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Die Stimme · 1932-01-21 · Heft 211 (21.1.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 211 (21.1.1932)
Date
1932-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. 211 — 21. Jänner 1232 DIE STIMME Seite 5 Sarah Osnalk Halevy die berühmte jemenitische Künstlerin, gibt am Sonntag, den 24. ds.,y812 Uhr mittags eine im Theater in der Josefstadt Palästinensische, jemenitische, spaniolische, arabische und beduini; sehe Lieder und Tänze. Musik nach Originalmotiven. Originalkostüme Karten Vorverkauf im Theater i. d. josefstadt, im Zionistischen Landeskomitee, Wien, I. Kärntnerstr. 28 u. in der Bücherstube M. Rath, II.,Taborstr. 20a. Eintrittspreise S1*- bis 5"- kannt gewordenen Aussagen geht hervor, daß die jungen Leute tatsächlich ln eine Falle gelockt worden sind. Tzichlnowskl erzählte, er, wie seine ermordeten Kollegen, die arbeitslos waren, hätten sich auf die Arbeitssuche begeben wollen. Ihnen näherte sich der Schmuggler Papusoju und sagte ihnen, sie mögen Geld mit sich nehmen, er werde sie über die Grenze führen, wo sie Arbeit finden werden. Papusoju setzte sich mit einem Koporal der Grenzgendarmerie in Verbindung. Beide hatten sich offenbar verabredet, die jungen Leute an die Grenze zu locken, sie dort zu erschießen und zu berauben; als dann die jungen Leute sich der Grenze näherten, wurden sie für verhaftet erklärt, in ein Außenviertel der Stadt Soroca geführt und aus einer Entfernung von etwa 5 Metern beschossen, wobei auch einige Handgranaten geworfen wurden. Das Geld war ihnen vorher abgenommen worden. Daß es sich nicht um eine Erschießung auf der Flucht, sondern um ein beabsichtigtes Massacre handelt, geht schon daraus hervor, daß fast sämtliche Schüsse Brustschüsse waren. Noch als die sechs jungen Leute auf dem Boden lagen, wurde auf sie geschossen, weil man verhindern wollte, daß etwa ein Ueberlebender noch Aussagen mache. Tzichinowski hielt man für tot, sonst hätte man ihm auf der Stelle den Rest gegeben. König Carol hat den Gouverneur von Bessarabien, General Rischcanu, zur Berichterstattung über den Fall zu sich befohlen. Moses Heß Zu seinem 120. Geburtstag am 21. Jänner 1932 Er hieß eigentlich Moriz, nannte sich ostentativ Moses und bedauerte, daß er nicht Itzig heiße. Das war ein Beweis von Mut zu einer Zeit, in der sich das deutsche Judentum zum Versuch anschickte, Hals über Kopf in Deutschland unterzutauchen und das Entreebillctt zur deutschen Kultur zu lösen. Heß, der am 21. Jänner 1812 ln Bonn geboren wurde, kam in überstürztem Tempo als Autodidakt über Spinoza und Hegel zur Politik und zum Sozialismus und Kommunismus. Nach dieser Sturm- und Drangperiode wandte er sich jüdischen Studien zu und 1862 erschien sein Werk «Rom und Jerusalem». Von diesem Werke zieht sich über Smolensky, Pinsker, Achad Haam der Weg, der zum modernen Zionismus führt. Heß war tief davon durchdrungen, daß die Mission des Judentums nur erfüllt werden könne durch Erhaltung der Nationalität auf einem gemeinschaftlichen Boden. «Rom und Jerusalem» blieb zunächst ohne Echo. Es war überhaupt Heß nicht vorbestimmt, in seiner Größe bei Lebzeiten erkannt zu werden. Er, der von den Schergen der Reaktion von Land zu Land flüchtete, der zunächst nur harte Worte für das jüdische Volk fand, erweckte nicht die Herzen des jüdischen Volkes. Erst nach seinem im Jahre 1875 erfolgten Ableben wurde der Judenheit bewußt, was Heß für sie bedeutet hatte. Er war es auch, der als Westeuropäer zuerst die Bedeutung des Chassidismus erkannte. Mit Staunen liest man heute sein Buch «Die europäische Triarchie», in dem er die Grundlage für die Idee der «Vereinigten Staaten von Europa» schuf. In einem Aufsatze «Une nation döchue»» prophezeite er als Folge des deutsch-französischen Krieges die Absetzung der Habsburger und Hohenzollem, die Auflösung Oesterreich-Ungarns und die Wiedergeburt der slavischen Staaten. In den letzten Jahren seines Lebens war Heß Mitarbeiter der «Alliance Israeliten und übersetzte den dritten Band der Geschichte von Graetz unter dem Titel «Sinai und Golgatha» ins Französische. Man kann sich kaum einen Begriff von dem Universalgenie Heß machen. Er erkannte z. B. schon die Atome als elektrische Kraftzentren. Heß war Autodidakt und trotzdem in fast allen Gebieten des menschlichen Wissens sattelfest und vielfach seiner Zeit weit voraus. Er verkündete die Idee des Judenstaates, ohne sich Gehör zu verschaffen. Das war erst einem noch Größeren beschieden — Theodor Herzl. Dr. Oskar Grünbaum. Mb von Kloses Hess Nicht der alte fromme Jude, der sich eher die Zunge ausreißen ließe, als sie zur Verleugnung seiner Nationalität zu mißbrauchen; der moderne Jude ist der verächtliche, er, der gleich den deutschen Lumpen im Auslände seine Nationalität verleugnet, weil die sthwere Hand des Schicksals auf seiner Nation lastet. * Nichts ist dem Geiste des Judentums fremder als das egoistische Seelenheil des isolierten Individuums, der Hauptgesichtspunkt der Religion nach modernen Vorstellungen. * Jede Befreiung aus politisch-sozialer Knechtschaft ist zugleich eine geistige Befreiung und eine Befruchtung des nationalen Genius. * Bel den Juden noch mehr als bei Nationen, die auf ihrem eigenen Boden unterdrückt sind, muß die nationale Selbständigkeit Jedem politisch-sozialen Fortschritte vorangehen. Ein gemeinsamer heimatlicher Boden ist für sie die erste Bedingung gesünderer Arbeitsverhältnisse. * Wäre es wahr, daß die Emanzipation der Juden im Exil unvereinbar sei mit der jüdischen Nationalität, so müßte der Jude die Emanzipation — der Nationalität zum Opfer bringen. * Die junge Generation, die für alles Erhabene und Heilige empfänglich ist, wird sich der nationalen Bewegung mit Begeisterung anschließen; und hat einmal der frische Nachwuchs seine Triebkraft nach dieser Richtung hin genommen, so wird auch das dürre Holz sich mit den Blättern und Blüten Israels schmücken. 9 Die Zahl tut nichts zur Sache. Der Judaismus ist nie von einem zahlreichen Volke repräsentiert worden. Das goldene Kalb hat Immer die größere Anzahl angezogen und nur eine kleine Schar von Leviten wird auf ihrem alten Herde das heilige Feuer unserer Religion bewahren. * Als Individuen ziehen wir Nutzen aus der Mission der anderen großen historischen Rassen Als Nation erfüllen wir die unsrige. Als Individuen haben wir zweifellos Rechte zu beanspruchen und Pflichten zu erfüllen; aber unsere heiligsten Rechte und Pflichten sind die, welche wir als Nation zu fordern und zu erfüllen haben. Zwei bedeutsame üptihel von „Hear East and Indio“ «Es gibt kein Zurück zu der guten alten Plumer-Zeit.» — Forderung an die Zionistische Organisation, Jabotinsky auszuschließen. Die Zeitung «Near East and India» veröffentlicht zwei Leitartikel ,die sich mit zionistischen Problemen befassen. In dem einen Leitartikel heißt es: Es gibt kein Zurück mehr zu der guten alten Plumer-Zeit. Es ist sinnlos, jetzt noch annehmen zu wollen, daß das Palästina-Problem vom englischen Volke je wieder so betrachtet werden könnte, wie dies zu einer Zeit geschah, als noch nicht der Simpson-Bericht eine Flut von Licht auf dieses Problem goß. Zugegeben, daß gewisse Tatsachen im Simpson-Bericht — wie dies die zionistischen Kritiker des Berichtes versichern — falsch waren, so enthielt der Bericht doch mancherlei, das geeignet war, die englische öffentliche Meinung ln England auf ihre moralische Pflicht hinzuweisen, für die landlosen Araber zu sorgen, bevor die Tore Palästinas den unterstützten Einwanderern weit geöffnet werden. Wenn die Palästina-Administration nun diese Politik führt, so rechnet sie nicht allein mit den Tatsachen und den Erfordernissen der Lage, sondern sie interpretiert damit genau die Wünsche der unterrichteten öffentlichen Meinung in Englang. Der Leitartikel befaßt sich sodann mit der auf der letzten Konferenz der Föderation der englischen Zionisten an der englischen Palästina-Politik geübten Kritik und betont, daß England niemals die Aufgabe übernommen hat, ein jüdisches Nationalheim in Palästina zu errichten, sondern nur die Aufgabe, die Errichtung eines solchen Nationalheims zu erleichtern. Zum Schluß führt die Zeitung aus, es sei ein unglückliches Symptom des Geistes der englischen Zionisten, daß sie die Sorge, die die Palästina-Administration den Interessen aller Palästina-Einwohner zuwendet, als gleichbedeutend mit Nonkooperation mit der Jewish Agency ansehen. In dem zweiten Leitartikel gibt «Near East and India» der Zionistischen Organisation den Rat, Jabotinsky und seine Anhänger, die von der Zeitung als «aus dem Gleichgewicht geratene Revisionisten» bezeichnet werden, aus der Organisation auszuschließen. Für Männer, schreibt die Zeitung, die davon schwatzen, daß das British Empire in die Luft ge« sprengt werden solle (bekanntlich hat die revisionistische Union erklärt, daß Jabotinsky diese Aeußenmg nicht getan hat. Die Red.) ist kein Platz in einer Bewegung, deren Fortschritt von der Zusammenarbeit mit eben diesem British Empire abhängt. Je eher solche Mißvergnügten und Unfriedenstifter offiziell, über Bord geworfen werden ,um so besser. Es wäre, schreibt die Zeitung, ein großer Fehler, den Einfluß und die Strömung des «auswärtigen» Zionismus ztr unterschätzen; die Niederlage Weizmanns auf dem Kongreß gibt diesbezüglich zu denken. Die Zionistische Organisation müßte schon darum den Revisionismus ausschalten, weil es ein lächerliches Schauspiel ist, wenn der größere Teil der zionistischen Bewegung immer wieder die Erklärungen des anderen Teils zurückweisen muß, während der extreme Teil notwendig die Titelzeilen in den Zeitungen monopolisiert und, was noch schwerer ins Gewicht fällt, konstant die Befürchtungen der Araber erregt. Brodetshys Rede Auf der Jahresversammlung der englischen Zionisten« London, 11. Jänner, (j. T. A.) In der Sitzung der Jahreskonferenz der englischen zionistischen Föderation am vergangenen Sonntag beleuchtete der Leiter des politischen Dezernats der Zionistischen Weltexekutive Dr. S. Brodetsky die politische Situation des Zionismus und kam auf Weizmanns gegenwärtige Position in der Bewegung zu sprechen. Er trat den in einigen jüdischen Zeitungen aufgesteliten Behauptuntungen, wonach Nahum Sokolow nur nominell Präsident der Organisation ist und der Stab der Exekutive von Locker und Brodetsky bis zum kleinsten Beamten in der Great Rüssel Street nur Weizmanrt gehorcht, scharf entgegen und sagte, solche Behauptungen wären eine Fälschung, die niemandem Nutzen bringen könne. Wohl habe Weizmann in der letzten Zeit der zionistischen Bewegung seine Hilfe geliehen und kräftig mitgeholfen, daß sich die Jewish Agency politisch und wirtschaftlich über Wasser hat halten können, keineswegs aber fiel es Weizmann ein, sich in die. politische Arbeit der Exekutive einzumischen. Die Exekutive hat weder zugunsten Weizmanns noch irgendeines anderen sich ihrer Befugnisse begeben. Wenn diejenigen, fuhr Brodetsky fort, die die neue Exekutive in Basel gewählt haben, jetzt fragen, ob seither irgendein beträchtlicher Forschritt, namentlich im Hinblick auf das ergänzende Schreiben des Premierministers MacDonaid, in welchem die Sicherung der jüdischen Rechte gemäß dem Mandat nochmals festgelegt wurde, gemacht wurde, so kann die Exekutive darauf nicht mit einem einfachen Ja antworten. Dafür gibt es viele Erklärungen, wobei auf die Aenderungen in der politischen Situation Englands, auf den Wechsel im Amte des High Commissioners uni auf manches andere hingewiesen werden kann. Die Exekutive hat das Vertrauen, daß der neue High Commissioner Sir Arthur Grenfell Wauchope mit den besten Absichten nach Palästina gekommen ist. Auch die vom Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister an Nahum Sokolow nach Amerika aus Anlaß der Eröffnung der dortigen Kampagne für den Keren Hajessod gerichtete Botschaft gibt Hoffnung auf eine positivere Haltung der Regierung zur jüdischen Arbeit. Worauf es aber hauptsächlich ankommt, ist, daß die Regierung sich endlich darüber klar wird, daß die Geduld des jüdischen Volkes auf eine harte Probe gestellt ist, Wir haben ein Recht, von der Regierung zu fordern, daß sie uns einen vollgültigen Beweis ihres guten Willens gibt, ohne jede weitere Verzögerung jene Prinzipien durchzuführen, auf denen vor sechs Monaten in Basel die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit der Regierung beschlossen worden ist. Dr. Chaim Weizmann hat der Konferenz der. englischen zionistischen Föderation nicht beigewohnt, da er an einer Grippe erkrankt ist. Er sprach der Kon-

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