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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-12-19 · 48 (19.12.1919) · p. Seite 683

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
48 (19.12.1919)
Date
1919-12-19
Page
Seite 683 (sequence 15)
Language
German
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Kr. « ÜTj BUOCHS W^OCHMSOHRJKT, Seite «fr Das Mädchen klammerte sich.' ängstlich an des Vaters Arm, als die Tür Abgerissen wurde und Andreas mit einem halben Dutzend Egameräden . ein trat. Die übrigen blieben draußen vor dem Hause. „Güten Abend,\v Mottke", rief Andreas höhnisch und «etnte eich unaufgefordert auf die Holzbank. T „Guten Abend", antwortete Mottke kurz. „Wir wollen mit Dir einmal ein gescheites Wort reden," fuhr Andreas fort. „Ich liebe Deine Tochter und will sie zum Weib, haben." „Esther ist eine Jüdin", entgegnete Mottke vor Wut kochend. „Aber sie kann sich taufen lassen, das kostet nichts", bemerkte Andreas, indem er den Hut schwenkte. «Und trag .Würdest.Du tun, wenn ich sie heute mit Gewalt wegführe?" „Was ich' tun würde? Dich umbringenl Verlaß Dich darauf I" Andreas BAß eine Welle schweigend da, indem er seinen Hut ..um seinen Finger. tanzen ließ.. „Wir wollen, sehen!" ‘. Mottke begann der Mut zu sinken. Er erkannte die Nutzlosigkeit seines Widerstandes, seine hilflose Lage so vielen gegenüber. Er ergriff seine Tochter an der Hand und schob sie fast vorwärts, bis Mt zwischen ihm und den Hauern kam. Sie stand mit gesenkten Äugen zitternd da, die Hand geballt; und fest entschlossen, sich tapfer zu halten. - „Sie ist alles, was ich auf der .Welt habe. Wier hat das Herz, sie mir zu rauben?" Andreas erhob sich mit solchem Ungestüm, daß er mit dem Köpfe beinahe die Decke eingestoßen hätte. Einer nach dem andern stand auf und die draußen standen, brachen in ein höhnisches Geheul aus. „Eb . hilft nichts, alter dud", schnarrte Andreas, trat Vor und streckte den Arm nach Esther aus. JDas Mädchen wich zurück und klammerte sich entsetzt an den Vater. / .. „Zurück!" schrie Mottke, „wagt es nicht, sie anzu-, rühren!" . >;Ieh' möchte wohl wissen, wer mich daran hindern wollte", lachte Andreas und streckte abermals die rohe Faust nach de» bebenden Mädchen hin. Doch ..in demselben Augenblicke wurde sein Arm mit ^olcher Kraft getroffen, daß er ihm wie gelähmt niedersank:. : Er stand Auge in Auge Schünachele gegenüber. „Ich werde Dich daran hindern", .sprach der junge Mann kalt. „Wer es wagt, dieses Mädchen ianzurühren, tut es auf seine Gefahr hin!" Der Lärm draußen verstummte und all« drängten sich an_die Tür. „Gib's ihm, Andreas! Gib’s ihm!" erschallten einige Stimmen. Aber Andreas hatte heute Abend schon einmal gefühlt, was Schimschele kann, und sein Mut 'ließ ihn im Stich. „Was hast Du mit ihr zu schaffen", knirschte er und »choß einen wütenden Blick auf seinen furchtlosen Gegner. „Ich habe sie geliebt, seitdem ich sie kenne,“ antwortete Schimschele. ehrfurchtsvoll, „und so Gott will, werd^ ich siel auch heiraten, falls sie mich mit ihrer Hand, beehrt." Er wandte sich höflich Esther zu, hatte aber dabei ein Wachsames Auge auf Andreas. Mit lieblichem Zaudern trat das Mädchen auf ihn zu und: faßte seine ausgestreckte Hand. Wunderschön sah sie aus. in ihrer Aufregung mit den großen schmachtenden Augen, den geröteten Wangen und dem schon Aufgelösten glänzenden Haare. War es ein Gefühl der Ritterlichkeit, welches sie bei den wilden Männern hervorrief, »oder deren instinktiver Sinn für Recht und Billigkeit — kurzum, ea erfolgte jetzt bei den meisten Begleitern Andreas* offenbar eine Wendung zu ihren Gunsten. Einer nach den andern schlich sich hinweg .und Andreas war nicht der letzte. Ala sie alle verschwunden waren, legte Mottkefeter* lieh die Hände auf das junge Paar und sprach: „Gott segne Euch! Wenn Ihr Euch liebt, habt Ihr meine sehnlichsten Hoffnungen erfüllt." Seit jenem Tage kam wieder Wohlstand in Mottke» Haus und .Friede in das Dorf. Literatur. X. RoaenteM, „Der jüdische Religionsunterricht". Verlag B. Löwit, Wien und Berlin,. 1920. i Diese „Reflexionen mit besonderer Berücksichtigung der Wiener jSchulverhältnisse“' verdienen Gehör schon des Verfassers wegen. Der Boden, auf dem sich Rosenfeld hier be* wegt, ist ihm in jahrzehntelanger Arbeit wie wenigen vertraut geworden. Er hat ihn, nicht wie» ein Taglöhner bebaut, sondern wie der berufene, denkende Landwirt, der jede neue Methode dankbar aufgreift und mit Sorgfalt erprobt. Mit unserem Religionsunterricht ergeht es ähnlich, wie mit jenem Diamanten, der einen Sprung erhalten. Der Besitzer trauerte darüber. Eines Tages aber kam ein Meister in der Kunst, Steine zu gravieren. Dem gelang es, den Sprung zu einem Zierat zu gestalten, so daß alles den Stein als hohes Kunstwerk bewunderte. Dieser Sprung in unserem Religionsunterricht ist der Widerstreit zwischen der . Lehre der Schule und dem Leben des Hauses. Dem Religionslehrer Mit nun din - wenig beneidenswerte Aufgabe zu, dieses Mißverhältnis zu einem Kunstprodükt umzumodeln, das aller Teile befrieh digen soll. Wie er sie löst, löst trotz des Zeitminimums, das ihm zur Verfügung ptaht, das bleibt seinem persönlichen Talent überlassen. Sind Üoch hier, wie gerade aus dieser Broschüre wieder jso klar hervorgeht, über die Grundfragen der Methodik die Akten noch nicht geschlossen. Meinungsveifc ßchiedenheit herrscht über die Grenzen des Gebietes; über den Raum, den darin das Hebräische fordern darf; zum Teil fehlen geeignete Lehrbücher. Die gegenwärtig für den jüdfechen Religionslehrerin Wien geltenden „Instruktionen“ glaubt Rosenfeld auf Grund einer eingehenden Kritik ablehnen zu müssen. An die Stelle des bisherigen „Religionsunterrichtes,, will er mit Fug und Recht einen »Jo*, dentumsunterricht*' petzen. Es bedeutet dies mehr als einen Worttausch. Der „unzertrennlichen Einheit der jüdischem Re- * ligion und des jüdischen Volkstums" soll damit Rechnung getragen werden. Um> diesem erweiterten Rahmen bis zum Erleben jüdischer Kultur im Unterricht gerecht werden zu können, empfiehlt sich nach Rosenfeld, von anderen triftigen Gründen abgesehen, die konfessionelle Schule. Von dem mechanischen Einidrillen des Hebräischen entlasten kann die Schule nur ein Betrieb des Hebräischen als lebender Sprache. Der hebräische Kindergarten muß Vorarbeiten. Viel verspricht sich. Rosenfeld ferner von biblischen Kompendien jn hebräischer Sprache, vo» synchronistischen Tabellen unß anderen Neuerungen, che man in der Theorie billigen kann, deren praktischer Durchführung jedoch nicht geringe Schwierigkeiten im Wege stehen. Es gehört ein kräftiges Stück Optimismus dazu, anzu* nehmen, daß in absehbarer Zeit sich Schule- —< und wir haben hierbei natürlich den realen Verhältnissen entsprechend, die paritätische Schule im Auge — und Eltern zu einer solchen Erweiterung des Religionsunterrichtes verstehen (werden. Unsere# Erachtens ist 'zu wenig

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