Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1928)
- Date
- 1928-12-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 PIE STIMME Seite 9 aohtungsgabe, Stilistik und sinnvolle Ausgestaltung dieser stets heilig gehaltenen Stätten offenbart Der Eintritt der Juden in die bildende Kunst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts zeitigt auch die ersten bädkünstlerischen Darstellungen, in denen in verschiedener Form das Familienleben wiederzugeben versucht wind. Moritz Oppenheim gibt in seinen berühmt gewordenen Darstellungen aus dem jüdischen Familienleben nicht mehr als süßliche Genrebilder; auch Hirszentoerg kommt über dieses Niveau noch nicht hinaus. Erst in Jozef .Israels Hochzeitsbild offenbart sich der neue Geist hoher Kunst. Nichts mehr von Pose und Fabuliererei, keine Darstellung der Nebensächlichkeiten, sondern tiefe Innerlichkeit in der Wiedergabe einer heilig-ernsten Handlung. Der Redner ließ dann Darstellungen von Familienangehörigen der bedeutendsten jüdischen Künstler, wie El kan, B u d k o und Z a d i k o w, in Bildern erscheinen und zeichnete ein eindrucksvolles Bild jenes Geistes, der das Judentum von Urbeginn beseelte. Einsteins «Relativitäts-Theorie» hebräisch Albert Einfleins epochales Werk „Die allgemeine und die Ipezielle Relativitäts-Theorie“ ifl foeben im Tel Aviver Verlage „Dwir“ in einer hebräifchen Ausgabe erfchienen. Die Uebertragung beforgte, von Einftcin autorifiert, der Mathematiker Dr. Jakob Greenberg. Profeflor Einftcin fchrieb für die hebräifche Ausgabe ein Vorwort, in welchem er ungefähr fagt: „Das Erfcheinen meines Buches in der Sprache unferer Väter macht mir befondere Freude; es ift ein Zeichen der Um- und Weiterbildung, die unfere Sprache erfahren hat, fo daß fie nicht mehr darauf befchränkt ift, die Angelegenheiten unferes Volkes unferem Volke zu erklären, fondern bereits alles auszudrücken vermag, was für Menfchen von Intereffe ift. Sie ift’ ein wichtiger Faktor in unferem Streben nach kultureller Unabhängigkeit." Bei diefer Gelegenheit fei daran erinnert, daß das Originalmanufkript der „Allgemeinen und fpeziellen Relativitäts- Theorie“ fich in der Hebräifchen Univerfität zu Jcrufalem befindet; Einftein hat es im April 1925 aus Anlaß der Eröffnung der Univerfität der Bibliothek gewidmet. Von Büchern Markus Ehrenpreis: Das Land zwischen Orient und Okzident (Spanische Reise eines Juden.) (Verlag- Der Heine-Bund, Eine jüdische Buchgemeinde, Berlin. — Paral- Ielausgabe iür Nichtmitglieder im Welt-Verlag,-Berlin.) Der Autor dieses Buches, bekannt als Jüdischer Gelehrte und feinsinniger Literaturkritiker im jüdischen Schrifttum, zeigt sich hier aufs vorteilhafteste van einer neuen Seite. Ein scharf beobachtender und gedankenreicher Kopf hat dieses Kejsebuch geschrieben, das in der stark angeschwollenen «Reiseliteratur» der neuesten Zeit seinen Rang behaupten wird. Es ist keines der landläufigen Reisebücher, vielmehr, wie Alfons P a q u e t in einem schönen und warmen, dem Buche Vorgesetzten. Briefe an den Verfasser sagt, «ein ungewöhnliches. Eine Reise durch Jahrhunderte, ein Gang durch große Hintergründe, ein Weg durch die Religionen der Mittelmeeriänder». Ebenso sparsam wie reizvoll sind die Schilderungen aus Spanien, Portugal und Nordalrika. Hinter den scharfen Profilen von Menschen, Landschatt, Lebensibythmus und Kunstwerken der iberischen Regionen ersteht die Charakteristik des «ostwestlichen» Menschen, an dem Ehrenpreis den Zusammenprall zwischen Orient und Okzident dartun will. Nirgends bleibt er an der Oberfläche haften, er sucht vielmehr hinter der einzelnen Erscheinung das Gemeinsame, überall den seelischen Hintergrund. Di* geistreiche Knüpfung der Zusammenhänge mag nicht üb'ra!1 restlos überzeugen, dem Buche nimmt sie nichts von seinem Reize, denn aus ihm spricht «ein Mensch mit seinem Widerspruch», der an zahlreichen Stätten des spanischen Landes sozusagen Stücke geistiger Heimat entdeckt. Erlauchte Namen aus einer der glanzvollsten Epochen jüdischer Exilsgeschichte tauchen auf und ergriffen wandeln wir auf den Wegen, wo die Inquisition alle ihre Schrecken entfaltet hat. Geradezu erschütternd wirken jene Abschnitte, in denen Ehrenpreis das religiöse Leben der portugiesischen Marannen schildert, ihre Rückkehr zum Judentum darsteüt. Was er hier, gepackt und wieder packend, erzählt, wirkt wie ein mystisches Dokument der Kraft und ewigen Sehnsucht eines unbezwingbaren Blutes, die über Leid und Tod triumphieren. Schon um dieser Stellen willen sei das interessante und lebenswarme Buch mit allem Nachdruck empfohlen. A. F. Karl .Klüger: Das elfte Gebot (1928. R. Löwit Verlag, Wien-Berlin). Eine liebevolle Hand zeichnet in fünfzehn Skizzen das heute schon nahezu romantisch verklärte Lehen der jüdischen Kleinstadt. Die Gestalten und Motive, die aus Mystik und Legende in die Wirklichkeit des kleinen jüdischen Lebens hinüberreichen, wie der Dybuk und der heimliche Zaddik, wechseln in bunter Reihe mit den oft bizarren realen Figuren dieser engen Welt — dem Schammes, dem Thoraschreiber, dem Musikanten, dem Melamed als der Kinder Schrecken und ihrem Freund, dem Geschichtenerzähler, dem Aufklärer und — dem Sabbatgoj. In den fünfzehn Skizzen Klügers atmet diese kleine, enge Welt Unmittelbarkeit, erhält jene Farben zurück, die die rauhe Wirklichkeit vielfach schon stark verwischt hat. Darin liegt der Wert dieses Skizzenbandes, dem der Verlag ein vornehmes Buchgewand gegeben hat, und in dem feinen Humor, der auch den Widersinn der Enge verklärt und der Beschränkung Sinn gibt. Einige der Klügerschen Erzählungen, wie «Reb Salman Drutownik», grenzen an das große Reich Perez’scher Kunst, andere, wie «Der Thoraschreiber», finden den schlichten Ton der «Sippirrim»-Geschichten, einige (z, B. «Ein salomonisches Urteil») schaffen Schoilem- Älechem-'Stimfmmg. Alle aber Skid von warmem Empfinden durchhaucht, welches diesen Geschichten und Skizzen des Lesers Liebe erringt E G. E. Kunstchronik Dr. Präger liest neue jüdische Schwänke. Dr. Max Präger, nicht mir Propagator und Verleger, sondern auch ausgezeichneter, liebevoller Interpret ostjüdisohen Humors, hat den Wienern mit Vorträgen jüdischer Schwänke zahlreiche vergnügte Stunden bereitet. Bin solcher Abend frohen Lachens steht den Freunden echten jüdischen Witzes wieder bevor; denn Dr. Präger wird über Einladung der Konzertdirektion Rieh. Lanyi Montag, den 10. Dezember h halb 8 Uhr abends, Im Festsaal des Ingenleur- und Architekten Vereines, L, Eschenbaohgasse 5, neue jüdische Schwänke erzählen* Karten bei Richard Lanyi, I., Kämtnerstraße 44, und R, Löwit, I, Rotenturmstraße 22. «Schwer zu sein ein Jnd», Sdiolem Alechems unsterbliche Komödie, kam nach längerer Pause wieder ins Repertoire der jüdischen Künstlerspiele (Theater Reklame, IL, Praterstraße 34); Anlaß dazu bot die Wiener Anwesenheit des noch ans der «Freien Jüdischen Volksbühne» bestbekannten Schauspielers Simon N a t a n. Er gab diesmal auch eine beachtenswerte Probe seines Regietalentes, da es ihm gelang, das Ensemble der Jüdischen Künstäerspiele in gut abgetöntem Zusammenspie] zu vereinigen. N a t a n selbst gab den David Sohapira mit feinster Poimtierung der SchoJem-Aiecheimschen Humore, die er treffsicher abschnelJte. Neben dem Gast war Fra« M eis eis als Frau Schapfra von bester Wirkung. Die Brüder Breit- Amerikanisches Kleider-Abonnemenl Dauer 2 Jahre t Kleider bleiben Ihr Eigentum Monatlich S 60. - 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Herbst-Anzug . 1 Frühjahrs-Ulster 1 Winter-Ulster 1 Modehose Instandhaltung kostenlos Verlangen Sie Prospekt I Bei Einzeibesteilung Zahlungserlelchtorung American Tallori Brüder Koch e. m. t>. h. Nachfolger Max Altar Vl.f Mariahilf* rstr. 17 (Mezzanin) Fernruf B-29-4-84 I. Wenn man Mojschele fragen würde, wen er am liebsten habe,, er würde sofort antworten: «Vater und Mutter und die silberne Lampe.» Es gab für Mojschele keinen schöneren, froheren Feiertag, als den, da man die silberne Lampe hervorholte und die Chanukahlichter anzündete. Wenn die Mutter die iSlberlampe zu Ehren des kommenden Festes putzte, da wurde Mojscliele gleich froh und springlebendig. Denn eine fröhliche Zeit, eine herrliche Zeit beginnt für ihn; liebevoll streichelt er. die silberne Lampe und plaudert traulich mit dem vergoldeten Löwen und den zwei Vöglein zu seinen beiden Seiten, die, die Wand der. Chanukahlampe zieren: «Morgen ist Chanukaji, der Vater wird die Chanukahlichter anzünden und wir werden es so gut haben, so lustig!» — so spricht Mojschele zu dem Löwen und den Vöglein, die er fröhlich umtanzt und streichelt. Und es war wirklich gut und lustig. Der immer bekümmerte Vater wurde gut und weich, wenn er das Flämmahen in der Chanukahlampe entzündete und mit .freudeheller Stimme den Segensspruch sprach. Die Mutter stand dabei und jagte diesmal Mojschele nicht von ihrer Schürze weg, an der er sich so gern anhält, um sich schmeichelnd an die Mutter zu schmiegen. Der Vater hat den Segen über die Chanukahlichter zu Ende gesprochen und ruft: «Mojschele, komm’ einmal her!» Mojschele läßt Mutters Schürze und läuft zum Vater. «Willst du Chanukahgeld?» — fragt der Vater, und ohne Mojscheles Antwort abzuwarten, greift er tief in die Tasche und nimmt langsam einen Rubel heraus. «Da hast du, Mojschele, einen ganzen Rubel als Chanukahgeld. Nächstes Jahr, so Gott will, wenn du schon ein großer Junge sein wirst, da. werde ich dir zwei Rubel geben.» Und der Vater streichelt ihm die Wange, die Mutter gibt ihm einen Kuß* Herrenand Hamen-Kleider nach naO Riiehe . Zahltag aaeb UebtMlakammti. Johann ladna Wien, TI., Mariahllferstraße 107, Tel. B 27-2*38 mann, Fra« Weintraub-Graf, Herr Sigall and Herr Brun schufen gute Typen und Frau Kaniewska gab eine lustige Knabcnfigur mit viel Schalkhaftigkeit. Das Publikum des vollbesetztem Hause» lachte herzlich und überschüttete die Darsteller mit dankbarem Beifall. Ein Abend jüdifdier Kunft, den der zioniftifche Mädchenverein „Mirjam" am 1. Dezember vcranftaltcte, zeigte, in erfreulicher Unterfdieidung von der Mehrzahl derartiger Abende, wirkliches künftlcrifches Niveau. In der Hauptfache brachte die Veranftaltung die in der Mufikftadt Wien fo wenig gekannte jüdifche Kunftmufik in guter Auswahl, wiedergegeben durch ausgezeichnete Mufiker. Man lernte ein vorzüglidi eingefpieltes, hochmufikalifches Streichquartett (Elfie Stein, Ifracl Brandmann, Marcell Dick und J. Stutfdiewfky) kennen, das, durch J. E n t i n am Klavier verftärkt, die Elegie von Lewin und zufammen mit dem trefflichen Klarinettiften L e w i t u s eine glänzend gearbeitete Suite von Alexander Krcin zu Gehör brachte. Der hervorragende Cellift Joachim Stutfdiewfky fpielte eine Reihe kleinerer Stücke von Achron, Erneft Bloch, Tfdierniawfky fowic eine eigene Kompofition. Herr Ernft Teller rezitierte Bialiks berühmte „Schechita-Stadt“ mit einer ein wenig wagnernden mufikalifchen Untermalung von J. Gingold, die der Komponift am Flügel begleitete. Den zweiten Teil des Abends bildeten bildhaft gcftellte jüdifche Volkslieder. Das zahlreich erfchienene Publikum folgte den ausgezeichneten Darbietungen mit größtem InterefTe und dankte allen Mitwirkenden mit ftürmifchem Beifall. —tz. Das Granowfky-Theater darf nach Amerika gehen. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat das Volkskommiffariat für Unterricht dem von Alexis Granowfky geleiteten Moskauer Jüdifchen Akademifchcn Theater, welches eines der ruiTifchcn Staatstheater ift, die Erlaubnis erteilt, eine A m e r i k a-T o u r n e e zu unternehmen. Die betreffenden Verhandlungen mit einem amerikanifchen Manager find bereits zum Abfchluß gelangt. Zum Direktor des Theaters wurde P o 1 o t n i k ernannt. Alexis Granowfky, der bisherige Direktor, bleibt OberregifTeur. Shakefpearej „Kaufmann von Venedig" in der Infzenierung von Michael Weichen,' dem Bearbeiter von Afch’ „Kidufch Hafchem", wird , von der Wilnaer Truppe in Warfchau vorbereitet. Ueberdie’s wird das Theater Klabunds „Kreidekreis", Dymows „Bron-Expreß“ und Leiwiks „Golem" (in der Regie von David Hermann) zur Aufführung bringen. Neues Jüdifches Theater (Künftlerkabarett, II., Praterftraße 60). Freitag, den 7. Dezember, Erftaufführung von „Eine- N a ch t in Kalifornie n“, Gefangskomödie von B. Sigel, Mufik von A. Olfchanetzky. Die Novität wird bis Donnerstag, den 13. Dezember, t ä g 1 i ch wiederholt. Jüdifche Künftlerfpiele (II., Praterftraße 34). Von Freitag, den 7., bis inklufive Montag, 10. Dezember, die Novität „Sidy“ Vera Koniewfka und Paul Breitmann. Dienstag „S ch w e r zu.fein ein J i d“, Mittwoch, den 13., große Chanukah- Feier mit Lichteranzünden und reichhaltigem jüdifch-volkstümlichen Programm. Mojschele betrachtet mindestens zehnmal dein «ganzen» Rubel. Er läuft durah das Zimmer, stellt sich zur Chanukahlampe hin und betrachtet noch einmal den «ganzen» Rubel. «Wo ist er? Mojschele, wo steckst du denn?» — ruft der Onkel Gedalje. Mojschele läuft zu ihm und bekommt auch vom Onkel Ohanukageld, dann kommt die Tante Jente und er bekommt wieder Geld, Jankel kommt, der neue Onkel, welcher vor kurzem erst Mu-tters Schwester geheiratet hat, und mit ihm kommt neues Chanukahgeld zu dem alten hinzu. Dann kommt Reb Itsche, der mit dem dicken Bauch, an dem eine dicke goldene Kette baumelt, die an der Taschenuhr befestigt ist; er macht immer mit dem Vater Geschäfte. Und jetzt schenkt er Mojschele außer einem Silberzwanziger eine Uhr; sie geht nicht und sie tickt nicht, aber sie hat ein Zifferblatt. Und alle die hereinkommen, Verwandte und gute Bekannte, geben Mojschele Chanukahgeld. So geht es jeden Tag, beim zweiten, beim 'dritten und beim vierten Chanuikahlicht. Immer voller wird Mojscheles'Tasche mit Chanukahgeld, mit verschiedenem Spielzeug und mit «guten Sachen». Das fünfte Licht. Die Mutter kocht Pirogen und die Onkel, die Tanten und die guten Bekannten sind geladen. Sie sitzen alle bei Tisch und spielen Lotto und Karten. Mojschele steht mit seiner vollen Tasche Chanukahgeld, in der viele Kupfer- und Silbermünzen neben dem «ganzen» Rubel vom Vater liegen, neben seiner lieben silbernen Lampe, in der jetzt so schön und lustig fünf Flämmchen tanzen. Zu allererst bringt ihm die Mutter einen fetten Pirogen. Er beißt hinein und sein halbes Gesicht glänzt vom Fett; mit der anderen CRFOIQREICH werden Neuralgie, Gicht, Rheuma, Ischias. Verdaungsstörungen behandelt im Therapeutischen Institut, Wien, i|„ Aua8tHlun< sstr 65/4 Auskünfte kostenlos DAS SCHRÄTLEIN Eine Chanukahgeschichte von M. Spektor