Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 5 (31.1.1919)
- Date
- 1919-01-31
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.. 5 Dr. Bloch's Wochenschrift MM 7L . Ter Delegation Miegt die Vertretung der Jntüressen des Jüdifchen Nationakrates' für Ostgalizien gegen-, Wer Men Mischen und nichtjüdischen- Körperschaften in Wien üttd im Westen. r . > Me Zuschriften, die in normalen Verhältnissen direkt an den Jüdischen Nationalrat für OstgaWen in Mtanislau gesandt worden waren, sind an die Delegation m Wien, 2. Bezirk, Taborstraße 20a, zu schicken. Mgwm in TLrnobMeg (GaktzM). - Das westgalizischs Städtchen Tarnobrzeg hatte den Ehrgeiz, in diesen historischen Tagen ebenfalls einen Mittelpunkt bedeutsamer Ereignisse zu bilden und konstituierte sich zu diesem Zwecke als eine selbständige Republik in Europa. Einen Geistlichen namens Okon rief sie zu ihrem Präsidenten aus. Der polnischen Regierung begann dieses Republikspiel von Tarnobrzeg unangenehm zu werden, und so entschloß sie sich, den Präsidenten derselben zu verhaften. Diese Maßnahme vergalten die Bauern der Umgebung der.Stadt Tarnobrzeg in der Weise, indem sie sich am vorletzten Donnerstag dort versammelten, .und da es ihnen int Kampfe mit den polnischen Truppen nicht gelang, ihren Präsidenten, zu b-e freien, sie einfach aL Rache hiefür die dortige jüdk-- sche Bevölkerung ausplunderten und blutig schlugen. Aus der großen Zahl der Opfer erwähnen wir . die Namen der jüdischen Bürger Lippe Brand Salomon Kleinmann Mit seiner in der Wohnung anwesenden Schwiegertochter, Chiel Brau d, Wolf Frei n d l i ch, Benjamin und CM 'Bloch Und Engelberg. Selbst die Aermsten verschonten diese Pogromhelden nicht. Obwohl das Rauben und Plündern einen ganzen Tag währte und der größte Teil der jüdischen Bevölkerung davon betroffen wurde/gäben sich die Bauern damit nicht zufrieden und versprachen, in kürzer Zeit rviederzukommen, UM dann noch gründlicher ihr Werk zu verrichten. Schutze und hilflos und in banger Sorge um die Zukunft,. lebt jetzt die dortige jüdische Bevölkerung. Das jüdffchr AekigWsgefetz als Nechtsgrund. Die „Chalitze", ein jüdisches Gesetz, lag einer Anklage zugrunde, die jüngst das Friedensgericht in Dünaburg in der Berufungsinstanz beschäftigte. Das Gesetz verlangt, daß wenn ein Ehemann kinderlos stirbt, der Bruder des Verstorbenen — uM den Namen nicht aussterben zu lassen — die Witwe heirate. Lehnt er dieses ab und verweigert auch die schriftliche Erklärung, daß er die Schwägerin freigibt, so ist er verpflichtet, ihr den Lebensunterhalt zu bestreiten. Versteht er sich auch hierzu nicht, dann fordert die Witwe ihn vor den Aeltestenrat der Gemeinde. In dessen Beisein zieht sie ihm. so erfordert es der Ritus, — den Schuh voM Fuß, speit ihm ins Gesicht und belegt, ihn /mit dem Scheltwort „Cholutz" (soviel wie Barfüßiger). In solchem Falle befand sich der Dünaburger Einwohner Iankel Landsberg. Als alle Versuche, ihn durch die GMeindeältesten zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu bewegen, fruchtlos blieben, verklagte ihn die Schwägerin, Freide "Scheitel L.. vor deM Friedensgericht auf Zahlung von monatlich 100 Rubel für die zehn Monate. Das Gericht entschied irr erster Instanz, > daß das jüdische Gesetz analog dem russischen Mer Unterhaltungspflicht zu behandeln sei und verurteilte Iankel L. zur Zahlung, von 1000 Rubel -an .hieKlägeriir In der Verhandlung vor der Berufungsinstanz Machte Beklagter geltend, daß die „Chalitze" lediglich ein kirchlicher. Ritus sei und als solcher gar nicht vor das" Gericht gehöre. Das Gericht entschied jedoch ÄstGimie der Vormstanz, deren Urteil bestätigt würbe.. Mn Bcharchfteck des ZMentmns. Das „Iüd. VoNsblatt" m Mähr.-Ostrau entnimmt den Prager „Zidovske Zpravy" folgenden Bericht: „Im Nikolsburger Flüchtlingslager befinden sich 300 gallische Waisen und 300 Flüchtlinge aus Palästina. Nach dem Umsturz wurden die dortigen Vorräte ausgeplündert, den Flüchtlingen und Waffen blieb nichts. .Die Kinder ftnd in schadhaften Baracken untergebracht. mangelhaft bekleidet und beschuht/ ihre Nahrung, besteht aus Rüben und Dörrgsmüfe. Brot ist ungenügend, Fleisch und Milch überhaupt nicht vorhanden. Die Aufsicht und Pflege der Kinder ist mangelhaft, sie sind unrein, verlaust. Die Baracken werden nicht gehetzt. Ilm 7 Uhr abends wird das Licht abgedreht und die Wasserleitung gesperrt. Im . Spital liegen die kranken Kinder in ungehetzten Zimmern zu dreien auf einem Bette, im Gange liegen Leichen. Heilmittel, Milch und Krankenkost fehlen. Für diese Zustände verantwortlich ist die jüdische Kultusgemeinde Nikolsburig und ihr Vorsteher Deutsch. Dieser ist an Lieferungen für das Flüchtlingslager reich geworden. Er hat veran- . laßt, daß die Vertreter jüdischer Körperschaften, die das Lager besichtigen wollten, verhaftet wurden. Er hetzte die Behörden systematisch gegen die Flüchtlinge auf. er verekelte den guten Elementen in der Gemeinde die Mitarbeit. — Die Kinder werden demnächst nach Krakau gebracht werden. Im Lager bleiben die Flüchtlinge aus Palästina, deren Lage hoffnungslos wäre, wenn sie der Nikolsburger Gemeinde ausgeliefert bleiben. Der Prager Indische Nationalrat hat in der Angelegenheit interveniert.. Dem mährischen Judentum obliegt es, diesen Schandfleck zu beseitigen." Dft ZrOen m Rmnsniim. Der Berliner „Vorwärts" berichtet: Wie aus rumänischen Nachrichten hervorgeht, gewinnt der Antisemitismus i n R u m an i e n die Oberhand. Der Minister Bratianu hat führende Persönlichkeiten der Juden zu sich berufen und sie mit Verhaftung bedroht, wenn sie ihre Agitation für die Gleichberechtigung der Iuden fortsetzen. Sie mußten sich schließlich verpflichten, weiter nichts zu unternehmen, bis die Friedenskonferenz vorüber wäre, von der Bratianu augenscheinlich einen Einfluß zugunsten der Iuden b efürchtet. Zürich. (Privattelegram-m „Dir. Blochs Wochenschrift".) Zur Wrltkchrftrentz der glaUbenSträuE Judenheit die für die Schweiz ernberüfen wurde, haben bereits viele thor.atreue Verbände aus' aller Welt Delegierte angemeldet, darunter die RaMnerverbäMe aus Polen, .aus Galizien und' der Bukowina, aus Deutschland, Rußland, Holland und Amerika. Die Zahl der angemeldeten Delegierten erreicht bereits achtzig undtäglich kommen neue Anmeldurtgertz. Vermischtes. Wien. Eine Deputation von Hochschükern der medizinischen Fakultät überreichte dem Gemeinderat Dr. R. von Schw arz-Hiller eine Glückwunschadresse zurrt Erfolg in der Schwerz imit zirka 500 Unterfchristen von Prbfessoren und Studenten der Wiener Medizinischen Fakultät. Unter anderen bemerkte man die Unterschriften der Professoren Hochenegg, WertheM, Tandkev, Hochstetter und Wenckebach.