Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 168 (19.3.1931)
- Date
- 1931-03-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 168 — 19. März 1931 DIE STIMME Seite 7 Lord Lytton Ober die Zukunft Palästinas Der ehemalige Vizekönig von Indien und Vorsitzende der Palestine Potash Company Earl of Lytton hielt an der Nottingham University einen Vortrag über das Palästinaproblem, in dem er unter anderem erklärte, es könne keine bessere Garantie für die Entwicklung Palästinas und die Vermehrung seines Landesreichtums geben, als die Tatsache, daß die Juden der ganzen Welt seine Prosperität wünschen und entschlossen sind, dieses Ziel mit dem Genie ihrer Rasse zu fördern. England dürfe sich seinen Verpflichtungen auch dann nicht entziehen, wenn sie ihm gewisse Kosten auferlegen. Das Leben zahlreicher britischer Soldaten sei geopfert worden, um die Araber von der Türkenherrschaft zu befreien. Wenn daher die Erfüllung des den Juden gegebenen Versprechens, ihnen beim Aufbau ihres Heims behilflich zu sein, England bisher einige Millionen gekostet habe, dürfe es sich darum nicht von seinem Versprechen zurückziehen und die ihm vom Völkerbund übertragene Aufgabe im Stiche lassen. Die gemachten Ausgaben seien nur dann zu rechtfertigen, wenn die bisherige Politik zuversichtlich und mutig fortgesetzt werde, bis sie ihre Früchte trage. Wenn England sich jetzt zurückzöge, würde es alle auf Grund der gemachten Auslagen zu erwartenden Vorteile aufgeben. Wenn es aber in Palästina bleibe, werde es nur noch geringe finanzielle Opfer zu tragen haben. Der einzige Weg, der sich mit der Ehre der Nation vereinbaren lasse, sei die Arbeit für die Mandatspolitik. In Palästina werden neue Industrien errichtet und ein neuer Reichtum geschaffen. Elektrifizierungsarbeiten und der Bau neuer Bahnlinien, die das Mittelländische Meer mit dem Indischen Ozean verbinden; werden das Land zu einem reichen Industriezentrum und zu einem Stapelplatz des Handels zwischen Rußland und dem Orient machen. Es liege ebenso im Interesse der Araber wie in dem der Juden, Palästina zu einem reichen Lande zu machen, und eine freie, sich selbst verwaltende palästinensische Nation zu schaffen. Keiner der beiden Bevölkerungsteile könne seine Ziele ohne den anderen erreichen. Ein’rein jüdisches Palästina, erklärte Lord Lytton zum Schluß, würde sich nicht erhalten können. Die einzige Hoffnung für Palästina liege in der Bildung einer palästinensischen Nation* für die einzutreten Juden, Araber und Christen in gleicher Weise bereit wären. : Geien die SchSchtverbotpropajanda Berlin, 12. März. (J. T. A.) Nachdem in den letzten Tagen die Stadtverwaltungen in Schweidnitz,. Rostock und Mannheim nationalsozialistische Schächtverbotsanträge abgelehnt haben, hat nun auch der üemeinderat in Ulm in einer Vollsitzung den Antrag der inneren Abteilung des Gemeinderates auf Uebergang zur Tagesordnung über den seitens der Deutschnationalen gestellten Schächtverbotsantrag mit allen Stimmen gegen diejenigen der Mitglieder der deutschnationalen Fraktion angenommen. Das beantragte Schächtverbot ist somit abgelehnt. Palästina-Orangen in Wien Es ist die Pflicht jedes national denkenden Juden, den Jischuw durch Ankauf seiner Produkte zu unterstützen. Das kann schließlich auch für den einzelnen kein großes Opfer bedeuten, denn die Früchte, die Palästina hervorbringt, sind von köstlichem Wohlgeschmack und nicht teurer als solche anderer Länder, die aber in bezug auf ihre Qualität bei weitem liicht an die palästinensischen heranreichen. Wir alle, die wir in der Diaspora leben müssen, sind uns darüber einig, daß wir wenigstens von hier aus am Aufbau Erez Israels helfend mitarbeiten wollen. Nun ist es gewiß, daß eine der besten Möglichkeiten, die wirtschaftliche Lage Palästinas zu heben, die Förderung des Absatzes von Produkten Erez Israels ist. Am raschesten hat sich bisher die Parole: Kaufet die Produkte Palästinas! bei der Palästina-Orange durchgesetzt, die infolge ihrer hervorragenden Qualität und Güte in kurzer Zeit den Weltmarkt erobert hat. Um es jedem Gesinnungsgenossen zu ermöglichen, die Orangen zu billigen Preisen direkt ins Haus zugestellt zu erhalten, hat das Zionistische Landeskomitee mit Herrn S. Halpern, II., Förstergasse 6, Tel. A 46-4-12, ein diesbezügliches Uebereinkommen getroffen. Wir ersuchen alle Gesinnungsgenossen, Orange* direkt bei Herrn Halpern zu bestellen und sich selbst von der Güte dieser alle anderen Sorten weit übertreffenden Orange zu überzeugen. Seopoid ftfkiscAa Wien, II.. Krummbaumgasse 1 Telephon A 47-2-63 offeriert sämtliche Spezerei waren hob btr “itw bestens und billigst. Provinzversand. Alles spricht davon, daß die altrenommierten! fiflDWIfllT S CM ll RUZZOTH heuer besonders gut geraten sind. / Ueberzeugen Sie sich durch Kostproben, ZENTRALE* N. Brodezky, II. Leopoldsg. 43 A-46-1-90 A-60-2-63 A-41-9-32 und in allen besseren Geschäften zu haben. Einsfein nach Deu sch.and zurflckgekehr! Berlin, 15. März. (J. T. A.) Professor Albert Einstein, der einige Monate lang zu Forschungszwecken am Mount Wilson-Observatorium in der Nähe der Universität Pasadena, Kalifornien, geweilt hat und dem während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten, insbesondere bei seiner zweimaligen Durchreise durch New York, wie noch nie einem Gelehrten gehuldigt wurde, ist am 13. März nachmittags an Bord des Hapag-Dampfers «Deutschland» in Cuxhaven eingetroffen. Professor Einstein hat telegraphisch von Bord aus gebeten, von allen Empfängen absehen zu wollen, und auch kundgemacht, daß er Erklärungen nicht abgeben könne. Er hat die Reise nach Berlin fortgesetzt. In der letzten Zeit seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten hat sich der große Gelehrte, wie schon mitgeteilt, in den Dienst öffentlicher Aktionen, auch des Palästinawerkes, gestellt. ßeduinenanjriff Jerusalem, 11. März. (J. T. A.) Beduinen haben den aus arabischen Truppen unter dem Kommando von englischen Offizieren bestehenden transjordanischen Grenzschutz angegriffen. Im Verlauf der Kämpfe sind elf Beduinen und sechs Grenzschutzsoldaten gefallen. Auf beiden Seiten gab es eine beträchtliche Anzahl von Verwundeten. Denketan die Krawalle an der Handelshochschule! Daher Ständige unentgeltliche Stellenvermittlung der Hakoah Wer ausgebildetes, lOchtiges und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branchen braucht, wende sich an die HAKOAH, I., Wiesingerstr. 11 t Tel. R-25-0-10 Mißbräuche bei den jüdischen Qemeindewahien Warschau, 11. März. (J. T. A.) In der Sitzung des polnischen Sejm brachte Abg. j. Grünbaum eine Interpellation wegen Mißbrauch der Amtsgewalt bei der Vorbereitung der Wahlen in die Verwaltungen der jüdischen Gemeinden Polens ein. Martin ßuber erkrankt Amsterdam, 13. März. (J. T. A.) Professor Dr. Martin Buber, der auf Einladung des holländisch-jüdischen Frauenverbandes und der holländisch-zionistischen Vereinigung nach Holland gekommen ist, um in einer Reihe von Städten Vorträge zu halten, ist nach seinem ersten in Amsterdam gehaltenen Vortrag über das Thema «Der Wille zur Gemeinschaft im Judentum» an einer Influenza erkrankt. Die in Aussicht genommenen weiteren Vorträge Prof. Bubers, denen überall mit großem Interesse entgegengesehen wurde, mußten daher abgesagt werden. Internationale des Antisemitismus Der Berliner «Angriff» bringt unter der Ueberschrift «Berechtigter Antisemitismus» in seiner Ausgabe vom 9. März eine Korrespondenz aus Rumänien, in der ausgeführt wird, daß Rumänien unter dem Diktat der internationalen jüdischen Finanz die Führer der Antisemiten, die die Befreiung Rumäniens erstreben, hinter Schloß und Riegel hält. «Der jüdische Terror in Rumänien», heißt eo da, «hält an und die Judenpresse der ganzen Welt freut sich der erreichten Resultate. Die Zeitung zitiert die «Internationale Revue der Geheimgesellschaften» (Revue internationale des societös secretes) vom Februar 1931 — die Zeitung erscheint in Paris als das Organ des internationalen Antisemitismus —, in welcher ausgeführt wird, daß die rumänische Regierung einen Verfolgungsfeldzug gegen alle Judengegner eingeleitet hat, und der Wunsch ausgesprochen wird, daß «das rumänische Volk die Kraft aufbringe, einen so ungleichen Kampf zu gewinnen und mit Gottes Hilfe siegreich zu bestehen». König Carol wird als «Judenknecht und einer Jüdin sexuell hörig» bezeichnet. Der «Angriff» schließt hieran die folgende Bemerkung: «Wir können diesem Wunsche des französischen antisemitischen Blattes nur zustimmen. Eine wirklich wirksame Bekämpfung der Weltjudengefahr ist aber erst möglich, wenn in Deutschland die politische Judenmacht gebrochen wird und der Schatten Hitlers über Europa steht.» Eine 50.000 Dollar-Spende Felix M. Warburgs für Paiästinazwecke New York. (J. T. A.) Auf dem zu Ehren von Professor Einstein veranstalteten New Yorker Bankett hat Felix M. Warburg 50.000 Dollar, also ein Viertel der gesamten während des Banketts aufgebrachten Summe, für die Palästinafonds der Jewish Agency gezeichnet. Kommunistischer Feldzug gegen die Beschneidung Riga, 8. März (J. T. A.). Nachrichten zufolge, die aus Minsk in Riga eingetroffen sind, wurde der Minsker Mohel Radminsky, der auch mit den Funktionen eines Schochet betraut ist, unter der Anklage, durch eine Beschneidung den Tod eines Knaben herbeigeführt zu haben, verhaftet. Der Prozeß gegen Radminsky wird von kommunistischer Seite zu einer intensiven Kampagne gegen den Beschneidungsritus ausgenutzt. Die jüdischen Kommunisten haben seit längerer Zeit Beschneidung und Schechita zu den Hauptangriffspunkten ihrer antireligiösen Kampagne gemacht. In aller Kürze Dr. Felix Rosenblüth, Mitglied der zionistischen Exekutive, weilt augenblicklich in Polen, wo er den Sokolow-Monat organisiert. * Die der Regierungspartei angehörigen Abgeordneten Polens hatten eine Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Slavek, der ihnen eine günstige Erledigung der aktuellen jüdischen'Postulate versprach. ' - * In London fand eine Tagung der jüdischen Vereinigung!,', für Frauen- und Mädchenschutz statt. Ein Bericht über die in Genf geleistete Arbeit zur Bekämpfung des Mädchenhandels wurde erstattet. * Das litauische Außenministerium gab zu Ehren der jetzt in Kowno weilenden Vertreter der J. T. A., Dir. Jakob Landau aus New York und B. Smolar aus London, ein Diner. * In Polen wurde ein Verband unparteiischer Juden «Adas» Jisroel» gegründet. * Der jüdische General der italienischen Armee Umberto Cugliese ist zum Generaldirektor des Kriegsschiffbaues und des marinetechnischen Wesens'in Italien ernannt worden. * In Neapel verstarb im Alter von kaum 30 Jahren der hervorragende jüdische Wissenschaftler, Leiter des psychologischen Institutes der Neapeler Universität, Prof. Dr. Enrico Sereni. * In Warschau fand ein Kongreß der jüdischen Taubstummen Polens statt. 200 Delegierte sind erschienen. * In der Tschechoslowakei gibt es gegenwärtig 446 jüdische Gemeinden, von denen 443 gesetzlich anerkannt sind. * Am 8. März fand in Berlin eine Sitzung des Landesvorstandes der zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. . Unsere geehrten Leser werden auf das Inserat der Feinwaschanstalt «Habsburg», Zentrale: VI., Wallgasse Nr. 4, (Seite 1) aufmerksam gemacht. Die Firma ist als einzige dieser Branche Mitglied der Rabattsektion des Keren Kajemeth, und die Mitglieder dieser Sektion genießen bei Bestellungen den üblichen Rabatt. Alexander Hüttmann Wien, 11., Cirkusgasse Nr. 16, Telephon R 40-8-42 offeriert sämtliche Spezereiwaren, Mazzoth, Palästinaweine usw. bestens und billigst Bestellungen werdeu grati: ins Haus zugestellt Samstag und Feiertage geschlossen Die Parole loulel: Eine Million Sdielcalim? Haßen alle Ihre Bekannten bereits den Sehekel?