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Die Stimme · 1932-04-07 · Heft 222 (7.4.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 222 (7.4.1932)
Date
1932-04-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 222 — 7. April 1932 DIE STIMME Seite 3 Die MaUUaMah Glänzender Verlauf Die Kümpfe off Mell beendet Tel-Aviv, 3. April. (Priv.-Tel.) Die Makkabiah, die Tausende von Sportlern und Touristen nach Palästina geführt hat, ist zu Ende. Ihr Verlauf hat alle Erwartungen übertroffen. Jüdische Sportler haben vor einem internationalen Publikum aus allen Ländern der Welt ihr hervorragendes Können durch glänzende Leistungen bewiesen und bei allen Teilnehmern und Zuschauern Begeisterung für den jüdischen Nationalgedanken und den Ziorrsmus erweckt. Der Aufmarsch der 5000 Makkabi Sportler. Besonders eindiucksvoll war der Auftakt der Festlichkeiten. Dienstag, den 29. März, marschierten die Sportler durch Tel-Aviv in das prächtige Stadion. Während des Marsches der 5000 MaKkabi-Sportler vom Herzliah-GyimtsTm zum Stadion not die Strdi ein herrlich bewegter Bild. Sämtliche Häuse«*, Laden und Autos 'varr.i mi< den zionistischen Fan ie-t und Embleme;* sowie c!er' Symbolen der Makkabiah geschmückt. Viele tausende Einwohner von Tel-Aviv und den Kolonien bildeten auf dem Wege Spalier und begrüßten die Sportgruppen mit stürmischen Zurufen. Bürgermeister Dizengoff führte den Zug zu Pferd an. Araber nehmen an der Makkabiah telL Anderthalb Stunden später, um 3 Uhr nachmittags, wurden im Stadion die Makkabi-Spiele offiziell eröffnet. Vorher vollzog sich der symbolische Akt der Freilassung von 120 Brieftauben, 10 Tauben für jeden der zwölf Stämme Israels, aus dem Stadion zur Uebermittlung der Nachricht der Einweihung des Stadions nach allen Enden Palästinas. Während dieses Aktes wurde die Hatikwah angestimmt, wobei sich die Fahnen der einzelnen Ländergruppen neigten. Dann defilierten die Sportgruppen der 23 beteiligten Staaten Deutschland, Lettland, Estland, Litauen, Finnland, Tschechoslowakei, Rumänien, Oesterreich, Australien, England, Amerika, Bulgarien, Luxemburg, Dänemark, Schweden, Aegypten, Syrien, Griechenland, Tunis, Frankreich, Belgien, Holland und Palästina vor dem Präsidenten des Welt- Makkabi Dr. Leiewer, der den Gruppenführern jedes Landes die Farben aushändigte. Bemerkenswert ist, daß an der Makkabiah zahlreiche Araber aus Aegypten, dem Libanon, Syrien und Tunis teilnahmen. Nach dem Festakt begannen die Leichtathleten-Konkurrenzen. Die Schlußprozession der Makkabäer. Am 31. März ging die Makkabiah offiziell zu Ende. Der Schlußtag ln Tel-Aviv verlief besonders glänzend. Im Stadion verfolgten mehr als 25.000 Zuschauer, unter denen sich der High Commissioner, die Konsuln der fremden Mächte und zahlreiche Regierungsbeamte bedete einen Becher für den Gewinner im Stafettenlauf, dete einen Becher für den Gewinner im Staffetenlauf, der zwischen Staffeln der Polizei und des Heeres und des Makkabi ausgetragen wurde. Den Preis eroberte das Regimentsteam Middlesex. Helle Begeisterung weckte die von Abraham Schapira aus Petach-Tikwah geführte Reitertruppe. Hohe Geschicklichkeit, strenge Disziplin und schöner Rhythmus charakterisierten alle Vorführungen. Um 5 Uhr nachmittags begann die Schlußprozession der 5000 Makkabäer. Wieder marschierte jede Ländergruppe mit der eigenen Fahne. Der der Stadt zu sich bewegende Zug bot ein farbenbuntes Bild. Auf den Gräbern Max Nordaus, Achad Haams und der Opfer der Unruhen im Herbst 1929 wurden von Tel-Aviv, bejubelt von der Einwohnerschaft. Er ging dann mit Musikkapellen durch die Hauptstraßen von Tel-Awiw, bejubelt von der Einwohnerschaft. Er löste sich vor dem Herzliah-Gymnasium auf. Mit der offiziellen Beendigung der Makkabiah sind noch nicht alle Sportfeste in Palästina beendet. Mehrere Sportkämpfe werden in verschiedenen Orten des Landes ausgetragen. Die Preisverteilung geschieht am 5. April zu Haifa. Die Erfolge der jüdischen Sportler Oesterreichs. Bei der Makkabiah haben sich jüdische Sportler Oesterreichs sehr gut gehalten. Sie haben im Boxen, im Laufen und im Schwimmen Siege errungen. In der Schwergewichtsklasse der Boxer errang Laub die erste goldene Medaille. Deutscher wurde im 400- Meter-Lauf Erster. Aus den Schwimmwettbewerben holten sich, wie erwartet, die Damen Löwy (100- Meter-Crawl) und 300-Meter-Crawl) und Bienenfeld-Wertheimer (200-Meter-Brust) die ersten Plätze und außerdem blieb G u t h über 1500-Meter- Crawl Sieger. 100 rumOnisclie Abgeordnete fahren nach Palästina Am 21. April reisen ungefähr 100 Mitglieder des rumänischen Parlaments nach Palästina, um die Frühlingsmesse in Tel-Aviv, an der sich bekanntlich die rumänische Regierung offiziell beteiligt, zu besuchen. Von Palästina begeben sich die rumänischen Parlamentarier nach Aegypten und Griechenland. An der Exkursion werden sich einige Mitglieder des Jüdischen Parlamentskiubs beteiligen. Auch der Führer der von der Regierung soeben aufgelösten antisemitischen Terrororganisation «Eiserne Garde», Corneliu Zelea C o d r e a n u, fährt mit, Die »jüdische Republik“ in Biro-Bidschan Die kommunistische Partei versteht besser als irgendein« andere Macht oder Gruppe der heutigen Welt die Kunst der Propaganda. Sie weiß überall das richtige Schlagwort des Moments herauszuspüren, und wenn sie ein Programm für eine unterdrückte Gruppe oder ein Volk aufstellt, so kann man sich darauf verlassen, daß dies ein Beweis für die in dem betreffenden Volke wirklich vorhandene Sehnsucht ist. In einer Welt, wo gegen berechtigte Forderungen alles blind und taub zu sein scheint, ist eine Macht, die die große Bedeutung der Sehnsucht von Millionen Menschen zu würdigen weiß, gewiß als weitsichtig anzuerkennen. Was die Juden betrifft, so hat die kommunistische Partei frühzeitig erkannt, daß die Nationalisierung des Judentums in den letzten dreißig Jahren so stark fortgeschritten ist, daß man, um die jüdischen Sympathien in größerem Maßstab zu gewinnen, den Juden nationale Ziele in Aussicht stellen muß. Seit der internationalen Anerkennung der zionistischen Ziele durch Balfour-Ueklarntion und Palästina-Mandat war es klar, daß eine Gegenaktion zur Gewinnung der jüdischen Freundschaft nur durch Prokiamierung eines konkurrierenden Zieles bewirkt werden könnte. Da aber auf dem Boden der Sowjetunion kein Ort liegt, der dem jüdischen Volke heilig und mit ihm historisch verbunden wäre, ergab sich die Notwendigkeit, rein abstrakt das Ziel eines «jüdischen Staatswesens» aufzustellen und gleichzeitig den Zionismus als «reaktionäre» Bewegung scharf zu bekämpfen. Nach dem Zusammenbruch der Idee «jüdische Republik in der Krim» wurde plötzlich der neue Name Biro-Bidschan ins Volk ge- Streng rituell... wirdKunerol erzeugt, in modernen, appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100°/oiges Pflanzenfett Seme besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestelit KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT T m Bei den portugiesischen Marranen Von Paul Goodman (London). Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen («Jewish Chronicle Supplement») von Dr. O. Grünbaum. Die Geschichte der Marranen ist ein klassisches Beispiel für die Zähigkeit des jüdischen Volkes. Es gelang zwar dem Terror der Inquisition, die Marranen in Spanien schließlich auszurotten, aber es war doch einer großen Menge von Juden gelungen, nach dem Edikt von 1492 aus Spanien nach Portugal zu entkommen. Die überwiegende Zahl der Marranen erlag auch ln Portugal dem Drucke der christlichen Umgebung und ging in der christlichen Bevölkerung unter. Im Gegensatz zu Spanien vermochte jedoch eine beträchtliche Zahl von Marranen dem Judentum treu zu bleiben, und diese Treue vererbte sich von Gescnlecht zu Geschlecht. Bis in die letzte Zeit galt das Vorhandensein von Marranen in Portugal als Legende. Erst im Jahre 1925 konnte Samuel Schwarz in seiner Schrift «Os Cristaos-Novos em Portugal no Seculo XX» genaueren Aufschluß über ihre Existenz, ihr Leben und ihre Gebräuche geben. Ueber Initiative der Alliance Israelite, der Anglo-Jewish Association und der Spanischen und Portugiesischen Gemeinde in London gründete der seither verstorbene Lucien Wolf im Jahre 1926 das «Portugiesische Marranenkomitee» in London. Dieses Komitee übernahm es für fünf (Jahre, das von dem Marranen Carlos de Barros Bastos unternommene Werk der Wiederbelebung des Judentums in Portugal zu fördern. Im Juni 1931 besuchte ich in meiner Eigenschaft als Ehrensekretär des Marranen-Komitees Portugal. Ich fand in Portugal ein undefinierbares jüdisches Element in der Bevölkerung. Ich traf mit Menschen zusammen, die sich als Juden bezeichneten oder als solche galten, aber trotzdem nicht jüdischen Glaubens waren. Es gab eine Zeit, in der diese sogenannten Juden im geheimen gewissen Ideen huldigten und gewisse Gebräuche hatten, die sie von ihren jüdischen Vorfahren übernommen hatten. Als 1910 die Monarchie in Portugal von der Republik abgelöst wurde, als freie Meinungsäußerungen wieder möglich waren, ergab sich für diese Menschen eine neue paradoxe Situation. Sie hatten unter Gefahren ihre jüdische Tradition durch Jahrhunderte Jiochgehalten, der Terror war verschwunden und die Tore ihres‘geistigen Gefängnisses standen offen. Trotzdem blieben viele in dem Kerker, der ihre Heimat war; andere wieder zogen weg und vergaßen ihre Vergangenheit und die Hoffnungen, die sie und ihre Voreltern in den Zeiten der Verfolgung und Bedrängnis aufrecht erhalten hatten. Bei den meisten aber, welche die Tradition hochhielten, war die angeborene Furcht, sich offen zum Judentum zu bekennen, zu sehr eingewurzelt, sie konnten sich das Judentum gar nicht anders vorstellen als eine geheime Sekte. Trotzdem findet man in vielen Teilen Portugals Marranen, die sich offen als Juden bekennen. Kapitän Barros Basto hat sich auf den Unterricht über die Grundelemente der jüdischen Religion beschränkt. Er hat weiters, durchglüht von Begeisterung für den jüdischen Glauben, in Oporto, das den Wohnorten der Marranen am nächsten liegt, ein Propagandazentrum geschaffen und die Erbauung einer Synagoge in Angriff genommen. Sie erhielt den Namen «Mekor Chaim». Sie befindet sich in der Rua Guerra Junqueiro, einer Straße, die ihren Namen nach einem gefeierten portugiesischen Dichter führt, der wahrscheinlich jüdischer Abstammung war. Obwohl mit geringen Kosten erbaut, zeichnet sich dieses Gotteshaus, ein Symbol des wiedererweckten Judentums, durch seine schöne Architektur aus. So angenehm mich der Anblick des Gebäudes berührte, so war ich doch traurig darüber gestimmt, daß es so unvollendet ist, obwohl ein Grundstein am 1. Juli 1929 gelegt wurde. Es ist peinlich, daß die zu seiner Vollendung nötigen 1000 bis 2000 Pfund nicht aufgebracht werden können und daß das Gebäude Gefahr läuft, zur Ruine zu werden. Wenn nicht rasch Hilfe kommt, werden die Mauern der Synagoge von Oporto, die noch kein Dach trägt, ein trauriges Denkmal für den mangelnden Religionseifer der Judengemeinde in Lissabon und des Judentums der Welt bilden. Trotzdem wird in einem Raum der Synagoge, der nur unter Gefahren für die körperliche Sicherheit betreten werden kann, der Gottesdienst abgehalten. Es gibt dort zwei Thorarollen, die von der ehemals auf der Insel Barbados in Westindien bestandenen sephardischen Gemeinde herstammen; sie wanderten zunächst von Barbados zur Spanischen und Portugiesischen Kongregation nach London und wurden dann der Marranengemeinde in Oporto geschenkt. Als ich dem Gottesdienst beiwohnte, las Rabbi Jacob Shebanon, der aus Safed in Palästina stammt, den Wochenabschnitt. Der Hauptgottesdienst wird Freitag abends abgehalten. Da versammelt sich die Gemeinde, um den Sabbat zu begrüßen. Eine bunt zusammengewürfelte Menge ist versammelt. Um Kapitän Barros Basto und seine eifrig für den alten Glauben wirkende Frau ist eine kleine Gruppe enthusiastischer Marranen versammelt, welche aus ihren Gebetbüchern, die füt sie in portugiesischer Sprache verfaßt wurden, betefl«

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