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Die Stimme · 1931-03-26 · Heft 169 (26.3.1931) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 169 (26.3.1931)
Date
1931-03-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1*50, vierteljlhrl. S 4*20, ganzghrL . . . S 16— eutachld. vierteljlhrl.. .. RM 3— Tschechoslowakei viertel]. . Kc 24— Jugoslawien vierteljlhrl. . Din. 40— Polen vierteljlhr lieh . Zloty 6 50 Ungarn vierteljährlich . . Pengö 4‘20 Rumänien viertel jlhrl.. Lei 120— Uebriges Ausland vierteljährl. Schw. Franken 4*50 4. Jahrgang Bf Jüdisdte Zeitung Wien, Donnerstag, 26. März 1931 (8. Nissan 5691) Preis 35g Erseheint jeden Donnerstag Redaktion und Administrator Wien, L, Kärntne streä« g Tel. R-27- H* Postsparka konti: Oesterr. D 113 Polen . . . 1L'J.J Tschechoslowakei . 5CC.23’■> Jugoslawien 40.87^ 02 cf t~*' £>: Cf cf ff»-- 02 cf rf Hr O" .—1 i~/. Nummer 169 TELEFON!fl 24-5 grossb¥trieb FÜR HRUSUlfiSCHE Gerüchte Rund um den Besuch Weizmanns in Palästina schoß aus dem Boden eine Reihe von Gerüchten, die geeignet sind, Verwirrung und Desorientierung in die aktuelle zionistische Politik zu bringen. Die Araber, die wieder einmal die zweischneidige Waffe des Boykotts ergriffen haben, verkünden urbi aber nicht orbi, denn in der großen Welt glaubt es ihnen kein Mensch, daß «der jüdische König» ins Land gekommen wäre, um «Jerusalem zu erobern»; andererseits droht das revisionistische enfant terribie Wolfgang v. Weisl mit Enthüllungen: England solle angeblich mit Weizmaihns Hiife im nahen Orient eine Intrige spinnen, deren Durchführung einem Verrat an zionistischen Zielen gleichkäme. Die revisionistische Jugend von Tel Aviv hilft jhrem. Führery einen Trabanten MacDonalds bezeichnet und nicht davor zurückschreckt, gegen Weizmann so zu hetzen, wie sie seinerzeit gegen Shiels gehetzt hat. Schließlich werden Gerüchte von einer bevorstehenden jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz immer lauter. Was an all dem wahr ist? Entweder gar nichts oder sehr wenig. Wenn man von den lächerlichen arabischen und den hirnrissigen revisionistischen Behauptungen absieht, bleibt nur die Möglichkeit der direkten jüdisch-arabischen Verhandlungen übrig. Daß diese früher oder später begonnen werden müssen, ist jedem politisch geschulten, nüchternen und weitblickenden Zionisten klar. Ob aber schon heute die Lage für diese Verhandlungen reif ist, ob jetzt die Möglichkeit besteht, daß die wieder einmal sehr kriegerisch gestimmten Araber sich an einen Tisch mit den Juden setzen, um abseits vom Lärm der fanatisierten Straße die zukünftige Entwicklung des Landes zu besprechen, mag dahingestellt bleiben. . ..Inzwischen kommt aus London eine Nachricht, <l«e bedeutend wichtiger ist, als die Gerüchternacherei im nahen Orient: die Verhandlungen der Jewish Agency mit der britischen Regierung sollen ihren endgültigen Abschluß gefunden haben; der zweite Teil der Verhandlungen, von dem so viel gesprochen worden ist, soll nicht stattfinden. Diese unbegreifliche Meldung kann nur so ausgelegt werden, daß Verhandlungen auch weiterhin geführt werden sollen, daß aber von nun an auf der englischen Seite nicht ein Subkomitee der Regierung, sondern das Kolomalamt teilnehmen werde. Das wäre — offen gestanden — eine Schlappe für uns. Denn mit Henderson und MacDonald verhandelt man auf andere Weise und, was bedeutungsvoller ist, mit anderem Erfolge, als mit den Untergebenen eines Passfield. Wie dem auch sei, es bleibt abzuwarten, ob nicht diesen widersprechenden und teilweise dementierten Meldungen ein anderer Tatbestand zugrunde liegt. Gerüchte, nichts als Gerüchte. — Dagegen ist der Empfang, den der Jischuw Weizmann bereitet hat, kein Gerücht, sondern eine erfreuliche und erhebende Tatsache. Der Präsident der Organisation wurde vom jüdischen Palästina mit einer Herzlichkeit empfangen, die bezeichnend ist nicht nur für die Liebe, die der Jischuw für den schwergeprüften Führer hegt, sondern auch für die Wertschätzung der Arbeit des vielgesch-mähten Präsidenten. Die jüdische Arbeiterschaft des Emek weiß, was sie Weiz-r mann zu verdanken hat. Und vice versa: Jetzt ist auch der Zeitpunkt gekommen, daß Weizmann aus seinem Werke neue Kraft und neue Hoffnung für die Zukunft schöpfe. Die. zwischen Jewish Agency und englischer Regierung endgültig abgeschlossen Eine Erklärung des Kolonialamtes Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur vom Kolonialamt mitgeteilt wird, wurden die Verhandlungen zwischen Jewish Agency und britischer Regierung ln der am 13. Februar erfolgten Veröffentlichung des Briefes MacDonalds an Dr. Weizmann endgültig abgeschlossen. In diesem Zusammenhang wurde seitens des Kolonialamtes darauf hingewiesen, daß weder der Brief des Ministerpräsidenten MacDonald, noch das Antwortschreiben Doktor Weizmanns irgendeinen Hinweis auf weitere Verhandlungen enthalten. Eine Aeußerung darüber, ob noch eine Erörterung offenstehender Fragen stattfinden oder ob ein neues Subkomitee zum Zwecke weiterer Verhandlungen mit der Jewish Agency eingesetzt werden soll, wurde vom Kolonialamt abgelehnt. Die Mitteilung des Kolonialamtes steht in auffallendem Widerspruch zu der wiederholt von seiten der Jewish Agency abgegebenen Erklärung, daß der Briet des Ministerpräsidenten an Dr. Weizmann bloß als Abschluß des ersten Teiles der Verhandlungen mit der?ngli8chetivRegierung ^ufzuf^assep sei, Am Schlüsse seiner Antwort auf cferi~* Brief ’Ramsay'MaCDonalds schreibt Dr. Weizmann: «Ich bin voller Hoffnung, daß die drei Parteien, die Mandatsregierung, die Araber m M/5ER5TR. J23 K. ALSERSTR.. 6 und wir selbst jetzt Zusammenkommen und einen konstruktiven Plan für das künftige Wohl und die Entwicklung Palästinas ausarbeiten werden.» Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat erst vor etwa zwei Wochen nachstehende Erklärung veröffentlicht: Die Zionistische Exekutive und die vom Zionistischen Aktionskomitee eingesetzte politische Kommission haben in ihren vom 16. bis 18. Februar abgehaltenen gemeinsamen Sitzungen die politische Lage im Lichte des vom Ministerpräsidenten MacDonald an Dr. Weizmann gerichteten Briefes betrachtet. Diese Sitzungen werden nach einem Intervall von einigen Wochen zum Zwecke der Beratung jener Probleme, die im Verlauf der weiteren Verhandlungen mit der Regierung Sr. Majestät erörtert werden sollen, wieder aufgenommen werden. Widersprechende Meldungen Wiederaufnahme der Verhandlungen im April? «Morning Journal» bestreitet die Richtigkeit der Mitteilung des Kolonialamtes, daß die Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency endgültig abgeschlossen seien. Das Blatt behauptet, das Kolonialamt habe diese Mitteilung in Unkenntnis der wahren Tatsachen gemacht. Dies sei darauf zurückzuführen, daß die künftigen Verhandlungen nicht unter der Kontrolle des Kolonialamtes vor sich gehen werden. Tat- Anläßlich seines Emek-Besuches sagte Weizmann, politische Spekulation und schiechtgewählte Worte hätten viel Unheil angerichtet; der Emek aber sei ein Symbol für Arbeit, Ausdauer, Geduld und Zuversieht. Es wäre für das Gedeihen unserer Bewegung auch in der Galuth bestimmt besser, würden wir weniger Aufmerksamkeit «schlecht gewählten Worten» und verschiedentlichen Gerüchten, mehr aber der tatsächlichen Arbeit widmen. Wenn man Ausdauer und Geduld hat, dann ist auch die Berechtigung zur Zuversicht gegeben, w. sächlich würden die Verhandlungen nach Weizmanns Rückkehr im April wiederaufgenommen werden. Das Kolonialamt bekräftigt seine Erklärung an die J. T. A. L o n d o n, 20. März. (J. T. A.) Das Kolonialamt bekräftigt gegenüber den Behauptungen des New Yorker «Morning Journal» bezüglich der Fortsetzung der Regierungsverhandlungen seine der J. T. A. übergebene Erklärung. Diese Erklärung stammt nicht von einer Einzelpersönlichkeit des Kolonialamtes, sondern wurde von der Presseabteilung des Amtes, die hierzu von der Regierung ausdrücklich ermächtigt wurde, abgegeben. Der Ermächtigung durch die Regierung gingen lange Beratungen voraus, so daß die Erklärung des Kolonialamtes, daß die Verhandlungen mit dem englischen Kabinett endgültig abgeschlossen seien, zweifellos richtig Ist. Indessen besteht die Möglichkeit, daß, wie seinerzeit von der Jüdischen Telegraphen-Agentur gemeldet, Besprechungen zwischen Vertretern der Jewish Agency und Beamten des Kolonialamtes stattfinden werden. Es verlautet, daß diese Besprechungen am 14. April auf genommen werden sollen, doch lehnt das Kolonialaföf jede Aeußerung über künftige Verhandlungen ab. Der Judenboykott ein Bumerang Jerusalem. (J. T. A.) ln der Jaffaer arabischen Zeitung «Al Ikdam» veröffentlicht ein angesehener arabischer Kaufmann einen Artikel, in dem die arabische Geschäftswelt davor gewarnt wird, sich dem von der arabischen Exekutive proklamierten Judenboykott anzuschließen. Ein solcher Boykott wende sich wie ein Bumerang gegen seine Urheber. Zahlreiche arabische Kaufleute seien infolge des letzten gegen die Juden gerichteten Boykotts bankrott geworden und seit über einem Jahre stehen zahllose Geschäftsläden leer. Der Vorschlag, mit der Regierung nicht zu kooperieren, bedinge, daß die arabischen Beamten ihre Stellungen aufgeben. Eine solche Förderung sei ungerecht; die arabische Exekutive habe nicht das Recht, ein solches Opfer von den Beamten zu fordern. Zertifikate Jerusalem, 17. März. (J. T. A.) Auf Grund einer eingehenden Beratung mit Vertretern der Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas hat die Exekutive der Jewish Agency beschlossen, von den ihr noch zur Verfügung stehenden und bis Ende März gültigen 286 Arbeitereinwanderungszertifikaten sofort 156 an 40 Familien von Chaluzim auszugeben. Jüdisch-arabische Round Table- Konferenz? Das Organ der Zionistischen Exekutive «Haolam» veröffentlicht einen Leitartikel, in dem im Zusammenhang mit der Palästinareise Dr. Weizmanns darauf hingewiesen wird, daß die britische Regierung genötigt sein werde, sich mit den palästinensischen Arabern bezüglich der Frage einer Round Table-Konferenz ins Einvernehmen zu setzen. Die künftigen Verhandlungen mit der britischen Regierung würden ihrem Wesen nach dreiseitige Verhandlungen sein, da die Fragen des Landentwicklungsplanes, der Verfassung und der Zusammensetzung der Palästinaverwaltung ihrer Natur nach Probleme darstellen, die die gesamte Bevölkerung Palästinas betreffen. Erfolg oder Mißerfolg hängen davon ab, ob die Araber zur Mitarbeit bereit sein werden. Die Obstruktion der zionistischen Opposition sei, da auch der kommende Zionistenkongreß bei der Ausarbeitung eines Programms für die neue Exekutive mit der Macht der Tatsachen werde rechnen müssen, un* klug und undiplomatisch. .

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