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Die Stimme · 1930-01-08 · Heft 108 (8.1.1930) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 108 (8.1.1930)
Date
1930-01-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. m 0m STIMME Seite 11 Literatur und Kunst Oberrabiner Chajes s. A. und Präsident Sofcolow Über Nicht- Juden, die hebräisch singen. Anläßlich eines Abends, welcher vom Jugendverein Erez Israel veranstaltet wurde, äußerte sich Herr Arthur Wolf, der bekannte Musiker und verdienstvolle musikalische Leiter der hebräischen Konzerte in Wien folgendermaßen: «. . . Dieser Abend (gemeint ist das!U. hebräische Konzert — Red.) war ein wahres Fest der hebräischen Sprache, die beute m neuem Leben erwachte und alten Tagesbediirfrwssen dient. Eine natürliche Folge dessen ist, daß auch Nicht joden, wie in anderen fremden Sprachen, auch in hebräischer Sprache singen. Anschließend an diesen Gedanken erlaube ich mir, die Aeußierumgen des seligen Ob erfahrner* Dr. Chajee mod des Präsidenten S o k o 1 o f f in Erinnerung zu bringen, wefohe bei einem ähnlichen Aniaß erklärten: «Die Tatsache, daß auch Nichtjuden ln hebräischer Sprache singen, bedeutet ein .Kidusch haschen* für das Judentum.» Da in der letzten Zeit anläßlich des — nebenbei gesagt — Oberaus getfmgeiven, vom Jugendverein «Erez Israel* veranstallteten UI. Hebräischen Konzertes viele Angriffe gegen die Veranstalter gerichtet wurden, aus dem merkwürdigen Grunde, daß Nichtjuden an ihm teibiafome«, erachten wir es ate unsere Pflicht, die Aussprüolve von Obeirabbiner Chajes s. A. und Präsidenten Soholow in der WKcrengtabe des Hem Arthur Wolf za bringen. Wir geben auch unserer Meinung Ausdruck, daß kein kultureller Jude Anstoß nehmen kann an der Tatsache, daß hervorragende mchtjüdteohe Künstler sich in de« Dienst der hebräischen Sprache stefton und hebräisch singen. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals dem Jugendtverein «Erez Israel» wie awob Herrn Arthur Wolf, der ganz uneigennützig die künstlerische Leitung des Hebräischen Konzertes übernahm, wärmster Dank ausgesprochen. Konzert des Wiener Jüdischen Gesangvereines. Samstag, den 11. Jänner, findet im Festsaal des Industnehauees, T.t Schwarzenbergplatz 4, um %8 Uhr abends, ein Konzert des Wiener Jüdischen Gesangvereines unter Leitung des Gbormeisters A. Dzimitrovsky statt. Zur Aufführung gelangen Fragmente aus «Samson» von Händel, Chöre von Beck, Wilhelm Grosz, Samlnsky, Klaviertrio von Julius Chajes, Als Solisten wirken mit: Grete Körner, Eugerwe Kreimer, Igor Grünberg, Fritz Kohn. Konzert in der isr, Versorgungsanstalt Als Nachfeier des Ghanukah-Festes fand am Montag, den 6. Jänner 1930, in der isr. Versorgungsanstalt ein äußerst gelungenes Konzert mit Gesangseinjagen statt. Begleitet vom Herrn Kapellmeister Kurt Kronfeld brachte Herr Hermann Gottlieb Geigen-SoU, Frl. Emmy Toch Lieder und Arien und Herr Leo Funke heitere Lieder meisterhaft zum Vortrage. Die ira überfüllten Vortragsraum anwesenden Pflegtinge der Anstalt dankten den Künstlern für die ihnen bereiteten genußreichen Stunden. Eine neue Jüdische Zeitung .ln Wien. Wie wir erfahren, soll demnächst ln Wien eine Zweiwochensohrift «Unser Leben» in Jiddischer Spraohe erscheinen. Donnerstag, den 16. d. M., findet In den «Jüdischen Künstlerspielen» eine Vorstellung «Gott, Mensch und Teufel» von Gadin statt, deren Reinertrag der neuen Zeitung gewidmet Ist «Palästina», Monatsschrift für den Aufbau Palästinas. Soeben erschien Heft 12. — Aus dem Inhalt: Dr. A. Rujxln: Die Bedeutung Palästina? für die Juden. H. H. Thon: Soziale Frauenarbeit ln Palästina. — Dir. Harry Viteles- Die kooperative Bewegung unter den Juden in Palästina. — Dr. Ernst Simon: Politische Rundschau. — Dr. A. Tartakower: Arbeiterbewegung. — Nachrichten. — Daten. — Bücher. — Inhaltsverzeichnis. *— Jabresbezugsgebühr: Oesterreich $ 12.—, Deutschland RM. 8.40, Ausland Dollar 2.—. Administration und Verlag: C. Barth, Wien, I., Heßgasse 7. Eine Chaukah-Publikation Die Jüdische Tradition ist dem Wwtjudentem der letzten Jahrzehnte immer mehr verJoreugegangen. Die Kultur der europäischen Völker hat das spezifisch Jüdische Leben völlig absorbiert. Im Osten lagen di« Verhältnisse anders. Durch dl« geschlossenen Massensiedhmgen der Jude« und dl« niedrige Kulturstufe der bäuerlichen Landbevölkerung haben sie ihre besondere Eigenart bla beut« bewahrt. Dank dieser Verschiedenheit der Verhältnisse bat sich dann die Teilung in Ostjuden und Westjuden ergeben. Wie os aber die Entwicklung mit sich gebracht hat, daß auch das heutige OstjudenbUW sich immer mehr europäischer Kultur und Sitte nähert, so können wir umgekehrt konstatieren, daß daß entludet« Westjudentura den Weg zum jüdischen Westen sucht. Der Zionismus hat die Selbstbesinnung gebracht, er hat in dett Assimilierten das Bewußtsein und die Teilnahme für das eigene Volkstum geweckt. Und so finden wir gerade in ernsten zionistischen Kreisen ein neues Interesse an jüdischer Geschichte und Philosophie, an jüdischer Tradition und iüdischen Leberts* äuße rangen. — Von diesem Gesichtspunkt aus gewinne« die Veröffentlichungen de? Hauptbureaus des K, K. U in Jerusalem «Jüdische Feste und Feiertage» besondere Bedeutung, Das erste Heft ist vor wenigen Wochen erschienen und behandelt das Chajiukali-Fest Der Inhalt dieses Hefte» Ist sehr vielseitig. Es soll der Zusammenhang des Textes mit unserem heutigen Leben erfaßt und beleuchtet werden. Zur Geschichte der Makkabäerzeit bringt es ein Kapitel aus der Antiachusrolle, einige auf Chanukah bezügliche Stellen aus dem Talmud, Bestimmungen über Chanukah aus dem Werke «Jad Chasakab» des Maimonide«, eine geschichtliche Skizze von Prof, J. Klausner und eine« Aufsatz über das Buch Doch Modilm von Z. Wilnai. Auf diesen belehrenden Teil folgt dor belletristisch« mit Aufsätzen von HerzJ, Uss'ischkin und Schi/nonowitscb, Gedichten und Liedern von Bialik, Tschernichowski, Äwigdor, Hameiri, mit dazugehörigen Notenangaben. Die Publikation zeigt die ausgesprochene Tendenz, in praktischer Weise für Chsmikah-Ftiern Hilfsmitteln zu geben. — Es soll die Anerkennung für die Publikation des K. K. L. nicht schmälern; wenn Ich einige Ergänzungen der künftigen Hefte für wünschenswert ansebe. So würde ich als Ergänzung des informativen Teiles die Schilderung jüdischer Volksriten und Bräuche, wie sie heut« noch im Osten lebendig sind, begrüßen. Es wäre auch zu empfehlen, daß <iie Veröffentlichungen in der Reihe «Feste' und Feiertage» in besseret Ausstattung erscheinen. Dr. Henriette Rappaport. Die Rückwirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung auf die Heiligung des Sabbath von Dozent Dr. Samuel Grünberg. Eine eigenartige Bewegung geht kn heutigen Judentum vor sich: Die Sehnsucht nach dem traditionellen Säibbath. In verschiedenen Ländern entstehen « Sdhomrej -Scfyaba t h » -Organisationen, die bereits zur Schaffung eines Weltverbandes führten. Diese Bewegung ist ein Zweig der Bewegung zur Erhaltung des jüdischen Volkes. Sie kann von sehr großer Bedeutung werden, Wjr denken an den tiefen Ausspruch Ach&d Haams: Mehr noch als die Juden den Sabbath hielten, hat der Sabbath sie erhalten. — Die Broschüre stellt das Referat des Vorsitzenden des Weltverbandes auf der Tagung der traditionellen Rabbiner Deutschlands kn Jahre 5690 d&r. Sie führte die mächtigen wirtschaftlichen Hindernisse an, die sich der Saibbathheillgung entgegenstellen und bestätigt die Meinung errtsfdenkender Juden, daß das Nichthalten des Sabbath sehr vielen Juden ein gewaltiges geistiges Opfer bedeutet, daß sie ihrer Existenz wegen bringen müssen. Der Autor glaubt an eine Aenderung: er sieht den Anfang der Lösung in der Weekend-Bewegung, die den Samstag einbezJeht Dr. Oh. T. Einen wirklichen Kunstgenußund erhöhte Lebensfreude vmcfoaSft Ihnen eine gute Sprecbtnaschwve und die dazu gehörigen Sdwüptetten. Die Möglichkeit, alte neuen Tanzschlager In seinen vier Wänden zu hören, sollte jedermann veranlasse», uns recht bald zu besuchen und seine Auswahl zu trotten. Sie können durch Ihren Besuch bei uns sich selbst ein Urteil über unsere LetetungsfähAgikeit bilden, da wir gerne bereit sind, ganz unverbindlich die neuesten Modeffie von Apparaten und die neuesteo Platten vorauführen. Sie finden die erstklassigsten Fabriksmarken zu den besten Konditionen vw. Musilobaus Excefelor, I., Adlergasse 5. Arie guten Radioapparate mit direktem Netzanschluß und A'UatanOempfang lagernd. Achten Sie genau auf die Firma und auf Haus Nr. 5. Der Delegiertentag der deutschen Zionisten, Im Berichte unseres Sonderberichterstatters Dr. Israel Taubes über den Jenaer Delegierten tag wurde u. a. die Mitteilung gebracht, daß Dr. Goldiftann von Öberbaurat Stricker brieflich aufgefordert wurde, für den Judenstaat einzutreten. Wir stellen hiemit fest, daß diese Mitteilung, die wir von privater Seite erhielten, nur aus technischen Gründen dem Gesamtbericht über den Delegiertentag beigefügt wurde. 19990999999999*0990990999990999999*9999 Personalnachrichten Gg. Artur Alber«, Obmann der zionistischen Bezirkssektion Xll—XV, wurde zum Laienrichter des Handelsgerichtes ernannt, aus welchem Anlässe ihm der Titel eines Kommerzialrates verliehen worden ist Auf diesem Wege Übermitteln wir ihm unsere herzlichsten GHlokwünsche. Eine neue Sendung von Palästina orangen ist angelangt Die Früchte sind süßer und zeigen das feine Aroma der Erez Israel-Orangen, Die Preise sind billiger als die der vorigen Sendung, demgemäß werden pro Sendung mehr Stück geliefert als früher. Es sind erhältlich: 14, 17, 22 oder 26 Stiiok (je nach Größe und Vorrat) zum Preise von S 7.40, Kisten, enthaltend 60, 75 oder 90 Stück, zum Preise von S 23.—. Bestellungen sind zu richten an: Zionistisches Bureau, Wien, L, Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-85/86, $. Halfern, Wien, U., Föratergaese 6, Tel. R 40-4*12, Gedcnktafotathiühmg für Rabbiner Dr. Gelbbaue. Dienstag, den 31. Dezember 1929, fand im Wiener Beth Hamidrasch die Enthüllung einer Gedenktafel für den verewigten Lektor Rabbiner Dr. Gelbhau» statt Zu der würdigen Feier waren außer den Familienmitgliedern des verstorbenen Gelehrten erschienen: Der Vorstand des Wiener Beth Hamidrasch, die Rabbiner Dr. Feuchtwang, Dr. Mehrer, Dr. Täglicht, Schulrat Professor Dr. Pollak, Bethausvorsteher Vogel u. a. m. Herr Dr. Ornstein, Vizepräsident der Kultusgemeinde, begrüßte die Anwesenden und übernahm in seiner Eigenschaft als Obmann des Beth Hamidrasch die Tafel in seine Obhut Hierauf entwarf Rabbiner Dr. Rosenmann in längerer Rede ein Bild der überragenden Persönlichkeit de? verewigten Fonsehens und Gelehrten. Mit einem El mote rachamim des Oberkantors Margulles schloß die eindrucksvolle Gedenkfeier. Historisch bedeutsame Daten dieser Woche 9. Jänner ( 9. Teweth): Nach der Tradition wurde an diesem Tage die Septuagintaübersetzung vollendet. 10. tf (10. ) 1873: Der bedeutendste hebräische Dichter der Gegenwart, Chaim Nachman Bialik geboren. 11. (H. ># ) 1891: Der hebräische Schriftsteller S. J. Fünn gestorben. 11. » (11. » ) 1893: Der Feuilletonist Daniel Spitzer gestorben. 13. » (13. n ) 1897: Dawid Schwarz, der Erfinder des ersten starren Aluminiumluftschiffes, gestorben. 14. H 04. ) 1835: Felix Otto Dessoff, berühmter Ton-künstler u. Kapellmeister, geboren. 15. n (15. ) 1851: Der bekannte Berliner humor. Schriftsteller Alexander Moszkowski zu Pilica (Polen) geboren. 15. * (15. ) 1902: Begründung des Jüdischen Nationalfonds. 16. n (16. M ) 1844: Der deutsche Sozialistenführer Paul Singer geboren. Richtigstellung: In dieser Rubrik unterlief in der letzten Nummer folgender Druckfehler: statt 8. länner 1 82 7: Todestag des hebräischen Schriftstellers S. L. Ben Dawid soll es heißen: 8 länner 1 8 97. Der jüdische Hochschüler Zur Statistik der Jüdischen Hörer an der Wiener Universität Im Schuljahr 1928/29 Wintersemester 1 928/29 GesamthÖrenzaibl: Juden: Juristen . , . . . 2938 (107) 594 (4) Mediziner. . , - . 2482 (131) 869 (53) Philosophen . . . .4170 (867) 741 (116) zusammen . . 9590 (1105) 2204 (173) Sommersemester 1929 Geoaflnthörerzahl: Juden: Juristen ...... 2870 (156) 534 (4) Mediziner ..... 2539 (58) 851 (23) Philosophen .... 4055 (368) 654 (67) zusammen . . 9464 (782) 2039 (94) (Pie eingekla/mmertem Ziffern enthalten die Anzahl der außerordentlichen Hörer.) Unter den 9464 orckmdtefaan Hörern der drei weitlroben Fakultäten der Wiener Universität gab es wn vergangenen Semester insgesamt 2039 Juden. Studentenkonferenz in Warschau Künzüch fanden in allen Universitätsstädten Polens Wahlen der Delegierten der Jüdischen Studenteaioi^anfsatjonen statt, däsc nachstehende Resultate ergeben haben:, Lemberg: 14 Zionisten und l Linker; Krakau: 12Zionisten und 3 Linke; Wilna: 6 Zionisten und 3 Linke; Warschau: 8 Zionisten und 7 Linke. In der vergangenen Woche hat eine Konferenz der Vertreter der jüdischen Studenten Polens ln Warschau stattgafumten. An dieser Konferenz nahmen auch die Mitglieder des Zentralrates sowie die Delegierten des Komitees zur Erbauung eines jüdischen Studentenaamtoriuinis iti Worochta unter Vorsitz des Herrn Mr. Elcbanan Löwin teil. In dieser Sitzung wurde bekarnntgegebcn, daß das Sanatorium im kommenden Sommer eröffnst wird. In einer Resolution wurde dem Verlangen der jüdischen Studentenschaft Ausdruck gegeben, daß die Hebräische Universität }n Jerusalem nach europäischem Muster, und zwar $3ta eine Lehriwohschule eingerichtet werde. AI» der Vorsitzende' eenen Nachruf für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Leon Reich hielt und afile Anwesenden zum Zeichen der Trauer awfetamfen, Wieben die Unken sitzen. Dieses taktlose Verhalten der Unken rief große Erbitterung hervor. Dl« Jüdisch« Student«« Organisation in Umberg. hi Lemberg besteht die älteste Zelle der Jüdisch-Akademische« Stedentenorganisafclün in Polen. Obwohl der größte T«H der jüdischen Studenten ln Warschau studiert ubwj Lemberg — der Zahl nach — an »weiter Stelle steht, ist doch die ZaW der organisierten jüdischen Studenten 4n Lemberg die größte. Aus dem letzten Bericht der Exekutive der Jüdisch- Akademteehen Organisation in Lemberg ist zu ersehen, daß die dortig« jüdische Studentenschaft mit 2500 Mitgliedern in 15 Selbsthilfe-, Fach» und Kulturvereinen organisiert ist. Erwälmenswert ist, daß die vor kurzem gegründete Kfedjtfcassc für jüdische Studenten sich bereits in ihren Anfängen gut entwickelt. An der Spitze der Exekutiv« der ofoerwähnten Organisation stehen die Herren Saul Langwas und Erwin Bienenstock.

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