Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 165 (26.2.1931)
- Date
- 1931-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 35g V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S r$0, Vierteljahr 1. S 4'20, ganrjahrl. . . . S 16- Deutschld. Vierteljahr 1. ... HM 3*— Tschechoslowakei viertel]. . Kc 24'— Jugoslawien vieirteliahrl. . Din. 40*— Polen vierteljShr- Iich . . Zloty 6 50 Ungarn vierteljährlich . . Pengö 4 20 Rutnfinieh viertel- JMhrl.. . Lei 120 — Uebtiges Ausland Vierteljahr!. Schw. Franken 4*50 4. Jahrgang MaHi Jüdisdke Zeitung BBBBüSm Wien, Donnerstag, J6. Februar 1931 (9. Adar 5691) Ersdi jed Donnc Heda und Adm Wen, I., r Straße Tel. R-2 o £ hSL 03 c~t- 05: r-r Postspa’kassen« koi i: Oesterr. rJ U3-54Ö Polen . . . 191199 Tschechoslowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 Nummer 165 Aui dem Wege zur Selbstbesinnung? MacDonalds Brief schafft wieder festen Boden unter unseren Füßen und wir erwarten von den weiteren Verhandlungen der Exekutive ein Ergebnis, das unsere Hoffnungen rechtfertigen wird. Man mag zur Exekutive stehen wie man will, doch muß jedermann zugeben, daß Weizmann in einer ungeheuer schwierigen Situation, ungeachtet aller Anfeindungen und Beschimpfungen aus dem eigenen Lager, ungeachtet der geschlossenen Front der Zionistenfeinde inder ganzen Wel t und in einer Zeit der schwersten wirtschaftlichen Bedrängnis unserer Organisation den Kampf in Ehren bestanden hat. Das wird nicht hervorgehoben, um Weidmann zu lol jou; er braucht unser Lob nicht, wenn auch der Erfolg hauptsächlich sein persönlicher Erfolg war. Es soll aber festgestellt werden, daß weite .zionistische Kreise nichts getan haben, um die Situation der Exekutive zu erleichtern. Es muß hier die Hand auf eine offene "Wunde unserer Organisation gelegt werden. Von antisemitischer Seite wird gern auf die geschlossene Front des Judentums hmgewiesen. Oft liest man in antiseimi t ischen Strei tschrifteil, zum Nachweis d,afiir,. wie die juden in. allen jüdischen Ängelegenheiten fest Zusammenhalten, den Satz: ,,KoT Jisrael Chawerim“. Auch Cicero wird gerne .zitiert, der von den Juden sagte: „Man weiß, wie sie Zusammenhalten, wie sehr sie in den Versammlungen das große Wort führen“. Nun, die letzte zionistische Krise hat uns gezeigt, daß es keine geschlossene jüdische Front gibt. Wir wollen hier nicht von den jüdischen Antizionisten sprechen, die mit unverhohlener Schadenfreude voreilig Grabgesänge für den Zionismus anstimmten. Wir wollen nur darüber sprechen, wie wir Zionisten zusammenhielten und wie wir das Wort für unsere gemeinsame Sache fühlten. Sagen wir es rund heraus! Wir hielten nicht zusammen, jeder führte das Wort in seiner Partei Versammlung ■— an Parteien haben wir ja keinen Mangel — und wir kehrten die Front nach innen und nicht nach außen. Gewiß, niemand konnte bei einem Volke voh der Geistigkeit des jüdischen Volkes einen raschen Zusammenschluß der Front erwarten. Niemand erwartete auch eine bedingungslose Unterordnung der Opposition unter den Willen der Leitung. War es aber taktisch notwendig, war es politisch klug, .daß der Kampf, wie es vielfach geschah, auf das persönliche Gebiet getragen wurde? Boten wir nicht das Bild eines mörderischen Brudenkampfes, sind diese Kampfmethoden nicht schuld daran, daß wir Menschen verloren, denen wir bei einem anderen Verhalten ihren zionistischen Glauben hätten erhalten können? Man wende nicht ein, daß wir auf die lauen Zionisten verzichten können. Wir können keinen Menschen entbehren. Man wende auch nicht ein, dieser Kampf sei notwendig gewesen, um uns von der „verderblichen Politik“ unserer Leitung zu befreien, die uns in eine „Katastrophe“ treibe und wie die Schlagworte sonst heißen. Wer der Meinung1 war, die Leitung sei für uns ein Unglück, der hätte den Kampf auch anders führen können, unpersönlich, sachlich. In der politischen Kommission der Exekutive bot sich die Möglichkeit für sachliche Kritik und für eine Beeinflussung des Laufes dej Dinge. Das Chaos im zionistischen Lager war vielfach die Folge hemmungsloser, persönlicher Kritik. Der Brief MacDonalds Weil mann nach Palästina ab' gereist L o n d o n, 22. Februar. (J. T. A.) Am Freitag, den 20. Februar, hat Prof. Dr. Chalm Weizmann seine Reise nach Palästina angetreten. Weizmann lehnt die Uebernahme der Leitung nach dem Kongreß ab L o n d o n, 22. Februar. (J. T. A.) Unmittelbar vor Antritt seiner Palästina-Reise gab der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Prof. Weizmann, einem Vertreter der «Jewish Times» gegenüber die Erklärung ab, er werde auf keinen Fall die Führung der zionistischen Organisation über den Zionistenkongreß hinaus beibehalten. «Ebensowenig wie man Ost und West zueinanderbringen kann», sagte Prof. Weizmann wörtlich, «ebensowenig wird man mich bewegen können, weiterhin an der Spitze der Organisation zu bleiben». Weiters erklärte Dr. Weizmann, der einzige Zweck seiner Bemühungen in letzter Zeit und seiner ferneren Arbeit bis zum Kongreß sei der, für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims eine klare und günstige Situation zu schaffen und die Zionistische Organisation in einer besseren Verfassung zu übergeben als der, in der sie-slch zur JZeit>sein.es Amtsantritte^^befand; MacDonalds Briet dem Unterhaus offiziell unterbreitet London. (J. T. A.) Der Abgeordnete Kenworthy hat im Unterhause an den Ministerpräsidenten Ramsay MacDonald die Frage gerichtet, ob er in der Lage sei, dem Hause den Wortlaut des an Dr. Weizmann gerichteten Briefes über die Politik der Regierung Sr. Majestät in Palästina vorzulegen. In schriftlicher Beantwortung dieser Anfrage erklärte Ministerpräsident MacDonald: Jawohl, Sir, Folgendes ist der Wortlaut des Briefes, den ich heute Dr. Weizmann übersandt habe. (Folgt der veröffentlichte Wortlaut des Briefes MacDonalds an Dr. Weizmann.) Unterhausdebatte Ober die militärische Sicherung Palästinas London, 20. Februar. (J. T. A.) Anläßlich der Vorlage des Ergänzungsetats für den Kolonialdienst und den Dienst im Mittleren Osten erklärte der Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels im Unterhaus, Palästina habe, wie alle anderen Agrarländer, schwer unter der Wirtschaftskrise gelitten und könne daher ohne Beihilfe der englischen zeigt lins, daß diese Kritik voreilig und offenbar nicht von der Kenntnis der Vorgänge in London getragen war. Die innerpolitischen zionistischen Folgen dieser Kritik wafen verheerend. Das zionistische Lager stellte sich nach diesen Angriffen optisch betrachtet so dar, daß viele das Lager fluchtartig verließen, teils davonliefen, teils mißtrauisch von ferne das Durcheinander beobachteten. Die Unentwegten, Gott sei dank die überwiegende Mehrheit der Zionisten, liefen lange Zeit wirr durcheinander, wüteten kopflos gegeneinander oder blieben unentschlossen zwischen den kämpfenden Gruppen stehen. Nun ebbt die Panik ab, die Reihen ordnen sich und Mehrheit und Opposition sehen einander verdutzt an. Wir erwachen wie nach einem wüsten Traum. Es wird wieder Tag im zionistischen Lager. Wir erkennen wieder, daß TELEFON :B 24-5*20 ftFRIE GBOSSBETBIEB FÜR HOUSUURSCHE XV?! Regierung zu den erhöhten Kosten der Landesverteidigung sein Budget nicht ausba'ancieren. Die Regierung Sr. Majestät, fuhr Unterstaatssekretär Shiels fort, hat beschlossen, in Palästina gegenwärtig eine Streitkraft von zwei Infanteriebataillonen aufrechtzuerhalten. Außerdem wurden in Palästina und Transjordanien zwei Flugzeuggeschwader und vier Panzerautomobilabteilungen stationiert Commander Kenworthy sprach über die hohen Kosten, die Transjordanien verursacht, und trat für die Besiedlung Transjordaniens durch Pa'ästinenser ein. In ähnlichem Sinne äußerte sich Major Hopkin (Labour), der Transjordanien als ein Land von großen Möglichkeiten bezeichnete. Bezüglich Palästinas fragte Major Hopkin, wie weit das System der den jüdischen Kolonisten erteilten Erlaubnis, verschlossene Waffenlager zu haben, ausgebaut worden sei, und schlug vor, das Netz dieser Waffenlager zu vergrößern. Zahlreiche jüdische Kolonisten seien ehemalige Soldaten und es müsse in Erinnerung gebracht werden, , daß bei den letzten Unruhen kein einziges arabisches Dorf von Juden angegriffen wurde. In seinem Schlußwort erklärte Dr. Shiels, Ueberfälle und Gegenaktionen seien, insbesondere an der Südgrenze Transjordaniens, eine alltägliche Sache geworden, es sei jedoch zu hoffen, daß durch das Einsetzen mobiler Streitkräfte und durch Verbesserung der Transportverhaltnisse ruhigere Zustände herbeigeführt werden können,' die die Besiedlung und Entwicklung Transjordaniens ermöglichen. Die Arbeit der O’Donnell' Kommission London, 19. Februar. (J. T. A.) Im Unterhaus stellte Abg. Colonel Howard Bury eine Anfrage bezüglich Zusammensetzung und Tätigkeit der O’Donnel-Kommision. Colonel Howard Bury bemerkte in seiner Anfrage, daß Palästina «bereits einen Ueberfluß an Kommissionen» besitze, und daß die O’Donnell- Kommission schon über alle wichtigen Fragen Berichte erstattet habe. In Beantwortung der Anfrage erklärte Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels, die Arbeiten der aus Sir Samuel O’Donnell und H. Griffin vom Schatzamt bestehenden Kommission seien im Gange, er werde über diese Arbeiten in der nächsten Sitzung des Unterhauses genauere Mitteilungen machen. wir Kämpfer für eine gemeinsame Sache sind. Gestehen wir es ruhig ein! Zum ersten Male nach langer Zeit fühlen wir wieder, daß wir zusammengehören, daß wir Brüder im Kampfe sind für eine gemeinsame Sache. Dieses Gefühl der Brüderlichkeit darf nie wieder untergehen, auch dann nicht, wenn wir in Fragen der Taktik, des Tempos, oder der Führerschaft verschiedener Meinung sind. Dieses Gefühl der Brüderlichkeit darf auch dann nicht untergehen, wenn der Zionismus in neue Krisen geraten sollte. Derartige Krisen sind unvermeidlich. Wir glauben aber unerschütterlich daran, daß sie ’.ber kurz oder lang überwunden werden können, aber nur dann, wenn wir in der inneren zionistischen Politik aus der letzten Krise die Lehre ziehen: „Nur solche' Krisen bedrohen ernstlich den Lebensnerv des Zionismus, die ivir uns selbst bereiten“. Montag, den 2. März 1931. Him 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, 2. Bezirk. Taborstraße Nr. 4, Vortrag: Dr. Ihecdor Lessina (Itaitnovcr) 44 Der iüdisdie seOKfhao I* i i