Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-06-28 · 25 (28.6.1918) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
25 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022326--26981-3052371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 408 Nr. 25 Dir. Bkoch's Ein Hamsterlager int — Tanfbassin. Die „Südhannoversche Zeimng", das amtliche Organ für den Kreis Eindeck, berichtet nach dem „Vorwärts" folgendes: .In der Kirche der hiesigen Bavtistengemeinde steht ein großes Tanfbassin. Die Polizei hatte Nachricht bekommen, daß in diesem Tanfbassin ein schönes Ham st er lag er verborgen sei. Sie hielt eine Revision, ab und fand tatsächlich ein großes' Hamsterlager vor, so sechs Zentner Hafer, einen Zentner Roggen, einen Zentner Bohnen. - TW Jerusalem der Zukunft. Der bekannte -Aegyptologe Professor Flinders Petrie, der jetzt in Jerusalem ein Arbeitsfeld gefunden hat, entwickelte nach der englischen Fachzeitschrift „The Builder" kürzlich in einer RÄe vor der Royal Institution of British Ärchitects verschiedene Leitsätze über die Notwendigkeit aus baulichem Gebiet ein neues Jerusalem zu schaffen. Professor Petrie will die alte.Innenstadt für alle Zukunft derart erhalten wissen, daß dort keine neuen Baulichkeiten aufgesührt werden dürfen. Dagegen sollen in einem durchschnittlichen Umkreis von zwei englischen Meilen vom Zentrum Vorstädte mit einem elektrischen Bahnnetz untereinander entstehen. In zwei Generationen längstens würde dann, nach dem Vortragenden, die gesamte Bevölkerung Jerusalems' in den Vorstädten wohnen, so daß die Gebäude der alten Stadt später nur noch kulturellen Zwecken zu dienen brauchten; mit Ausnahme vielleicht eines neu zu errichtenden Heims für Pilger und alte Juden, die ihr Leben innerhalb der Mauern der Heiligen Stadt zu beschließen wünschen. . Mohammedanische Legende von Salomos Tod. . Der gewaltige Tempelplatz in Jerusalem, einst die den Juden heiligste Stätte des Drtes, ist jetzt mit islamitischen Gotteshäusern bebaut. Bei der Ostmauer des Haram esch-Scherif genannten Platzes, etwas südlich vom Stephanustor, steht eine kleine Moschee, die den Namen „Salomos Thron" führt. Dieses kleine, im neuzeitlichen Stil erbaute islamitische Gotteshaus verdankt einer alten mohammedanischen Legende seinen Namen. Der Ueberlieferung zufolge soll sich der große König an diesen. Ort zurückgezogen haben, als er seinen Tod herannahen, fühlte. Er wollte sein Ende so lange wie möglich vor den blösen Geistern geheim halten. Auf seinen Stock gestützt, starb er in sitzender Stellung. Erst als die Würmer den Stock zerfressen hatten, siel die Leiche zusammen.-Da merkten die Dämonen, daß er gestorben, seine Macht gebrochen und ihre Zeit gekommen war. Palästina und die Philister. In einem Vortratze, den Professor Felir Stähelin (Basel) kürzlich gehalten hat, wird in interessanter Weise-die sprachliche Entstehung des Wortes Palästina klargelegt und der geschichtliche Zusammenhang des -Heiligen Landes mit den Philistern erörtert. „Palästina", so führt der bekannte Schwerer Historiker aus, „verdankt der jRömerzeit unter Kaiser Hadrian seinen Namen. Nach dem letzten großen Judenaufstand wurde nämlich die Bezeichnung Judaea aus dem ^amtlichen Sprachgebrauch getilgt und dieser Provinz der Name Syria Palaestma gegeben. Die Form weist auf die griechische Lautgebung hin, für die wir schon' bei Herodot (um 450 vor Christus) das Zeugnis der Syrioi Palaiitinoi besitzen; das spätere Latein hätte Syria Philistina (mit Verschiebung des p zu pH) vorgezogen. In der neuen Benennung sollte sich die Erinnerung an die ehemaligen Erbfeinde des Judentums lebendig erhalten:' die Erinnerung an die Pelkfchtim der hebräischen, die -PhilisthiiM. Philistini oder Palaestini, der lateinischen Bibel, an die Philister. Denn Palästina heißt von Haus aus nichts anderes als „zu den Philistern gehörig". < Die Beziehungen her Philister zum alten Judenland setzen nach dem Alten Testament plötzlich und unvermittelt gegen Ende der Richterzeit (um 1200) ein. Sie sind eingewandert, zählen also Wochenschrift nicht zu den Ureinwohnern des Landes. Sogar für die Richtung ihrer Herkunft haben wir deutliche Spuren. Bei Amos sagte Gott: „Habe ich nicht Israel aus Aegypten hergeführt und die Philister von Kaphtor?" Und Jeremias veMndet? „Gott will Phrkstäa vernichten, den Hebertest von Kaphtor." Die Insel Kaphtor. die wir aus zahlreichen genau datierten ägyptischen Inschriften und Bildern als Kafti kennen, ist Kreta. Die Philister faßen also mindestens zeitweise auf Kreta. Nach den Ausgrabungen sind um 1400 vor Christus die wichtigsten kretischen Königspaläste für immer zerstört worden; Hand in. Hand damit verschwinden die friedlichen, ihre prachtvollen, künstlerischen Geschenke darbietenden Kastileute damals < ..v völlig aus den.ägyptischen Bilderdarstellungen. Es hatten also wohl um jene Zeit die Philister Kreta erobert und die hochentwickelte dortige Kultur zerstört. > Z. Nicht ganz zweihundert Jahre später finden wir sie auf weiterem Zuge nach Süden. Sie sind air wiederholten Anstürmen einer Reihe von Seevölkern gegen Aegypten beteiligt. Es befanden sich darunter die Schardanu Sardinier, die Turscha — Thyrsener oder Etrusker, die Akaiwascha — Achaier, die Danaumr —. Danaer und die Ruku — Lykier (die Aegypter >haben kein l und geben -'te* diesen Buchstaben in fremden Namen jedesmal mlit r wieder)'. Im;:y ’ 5. und 8. Jahre des Pharaos Ramses III,, also kurz nach 1200. werden auch hie Persta erwähnt. Das sind ohne Zweifel unsere Philister; denn wenn die Hieroglyphen Persta schrieben, dann ist gerade so gut die Aussprache „Pelesta" zulässig. - Sie wurden mehrmals geschlagen, worauf sie sich am südlichsten Teile der syrischen j- / Küste niedergelassen haben mögen. 'f-V!; Ihre Kriegstüchtigkeit bildete zeitweise eine höchst ernste Gefahr für hie Juden; vornehmlich brachte sie es zuwege, daß sich . v die israelitischen Stämme zu einem festen Einheitsstaat zusammenschlossen und einen König annahmen. Unter David war die Gef-ahr bereits gebannt. Dieser schuf sich zugleich eine Leibwache gerade aus philistäischen Söldnern, die unter dem Namen Kreti ' und Pleti erscheinen. Pleti wird mit Sicherheit als eine Nebenform zu Pelifchtrm erklärt. Kreti steht bisweilen ebenso geradezu für Philister überhaupt und muß demnach eine philistäische oder ihnen nahe verwandte Gruppe ,bezeichnet haben. Es scheint, als ob ein Teil *<: dieses letzteren Volkes auf Kaphtor zurückgeblieben sei Und der Insel den .späteren Namen Kreta gegeben habe. > Die Festlandsphilister gliederten sich nicht in Stämme, sondern ... in Städte-Fürstentüimer. Vielleicht beruhe dies darauf, daß sie , auch in her Rasse sich von ihren semitischen Nachbarn unterschieden: auf den ägyptischen Bildern werden sie mit geraden. Nasen, dargestellt, und für ihre ausfalliende Größe spricht schon die Gestalt des Goliath. Die Zahl ihrer Städte betrug fünf. . Als sie daher bei , der Zurückgabe der von ihnen erbeuteten Bundeslade, die auf ihr ' Land Unheil über Unheil herabgezogen hatte, als Sühnegaben fünf goldene Pestbeulen pnb fünf goldene Mäuse mitschickten, fügten sie bei. das entspreche der Zahl ihrer Städte und Fürsten. Der Hauptott war das in den letzten Wochen-wieder zur Berühmtheit gelangte?.V Gaza. Hier brachte Simfon den Tempel ihres Hauptgottes Dagon zum Einsturz. In Ekron wurde der Gott Baalzebub. der „Herr der Fliege", verehrt. Wie flolfji der babylonische Turne aus? ' Unter dem babylonischen Turm pflegt der Laie sich einen Ban vorzustellen, der höher als unsere Kirchtürme, aber nicht um ein bedeutendes breiter in den Himmel emporragte. So war aber der Hochtempel von Babylon mit seinen acht Türmen nicht gebaut. Neben der ausgegrabenen Ruine steht uns nicht nur das klassische Zeugnis Herodots, sondern auch eine babylonische . Tontafel ans dem Jahre 229 vor Christus zur Ver- .'F fügnng, auf der der Schreiber.Anubelschunu von Uruk nach eigener Anschauung und älteren Quellen das für ihn Wissenswerte von den Tempelgebieten von Esagila M. und Etemenanki zusammenstellt. Diese Tontafel war schon von George Smith anfgefunden, inzwischen aber verschollen, und ist im Jahre 1913 von P. Sch eil im Original wieder entdeckt. Professor Robert Kol dew e y, der berühmte Erforscher des Zweiftromtandes, behandelt nach Schecks Transkription im Maiheft der „Mi t* W teilnn gen der Deutschen Orient-Gesellschaf t" die interessante Frage aufs neue. Ausgehend von der Erwägung, daß der Schreiber, das Bauwerk selbst schon in ruinenhaftem Zustande vorfand (Alexander.. der Große hatte es hundert Jahre vorher zum Teil zerstört), berechnet Koldewey Breite nnd^Höhe des Hauptturmes vom Hochtempel in Esagila, die nach der Tafel wie nach Strabo gleich waren, nämlich über 91 Meter. 208 „Furchen" (nach einem griechischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.