Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1928)
- Date
- 1928-12-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 DTE STIMME Sefte tl Hand fährt er einmal ums anderemal nach seiner Tasche, in der sich der «ganze» Ru/bei unter dem vielen Geld befindet; voll Freude sieht er den fünf Flämmchen zu, wie sie lustig brennen und sich an der silbernen Wand der Lampe widerspiegeln, so daß er zehn Flämmchen zählen kann. Der goldene Löwe und die zwei Vöglein sind viel schöner als lebendes Getier, weil die hellen Flämmchen sie beleuchten. In Mojscheles Herzen ist es hell und festlich und in den Chanirkahnächten sinkt er in glücklichen, festliohen Schlaf. An die lieben, guten Chanukahtage denkt er das ganze Jaihr hindurch. II. Wieder nahte die Chanukaihzeit. Der Winter ist da, es ist kalt und die Oefen werden schon lange geheizt. Draußen friert und schneit es und Mojschele wartet auf die herrlichen Chanukahtage mit großer Freude. Heute abends wird das erste Licht entzündet; Mojschele sieht erstaunt, daß der Vater eine-Kartoffel nimmt, sie in zwei Hälften schneidet und jede Hälfte innen aushöhlt, so daß sie wie zwei kleine Schüsseln aussehen. In das eine Schüsselchen legt der Vater einen Bindfaden, gießt Oel hinein, sagt den Segensspruch und entzündet den Docht. Zuerst findet Mojschele Gefallen an dem Kunststück, das der Vater mit der Kartoffel ausführt, aber wie das Licht entzündet wird, da wird ihm sonderbar dunkel vor den Augen und traurig ums Herz. Das Licht brennt so traurig, so dunkel, das elende Flämmchen in der schwarzen Kartoffel kann sich nirgends widerspiegeln, nicht so wie in der silbernen Lampe. «Wo ist die silberne Lampe» — fragt er ängstlich die Mutter. Doch niemand antwortet ihm. Er sieht, wie die Mutter in einen Winkel geht und sich heimlich mit der Schürze über die Augen fährt. Sie versteckt sich im Winkel, damit es der Vater nicht sieht. Mojschele hat Angst, zur Mutter zu gehen. Die Mutter geht aus dem Zimmer und Mojschele bleibt allein. Er wartet darauf, daß der Vater ihn, wie alle Jahr, fragt: «Mojschele, willst du Chanukahgeld?» — Lind heute wird ihm der Vater gewiß mehr geben als voriges Jahr, denn Mojschele ist doch schon ein großer Junge, er ist doch um ein Jahr älter geworden. Doch niemand ruft ihn. Er hustet, um sich bemerkbar zu machen, alles bleibt still. Er geht in das nächste Zimmer, wo der Vater sitzt, doch der bemerkt ihn gar nicht, er ist so bekümmert wie das ganze Jahr. Kein Onkel, keine Tante, kein Bekannter kommt, nicht einmal Reb Itscbe, der mit dem dicken Bauch und der dicken goldenen Kette. Niemand kommt und niemand gibt Mojschele Chanukahgeld . . . Am nächsten Tage traf Mojschele auf der Straße einige Bekannte seines Vaters, die ihm voriges Jaihr Chanukahgeld gegeben hatten; er sah sie erwartungsvoll an, doch sie bemerkten ihn nicht einmal. Als er am Sabbath mit dem Vater in die Schul’ ging, bemerkte er zum ersten Male, daß sich keiner von des Vaters Bekannten mit ihm abgab. Früher hatten sie ihn nicht Vorbeigehen lassen; der eine hatte ihm gesagt: «Mojsohele, bist ein braves Kindl» Ein anderer hatte ihm freundlich die Wangen gestreichelt und oft hatten die Bekannten zum Vater gesagt, daß Mojschele ein prächtiges Kind sei und sie wünschten, ihre Kinder wären .so. Alle hatten ihn gelobt und verzärtelt. Und jetzt, seit die silberne Lampe nicht mehr z« Hause war, da merkte Mojschele, daß man aufhörte, ihn zu loben; niemand nannte seinen Namen, niemand sprach von ihm. Und Mojschele wünschte so sehr, daß man ihn wieder lobe, streichle und zärtle, so wie damals, da die silberne Lampe zu Hause war. Chanukah ist längst vorbei, ohne einen Groschen Chanukahgeld ünd ohne Pirogen. Mojschele denkt Tag und Nacht der Zeit, da die silberne Lampe zu Hause war. Wie gut war es damals, Vater und Mutter waren so gut zu ihm, im Zimmer war es hell und freundlich, viele Leute sind zu Besuch gekommen und alle haben mit ihm gesprochen, alle haben ihm «gute Sachen» geschenkt — und jetzt ist es so still und so traurig . . . Wo ist die silberne Lampe? — fragt sich Mojschele oft. Seit er am ersten Ghanukahabend die Mutter darum gefragt hat und sie in den dunklen Winkel gegangen ist, seither fragt er nicht mehr; doch er selbst hört nicht auf, an seine liebe, liebe silberne Lampe mit dem schönen Löwen und den herrlichen Vöglein zu denken. Mojschele sucht die Lampe überall; vielleicht findet er sie doch. Aber die Zeit vergeht und er findet sie nicht. Doch die Hoffnung, die silberne Lampe zu finden, die hat er nicht aufgegeben. «Wenn ich nur ein Schrätlein fangen könnte» — denkt Mojschele oft. Er erinnert sich, daß seine Großmutter, die schon lange qben im Paradies ist, ihm eine schöne Geschichte von dem Schrätlein erzählt hat. Das sind ganz, ganz kleine Menschlein mit ganz kleinen Füßchen und Händchen, sie tragen schwarze Hütlein und sind in jedem Zimmer zu finden, im Keller und auf dem Dachboden; jedermann kann sie sehen, aber sie laufen so schnell, daß es schwer ist, sie zu fangen. Doch wem es gelingt, so ein Schrätlein zu fangen und Ihm das Hütchen wegzunehmen, der hat sein Glück gemacht. Das Schrätlein fängt an zu bitten, ihm das Hütchen zurückzugeben. «Was wünschest du, ich will es dir geben» — sagt das Schrätlein . . . Und alles, was ein Mensch sich wünscht, das kann das Schrätlein ihm be* J schaffen, sogar ein ganzes Schloß mit Dienern und Mägden, mit Gold und Silber, Diamanten und Perlen. Mojschele war fest überzeugt, er werde doch einmal ein Schrätlein fangen. Er kann doch so schnell laufen; und wie er nur ein Schrätlein sieht, dann wird er es sofort fassen, es nicht loslassen und ihm das schwarze Hütchen wegnehmen. «Was wünscht du dir?» — wird das Schrätlein fragen. «Ich wünsche, du mögest mir Vaters silberne Lampe bringen!» — wird dann Mojschele sagen. Und sofort wird die Lampe da sein, er wird dem Schrätlein sein Hütchen zurückgeben, die silberne Lampe nehmen und ins Zimmer laufen. Und wenn Vater und Mutter sie sehen werden, da werden sie froh sein, und alles wird wieder gut werden wie früher. Mojschele stellt sich vor, wie der Vater wieder fröhlich den Segen über die Chanukahlichter in der silbernen Lampe sprechen wird; und er, Mojschele, hält die Mutter an der Schürze, und sie drückt ihn an sich. Der Vater ruft ihn und gibt ihm zwei Rubel Chanukahgeld, die Onkel, Tanten und guten Bekannten kommen zu Besuch, sie streicheln ihn, küssen ihn und geben ihm Chanukahgeld und gute Sachen. Die Mutter kocht Pirogen und Mojschele spielt mit den Geschenken und mit der vollen Tasche Chanukageldes bei der silbernen Lampe, in der die Flämmchen so schön tanzen und sich widerspiegeln und verdoppelt werden in der silbernen Wand, auf der der schöne, kleine Löwe und die herrlichen Vöglein sind. IIL In Itsdie-Bers Wohnung spielt sein Söhnchen Herscheie mit seinem Kameraden Mojschele. Herscheie hat neue Kleider, Mojschele alte, Herscheie hat zwei volle Taschen mit Nüsse, Mojschele nur ein paar Nüsse, die Herscheies Mutter dem Freunde ihres Söhnohens geschenkt hat. Beide spielen im großen Speisezimmer. Die Nüsse rollen oft unter die schwere, eichernc Kredenz; die Kinder legen sich auf den Boden und holen die Nüsse hervor; dann spielen sie weiter. Rätselecke Redigiert von Joto Kreuzworträtsel. ' 2 3 4 1 15 b i 3 ,! 8 i" II lü rr 14 16 16 I7 II 18 19 8° ■ 31 32 ■ 28 24 ■ 26 26 27 ■ 28 2» 30 n 31 ■ ■ ■ H ■ 3 i 33 34 ■ 35 36 I 38 39 ■ 40 1 ** “ a 44 ■: 47 48 m 49 &ii ■ “ 1 " I 53 64 “lllll »6 " i 1 1 L □ Ein paar Nüsse roHen durch das große Zimme-, Beide Kinder laufen ihnen nach. Im Zimmer stehen kostbare Möbel. Auf den Etageren gibt es allerlei herrliche Dinge aus Porzellan, Bronze und Silber. Auf einem kleinen Tischchen im Winkel sieht Mojschele unter anderem Silbergerät eine silberne Lampe mit einem Löwen und zwei Vöglein. Sein Gesicht wird rot vo-r Freude. Er springt hin und faßt die Lampe. «Vaters silberne Lanipel Vaters Lampe!» — schreit Mojschele, und seine Stimme klingt ganz verändert vor Freude; er springt und tanzt umher, die Lampe in der Hand. «Sieh nur, Hersöhele, mein schöner, kleiner Löwe, meine lieben Vöglein! Vaters Lampe 1» «Fort! gib her, das sind meine Vöglein, das ist unsere Lampe. Vater, er soll mir die Vöglein ziurückgeben!» — schreit Hersclielc und will Mojscheles Händen die Lampe entreißen. «Das ist nicht wahr, sie gehört mir, meinem Vater!» — ruft Mojschele unaufhörlich. Sein Gesicht wird blau von der Anstrengung des Ringens mit Herscheie; er hält die Lampe krampfhaft fest und will mit ihr nach Hause laufen. Auf das Geschrei der Kinder kommt Reb Itsche- Ber ins Zimmer, mit ihm seine Frau und alle anderen. Und man reißt Mojschele die Lampe aus der Hand. «Ich hab dir schon hundertmal gesagt, du sollst das Silber in der Kredenz verschließen, doch du willst das Zimmer mit Silber tapezieren» — schreit Reb Itsche-Ber seine Frau an und trägt die Lampe zur Kredenz hin, wo er das andere Silbergerät verschlossen hält. «He, he! wessen Lampe ist das?» — hänselt Herscheie seinen Kameraden. «Warf nur . . ., warf . . ., wenn ich das Schrätlein fange, da wirst du schon sehen . . ., da \v?:st du . . .» — schreit Mojschele, ballt drohend die Faust; und, von Zornestränen fast erstickt, läuft er weinend nach Hause . „ . Wagrecht: 1. Beweggrund. 5. Gattung, Schlag. 9. Wagenteü. 10. WelbL Vorname. 11. Trop. Fracht 14- Platz, Ort 17. Frühling. 18. Cbem. Zeichen für Titan. 20. Italien. Musiknote. 21. Raubtier. 22. Arbeitseinheit 23. Versammlung, auch sportliche Veranstaltung. 25. Abgek. weiblicher Vorname. 26. Klub. 28. Wollenes Gewebe. 30. Werbt Vorname. 31. Speisezutat. 32. Nebenfluß der Maas. 35. Nord. Tierart. 38. Spott, Hohn. 40. Stierkämpfer. 43. Vorwort 44. Erhöhter Tritt Empore. 45. Bete (lat). 47. Fruchtbare Wüsteninsel. 49. Nahrungsmittel. 50. Chem. Zeichen für Tellur. 51. Nebenfluß der Elbe. 52. Indigofarbe. 54. Italien, Polarforscher. 56. Heilbehandlung.. 57. Unbest. Artikel. -58- Europ. Staat. 59. Metall. Senkrecht: 2. Südfrucht 3. Unterhaltung. 4. Weibl. Vorname. 6- Gebraucht Stimmlage. 7. Küchengerät 8. Wurstart. 11. Bierart. 12. Spann- oder Kraftfaden im mensohl. Körper. 13. Mineral. 14. Wedbl. Figur aus dem «Fliegenden Holländer». 15. Flachs- 16. Nebenfluß des Amo. 19. Stadt in Deutschland (I J). 20. Papiermaß. 23. Stadt an der ifraitz. Riviera. 24. Sträflingsscbiff. 27, Aegypt Sonnengott 29. Abkzg. für Mehrzahl 32. Gniech. Buchstabe. 33. Metall 34. Beik. Schachmeister. 35. Staatshaushalt 36. Wollgewebe. 37. Chem. Zeichen für Noon. 38. Franz, müntü. Vorname (I J). 39. Wagnis, Gefahr- 41. Getrocknete Weintraube. 46. Franz. Flächenmaß. 4S. Jiid. Monat 51. Heliger Vogel der alten Aegypfer. 53, Engl. Untertan. 55. Skandinav. Scheidemünze. Lebensversicherungs- Gesellschaft GEGRÜNDET IM JAHRE Vereloherunqebeetand Garantlemlttel Ende 1927 1 Milliarde und 600 Millionen Sohllllng 192 Millionen Sohllling Prämien* und Zinseneinnahmen Im Jahre 1927 71 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien Türkei, Aegypten Die Gesellschaft sohlieBt zu billigen Prämien und günstigen Bedingungen Kapitals- und Rentenversicherungen jeder Art ab Neueingefflhrt: KINDER-VERSORGUNGS-VERSICHERUNG (Auszahlung eines Kapitals bei Verheiratung, Studienbeltrag, Rückerstattung der eingezahlten Prämien bei Ableben des Kindes) lnvalldltat»ver8loherunq (Zahlung einer Rente bei Eintritt dar Erwerbeunfähigkeit und Auszahlung, des vereloherten Kapitals nach dreijähriger Dauer der Invalidität) 18 8 2 FÜR MUSSESTUNDEN