehmen: Die Mandatskommission nimmt die Erklärung von Sir Arthur Waiichope über die geplante Einführung.eines Legislative Coimcil in Palästina zur Kennntis. Zu bemerken ist, daß sich die Kommission:^diesmal damit begnügt hat, die Erklärung d£s H?gh Cöjmmissioner einfach zur Kennt n i s zu nehmen, während sie in ihrer 20. Session im Juni. 1931 öei einer ähnlichen Erklärung des damaligen englischen Unterstaatssekretärs für die Kolonien, Dr. ’S/iiels, ihre «Zufriedenheit (satisfaction) ausgedrückt» hat. die sich der Schaffung einer Legislative Assenrbly; inpa-' lästina widersetzen; viele der maßgebenden Männer in Lcn<$pn sind der Ansicht, daß man einen Legislative Council in dieser Epoche nicht durchpeitschen, sondern ein System-, schrittweiser Entwicklung bei gleichzeitiger Durchführung praktischer Reformen vorziehen solle. Die Schaffung eines Legislative Council im gegenwärtigen Zeitpunkt läge, keineswegs im Interesse der Regierung und des Mandates. Manche Leute denken, nur die Extremisten unter den Juden seien gegen-d£n geplanten Legislative Counoil; diese Menschen hegen -vielleicht die Erwartung, daß gewisse Elemente unter den Juden wie unter den Arabern sich auf der Plattform eines Legislative Council einigen könnten. Eine solche Annahme ist vollkommen irrig. Ich zweifle nicht, fuhr Nahum Sokolow fort, .daß der jetzjge High Commissioner von den besten Absichten sowohl hinsichtlich der Entwicklung des jüdischen Werkes, in Palästina als auch hinsichtlich des Wohlstandes der nicht jüdischen Bevölkerung beseelt ist Jedoch die Verwirklichung seiner guten Absichten wird noch beträchtliche Zeit erfordern. Die gegenwärtige politische Lage wirkt sich für die jüdischen Interessen in Palästina weit besser aus als je eine Lage vorher. Dies ist hauptsächlich auf den Fortschritt des jüdischen Aufbauwerkes zurückzuführen, der dem ganzen Lande zugute kommt. Sokolow schilderte seine Begegnungen mit den verschiedenen Schichten der jüdischen Bevölkerung im . Lande und stellte abschließend fest, daß sich die Lage der Juden in Palästina entscheidend gebessert habe. Wir können uns, sagte Sokolow, dazu beglückwünschen, daß wir einen, wenn auch noch sehr kfcrinen Teil der großen. Mission, mit der wir betraut worden sind, erfüllt haben. Diese Leistung bedeutet für uns nicht einen festen Punkt oder einen Abschluß, höchstens einen Markstein auf dem Wege zur Verwirklichung des Ideals. Ich bin nicht Anhänger der Theorie, daß auf sieben fette Jahre unbedingt sieben magere folgen müssen. Attee hängt vom Geist des Volkes ab. Wir sollten den Geist der Zuversicht, von dem die Juden Palästinas jetzt erfüllt sind, stärken und nicht pessimistischen Prophezeiungen Raum geben. Ueberall in Palästina, ln Tel-Awiw, im Etnek und in der Scharon-Ebene, sind rühmenswerte Leistungen vollbracht worden. Jeder Jude in Palästina, der fleißig und geduldig ist, kann auf den Erfolg seiner Arbeit rechnen. Nahum ßokolow hofft, Ende Februar wieder in London zu sein» Lichlheim über das Berliner Urteil Nahum Sokolow über Legislative Council v. . f.. »r Die Prosperität Palästinas wird von Dauer sein