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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-20 · 50 (20.12.1918) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
50 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. so , ' Dr. Bloch's Wien. (Oesterr.-Israel. Union.) Sonntag den 22. D^ember 1918. präzise halb 10 Uhr vormittags, findet im .Festsaale des Ingenieur- und Archttektelwereines. 1. Bezirk, Eschenbachgasse 9, eine Vereins- Versammlung statt. Tagesordnung : „Deutschösterreich und die bevorstehenden Wahlen." Diskussion, eingeleitet von Herrn Staatsrat Dr. Julius Ofner. Guido LMogen. Mit dem am 10. Dezember d. I. auf seiner Besitzung Schloß Thalheim in Niederösterreich verstorbenen Herrn Guido. Elba gen ist ein wahrhaft bedeutender Mann und ein treuer Sohn des Judentumes dahingeschieden. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, hat er durch außerordentliche Intelligenz, unbeugsame Energie, strengste Rechtlichkeit und Gewissenhaftigkeit die hervorragendsten Stellungen im kaufmännischen Leben erlangt und sich nicht nur in Oesterreich, sondern auch im Aus lande einen hochgeachteten Namen erworben, er war ein Finanzmann von internationalem Rufe: bis in sein Alter arbeitete , er unausgesetzt an seiner Fortbildung und unternahm weite Reisen auch nach fernen Weltteilen, um Land und Leute aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Aus, dem Lebensgange dieses ungewöhnlichen Mannes heben wir folgendes hervor: Er wurde am 27. Dezember 1845 in Iungbunzlau als Sohn des dortigen Rabbiners geboren, studierte an der Prager Handelsakademie und ging nach deren Absolvierung ins Ausland. Er trat zunächst bei der renommierten Bankfirma, Laden bürg in London ein und erhielt balddarauf eine Stellung in dem Bankhause Oppenheim, Alberti & Co. in Paris. Durch seine hervorragende Tüchtigkeit und Begabung wußte er bald die Aufmerksamkeit der Firmachefs auf sich zu lenken und in Kürze eine bedeutende . Stellung im Hause einzunehmen, die sich noch befestigte, als, er sich -mit der Tochter des einen Whcmenchefs, S ch w a ba ch e r, vermahlte,- er trat später in Verbindung mit dem Bankhause Springer und arbeitete in der Folge an der Durchführung großer finanzieller Transaktionen, insbesondere gebührt ihm das Verdienst, als Bevollmächtigter einer großen französischen Bankengruppe anfangs der siebziger Jahre große Finanzoperationen mit der spanischen Regierung in geradezu glänzender Weise durchgeführt zu haben, was nicht nur eine großzügige Auffassung, sondern auch eine unermüdliche Arbeitskraft erforderte. Anfangs der achtziger Jahre kehrte er in fein Vaterland zurück und ließ sich in Wien nieder, wo er Generalrat der Anglo-österreichischen Bank wurde: im Jahre 1885 zum Präsidenten des Gsneralrates der Bank gewählt. bekleidete er diese Stellung durch zwölf Jahre und brachte des Institut durch seine zielbewußte und streng solide Leitung zu großem Ansehen, alle wichtigen Neugrünhungen.der Bank, die in diesen Zeitraum fallen, verdanken seiner Initiative.oder doch seiner Förderung ihr Entstehen. Als er sich im.Jahre 1397 von der Leitung der Bank zurüchzog, widmete er seine Tätigkeit noch immer einigen anderen Industrieunternehmuugen, z. B. der Nordböhmischen Kohlenbergbaugesellschaft, zu ' deren Gründern er gehörte und deren Präsident er bis zu seinem Tode war. In vorbildlicher, Weise bewirtschaftete er sein Gut Schloß Thalheim bei Böheimkirchen, auf welchem er insbesondere eine mustergültige Milchwirtschaft einrichtete. Ende des Jahres 1897, nach dem Tode seines Freundes, Dr. Otto Kerpal, wurde er an dessen Stelle von Frau Baronin Hirsch mit dem Porsitz des Baronin Hirsch-Wohltättgkeitskomitees betraut, welches so- Wochenschrist Seite 817 hin im Dezember 1898 anläßlich des 50 jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers Franz Josef in die Baronin Hirsch-Kaiser-Iubi.aumsMohltatigktttsstistung umgewandelt wurde: im persönlichen Verkehre mit der edlen Stifterin hat Guido El bogen viel zur raschen Errichtung der Stiftung beigetragen und deren Organisation ins Leben gerufen: durch 20 Jahve stand er als.Präsident an der Spitze der Stiftung, deren segensreiches Wirken für das Judentum allgemein bekannt ist. Mit unermüdlichem Pflichteifer, der auch nicht erlahmte, als schon schwere Krankheit ihn befallen hatte, führte er diese Leitung, immer darauf bedacht, daß die. Stiftung ihre große Aufgabe in der Reihe der jüdischen Humanitätsanstalten würdig und ganz erfülle, insbesondere in Fragen der finanziellen Gebarung erwies er der Stiftung durch feine reiche Erfahrung adle größten Dienste, die ihm eine dauernde Erinnerung sichern. Wien. Herr Dr. David Taubes. Sohn des bekannten ^Zionistenführers Herrn Löbel Taubes, hat sich mit Fräulein Berta Reich, Tochter des Herrn Leon Reich aus 'Wien, verlobt. Wien. Handelsschulprofessor Herr Karl Bar dach, Beamter der Depositenbank, wurde zum beeideten Sachverständigen für das Rechnungswesen beim Zivillandesgerichte in Wien bestellt. Promotion eines Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten zum Doktor der Philosophie. Dieser Tage fand an der Wiener Universität eine interessante Promotion statt. Der bekannte junge Wiener Rechtsanwalt Dr. Emil Merwin, der eine der angesehensten Wiener Kanzleien besitzt, wurde hier zum Doktor der Philosophie promoviert. Dr. Merwin hat zum Gegenstand seines Studiums reine Philosophie gewählt. Es dürfte dies wohl der erste Fall fein, daß ein mitten im Berufsleben stehender Advokat die Doktorwürde einer zweiten Fakultät erlangt. Dr. Merwin ist der Gatte unserer geschätzten Mitarbeiterin, der Schriftstellerin Frau Thekla Blech-Merwin. und hat selbst unserem Blatte wiederholt Beiträge gewidmet. Vierzigjähriges Amtsjubilänw des Kultusvorftehers Samuel Steiner. Fünfhaus wird diesen Sabbat ein doppeltes Jubiläum feiern. Neben dem 70 jährigen Obmann des Bethausvorstandes Herrn Hermann Wein^erger steht in bewundernswerter Rüstigkeit sein älterer Amts' genösse Herr Saniuel Steiner, der an diesem Sabbat auf eine vierzigjährige pflichtgetreue Tätigkeit on der Leitung der Gemeinde Fünfhaus, später zugleich als Wiener Kultusvorsteher, zurückblickt. Sein mildes, versöhnliches, treues Wesen hat ihm die Hochschätzung aller gesichert, die diese seine Betätigung zu beobachten Gelegenheit hatten. Möge ihm seine Frische und seine Freude an Amt und Arbeit noch lange erhalten bleiben! Das ist der herzliche Wunsch so vieler, in denen er sich, ehrlich treue Frennde erworben. Hermann Weinberger zn seinem 7V. Geburtstag. Ein Name, der im Fünfhaus-Rudolfsheim zu den bekanntesten zählt, in der Wiener Judenschaft unter den besten genannt zu werden verdient. Seine Heimatsgemcine Szenitz und insbesondere sein Elternhaus, an dem er mit echt jüdischer Sohnestreue, hängt,' bot seiner Erziehung. eine Grundlage, die alles vereinigte, was eine Ueberlieferung seit Jahrlausenden dem Juden als unverrückbare Wegweiser, als Triebkräfte zu edlem Menschentum, als Hüter eines lau:eren und festen Charakters mit ins Leben gibt. Was Weinberger in seiner langjährigen, an reinstem Wollen, rechtschaffenem Mühen und an' Erfolgen reichem Wirken auf allen Gebieten jüdischen Vereinsleben geleistet hat, betrachtet er selbst in seiner pietätvollen Bescheidenheit nur als ein Sichauswirren der Anlagen, die er von seinen Eltern ererbt und die unter den Eindrücken seiner Jugend sich heilsam entfalten konnten. AlS Obmann des Bethausvorfiandes für den Fünfhauser Tempel, als Präsident der Chewra Kadischa für die westlichen Bezirke, als Reorganisator des Vereines „Maskil el dol" und in so vielen anderen Ehren-

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