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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-09-13 · 36 (13.9.1918) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
36 (13.9.1918)
Date
1918-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 586 ' M. .MM.V Löbliche Redaktion! Wie ich erst jetzt lese, hat wich die ..Reichspost" zwei Tage nach deM Erscheinen meines' Feuilletons-„RitualMord" und „Hoftienschändung" in der bildenden Kunst m Ihrem Blatte auf das heftigste angegriffen. Teilweise scheint Mir der Angriff auf einem Mißverständnis zu. beruhen. Mir ist nicht eingefallen, vorschreiben zu wollen, was im christlichen Religionsunterricht gelehrt wird; ich hätte. geglaubt, daß der christliche Klerus von selbst gern die Gelegenheit ergreifen wurde, UM die Schuljugend Uber Dinge aufzuklären, an die er doch selbst, wenigstens in seinen vornehmen und gebildeten Vertretern, unmöglich glauben kann. Meine Anregung entsprach ja gerade der lleberzeugung, daß nicht wir Juden, sondern nur der Klerus' auf weite Volkskreise Einfluß üben kann. ' Hochachtungsvoll Clotild e Benedikt. BÄltlMbung von eingerückten KLNtoreil und' Schächtern zu dÄn Mertajgen. ' Das k. u. k. KriegsMinisterium hat mit Erlaß, Abt. X. Nr. 3011034, voM 8. September 1918, bezüglich der Beurlaubung von Kantoren und Schächtern zu den israelitischen Feiertagen verfügt : In militärischer Dienstleistung stehenden israelitischen Kultusfunktionären, die im Zivilberufe tatsächlich Kantoren (Vorbeter), bezw. Schächter siM ist Urlaub bis zuM 1. Oktober 1918 Mit Antritt sofort zu bewilligen, wenn solche Funktionäre nicht in marschbereitgestellten Marschformationen oder Ersatztransporten eingeteilt sind, für sonstige angeordnete Abgaben nicht benötigt werden und ansonsten dienstliche Verhältnisse die Beurlaubung Massen.; Ein lriMessaÜter archivarischer Fund. Aus S t ein a M a n g e r wird uns geschrieben: Vorige Woche hat Rabbiner'Dr. H o r o w itz hier bei der Sichtung der Dr. Zipserischen Biblröthek in Rohoncz (KoM. Eisenbürg) einen merkwürdigen Fund gemacht. Zwischen altem Büchern und Jnkarnabeln versteckt, fand er eine auf Pergament geschriebene Hafthorä- Rolle von prächtig schöner Handschrift. Der Tert zeigt vollständige Vokalisierüng und Akzentation. Das merkwürdige an dem Ganzen ist. daß die! Rolle, wunderschön illustriert ist. Die Haftaroth der einzelnen Datenabschnllte nämlich sind' mit Kupferstichen. die den Hauptinhalt illustrieren, geschmückt. Die Bilder sind von so außerordentlicher Schönheit und Feinheit, die kein einziges' jüdisch-graphisches Kunstwerk — Meines Erachtens — aufzuweisen hat. Ich habe die berühmtesten von diesen gesehen, unter anderen das große, auf Pergament geschriebene. Mit farbigen Bildern geschmückte Machsor der Leipziger Universitätsbibliothek. ' - 'Herr Dr. H o rowi tz ist bemüht, Alter und Herkunft sowie den Künstler, von deM 'eS herruhrt, festzustellen. Die Aufgabe des Fachmannes wird es noch sein, den Änstlerischen Wert der Sache näher zu beurteilen. Die Haftoroth sind für jeden Ritus separat vorgesehen, so finden wir die Bezeichnung: nmm rmtMsn ' O'TlÖD „ „ \ Die jüdische Mission in Konstiantinopel. Auf wiederholte Anfragen über das' bisher erzielte Ergebnis der Verhandlungen der jüdischen Mission Mit der türkischen Regierung sind wir in der Lage, folgenden Aufschluß zu erteilen: Vor allem wurde die Mis- Wochenschrist? Nr. 36 sion vom Großwesir als offiziell anerkannt. Ferner veranlaßte Tala.'at Pascha sogleich die Behebung gewisser Ueb ergriffe in der Behandlung einiger türkischer Juden. Vor allem wurde -das Palästinaproblem von der allgemeinen Judenfrage' in der Türkei ausgesondert und zu seiner Lösung von der Negierung ein eigenes Komitee bestellt; das mit Vertretern der an jener ersten Konferenz beteiligten Organisationen weiterverhandeln soll.!!- 1 lt i IM übrigem beruht unsere Notiz in Nr. 5, 564 unseres Blattes auf einer falschen Information. Tatsächlich bringt unsere Botschaft in Konstantinopel der Angelegenheit wohlwollende Anteilnahme entgegen. Doch war es’ nicht ..eine Abordnung der' Mission", die bei den Herren Minister von, Szilaty und LegationSrat vvn Parch er vorsprach, sondern eine der Gruppen. Von der Mission selbst! war Rabbiner Dr. Grun w ald — der Delegierte des „Oesterreichischen KomiMeS für den Orient" — betraut worden, unsere Botschaft über den Gang der Verhandlungen auf deM Laufenden zu erhalten. ‘ j i.. I J Die Statistik der BjwölketMg in .Pollen. Der Zeitschrift „Polen" 'entnehmen wir: ‘ * Die Bevöllerung iM Königreich Polen war vor dem Kriege in ständigem' Zunehmen begriffen. Im Jahre 1913 wurde die Bevöllerung des Königreiches auf 13V* Millionen beziffert. Die Mobilmachung'' und die Auswanderung nach Rußland haben aus' dem Königreich Hünderttausende von Leuten Vertrieben und die zunehmende Sterblichkeit und' der gleichzeitige Rückgang der Gebürten haben das normale Anwachsen der Bevölkerung verhindert, die bis Ende 1917 auf rund' 14 Millionen hätte anwachsen müssen. , Die Statistik während des' Krieges im Jahre 1916 und die in der letzten Zeit durch die 'Kreisämter voügenomMenen Berechnungen haben für das Generalgouvernement Warschau ß1/? Millionen Einwohner, für das EeneralgouverneMent Lublin S1/? Millionen ergeben. Das Gouvernement Suwalli hat 400.000 Einwohner, und ungefähr 120.000 Einwohner Umfaßt der vom Gouvernement Siedlce abgetrennte Teil. Im ganzen also beträgt jetzt, wie es in einem> Artikel der „Gazeta Po- : ranna" heißt, die Bevöllerung des 'Königreiches Polen 10Vs Millionen Seelen. Das bedeutet einen Rückgang vvn 3r/o Millionen. Wieviele davon ausgewandert, wieviele iM Kriege gefallen oder - infolge des' Krieges gestorben sind, ist schwer festzustellen. Erst nach Beendigung der Rückwanderung wird' Man Erhebungen darüber anstellen können, wieviel Einwohner Polen durch den Krieg verloren Hat. Geradezu auffallend tendentiös ist die Bemerkung des Blattes : . '; : / „Ein in die Augen -fallendes' Moment in dieser Statistik ist das' Anwachsen der jü dischen BevölkeruNg auch im 'Vergleich zu den Verhältnissen vor dem Kriege.'.Eine Zunahme der israelitischen Einwohner zeigen iM deutschen Okkupationsgebiet vor allem die großstädtischen Kreise. Die Juden strömen vor allem in die HandelsMittelpunkte. Im österreichischen Okkupationsgebiet sind' die Verhältnisse dieselben. Hier hat dank der Konzentrierung der AeMter und der .Belebung des Handels die jüdische Bevöllerung aM meisten in Lu bl in zugenommen. Zurückgegangen ist sie in R a do M, hauptsächlich im dortigen Industriegebiet., Wo die polnische Arbeiterbevöllerung au'Sg'ewandert ist, da verschwinden die Juden." ' .;

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