Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1928)
- Date
- 1928-03-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053763--0163-3055424- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 DIE STIMME Nr. 10 Reitende friikjahrsmodclle in gediegener feiner Ausführung Infolge rechtteitiger Rassaeinkäufe auch weiter billige Preise! Schuhmodenhdus Dero II, Tdborstrdße 8 d Vereinsnachrichten Zionistische Frauengnippe Prater. Donnerstag den 15. ds., ’j8 Uhr abends, im Heim II., Jungstrasse 8. Vortrag Frau Dr. Waldmann: »Ehebruchverdacht im jüdischen Rechte, im Vergleich mit Hamurapi und den assyrischen Gesetzen.« Moadon Iwri. Samstag, den 10. d, M.f 8 Uhr abends, im Lokale II., Zirkusgasse 33, Fortsetzung des Vortrages des Orientalisten Dr. Jochanan K a p 1 i w a t z k i über »Al hanewua«. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien. Samstag den 10. März, pünktlich 8 Uhr abends, findet im Heim IX., Türkenstraße 9, der 68. Generalkonvcnt mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht, 2. Absolutorium, 3. Neuwahlen, 4. Eventualia. Sämtliche Förderer und Alten Herren sind höflichst eingeladen. Zionistische Arbeitspartei HHachduth. Der Gordon-Abend, der wegen Verhinderung des Referenten Prof. Dr. Zwi Diesendruck entfiel, findet am Samstag den 10. März 1928, halb 8 Uhr abends, im Jüdischen Zentrum, II., Untere Augartenstrasse 35, statt. Sprechen werden: Prof. Dr. Zwi Diesendruck und Jehoschua M a n o a c h (Daganiah). Jüdischer Verein »Nord-Ost«. Heute, Donnerstag 8. März, präzise 8 Uhr abends im Vereinslokal II., Taborstraße 21 a, Vortrag Dr. Oskar Rosenfeld »Jüdisches Theater«. Gäste willkommen. Pfadfinderbund »Zirenu«. Heute Donnerstag um lA8 Uhr abends im Vereinslokale, VIII., Bennoplatz la, Jugendmeeting, bei dem Dr. Josef Löwenherz über das Thema »Assimilation und Zionismus« sprechen wird. Jugendliche Gäste herzlich willkommen. Verein zionistischer Hochschüler »Theodor Herzl«. Samstag, den 10. März, 8 Uhr abends, im Vereinsheim IX., Glasergasse 4, Vortrag Dr. N. M. Gelber »Vorläufer des Zionismus«. Akademische Gäste willkommen. Zionistische Franengrappe VIII. Dienstag, den 13. März, 8 Uhr abends, im Vereinsheim VIII., Bennoplatz 1 a, Vortrag Dr. Amalie Kantor aus dem Zyklus »Silhouetten jüdischer Dichter« (Sch. J. Abramowitsch). Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 12. März, X’8 Uhr abends, im Klubsaale der »Hakoah« Wien I. , Wipplingerstrasse 24—26 (Caf6 »Altes Rathaus«) Vortrag von Herrn Dr. N. M. Gelber: »Die Judenfrage auf dem Berliner Kongreß 1878.« Eintritt frei. Gäste willkommen. Zionistische Frauengruppe Mariahilf—Neubau. Sonntag, den II. März, 3 Uhr nachm., in den reichdekorierten Sälen des Hotel Palace, VII., Mariahilferstraße 99, Purim-Kinder- Kostümfest, Mütter mit ihren Kindern sind herzlichst eingeladen. Zionistische Sektion Wieden—Margareten. Heute, 8. März, im Wiedner Grand-Kino, V., Mittersteig 15, 2 Uhr nachmittags, Kinder-Purim-Feier. Lustiges Programm. — Samstag den 10. März, 8 Uhr abends, im Saale des Gewerbevereines, I., Eschenbachg. 11, Akademie mit Tanz. Beschränkter Kartenverkauf (S 2.50), teleph. Bestellung: 58-8-79. — Mittwoch, den 14. März, 8 Uhr abends, im Klubsaal Terrassencafö, V., Margaretenplatz 7, Vortrag Prof. Willy Stein: »Juden in der deutschen Dichtung«. Mit Rezitationen: Frl. Hanni Löwy. Verband jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibender: Heute Donnerstag, den 8. März, %9 Uhr abends im Wiener Bürger-Cafe II., Praterstraße 11, Plenarversammlung, Diskussionsthema: »Die Kreditnot und der jüdische Kaufmann«. Jüdische Volksbibliothek »Zion« (II., Glockengasse 30). Sonntag, den 11. März, X>8 Uhr abds., im Festsaale des Oesterr. Handelsmuseums IX., Berggasse 16, Purim-Akademie mit reichhaltigem Programm. Z. V. Jung-Juda. Donnerstag, den 8. März 1928, 8 Uhr abends, Vortrag Dr. Heinrich Glanz: »Die Bedeutung der Bibel für die Menschheit«. Hoch- und Mittelschüler als Gäste willkommen. Zionistische Sektion Zwischenbrücken. An jedem Dienstag um 8 Uhr abends findet im Vereinsheim, XX., Leystr, 81, ein Bibelvortrag des Herrn Rabbiner Dr. L Wundermann statt. Sonntag, den 11. März, halb 8 Uhr abends in den Souterrainsälen des Cafe ,,Exzelsior‘‘ (früher Habsburg), I., Rotenturmstraße Purim-Feier (Akademie mit Tanz). Krankeuunterstützungsverein „Brüderliche Hilfe”. Zum Pessachfeste werden unentgeltlich Mazzoth an Bedürftige verteilt. Anmeldungen ab 10. März beim Vereinsobmann Alexander Apter, II., Lessinggasse 8, I. Stock, Tür 5. Großfleischhaucrei SIEGE KORNHEHL, Zentrale IX, Berggasse 19, Tel, 17-3-99 u. 16-9-34 Lltferanft för Heilanstalten, Abteilungen fOr n^-HeiscIi unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währlngerstraße 97 Zeitung1', Buenos Aires. Er sagte u. a.; „Alle Gerüchte, die von einer Feindseligkeit der brasilianischen Regierung gegenüber den jüdischen Immigranten wissen wollen, entbehren vollständig jeder Grundlage. Brasilien ist auf die Vergrößerung seiner arbeitenden Bevölkerung angewiesen. Wir können wohl keine Massen immigratioin zulassen, begrüßen aiber mit rückhaltloser Sympathie eine der Kapazität des Landes entsprechende normale Einwanderung von arbeitswilligen Personen aller Völker und Rassen — also auch der Juden. Es gibt bei uns keine besonderen Bestimmungen für die Einwanderung von Juden. Maßgebend bleibt in allen Fällen die ökonomische Aufnahmsfähigkeit unseres Landes." Gegen Marshalls „friedliche1* Haltung gegenüber den Judenpogromen in Rumänien wird in dem als konservativ /bekannten New Yorker jüdischen „Tageblatt" in entschiedener Weise Stellung genommen: „Herr Marshaü" — schreibt das 'Blatt — „mag die öffentlichen 'Proteste gegen die rumänischen Judenpogrome nicht. Dies ist Sache des persönlichen Geschmackes. Auf keinen Fall aber hat Herr Marshall das Recht, seine höchst private Meinung der jüdischen Oeffentlichkeit oder gar jenen christlichen Kreisen, die sich den jüdischen Entrüstungskundgebungen aus innerem Bedürfnis anschlossen, aufzudrängen. Schon vor zwanzig Jahren, als der Polizeichef von New York, die der Wahrheit kraß widersprechende Aeußerung tat, daß 75 Prozent der New Yorker Diebe Juden seien und die jüdische Bevölkerung von New York ihn aufforderte, seine Behauptung zu beweisen oder abzutreten, sprach sich Herr Marshall gegen diesen energischen Schritt des New Yorker Judentums aus. Damals dachte natürlich niemand daran, dem merkwürdigen Wunsche des Herrn Marshall Rechnung zu tragen — und wenn der antisemitische Polizeichef tatsächlich zurücktreten mußte, so war dies das Verdienst anderer Leute. Seit damals hat Herr Marshall in der Be- Das jüdische Leben in Paris schildert J. Schechtmann im New Yorker „Tog": „Bis vor wenigen Jaihren galb es in Frankreich überhaupt kein jüdisches Gesellschaftsleben. Erst in der Nachkriegszeit, in der eine starke ostjüdische Emigration nach Frankreich einsetzte, konnte im jüdischen Leben Frankreichs eine Zusammenfassung und Organisierung der aktiven jüdischen Kreise herbeigeführt werden. Gegenwärtig zählt die Pariser jüdische Bevölkerung 125.000 Seelen, die zum geringeren Teil aus sogenannten „Bodenständigen", zum größeren Teil aber aus österreichischen und russischen Juden besteht, die im Laufe der letzten Jahre nach Frankreich eingewandert sind. Die neuen jüdischen Emigranten leiteten einen intensiven gesellschaftlichen Energiestrom in das stagnierte Leben und in die abgestorbenen alten jüdischen Institutionen ein. Das jüdische Konsistorimum (Kultusgemeinde) mußte den sozialen und kulturellen Bedürfnissen der neu eingewanderten jüdischen Massen Rechnung tragen und setzte in sein Budget, das heute 4,500.000 Francs beträgt, namhafte Summen für diese Zwecke ein. Ebenso haben die privaten gesellschaftlichen Institutionen ihre soziale und kulturelle Tätigkeit bedeutend intensiviert. Angeregt durch die neue jüdische Lmmigrantenmasse, beginnt nun auch die ,alte Immigration“ mit einer Organisierung ihrer „Landsmannschaften", Geselligkeitsvereine usw., deren Zahl fast 100 beträgt und eine Mitgliedschaft von vielen Tausenden umfaßt. Von großer Bedeutung für das ökonomische Leben der Neueingewanderten ist die junge jüdische Bank „Ivrijah", die vor zwei Jahren mit einem Gründungskapital von 125.000 Francs eröffnet wurde und im abgelaufenen Jahre einen Umsatz von 58 Millionen Francs in Form von Darlehen an jüdische Kaufleute und Kleingewerbetreibende machte.“ * Das palästinensische Gemeindegesetz und die Abtrünnigen bespricht ein Aufsatz des in Jerusalem erscheinenden Zentralorgans des Misrachi „Hator": „Das Gemeindegesetz ist nun mit all seinen Mängeln und Vorzügen genehmigt worden und unsere Sache wird es sein, Sache des organisierten jüdischen Jischuw in Erez Israel, dieses Rahmengesetz mit einem lebendigen Inhalt zu erfüllen. Leider werden diese Bestrebungen durch die Trennungsideologie behindert, die von gewißen .thoratreuen’ Polit'kern aus der Galuth nach Erez Israel verschleppt wurde, und das Frauenwahlrecht zum Anlaß genommen hat, um gegen den .ketzerischen’ Jischuw zu eifern und eine große Abfallbewegung zu organisieren. Es sind dies dieselben .Thoratreuen’ und .Gesetzesstrengen', die in Polen beispielsweise mit den antireligiösen Bundisten und Poale Zion in den Kuitusstuben sitzen und in Wilna — in dem .litauischen Jerusalem’ — sogar ein weibliches Mitglied des Vorstandes und des Präsidiums dulden, denen aber das Frauenwahlrecht in Erez Israel ein besonders willkommener Vorwand war, um ihre Absonderungstendenzen zu verwirklichen. . * Die bevorstehenden Wahlen in Syrien behandelt das in Beirut erscheinende arabische Organ-„Al achrar" u, a. wie folgt: „Syrien steht gegenwärtig unmittelbar vor einer neuen Epoche in seiner staatlichen Entwicklung und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die bevorstehenden allgemeinen Wahlen einen Erfolg unserer nationalen Bestrebungen zeitigen werden, Es steht ohne Zweifel fest, daß das französische Oberkommissariat den syrischen nationalen Kreisen Gelegenheit geben wird, die Wahlen in voller Freiheit und ohne jegliche Beeinflussung durchzuführen, Gleichwohl aber muß die Forderung nach einer allgemeinen Amnestie für politische Vergehen gefordert werden, damit auch die politischen Flüchtlinge, die strafweise ins Ausland Deportierten und in den Kerkern befindlichen syrischen Nationalisten, an den Wahlen aktiv teilnehmen können,'* (Den letzten Beiruter Meldungen zufolge soll der französische Oberkommissär die Absicht haben, eine allgemeine Amnestie, von der jedoch Sultan Atrasch und sechs andere Führer der syrischen Aufstandsbewegung ausgenommen werden sollen, noch vor den Wahlen zu erlassen. Red.) ♦ Die Möglichkeiten einer jüdischen Emigration nach Brasilien besprach der brasilianische Landwirtschaftsminister in seiner Unterredung mit einem Mitarbeiter der „Jiddischen Von den „Kammerwahlen“ Bei den sogenannten „Kammerwahlen" der „Deutschen Studentenschaft'1 in Wien interessierte uns bloß das äußere Bild. Der Schauplatz war wieder die Rampe vor der Universität und die Agierenden waren die völkischen Studenten. Seitdem die Universitätsbehörde die Rampe als nichtakademischen Boden erklärte und die Polizei diese Erklärung nicht zur Kenntnis genommen hat, betrachten die völkischen Studenten die Rampe als die ihnen zugehörige Sprechbühne, darauf sie ungehindert ihre Lärmszenen aufführen. Während der .Kammerwahlen" gab es ein neues Spiel, das die „Wahlschlacht“ hieß, aber der unbeteiligte Zuschauer konnte doch bald merken, daß es das alte Spiel mit den alten Akteuren war. Es wurde viel geschimpft und nebenbei viel völkisch bedrucktes Papier verteilt. Dazwischen hörte man die Rufe: „Nieder mit den Judenl Alle Judenknechte gehören auf der Rampe aufgehängt!" Die Völkischen besitzen wenig Erfindungsgeist, selbst ihr Schiimpfvokabulair vermögen sie nicht mit einer neuen Wendung zu bereichern. Diesmal aber schrie einer: „Prügeln sollte man sie, die Judenknechte, bis ihnen schwarzrotgold vor den Augen wir d!" Dieser Ausruf ist wenigstens neu. Der Mann kennt seine Farben. Friedhof sschändungen Der jüdische Friedhof in Essingen bei Landau in der Pfalz, eine tausendjährige Begräbnisstätte, wurde vor wenigen Tagen von Burschen im Alter von 17 und 19 Jahren verwüstet. 42 Grabsteine wurden umgeworfen uind teilweise zerstört. Die Meldung ist, wie das „B, T." mitteilt, in der erschütternden Liste der Friedhofsschändungen die zweiundfünfzigste!.,. Gleichzeitig kommt die Nachricht, daß Friedhofsschänder vier Jahre nach verübter Freveltat entdeckt und festgenommen wurden. Anfang des Jahres 1924 wurde der jüdische Friedhof in Harmuthsachsen in Hessen verwüstet; 63 Grabsteine wurden umgestürzt, die Inschriften zerstört und der Begräbnisplatz in ein Trümmerfeld verwandelt. Trotz eifriger Nachforschung wollte es nicht gelingen, die1 Täter zu ermitteln. Erst durch einen merkwürdigen Zufall konnten in der vergangenen Woche die Friedhofsschänder eruiert werden; die Redseligkeit einer christlichen Frau hatte sie nämlich unfreiwillig entlarvt. Die polizeilichen Vernehmungen, die daraufhin eingeleitet wurden, haben ergeben, daß im ganzen sieben jungendliche Burschen, darunter die Söhne des Ziehung nichts gelernt und manches vergessen. Bei all der großen Symipiatlhie und der aufrichtigen Dankbarkeit, die Marshall in der jüdischen Presse entgegengebracht wird, müssen wir doch davor warnen, die Geduld der jüdischen Oeffentlichkeit nicht allzu oft auf die Probe zu stellen. Wir würden es bedauern, wenn die jüdische Gesellschaft der Vereinigten Staaten gezwungen wäre, Herrn Marshall öffentlich zu bekämpfen, Herr Marshall möge doch endlich zur Kenntnis nehmen, daß wir in einem demokratischen Staate leben und daß wir es unter keinen Umständen zulassen können, daß ein einzelner — wer immer er auch sei — sich herausnehme, die große jüdische Oeffentlichkeit zu schulmeistern. Wenn Herr Marshall den Willen hat, ein Führer zu sein, so muß er vor allem den Volkswillen respektieren...." Pfarrers und des Ortsschullehrers, am Frevel der Friedhofsschändung beteiligt waren. Nach anfänglichem Leugnen gestanden sie ihre Tat; sie wurden verhaftet und der Staatsanwaltschaft zugeführt. Also in kurzer Zeit zweiundfünfzig Friedhofsschändungen in Deutschland! (Aehnliche Bubenstücke werden aus Rumänien und aus Polen gemeldet.) Wir sind gewohnt, solche Freveltat mit Vandalismus zu bezeichnen. Aber die Vandalen haben im Kriege Kunstwerke zerstört, und nirgends wird berichtet, daß sie auch ohne Not Friedhöfe zerstampft, Grabsteine umgestürzt und die Inschriften mit Kot besudelt hätten. Daß die Uebeltäter zumeist Jugendliche sind, läßt die Tat noch ungeheuerlicher erscheinen. Es ist ein Zeichen des Verfalls, wenn junge Leute in blindwütigem Haß selbst vor der Ruhestatt der Toten nicht Halt machen. Der Fall von Harmuthsachsen gewinnt noch dadurch an trauriger Bedeutung, daß die Uebeltäter Söhne des Pfarrers und des Ortsschuillehrers sind. Pfarrer und (Lehrer sind /in Meinen Ortschaften die einzigen, denen die Erziehung und die Obhut der christlichen Jugend obliegt. Wirft da nicht die Zerstörungswut der Söhne auf die Erziehungsmethode der Väter ein eigentümliches Licht? Ein „Kavalier“ Lebnin ist ein kleiner Marktflecken im preußischen Regierungsbezirk Potsdam mit etwa 2000 Einwohnern. An Sonntagen ist er ein beliebter Ausflugsort der Potsdamer. An einem Sonntag fand nun in diesem Marktflecken in einem Gasthof ein Vergnügen statt, an dem mehrere jüdische Mädchen teilnahmen. Plötzlich erschien ein Trupp Potsdamer Hakenkreuzler im Lokal. Ihr Anführer, ein technischer Angestellter namens Habedank, zwang durch antisemitische Schimpfereien taktlosester Art die jüdischen Mädchen das Vergnügen zu verlassen. Das Amtsgericht in Brandenburg a. d. Havel hat den Hakenkreuz-,Kavalier" Habedank wegen öffentlicher Beleidigung und Nötigung zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. Bei der Verhandlung erfuhr man, daß „Held“ Habedank schon ein ansehnliches Vorstrafenregister u. a. wegen Betruges, Falschmünzerei usw. besitzt, Seine anwesenden Freunde waren von dieser Entdeckung nicht sehr erbaut. Wir ersuchen allen Manuskripten, die uns nicht Aber Verlangen eingesendet werden, Rückporto beizulegen, da sonst Rücksendung nicht erfolgt. Antisemitenspiegel