Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 213 (4.2.1932)
- Date
- 1932-02-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 213 — 4. Februar 1032 ne inwtt Sette 11 Bet allen •ialik*V«ranstaltung«n de«* Hietadruth Iwrith leistete der jüdlcehe Wanderbund Hasehemer*Hazair Blau-Weiß Ördnerdtenste und sammelte ftlr den Keren Kajemeth. Der genannte Bund hat bet dieser Gelegenheit ausgezeichnete Disziplin und Ordnung gewahrt und seine Starke bewiesen. Wir danken hiemlt allen Chawerim dieser Hlstadruth für ihre Mühe und nehmen mit Freuden Ihr Anerbieten, bei allen unseren VeranstaJtungen auch künftighin den Ordnerdienst zu versehen, an. Wiener Jüdischer Gesangverein. Wir laden alle Freunde und Gönner unseres Vereines für den 13. Februar um 10 Uhr abends ln den Festsaal des Cafd „Altes Rathaus", Wien, I., Wlpplingerstraße 23, herzlichst ein. Wir veranstalten einen Familienabend, der mit verschiedenen lustigen und musikalischen Vorträgen ausgefüllt sein wird. Zionistische Sektion VIII/IX. Wir veranstalten unter Leitung des Herrn Dr. Leo Goldhammer einen Vortragszyklus über „Die Geschichte des Zionismus". Erster Vortragsabend: Dienstag, den 9. d., Punkt 8 Uhr abends, im jüdischen Vereinshelm, VIII., Bennoplatz la, mit dem Thema: „Manuel Noah und der Krel* um Steinschneider". Gäste herzlich willkommen. A. 0. Qordon-Feier. Aus Anlaß des lOJähfigen Todestages A. D. Gordons veranstaltet die Hlstadruth „Gordoniah" am Sonntag, den 14. Februar um 7 Uhr abends, ln den Künstlerspielen, L, Riemergasse 11, eine Qordon-Feier. Karten erhältlich: Im K. K. L., L, Kärntnerstraße 28 und allabendlich im Heime der „Gordoniah", II., Ausstellungsstraße 19. Zionistische Jugondgemeinschaft „Brith-Herzl", Wien, XX., Jägerstraße 30. Wochenprogramm: Samstag, i. Februar: Slchotb der Kwuzoth „Dror“ (5 Uhr), „Aöhwab" und „Tlkwah“ (3 Uhr). Um halb 8 Uhr abends: Vortrag dös Herrn Dr. Michael Steinberg über: „Kulturprobleme der Juden in der Galuth“. — Sonntag, 7. d.: 8 Uhr früh: WifcdCruhg (ab SchWedenplatz); 7 Uhr abends: Heimabend. — Montag, 8. d., halb 8 Uhr abend: Hebräisch für Anfänger. — Dienstag und Mittwoch: Slchöth. — Donnerstag, halb 8 Uhr abends: Hebräisch für Anfänger, Chug IwrL Theaterabend des Lomborgor-Veroinoo. Dienstag, den g. Februar, findet um 8 Uhr abends im Neuen Jüdischen Theater, H., Taborstraße 12, eine Vorstellung für den obgenannten Verein statt. Zur Aufführung gelangt das beliebte Stück „A Mensch soll man sein“ mit Sevilla Pastor und Leon Kalisoh in den Hauptrollen. Das Reinerträgnis wird ausschließlich der Pesach-Aktlon zugewendet. Es werden daher sämtllohe ln Wien wohnhaften Lemberger ersucht, sich an diesem Abend zahlreich zu beteiligen. Aktien „Jüdische Jugend in Not". Mit Unterstützung der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien wird am Dienstag, den 2. Februar, in den Räumen der Völksbibllothek „Ztoh", Wien, II., Kleine Mohrengasse 5 <1. Stock), ein Jugendheim für die. arbeitslose männliche jüdische Jugend eröffnet. Im gut geheizten Helme wird für weitestgehende Beschäftigungsmögllchkeit (Zeitungen, Spiele usw.) gesorgt Allen Besuchern wird eine warme Jause verabreicht Das Helm ist an allen Wochentagen von 2 bis 7 Uhr geöffnet. Nachweis der Erwerbslosigkeit erforderlich! Preisausschreiben. Der „Schomre Sühabbos“ hat eine Rabattaktion ins Leben gerufen, die ln der Welse durchgeführt wird, daß eine Anzahl Jüdischer Firmen bei jedem Einkauf für Je einen Schilling in ein Büchlein eine Marke •inkleben. Für dieses vollgeklebte Büchlein (100 Marken) erhält dann der Kunde vom „Schomre Schabbos“ S 5.— in barem aüsgCZahlt. Zwecks - Mhdigmaohting einer--Bezeichnung für diese Rabdttaktion wird ein Preisausschreiben veranstaltet das für die besten Lösungen einen 1. Preis von S 50.—*, einen 2. Preis von S 80.—, einen 3. Preis von 8‘T'O.—, einen 4. Preis von S 10.— und einige Trostpreise, also Insgesamt Preise in der Höhe von S 100.—, vorsieht Bedingungen: i. Die Bezeichnung soll niögllchst kurz (Jedenfalls nur ein Wort), loicht aussprechbar und sehr werbekräftig sein. Die Bezeichnung soll in Irgend einer Fortn einen HfnWels auf den Veranstalter, den „Schomre Schabbos“, enthalten. 2. Einsendungen sind bis spätestens Freitag, den 19. Februar 1982, an den Verband der Sabbathfreunde „Schomre Schabbos", II., Leopoldsgasse 13, zu richten. (Auskünfte dortselbst, auch telephonisch: A-48-4-16). 8. Die unanfechtbare Zuerkennung der Preise liegt ln den Händen einer Jury, bestehend aus den Herren David Bondy, Isidor Forst, Dozent W. Streblnger, Arthur Weiß, David Türkl. Jüdischer Angestellteh-Verband „Emunah", Wien. Samstag, den 3. d., Vortrag des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Simon Horowitz: „Sozialismus ln der Bibel und im Talmud.“ Ort: „Mirjam-Helm“, I., Jordangasse 7; Zelt: Viertel 9 Uhr abends. Gäste willkommen. —■ Der Verband „Emunab“ hat sich der Kunst st eile des Zentralrates der geistigen Arbeiter angeschlossen, so daß den Mitgliedern nunmehr der Bezug ermäßigter Theaterlind Konzertkarten nebst anderen Begünstigungen möglich ist. Auskünfte werden Montag, Dienstag und Samstag von 7 bis 8 Uhr abends erteilt (L, Jordangasse 7/1). Zionistische Sektion XVIII. Am Donnerstag, 4. d., findet um 8 Uhr abends im Cafe Denk, XVIIL, Wäbrlngergttrtal, ein Vortrag „Geber den gegenwärtigen Stand der Krebsforschung“ statt Gäste willkommen! Zionistisch» Sektion Pretor, Jwmgstraße 8. Freitag, den S. &, halb I Uhr abendfi SefcaiM*. Die Zionistische ßcfct’bn und Frauengruppe Prater veranstalten Samstag, den ♦. d., um präzise 8 Uhr abends Im eigenen Helm, II., Ju’igstraße 8, den dritten geselligen Abend, in dessen Rahmen Frau Dr. Llechtensteln-Rappaport einen Vortrag mit dem /*hema „Biällk“ halten, worauf Frau Hilda Dülltzkaja jüdlSobe Lieder vortragen wird. Zum Schluß folgen Rezitationen des Herrn Schwager. Verein für jüdieohe Geschieht# und Literatur in Wien, II., Ferdinandsstraße 28/8. Montag, 8. d., findet im Klub- «aale der „Hakoab“, I., Wiesingerstraße H (Caf« „Atlashof“, eigener Eingang, Souterrain), ein Vortrag des Rabbiner Prof. Dr. Julius Max Booh: „Die Jüdischen Gelehrten am Hofe Friedrich II.“ statt Beginn halb 2 Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. Die Zionistische Mädehenvoreinigung „Mirjam" bat am 25. Jänner d. J. in Ihren Vereinsräumen, I., Jordangasse 7, I. Stock, Tür 1 (bei Wipplingcrstraße), eine Tageshelmstätte für bedürftige Frauen und Mädchen des jüdischen Mittelstandes eröffnet Die Räume stehen den Besucherinnen von 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends zur Verfügung und wird überdies dreimal täglich kostenlos ein warmer Tee mit Beilage verabreicht Nähmaschinen. Schreibrequisiten und verschiedene Tagesblätter sind vorhanden. Diese Einrichtung «oll arbeitslosen Frauen und Mädchen di? Möglichkeit bieten, tagsüber ein warme# Zimmer und die Gesellschaft gleichartiger Schicksalsgebosainnen zu finden. Die Benützung der Räume Ist hur gegen Besucherkarten zulässig, welche nach Vorweisung eines Personaldokumentes Im VaMtMlMitAI erhältlich rind. Fecsonoften Ing. Oscar Löwy, New York, gestorben ln New York starb am 20. Dezember v. J. Gesinnungsgenosse Ing. Oscar Löwy knapp nach Vollendung seines 53. Lebensjahres. Oscar Löwy trat als junger Student noch vor dem 1. Basler Kongreß in die zionistische Bewegung ein, wurde Mitglied der Studentenverbindung «Kadimah», die ihn auch batd zu ihrem Präses erwählte. Oscar Löwy, dessen charmantes, zuvorkommendes Wesen ihn zum Agitator prädestinierte, gehörte zu den eifrigsten Schrittmachern Theodor Herzls in Wien, zu dessen ausgesprochenen Lieblingen er zählte. Ing. Oscar Löwy, der seit etwa zwei Jahren in New York lebte, war erst im verflossenen Jahre mehrere Monate in Wien. Er besuchte alle seine vielen Bekannten hier, die ihm ihre Freundschaft und Liebe bewahrt haben. Knapp nach seiner Rückkehr nach New York erkrankte der so Lebenslustige und es gelang der MQhe der Aerzte nicht, ihn am Leben zu erhalten. Wer Oscar Löwy kannte, wird ihm immer ein liebevolles und treues Andenken bewahren. W. E. Jtus dem Vortragssaal Ein Vortrag über die Bilu-Bewegung Afn 19. Jänner sprach Dr. z. F. Finkölstein im Rahmen der von der Wiener zionistischen Ff&uenorganisatlon regelmäßig veranstalteten Vortragsabende Über die Bllu- Bewegung. Fünfzig Jahre sind es her. seitdem die ersten Pioniere des Palästina-Aufbaues nach Erez Israel zogen, um dort den Grundstein für ein neues Judentum zu legen. Doktor Finkeistein behandelte in seinem Vortrage die Voraussetzungen, diä zur BUu-BeW«gung führten. Er vertritt den Standpunkt, daß wir es hei dieser epochemachenden Erscheinung keineswegs mit etVas Plötzlichem, Unvorhergesehenem zu tun haben — wie es ja überhaupt in der Entwicklung der Menschheit keine Revolutionen, sondern nur Evolutionen gibt. So hat denn auch die Bilu-Bewegung verschiedene historische und psychologische Tatsachen zur Voraussetzung und Ist auf diese gegründet. Diese Voraussetzungen der Bilu-Bewegung analysierte Dr. Finkeistein, indem er zwei Momente unterscheidet, die für die Entstehung der Bilu-Bewegung von besonderer Bedeutung waren und die wir als das äußere und innere Moment ansprechen dürfen. Das äußere Moment lag in der Erstarkung des Antisemitismus in den europäischen Ländern, insbesondere in Rußland. Begünstigt Wurde der Antisemitismus durch die ökonomische Entwicklung, die eine Verstärkte Landfiucht zur Folge hatte, und das Eindringen der ländlichen Bevölkerung in jene städtischen Berufe des Handels und Handwerks mit sich brachte, die bis dahin das fast ausschließliche Betätigungsfeld der Juden gebildet hatten. So entstand die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen Juden und Nichtjuden, die zu erhöhter Judenfeindschaft führte. Die zweite — innere — Wuriel der Bilu-Bewegung liegt in der geistigen Entwicklung der Juden selbst Hand in Hand mit der rechtlichen und gesellschaftlichen Emanzipation machten sich, bewußt und uöbewüßt, assimilatorische Tendenzen geltend. Die deutsche Bibelübersetzung Mendelssohns Ist wie. der Vortragende meint nicht ein Schrittmacher, sondern ein . Symptom dieser - Entwicklung. Diese ' - geistige assimilatorische Bewegung, die HaskaJah, nahm, wie sich aus den literarischen Denkmälern deutlich ersehen läßt, in. Deutschland ihren Anfang, um dann über Schlesien und Galizien nach Rußland vorzudringen, wo sie in Schriftstellern und Dichtebn, wie Lebensohn, Mapu, Qordon, Smolenskl und anderen eine hohe Blüte erreichte. Ihr Ziel war es, dem Judentum die europäische Kultur nahezubringen, die Juden zu europäischen Menschen zu machen. Auf dieser Grundlage nun reifte der Gedanke der seelischen und nationalen Regeneration des Judentums. Und so sehen wir denn, daß Anfang 1882 zwanzig junge russische Juden, die sich nach den Anfangsbuchstaben des Blbelverses „Beth Jaakow Lechu Wenelcha“ Bilu nannten, nach Palästina zogen, um dort unter den größten Entbehrungen, den heiligen Boden zu bearbeiten. Dieser ersten Gruppe folgten alsbald andere aus Rmänlen und Rußland. Wir müssen nun bedenken, daß zu gleicher Zelt eine Massenauswanderung der Juden Osteuropas nach Amerika stattfand, deren Zahl das Häuflein derjenigen, die nach Palästina zogen, numerisch völlig belanglos erscheinen ließ. Halten wir uns aber vor Augen, welche Bedeutung für das Gesamtjudentüm dieses Häuflein erlangt hat und erkennen wir, daß der Zionismus und seine Verwirklichung letzten Endes auf dem Werk dieser wenigen Mutigen fußt so müssen wir die Bilu-Bewegung als einen der wichtigsten Marksteine auf dem Wege der jüdischen Geschichtet ansehen. Dem Vortrag ging eine Trauerkundgebung für Frau Frieda Haber voran. la wannen Worten gedachte Frau Federn-LlpfiChUtz der Veratorbenen und hob ihre hervorragenden Eigenschaften als Mensch und Zlonlstln hervor. Trotz ihrer Krankheit arbeitete sie bis zuletzt' ln den Reihen dar Wi:p6. Die Wizo Wird Ihr stets ein dankbares Andenken bewahren. Dr. Henriette Llebtensteln-Rappaport. Ein Vortrag über das Toleranzedikt Im Rahmen der Vortragsabende der Zionistischen Sektion „Landstraße“ hielt letzte Woche Herr Prof. Dr. W. Stein einen sehr Interessanten Vortrag über das vor 150 Jahren von Kaiser Josef erlassene Toleranzedikt. Das Toleranzedikt hatte Bestrebungen nach drei Riehtungeii hin. Erstens wirtschaftliche; Vor allem drängte man die Juden, sich mit der damals aufkommenden Industrie zu beschäftigen. Ferner wurde Ihnen endlich das Röcht des Handwerkerberufs eingeräumt, wenn auch fast nur theoretisch, und besonders würde darauf hingewiesen, daß sich die Juden auch der Landwirtschaft zuwenden. Zweitens das kulturelle Moment: Die Juden sollten mit allen Mitteln der deutschen Kultur, damit auch der katholischen Religion, zugeführt werden. Und drittens das gesellschaftliche Prinzip: Ktilüe Vermehrung der jüdischen Familien, keine eigene Gemeinde. Prof. Dr. Stein stellte am Schlüsse seiner interessanten und aufschlußreichen Ausführungen ffst, daß trots des unumstrittenen Verdienstes Kaiser Josefa die Judenfrage ins Rollen gebracht zu haben, und das in einer sonst noch sehr rückständigen Zelt und entgegen den Widerständen des Klerus und der adeligen Stände, da« Toleranzedikt doch keine endgültige Regelung darettllt, weil es sich mit dem ElnteUndividuum allein beschäftigt und die Gemeinschaft night anerkennt, ja sta auch weiterhin auegeeohaltet . wteeen will. Die Juden ln der Architektur dar Gtgtnwart. (Lichtbildervortrag des Univ.-Prof. Dr. Max Eisler. Wien) Einleitend, von der Architektur der Ggenwart, als die noch einzig lebende wirkliche Kunst ausgehend, sprach lm Rahmen der „Jttdisch-akad. Lese- und Redehalle in Brünn", der bekannte Kunsthistoriker, Prof. Max Eisler aus Wien über das Thema „Die Juden ln der Architektur der Gegenwart“. In überaus flottem, packendem Tempo, gab der Vortragende zuerst einen Üeberbllek über die Entwicklung und den Entstehungsgedanken einer neuen Baukunst, die heute, wo die Architektur beredte Sprache unseres Lebens geworden, interessanterweise fast nur noch von jüdischen Händen stamme. Begleitet von einer Reihe überaus schöner Lichtbilder, begann Prof. Eisler sodann mit Bildern von der Ringstraße, mit Ihren Palastfassaden, um als Gegensatz die ersten Anfänge einer neuen Baukunst zeigen zu können. Um schließlich auf die Arbeiten des temperamentvollen Künstlers Oskar Strnad, der schulemachend auf die österreichische Architektenschaft wirkte und noch heute als Theaterarchitekt ganz Hervorragendes leistet, zu sprechen. Der Vortragende brachte weiters Bilder von bemerkenswerten Werken der genialen Architekten Frank, Wlach, Karplus und Gerte, die gegen Strnad wie Realisten gegen einen Romantiker anmuten, um, den Wiener Siedlungsbau erwähnend, auf den bekannten deutschen Architekten Erich Mendelsohn überzugehen. Von den Tschechoslovaken sprechend, erwähnte er Ernst Wiesner, einen der hervorragendsten tschechosloväkiscben Architekten, und Otto Eisler. Ueber den Synagogen- und Frledhffsbau als gesondertes Kapitel, kam er auf den leider zu früh verstorbenen jüdisch-holländischen Künstler L. de Klerk, einen Schüler Barels, zu sprechen, der ebenfalls zu den Wenigen Pionieren der neuen Baukunst ln Holland gehörte. Zum Schlüsse noch einige Synagogen- und Friedhofsbauten zeigend, wobei die Namen Landau, Nethen und Gorge erwähnt wurden. Abschließend über Werktüchtlgkeit und Schaffensfreude, der jetzt fast,ln der ganzen Weit großen, vielfach leitenden jüdischen Bäukttnstier sprechend, endete er mit den Worten: Wir Juden sind Bauleute, zu Baumeistern geworden und lasset eure Kinder ebenfalls Bauleute werden, damit sie an dem Aufbau der Allgemeinheit teilnehmen können. Reicher Beifall eines zahlreich erschienenen interessierten Publikums dankte dem geistreichen Referenten. Arch. Hans M a y e r. Zehn Fragen 1. Wer ereiferte sich im Altertum gegen das Abströmen von ungemünztem Gold nach Jerusalem? 2. Wieviel Juden leben in Europa? 3. Wer war Madame Europa? 4. Wie lange dauerte die babylonische Gefangenschaft der Juden? 5. Was waren die Familianten? 6. Von wem stammt das Wort: «Der Freiheit eine Gasse!» 7. Welche Folgen hatte die Disputation zwischen Frankisten und Talmudanhärtgern ln Kamencc Podolsk? 8. Was ist Vinzenz-Purim? 9. Wer war Ehud? _ .... : 10. Wer war der erste jüdische Topograph Palästinas? Antworten 1. Zur Zeit der Gerichtsverhandlung gegen Flaccus sollen die Juden in Italien so zahlreich gewesen sein, daß Cicero Bedenken darüber äußerte, daß durch die Spenden der Juden in Italien an den Tempel in Jerusalem empfindliche Verluste an ungemünztem Golde entstehen. 2. In Europa leben nach einer Statistik aus dem Jahre 1930 rund 9,580.000 Juden, das sind zirka 61 Prozent der Gesamtzahl der Juden der Erde. 3. Europa war eine jüdische Opernsängerin zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Sie war die Schwester des Komponisten Salomon Rossi, der zirka 1612 am Hofe zu Mantua Direktor einer jüdischen Musikgesellschaft war. 4. Die babylonische Gefangenschaft dauerte 70 Jahre. 5. Familianten hießen in Böhmen und Mähren diejenigen Juden, die das Recht besaßen, zu heiraten. Nur der älteste Sohn durfte heiraten. Zugewanderte Juden durften nur dann heiraten, wenn durch den Tod eines kinderlosen Familianten eine «Familiennummer» frei wurde. 6. «Der Freiheit eine Gassei» rief Adolf Fischhof aus, als er am 13. März 1848 den Hof des Wiener Ständehauses durchschritt, um den Ständen die Wünsche der Universität zu übermitteln. 7. Der katholische Bischof von Kamenec Podolsk, Demoowski, erlaubte den Frankisten, den Talmud zu beschlagnahmen und zu verbrennen (19. Oktober 1757). 8. Vinzenz-Purim wird in Frankfurt am Main zur Erinnerung an die Befreiung von der Schreckensherrschaft von Vinzenz Fettmilch gefeiert. Fettmilch hatte am 22. August 1614 das Judenvierte! geplündert und die Juden zum Abzug aus Frankfurt gezwungen . 9. Ehud war der zweite in der Reihe der israelitischen Richter (Rieht. 3, 12-30). 10. Der erste jüdische Topograph Palästinas war Estori Farehi (Ben-Mose), der im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts in der Provence geboren wurde. Er bereiste zwei Jahr« Galiläa und fünf Jahre Palästina und schrieb hierüber daa Werk Kaftor wa-Ferach. Heitere Ecke Aus dem Stegreif, In Butschowitz in Mähren gab es einmal einen Rabbiner, der in einigen Predigten in einer Art gegen Unsitten und mangelnde Religiosität wetterte, durch die sich einige Balbattim getroffen fühlten. Daraufhin teilte der Kultüsvorsteher vor den versammelten Kultusräten dem Rabbiner den Beschluß mitt daß der Rabbiner v#rhalten sei, von nun an jede Predigt zur Vorzensur dem Kultusvorsteher vorzulegen. Darauf antwortete der Rabbiner: «Meine Herren, das ist unmöglich. Ich pre~ dige aus dem Stegreif.» Prompt erhielt er die Antwort des Kultusvorstehers: „Dann legen Sie eben den Steg» reif vor*