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Die Stimme · 1928-02-21 · Heft 8 (21.2.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 8 (21.2.1928)
Date
1928-02-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 OIE STIMME Nr. 8 Komitee erklärt hatten, erschienen waren. Er begrüßte die Teilnehmer der Konstituierungsversammlung, insbesondere den Vertreter des Bundesministeriums für Kultus und Unterricht, den Ministerialrat Dr. Fohr, den bevollmächtigten Minister der königlich bulgarischen Regierung Gesandten Dokto. Ne d k o f f (in dessen Hauptstadt Sofia sich der Präsident der Zionistischen Exekutive. Herr Nahum Sokolow, von Wien aus zur Konstituierung des bulgarischen Pro-Palästina-Komitees begibt), ferner den Legationsrat der königlich britischen Gesandtschaft Mr. L e e p e r und den Präsidenten der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, Herrn Nahum Sokolow, der aus Anlaß der Konstituierung des österreichischen Pro-Palästina-Komitees nach Wien gekommen war. In seiner Ansprache führte Dr. Goldhammer aus: ..Wir danken Ihnen von ganzem Herzen dafür, daß Sie, die berufenen Vertreter der öffentlichen Meinung dieses Staates, der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Kräfte unserer Republik, sich in einer Körperschaft vereinigen wollen, um Ihre Sympathie und Anteilnahme an dem Werk zu bekunden, welches, neu ur.d unerhört in der bisherigen Geschichte der menschlichen Entwicklung, jetzt in Palästina mit den durch die zionistische Bewegung geweckten Energien vor sich geht. Der Gedanke, dem jüdischen Volke eine nationale Heimstätte in Palästina zu schaffen, ist als politische ildee von dieser unserer Stadt ausgegangen; einer ihrer besten Söhne, zugleich einei der edelsten Juden, Theodor Herzl, hat diesen Gedanken in genialer Eingebung in das Judentum und die gesamte Welt getragen. Im Anfang nur von wenigen verstanden und übernommen, erschien diese Idee als Rhantnsiegebilde utopischer Träumer; doch es dauerte nicht lange und die kleine Schar von Träumern begann, mit kleinen Mitteln, unter widrigen politischen Verhältnissen, aber mit der dynamischen Kraft, wie sie nur eine Idee geben kann, dort zu bauen, w'ohin die durch diese Idee neu geweckte Sehnsucht des Volkes zielte. In Palästina entstand wenig; die Propaganda für die zionistische Eewegung erreichte nur einen Teil des Volkes, aber was geschaffen und was propagiert wurde, war so einleuchtend, daß, als im großen Schwung und Umschwung der Weltereignisse darangegangen wurde, die durch Krie,g und Venheerung durcheinandergerüttelte Menschheit wieder in Ordnung zu bringen, der Gedanke, den Theodor Herzl in die Tat umzusetzen begonnen hatte, aus dem Reiche der Hoffnungen und Träume in das Gebiet realpolitischer Erwägungen und Sicherungen geführt wurde. Die Balfour-Deklaration, die Friedensverträge und das internationale Forum der Völker- und Staatenordnung, der Völkerbund, halben das Recht des jüdischen Volkes auf ihre Heimstätte in Palästina anerkannt. Nichts von der Stellung, die die Juden in ihren bisherigen VVohnländern haben, wird dadurch geschmälert. Dies muß immer wieder gesagt werden, um den Gedanken der Aengstlichen ur.d vielleicht auch der wenig Freundwilligen zu begegnen. Vielleicht liegt hier der Schlüssel dazu, daß gerade die besten Kräfte des menschlichen Schaffens, die ernstesten Vertreter menschlicher Kultur und Gesittung den Gedanken der jüdischen Heimstätte von allem Anfang an mit ihren Sympathien begleitet haben; denn im Zionismus drückt sich der Wille aus, daß das Judentum, das so viele große Werte der Menschheit geschenkt hat, weiter an ihrer schöpferischen Entwicklung leilhabe. Die besten jüdischen Geister haben in den dreißig Jahren der Geschichte des Zionismus diese Begründung unseres Volksanspruches in Wort und Tat verfochten Mit Stolz und Wehmut gedenken wir gerade jetzt des uns so früh entrissenen Oberrabdas Augenmerk richtete. Die deutschen Orthodoxen mochten wohl denken, daß Verinnerlichung und Musar, wie der litauische Meister sie lehrte, ihren Gemeinden nicht schaden konnte. In Königsberg nahm sich seiner der dortige Rabbiner Jakob Hirsch Mecklenburg an, trotz seiner hohen Bildung ein Orthodoxer alten Schlages. Auch in den anderen Städten Ostpreußens fand er Beschützer. Die Rabbiner alter Observanz in seiner Heimat witterten dagegen in der ganzen Bewegung etwas Störendes, Neuartiges, das vielleicht zu tiefgehenden Spaltungen führen könnte. Sie traten auch gegen Israel Salant auf und wiesen auf das Sektiererische seiner Bestrebungen hin. Wenn es nicht zu einem so heftigen Kampfe kam, wie er sechzig oder achtzig Jahre vorher gegen den Chassidismus entbrannt war, so lag es an zwei Umständen: Israel Salant entwaffnete durch die Makellosigkeit seines Wandels, die absolute Uneigennützigkeit seines Strebens und die Milde und Güte seines Wesens jede heftige Gegnerschaft. Seine große Gelehrsamkeit flößte überdies allen, denen seine Lehre übertrieben und verdächtig erscheinen mochte, tiefen Respekt ein. Wo so große und echte Kenntnis der Thora war, konnte am Ende nichts Gefährliches für das Judentum erwachsen. Wichtiger jedoch war der Umstand, daß die Zeit für Religionskriege nicht mehr geeignet war. Die Aufklärung hatte ihr Werk getan, die politische und ökonomische Entwicklung war weiter gegangen, die Geister hatten sich anderen Aufgaben und Problemen zugewendet. Im Jahre 1880 finden wir Rabbi Israel Salant in Paris, wo er unter dem damals kleinen Häuflein von eingewanderten russischen Juden seine Lehre predigt und Musar-Häuser gründet, dabei sich bemüht, einen Uebersetzer für den Talmud zu finden, ERMÄSSIGTE MITTELMEER^ I JEDEN MONAT I -Mßfsi T M A ... ^' JL'L „ biners Dr. C h a j c s, der in diesem Sinne gewirkt und so viel dazu beigetragen hat, daß der schöpferische jüdische Wille - und das ist der Zionismus — in Oesterreich und auch in anderen Ländern Achtling und Sympathie gewann. Weil wir solches menschheitliches Ziel vor Augen haben, deshalb erfüllt es uns mit Freude und Genugtuung, daß überall die besten Vertreter der Menschheit den Krönungsgedanken der jüdischen Entwicklung mit Achtung und Anteilnahme begleiten. In einer Reihe von 'Ländern halben sich gerade für <fie Zusammenfassung dieser nichtjüdischen Sympathien gegenüber dem Werke jüdischen, Aufbaues Pro-Palästina-Komitees gebildet. Ihr Zweck ist in diesem einen Satze erschöpft: sie dienen der Verbreitung der Erkenntnis, daß das jüdische' Aufbauwerk in Palästina gleicherweise ein Mittel lür die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung nicht nur der Juden, sondern auch des ganzen Orients ist und dqß es der Versöhnung der Völker dient. ■ Der Palästina-Aufbau, als eine Tat menschlicher Wohlfahrt und Gesittung, erhebt Anspruch auf die Sympathien und helfende Anteilnahme nicht nur der Juden, sondern auch aller anderen Mensohheitsgruppen. In Frankreich, in Deutschland, in England, in Italien und in 'Belgien wurden als sichtbarer Ausdruck dieser Anschauungen Pro-Palästina-Komitees gegründet und nun haben auch hier in Oesterreich Sie, die alle an hervorragender Stelle unseres staatlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens wirken, sich zu dem gleichen Ziele zusammengefunden. Wir sind von dem Bewußtsein durchdrungen, daß diese Ihre Tätigkeit unser Werk weiterbringen wird, ein Werk, das aus dem Wunsche der Gerechtigkeit entstanden ist, der Gerechtigkeit und dem Fortschritt der Menschheit dienen soll. Darum danken wir Ihnen nochmals dafür, daß Sie sich hier zusammengefunden, und wünschen Ihrer Arbeit den Erfolg, den wir alle im Interesse des Aufbaues der menschlichen Kultur für jedes Volk gleich wie für das unsere erstreben." Sodann verlas Dr. Goldhammer die eingelaufenen Begrüßungsschreiben. Vom Bundesministerium für Unterricht ist folgendes Schreiben eingelangt: ,,Der Herr Bundesminister für Unterricht läßt »für die freundliche Einladung zur konstituierenden Sitzung d?s österreichischen Komitees Pro Palästina bestens danken. Wenn er auch, wie er den beiden Herren die im Namen des Komitees kürzlich bei ihm weilten, auseinandersetzte, aus allgemeinen. Gründen nicht dem Wunsche willfahren kann, persönlich dem Komitee beizutreten, so wünscht der Herr Minister sein großes Interesse an der Tätigkeit des österreichischen Pro-Palästina-Komitees dadurch zu bekunden, daß er einen offiziellen Vertreter zur konstituierenden Sitzung entsenden wird. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung P e r ii t e r, m. p. Ferner sandte der Präsident des Deutschen Komitees Pro Palästina doch ohne Erfolg. Michael Rabinowitz war ihm zuvorgekommen und hatte ganze Teile ins Französische übersetzt ud mit einem Kommentar versehen. Auf der Heimreise aus Paris, nach zweijährigem Aufenthalt, verstarb Rabbi Israel Salant in Königsberg (1883). Sein Werk dauerte in der Heimat fort, aber noch zu Lebzeiten des Schöpfers war der Keim des Unterganges in das Werk gelegt worden. Streitigkeiten innerhalb der Jugend zwischen den Anhängern des „Moralismus“ und denen des strengen „trockenen“ Talmudstudiums brachen aus, die oft die Gemeinden in zwei Lager teilten. In einem Zeitraum von etwa anderthalb Jahrzehnten schritt der Verfall langsam, aber stetig fort. Um die Mitte der Neunzigerjahre trat eine Lage ein, die den Niedergang dieser ganzen Bewegung nur beschleunigte, Der Zionismus, der sich um dieselbe Zeit ausbreitete, zeigte der Jugend neue Ideale und lockte sie aus dem Gebiete dieses ganzen Streites hinweg. Der „Moralismus“ verfiel immer mehr. Die Musar-Häuser verödeten. Um das Jahr 1910 war nur das Musar- Haus in Kowno geöffnet, die Zusammenkünfte fanden meist in den Wohnungen der älteren Anhänger statt. In einer Vorstadt von Kowno hatten sie eine Jeschiba unter dem Namen „Keneseth Israel“, zur Erinnerung an den Stifter Rabbi Israel Salant gegründet, aber dieses Lehrhaus wurde von allen begabten und strebsamen Jüngern gemieden. Die ganze Bewegung ist in Nichts zerronnen, nur die Erinnerung an die Persönlichkeit des Stifters ist geblieben. Er war ein echter Idealist, voll reinen Strebens, uneigennützig, voll unerschütterlichen Glaubens an sein Ideal, voll Tatkraft und Opfermut. Wäre sein Ideal wirklich wertvoll gewesen, er hätte Großes für sein Volk und vielleicht für die Welt wirken können. Bar-Ami. Botschafter z. D. Graf S. Bernstorff folgendes Schreiben: Deutsches Komitee Pro Palästina zur Förderung der jüdischen Palästinasiedlung. Berlin, den 11. Februar 1928. Herr Präsident! Für die Einladung zu der konstituierenden Sitzung des österreichischen Komitees Pro Palästina sage ich Ihnen zugleich auch im Namen des Präsidiums des Deutschen Komitees Pro Palästina den allerherzlichsten Dank. Der Gedanke des Völkerbundes ist aufs engste mit der Ideenwelt der jüdischen Palästinasiedlung verknüpft. Gerechtigkeit und das Gefühl für das Lebensbedürfnis unterdrückter Gruppen hat dazu geführt, daß wir mit gleichem Interesse die Entwicklung der großen und der kleinen Völker verfolgen und daß wir mit Ernst und Verantwortungsgefühl an der Lösung aller mit der Idee des Völkerbundes zusammenhängenden Fragen arbeiten. In genialer Form wird die Balfour-Deklaration den Bedürfnissen der Juden und den menschlichen Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden gerecht. Sie proklamiert durch Errichtung einer jüdischnationalen Heimstätte in Palästina die Voraussetzung für eine Erneuerung jüdischen Lebens und sie schafft gleichzeitig Vorsorge dafür, daß aus diesem Streben der Juden nach politischem und kulturellem Eigenleben keinerlei Nachteil für die Stellung der Juden in der Welt hervorgehen darf. Handlungen und nicht Gesinnungen unterstehen dem Urteil der öffentlichen Politik. Die Bedeutung der Mitarbeit aller Völker an der Verwirklichung der im Palästina-Mandat zugesicherten jüdischen Rechte ist meines Erachtens in einem hohen Maße erzieherisch. An Stelle des Kampfes um Worte tritt die von vereinten Kräften geförderte Tat. Mit lebhaftestem Interesse begleiten wir die von idealistischer Leidenschaft getragene Lebensarbeit der jüdischen Siedler in Palästina, und wit beobachten diese Bestrebungen im Zusammenhang mit der gesamten Entwicklung des vorderen Orients. Die Erfahrung hat uns bisher gezeigt, daß ein friedliches Zusammenleben von Juden und Nichtjuden sich von Jahr zu Jahr deutlicher in Palästina herausbildet, daß die palästinensische Wirtschaft gerade in Zeiten der Krise ihre Widerstandsfähigkeit und Elastizität bewiesen hat und daß von Jahr zu Jahr in zunehmendem Maße kulturelle Leistungen sichtbar werden. Selbstverständlich ist die direkte Durchführung der Palästina-Kolonisation, insbesondere die Erziehung geeigneter Menschen und die Beschaffung von Geld, in erster Linie eine Aufgabe der Judenheit. Wir arbeiten daran, durch Wachhaltung des allgemeinen Interesses für das jüdische Kolonisationswerk die Siedlung politisch und wirtschaftlich zu stärken und auch der jüdischen Welt die Größe der eigenen Verpflichtung dadurch vor Augen zu führen, daß die Eingliederung des Palästina-Mandats in allgemeine Weltzusammenhänge durch unsere Tätigkeit besonders deutlich zutage tritt. Wir hatten die große Freude, mit dem Comite France-Palestine in direkte Fühlung zu treten und begrüßen heute lebhaft die Gründung Ihres Komitees. Der enge Zusammenhang zwischen allen auf der Weli befindlichen Pro-Palästina-Komitees stellt einen neuen Beweis für die Fülle bestehender gemeinsamer Interessen dar. Dieser Zusammenhang könnte in besonders hohem Maße dadurch völkerverbindend wirken; daß in allen Ländern alle am Fortschritt der Menschheil Interessierten sich der Förderung eines Werkes widmen, in dem keinerlei aggressive Tendenzen vorhanden sein dürfen, wenn es gedeihen soll. Ich bedauere lebhaft, daß dringende Arbeiten in Berlin und unmittelbar anschließende Tätigkeit in Genf es mir unmöglich machen, Ihnen persönlich die Glückwünsche des Deutschen Komitees Pro Palästina zu überbringen. Ich darf Sie aber bitten mein Schreiben auf der Gründungsveranstaltung Ihres Komitees, der ich den besten Verlauf wünsche, zur Kenntnis der Mitglieder zu bringen. Empfangen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung S, Bernstorff, m. p. „HANSA“ WIEN I„ FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Hfluser, Büros, Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kreditabteilung nur für grolle Transaktionen Seriös Diskret Prompt

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