Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 179 (11.6.1931)
- Date
- 1931-06-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b, BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich momt lieh S 1'50, viertel jähii S 4*20, gan» jShrL . . S 16*— Deutschld. viertelj#hrl. RM 3*- Tschechoslowakei viertel]. Kc 24*— Jugoslawien vierteljährl Din. 40*— Polen vierteljährlich Zlotj 6*50 Ungarn Vierteljahr lieh Pengö 4’20 Rumänien viertel jährl. Lei 120"- Uebrigcs Ausland vierteljährl Schw Franken 4*50 Jlidisdke Zeitung Preis 35 g Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, I.. Kärntneretra£e 2f Tel. R-27- <D Postsparlc 43 40 koir O Oesterr. J- •r-f r-y Polen rO Tscheche Slowakei CQ .vt I fugoslav ,^/9 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 11. Juni 1931 (24. Siwan 5691) Numi <r 179 Der Bericht der Klagemauerkommission Eigentumsrecht der Moslems an der Klagemauer anerkannt — Andachtsrecht der Juden vor der Mauer gewahrt TELEFON :B 24*5 GROSSBltniEB FÜR HfiUSUJÖSCHE Nach Oer Kongreßwähl Soll die zionistische Organisation das Werkzeug sein zur Erringung der vollen Souveränität des jüdischen Volkes mit dem Endziel Palästina, so muß der Zionistenkongreß als höchster Ausdruck dieses Befreiungskampfes ungeschmälert erhalten bleiben. Trotz der Jewish Agency und neben derselben ist der jeweilige Kongreß die einzige jüdische Welttribüne. Und das schwere Ringen, das tage- und woohenlang um programmatische Einstellungen geführt wird, beweist stets die historische Verantwortlichkeit der Delegierten. Sie sind Abgesandte des jüdischen Volkes, wenn auch bisher leider nur ein Bruchteil dieses Volkes sich um Zions Fahnen schart. Ist. jedoch der Kongreß, dieses vom Genie Hörzls geschaffene Werk, die Willensäußerung eines um neue Werte ringenden Volkes, so sind es nicht immer die Delegierten, die diesen Willen repräsentieren. Allzu oft ist es eine Zufallsmajorität, die durch die bisherige Konstruktion des Wahlrechtes errungen Wird und allzu sehr sind es die Verlockungen des leicht abzusetzenden Schekels, die das richtige- Bild der Wählermassen verschieben. Der Schekel als einzige Wahllegitimation hat gewiß eine geheiligte Tradition und würde auch den demokratischen Voraussetzungen entsprechen, wenn das ganze Judentum oder wenigstens ein Großteil desselben von der zionistischen Organisation erfaßt worden wäre. Ist dies vorderhand nur ein frommer Wunsch, so sinkt allmählich bei dem wachsenden Machthunger einzelner zionistischer Gruppen und Fraktionen der Schekel wirklich zu einer «Damenspende» herab, wie dies so trefflich der .Kongreßanwalt beim letzten Kongreß bezeichnet hat. Der Schekel, der ohne jedwede Kontrolle und bei mangelnder Verantwortlichkeit. an jeden, .oft auch ohne, den kleinen Obolus abgegeben werden kann, sinkt.so zu einem Legitimationspapier herab, mit dem man nach Belieben am Wahltage Majoritäten schaffen kann, wenn man nur hierzu das nötige Geld und die Bedenkenlosigkeit, zu der einen der Machthunger nun einmal verleitet, aufzubringen vermag. So erlebt man, daß zur Wahlurne Menschen gebracht werden, die dem Zionismus meilenweit entfernt stehen und für die die Abgabe der Stimme nur einen «Freundschaftsdienst» bedeutet. So wird gerade von den Gruppen, die sich nicht genug" tun können an dem Hervorkehren des reinen hundertprozentigen Zionismus, mit dem heilig sein sollenden Wahlrecht als Willensäußerung aufrechter zionistischer Gesinnung Sohindluder getrieben, und wer bei uns in Wien vor zwei Jahren und auch bei den letzten Wahlen Gelegenheit hatte, die Wähler zu sehen, die mit Autokolonnen ins Wahllokal gebracht wurden, der mußte wohl die Rührigkeit der Revisionisten, Demokraten oder wie sie sonst jetzt heißen, bewundern, aber andererseits sich fragen, ob dies wirklich zionistische Gesinnung ist, die hier zum Ausdrucke gebracht wird. Bei den vorletzten Wahlen wurde ja über diese Methode der damaligen Stricker-Gruppe von der höchsten Kongreß tribüne ein . vernichtendes Urteil gefällt. Wir wollen annehmen, daß diese Gruppe, die jetzt im revisionistischen Lager aufgegangen ist, vorsichtsweise ohne den Namen ganz aufzugeben, bei den diesmaligen Wahlen sorgfältiger vorgegangen ist Allenfalls weckt ein rapides Aufschnellen einer bisher nicht bestandenen zionistischen Bewegung in Scheibbs, Kemmelbach, Waidhofen und ähnlichen Ortschaften« London. 8. Juni. (J. T. A.) Am Montag« den 8. Juni, morgens wurde der 75 Seiten starke Bericht der auf Verlangen des Völkerbundes von der britischen Regierung eingesetzten Klagemauerkommission veröffentlicht.. In dem Bericht wird das Eigentumsrecht der Moslems an der Klagemauer anerkannt. Den Juden wird es gestattet sein, an bestimmten Feiertagen Thorarollen zur Klagemauer zu bringen und eine Thoralade dort aufzustellen, dagegen wird das Schofarblasen nicht zugelassen. Den Moslems wird die Abhaltung von Gottesdiensten in der Die Verhandlungen doch beendet L o n d o n, 3. Juni. (J. T. A.) Auf mehrere Anfragen erklärte Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels in der am Mittwoch, den 3. Juni, abgehaltenen Sitzung des Unterhauses, die Besprechungen zwischen der Regierung und der Jewish Agency seien nunmehr beendet. Das Ergebnis dieser Besprechungen werde innerhalb der nächsten Wochen veröffentlicht das gerade bei den Kongreß wählen zum Vorschein kommt, einiges Erstaunen, um so mehr, als diese Zionisten, von denen man bisher nie gehört hat, ausgerechnet hundertprozentig oppositionell eingestellt sein sollen und das zionistische Alphabet mit einem lauten Schrei ob der schlechten Politik der Exekutive beginnen. Etwas mehr Verantwortlichkeit und mehr Vorsicht wäre wohl am Platze. Wir alle ringen schwer um die riohtige Arbeitsmethode, um einerseits den größtmöglichen Teil des Judentums in der Diaspora mit dem höchsten Ethos der zionistischen Ideologie zu durchdringen und andererseits Palästina als jüdisches Nationalheim aufzubauen. Es muß daher befremden, daß gerade die oppositionellen Gruppen, die bis zum heutigen Tage sich mit der Jewish Agency als Fremdkörper nicht befreunden können, dort, wo es sich um ihre Kongreßmandate handelt, weniger Bedenken haben, welche Wählerkreise über die Lebensfragen des Zionismus durch ihr Stimmrecht entscheiden. Allerdings, die oppositionellen Gruppen verraten eine besondere Agilität stets vor den Wahlen. Das ganze Jahr hindurch lehnen sie jede Verantwortung für die Arbeit ab und ziehen auch die Konsequenz, indem sie sich einfach außer einer maßlosen Propaganda gegen die Zionistische Exekutive und die Landesorganisation passiv verhalten. In fast allen Ländern mit Ausnahme von Ostgalizien und gewissermaßen Kongreßpolen, befinden sich ja die Revisionisten in ständiger Fehde mit den Landesorganisationen. Was sind denn ihre Leistungen auf dem Gebiete des Keren Hajessod, des Keren Kajemeth, der Chaluziuth in der Diaspora und in Palästina? Man nehme nur die Liste der Keren-Hajessod-Zahler in Oesterreich und man wird wohl seine Wunder erleben, wie viele von den führenden und nichtführenden 1900 Revisionisten und Demokraten überhaupt das wirkliche Opfer einer Keren-Hajessod-Zahlung bringen. Selbstverständlich haben es Gruppen, die anderen die ganze wirklich zweckdienliche schwere Arbeit überlassen, sehr leicht, mit einigem Geldaufwand für Autofahrten und Schlepperdienste Wahlen m HA/5ER5TR. 123 ec. Alse&str. 6 ' * C - der Klagemauer unmittelbar benachbarten Zikr- Moschee während der jüdischen Gebetsstunden untersagt. Wiederherstellungsarbeiten an der Mauer sind von den Moslems oder, falls diese dies verabsäumen, von der Palästinaregierung durchzuführen« Den Moslems wird es untersagt, bauliche Veränderungen innerhalb des Haram-Bezirkes, durch die die Juden am freien Zugang zur Klagemauer behindert werden könnten, vorzunehmen. Das Verbot der Aufstellung von Bänken, Stühlen und Wandschirmen an der Klagemauer bleibt weiterhin in Kraft. werden. Die Herausgabe eines neuen Weißbuches halte er nicht für notwendig. Die Grundlage der Besprechungen habe der neue Landentwicklungsplan gebildet, wobei beiden Teilen bloß Gelegenheit geboten wurde, ihren Standpunkt klarzulegen. Dr. Shiels stellte es in Abrede, jemals erklärt zu haben, den jüdischen Interessen sei Genüge geschehen. Es sei nur beiden Parteien die Möglichkeit gegeben worden, ihre Sache der Regierung vorzutragen. zu machen, um dann der Welt ihre Existenzberechtigung durch den Hinweis auf eine entsprechende Stimmenanzahl nachzuweisen. Die Allgemeinen Zionisten waren der Meinung, daß die Wahlen in Oesterreich diesmal, überflüssig sind und nur eine nutzlose Vergeudung von Geld und Energie sind, welche für wirklich zionistische Zwecke eher zu verwenden wären. Es wurden der Opposition zwei Mandate ohne jeden Wahlkampf angeboten und das war auch das Resultat des lärmenden Tamtams der Opposition. Die Revisionisten und Demokraten erhielten insgesamt 1955 Stimmen, wogegen sie vor zwei Jahren 1859 Stimmen erlangten (Stricker-Gruppe 1661, Revisionisten 198). Diese Gruppen haben daher einen Stimmenzuwachs von sage und schreibe 96 Stimmen zu verzeichnen. Und dieser Stimmenzuwachs erreicht noch bei weitem nicht die größere Anzahl der im heurigen Jahre abgesetzten SchekaEm. Im Jahre 1929 gab es bloß 6000 Wahlberechtigte, von denen 3641 ihr Wahlrecht ausübten. Diesmal waren es 9000, von denen 4792 Schekelzahler zur Wahl gingen. Von den heuer zugekommenen 1000 Wählern hatten daher kaum hundert für die Revisionisten und Demokraten gestimmt, Hingegen hatten die Allgemeinen Zionisten vor fcwei Jahren nur 939 Stimmen, wogegen sie jetzt 1376 Stimmen erlangten. Ihr Stimmenzuwachs beträgt daher 437 oder 46.5 Prozent. Diese trockenen Zahlen — und Zahlen haben die Gewohnheit, jede Demagogie zu widerlegen — zeigen ''einen Sieg der Opposition. Hierzu gesellt sich eine gewisse psychologisch erklärliche Passivität der Allgemeinen Zionisten anläßlich der Kongreßwahlen. Diese 1376 Wähler der Allgemeinen Zionisten sind ohne Zweifel überzeugte Zionisten, die der zionistischen Organisation unwandelbare Treue bewahren und ihr Stimmrecht freiwillig, auf Grund der von ihnen selbst gekauften Schekalim, ohne erst von Schleppern zur Wahl gebracht zu werden, ausübten. Die Qual der Wahl ist vorüber. Die Anhänger des Arbeitenden Palästina und die Radikalen, die sich von der momentanen Konjunktur nicht beirren ließen und bei ihrem Programm treu ausgeharrt haben, können auf ein sehr günstiges Wahlergebnis hinweisen. Die Allgemeinen Zionisten müssen jedodft' nach wäe vor auf der Hut sein, die Last der Verantwortung tragen und zusammen mit Zionisten, denen' die Arbeit wichtiger ist als das Gezeter und Schlagworte, die zerrüttete und zerklüftete Organisation neu aufbauen. Der Schekel ist keine Damen* spende und die zionistische Organisation muß wied<$ 'aufgerichtet werden; sie darf kein Tummelplatz ment sein für streitende Gruppen und erfQjgIüstejQp,e Di' Imagogen. WB