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Die Stimme · 1929-01-04 · Heft 53 (4.1.1929) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 53 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 nir ertumt; Ule 91 llnJVIB sondere Aufgabe Englands in Palästina nidrt verstandenhat, noch verstehen will. Die antizionistischen Neigungen, die in der palästinensischen Beamtenschaft?chön unmittelbar nach der Okkupation aufgekomn.en seien, sind inzwischen 2ur Tradition in der Verwaltung dos Landes geworden; die Balfour-Deklaration und die Sache des jüdischen Nationalheims sind in den Augen der Beamten nichts als die Kaprice einer Stunde, ein Irrtum, der wieder gut zu machen ist. Es soll nicht behauptet werden, daß allein der schlechte Wille der palästinensischen Beamtenschaft für diese Opposition gegen die zionistische Politik verantwortlich sei. Ein großes Maß von Schuld trifft die zentrale Regierung in London, deren Külte und gleichgültige Haltung gegenüber den zionistischen Forderungen die antizionistischen Tendenzen in der palästinensischen Verwaltung stärken mußten. Es ist keine angenehme Pflicht, dem neuen High Commissioner unmittelbar nach seiner Ankunft solche Worte zu sagen. Der Verfasser betont schließlich, daß er niemand beschuldigen wolle, daß möglicherweise auch wir selbst, unsere nationalen Eigenschaften an der Entfremdung vieler britischer Beamter schuld seien. Wir hätten vielleicht nicht verstanden, uns natürlich-menschliche Beziehungen zai ihnen zu sohaffen und litten noch an den Wirkungen des Galuth, das wir noch nicht ganz abgestreift hätten. Wir müßten erst lernen, uns an die Verhältnisse, an die neue Atmosphäre politischer Zusammenarbeit außerhalb des Ghettos anzupassen. Miszellen Auf * Initiavc der Agudas JJisrocl fand in Jerufalem eine gemeinfamc Sitzung zwilchen Vertretern des W a a d Leumi und der Agudas Jisroel llatt, in der über die Möglichkeit eines einheitlichen Vorgehens zur Wahrnehmung der politifchcn Intereffen der p aläftincnfifdien Judenhcit nach außen hin beraten wurde. Den Anftoß zu diefem Schritte gaben die bekannten Vorfälle an der Tcmpelmauer. Es wurde dem Vernehmen nach bereits in einer Reihe von Punkten eine Verftändigung erzielt. ' * 1 - Der Bürgermeifter von New York, Walker, gab in der StadthaUe zu Ehren des in New York weilenden Bürgermeifters von Tel; Aviv, David B 1 o ch, einen Empfang. Herr David Bloch, der einige Zci tin den Vereinigten Staaten zubringen wird, um die Aktion der amer&anifchen jüdifchen Arbciterfchaft zugunften der Arbeitcrinftitijtion in Paläftina zu fördern, richtete am Tage feiner Ankunft durch das New Yorker Radio in jiddifcher Sprache einen Appell an die araerikanifche Judenheit, das Aufbauwerk in Paläftina zu fördern. Der erfte, der auf .diefen Appell reagierte, war der Herausgeber der großen jiddifchen Tageszeitung „Der Tog“, Herr David Schapiro, der für das Paläftina-Arbeitcrwerk iooo Dollar fpendete. ■k Die arabische Exekutive in Palästina überreichte dem neuen Oberkorrwnissär Sir John Robert Ch a n c e<1 o r ein Memorandum, in welchem die Regierung Palästinas scharf kritisiert und die Errichtung eines die palästinensische Bevölkerung repräsentierenden Parlamentes gefordert wird. Kunstchronik Dritte Europa-Tournee der „Habimah“. Das hebräifche Theater „Habimah“, das vor kurzem, wie berichtet, fein Repertoire durch die mit großem Erfolge aufgenommene Aufführung von Scholem-Alechems Komödie „Der Schatz“ erweitert hat, bereitet als zweite. Novität dae biblifche Drama von Calderon „Die Locken Abfaloms" vor, für das der Komponift R o f o w f k y die Mufik gefchrieben' hat. Die Regie diefes Stückes hat der ruffifche Rcgiffeur D i c k y inne. In der zweiten Hälfte des Jahres 1929 wird habimah“ mit ihren neuen Stücken eine dritte E u r o p a-T o u r □ e e unternehmen, während welcher eine dritte Novität vorbereitet werden foll, deren Aufführung fodann nach der im Jänner 1930 geplanten Rückkehr der „Habimah“ nach Paläftina dortfelbft erfolgen foll. Die RumpMHabimah», jener Teil des Hablmah-Ensembles, der mit S. Zemach an der Spitze ln New York geblieben ist, führt jetzt in jiddischer Sprache GozzJ- Schillers. «Turandot» im Manhattan-Operahouse in New York auf. Alexis Granowsky, der Leiter des Moskauer ißdischakademisci.cn Theaters, ist wegen der Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Volkskommissariat für Bildung und Kunst über ein Amerikagjastspiel des Moskauer Jüdischen Ensembles in B e r lin verblieben und Inszeniert dort Moticrcs «Bürger als Edelmann» in einer Neubearbeitung unter dem Titel «Bourgeois bleibt Bourgeois», in der Nicht ausdrücklich abbestellte Abonnements gellen als wniterbestehendl Nt. 58 Max P ä H e n b e r g <fie Hauptrolle spielet! wird. Das jüdisch-akademische Theater ist nach Moskau zurückgekehrt, die Amerikatoumee ist unterblieben. Jüdische Musik tut Radio ist in aller Welt zu hören, nur nicht in Wien. Die Stationen London, Berlin und Paris bringen ziemlich häufig Jüdische Volks- und Kunstmusik, jüngst hat auch Warschau hebräische und Jiddische Volkslieder, gesungen votü Oberkantor der Warschauer großen Synagoge Kussewitzky, gesendet nur Radio Wien weiß nichts von jüdischer Musik! Der Wiener Verein zur Förderung jüdischer Musik in Wien könnte es sich wirklich angelegen sein lassen, bei der Leitung der Wiener Ravag ein wenig kulturelle Aufklärüng zu treiben! Vielleicht bekommen dann die 200.000 Juden Wiens, von denen sicher die Hälfte Radiohörer sind, doch auch von Zeit zu Zeit jüdische Musik zu hören. Neues jüdifchei Theater (Künftlerkabarett, Prsterflr. 60). Wodienfpielplan: Freitag, den 4. Jänner, Er ft auf führ ung des dreiaktigen Lebensbildes mit Gelang „Wie man erzieht einen Mann“ von L. Kobrin. Diefe Novität wird Samstag, den 5. d., und Sonntag, den 6. d., wiederholt. — Montag, deb 7. d. „A Weib im lufdieft“. — Dienstag, den 8. d„ „Wie man erzieht einen Mann“. —Mittwoch, den 9. d., „Die Brillantendame“. — Donnerstag, den ia, „Anftändige Mcnfchen“. Bei (amtlichen Vorfteilungen.wirkt das ganze Eftferoble mit. «Nette Jüdische Musik» io Berlin Man fdvrribt uns aus Berlin: „Alice Jacob-Loewenfon gab im Rahmen der Berliner Zioniftifchen Vereinigung am 10. November ein Konzert, detfen Programm einen Ueberblick über die gegenwärtige jüdifche Mufik geben wollte. Zur Aufführung gelangten u. a. Erftaufführungen von,Mordechai Sandberg- Jerufalem (Koheleth), Alexander W e p r i k-Moskau (Kaddifch und Volkstänze), Darius M i I h a u d-Paris (drei Zions-Lieder), ferner Werke von Gregoire K r e i n, Jofef A ch r o n, Mario Caftelnuovo-Tedesco. In dem Konzert wirkten mit Rahel Kaufmann und Leo Riafanzcw. Das Konzert, das einen erden Verfuch darftellt, Proben derjenigen jüdifchen Mufik zu vermitteln, die nicht nur als folkloriftifcher Ausdruck eines exotifchen Sonderftamfnes bewertet werden will, fondern die es fich zur Aufgabe macht, auf Grund des alten jüdifchen Melos eine den übrigen europäifchen Mufikftrömungen gleichwertige Kuitft zur Entwicklung zu bringen, hat großes Intereffe nicht nur in der jüdifchen Oeffentlichkeit, fondern auch in der nichtjüdifchen Mufikwelc hervorgerufen.“ * Anfchließend an diefes Konzert veröffentlicht die „Jüdifche Rundfchau“ in ihrer letzten Mufikbeüage AeußerungCn einiger jüdifcher Mufik er über diefen Abend neuer jücfifcher Mufik« die zeigen, daß der Eindruck bei weitem nicht überzeugend und einheitlich war. Der gemilchte Charakter des Programms — die genaue Kenntnis der in Berlin aufgeführten Werke erlaubt mir auch aus der Ferne eine „Stellungnahme** dazu — bedingt und erklärt diefe Urteile. Mit folchen Programmen kann und darf der „Kampf um die neue jüdifche Mufik“ nicht geführt werden. Es gilt heute, eine fchärfere Trennung zu ziehen zwifchen „Mufik von Juden“ und „jüdifcher Mufik“. Im genannten Programm können nur die Kompofitionen von Achron, Weprik, Sandberg als „jüdifche Mufik** gewertet werden, deren charakteriftifchen Elemente jedoch durch eine Gegenüberftellung von Werken von Caftelnuovo, Gregoire Krein und Milhaud, die ganz ohne jegliche jüdifche Eigenart find, beeinträchtigt werden mußten. Es genügt keineswegs mehr, Werke zu wählen, deren Autoren fich zum Judentum „bekennen**, oder die durch eine Textunterlsge (Milhaud) fich als „jüdifcb“ präfentieren können. Im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung haben wir es nicht mehr notwendig, Kompromiß-Programme zufammenzufteüen. Wir befitzen eine Reihe verfchiedener Kompofitionen, die in überzeugenderer Weife das Jüdifche in der Mufik dokumentieren. Wir können heute nicht ftreng genug in der Auswahl der Programme fein, gerade weil das Bewußtfein, daß wir eine jüdifche Mufik haben, noch nicht durchgedrungen ift, gerade weil die Meinungen darüber noch geteilt find und viele von der Exiftenz der jüdifchen Mufik nichts wifien wollen. Joachim Stutfchcwfky. Jiddisch am — Silvester An eiper Silvefterfcier, die der Bühnenveresn im Konzen»- haus veranftaltete, wirkte — beinahe ift man verfucht, „ausgerechnet“ zu fagen — Frau Vera Kaniewfka, jetzt Gaft in den jüdifchen Künfterfpielen, mit und brachte — jüdifche Volkslieder zürn Vortrag. Da das Publikum, das Silvefterfeiern verfchönt, gewöhnt ift, fich oder andere maufcheln zu hören, war ihm das Jiddifche nicht recht und es blies die Vortragende an. „Erft der Donauwellen-Walzcr beruhigte die Gemüter“ — {Teilt mit unnachahmlicher Reportergrandezza eine Tageszeitung feft. So weit, fo gut; über den Gefchmack der Leute, die für den Silvefter wie für andere Tage Fritzl Grünbaum etwa, dem Kaddifch des Levi . Jizchak von Bcrdytfchew vorziehen,., kann man nicht ftreiten. Aber eitle Frage fei verftattet: Sind der „Kaddifch“ und ändere jüdifche Volkslieder nicht zu wertvoll, um damit Silvefterfeiern zu zieren? Jüdifche Künftler, die einigermaßen etwas, auf Kultur halten, foUten denn doch das „bodenftändige“ Fritz-Grünbaum-Publikum am Silvefter hübfeh unter fich laßen! S. S. FÜR MUSSESTUNDEN Schach Ktinstschach L (V. Cifar.) a b c d e * g h Weiß: Kb6, Dda, Tg3, Le7, Sf», f8, Bbj, h6 (8 Steine). Schwarz: Kej, Tei, Lh8, Sa*, Bby, cj, d<j, ez, fj, hj (10 Steine), Weiß zieht und fetzt im dritten Zuge matt. IL (Dr. E. Palkoaka.) 8 7 6 5 4 3 2 1 a b c d e . f g h Weiß: Ka3, Dc4, Lc6, f6, Bfy (5 Steine). Schwarz: Kh7, Dc8, Sb7, c$, Bad, hj, h6 (7 Steine). Weiß zieht und fetzt im zweiten Zuge matt. Lösung der Endsplelstundo in Nummer 53. (Weiß: KI7, Dh3, Be2; Schwarz: Kf4, Da2, Bd3, dö, e6, b4). Die Idee Ist, durch ein Schach auf der zweiten Reihe die schwarze Dame indirekt anzugreifen, so daß sic durch ein Bauernschach erobert wird. 1. Dh3-rf3-f*Kf4—«5? 2. Df3— g2-k Geht nun der König nach f4oder iS, so folgt 3. c2—e3+ bezw. e2—e4+ mit Damertgewhm. Auf 2... Kh5 oder hfi wird er durch 3. Dg2—g6 mattgesetzt. Schwieriger ist 1... Kfd—e5! zü behandeln. Es folgt 2. Df3—e3+ Ke5—f5! (Kd5? De6+ mit Damengewinn). 3. De3—12+ Kf5—e5! (bei Kg4 oder g5 wieder Dg2+ wie im ersten Spie!). 4. Df2—h(2+! Nun ist auf jeden Zug die Dame verloren, auf Kd5 oder fö durch 5. 62—64*1-, auf Kd4 oder f4 durch e2—e3+ und auf Ke4 durch e2Xd3+. Richtige Lösungen haben eingeseodet: Fritz Garfeln, Leopold Menkes, Siegmund RJpper, sämtliche in* Wien; Wolf Edelmann, Buczaoz; Israel Appel, Lemberg. Scherz und Humor Die Stellung zum Publikum Ein jüdifcher junger Mann, Inhaber einer vorzüglichen Baßftimme, wurde von einem Gefangspädagogen auagebfidet. Die Studienzeit brachte die glänzende Erfüllung aller auf fein Stimmaterial gefetzten Hoffnungen; doch der Opernlaufbahn ftellte fich fein völliges fchaufpielerifches Unvermögen als unüberwindbares Hemmnis entgegen. Sobald er vor das Publikum trat, verfagte er. Damals fuchte die jüdifche Gemeinde Berlin einen Vorbeter, und ohne feinem Lehrer davon Kenntnis zu geben, meldete fidi der junge Manu. In einem Gottesdienfte, in dem. er probeweife vorzubeten hat, erregte der Sänger größte Be- Wunderunp. and wird akzeptiert. Zwei Tage darauf eilt unfer junger Mann mit dem Anftellungsvertrag in der Tafchc und Jubel im Herzen zu feinem. Lehrer: „Denken Sie, ich habe ein Engagement als Vorbeter bei der Jüdifchen Gemeinde in Berlin.“ „Ich hab*s ja immer gewußt," meint mit fchalkhaftem Lächeln der Lehrer, „Sie können nur fingen mit dem Rücken zum Publikum.“ Ein Neujahrsgeschenk an die Wiener ist die am Mittwoch, den 2. Jänner 1929, beginnende Seidenwoche m populären Leopo’idstädter Warenhaus Brüder S c ft 1 f f m a n n, II., Talborstratte 48. Es iet dies die erste Verkaufssensation im neuen Jahr und gleichzeitig ein neuer Beweis für die arutterottdentiiehe Leistungsfähigkeit dieses, als beste und billigste Bezugsquelle bestbekamnten Kaufhauses. Bei der Erweiterung der Geschäftsräume wurden ht der Rassage des Hauses Taborstraf?« 48 a neue Schaufenster eingerichtet, die der besonderen Beachtung wert sind. Man vergleiche Preis und Qualität der Angebote, und wird aus dem Statinen nicht herauskommen. Nachstehend einige Preisbeispiele: Ktekler-K -Seide, 80 br., 98 Groschen, Paitte e Ctalre und Brokate, 80 br., S 1.98, Moire-Seide per Meter S 2-50, Diagonal-Seide, 75 br., S 1.90, Satin de Chine, 90 br., S 4.50 und S 2.50, Uberty-Sekle, 90 br., S 2.90. Shantuog- Sekte, 90 br., S 2.90, Pongis, wei'ß, 95 br., S 2.90, Cnepe de Chine, alte Farben, S 3.90 usw. Mengenabgabe Vorbehalten! Provinzversand per Nachnahme. (Entgelttidi.)

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