Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 19 (17.5.1918)
- Date
- 1918-05-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Gew 366 Kr. Hwitz's Aochenfchrlst skr. ft> Präsident -der, ^Hand elskammer B a c z e w s k i, die Diwktvrett' sämtlicher Bankinstitute, Vertretw' fast, Mer jüdischen humanitären Institutionen, die Mitglieder der Bethausverwaltung und 'des Svitalsrates, eine offizielle Wyrdttung der zionistischen Lokalorganisation, bestehend aus dem Vorsitzenden.Sakomon Du ko r und dessen Stellvertreter Jakob Bo d e k, das Präsidium des.jüdischen ZeMrüHÜfskymiteesdas Fürsorgekomitee für jüdische Kriegerwaisen,i vertreten durch den Generalsekretär Prof. Ru d e n z a hl und noch viele andere. Nachdem Oberkanwr S ä itzj, assistiert vom verstärkten Temvelchor, das Haznotomimgebet ergreifend zum Vortrage gebracht, wurde der Sarg unter Trauergesängen vor das Gebäude getragen, wo Direktor Feldstein dem verewigten Präsidenten namens der Gemeinde einen ehrenden Nachruf widmete. Eröffnet von den Zöglingen der jüdischen Waisenhäuser und des Siechenhauses, bewegte sich der Zug imch dem. jüdischen Friedhöfe. Vor dem Waisenhause stimmte der Anstaltskantor Ens er das Et mole rachamimMebet an, worauf der Direktor.Czermak und ein gewesenes Wajsenmädchen dem Wohliäter dieser Anstalt warme Abschiedswortc nachriefen. In der Zeremonierch'a.le hielten die Rabbiner B r au d e und Dr. G n ttmann, ferner, im Namen der Gemeindebieamten Kassier Besen Trauerreden, worauf die Beisetzung in der Familiengruft erfolgte. Das Lebensbild einer edlen Frau. Bon De. Adolf He lurich Landau, Wieiier-Neilstadt. I (Fortsetzung.) . ^'• ' Jütte Benies hing, wie jede Mütter, cur ihrem Kinde. Und wenn Salmenleb selbst schon Großvater war — für sic war er ihr SalnEnlech und sie hatte eine besondere Freude, wenn sie ihn täglich sehen konnte; sie las in. seinen Mienen, ob ihn etwas bedrücke, oder ob er in Aufregung sei, und wischte ihm mehr alseinmal mit sanfter Hand eine Wolke des Zornes we^g; sie nahm Anteil an seinen Sorgen im Geschäft; sie' stellte chm. täglich das gute Essen auf den Tisch, pflegte ihn, wenn ihn einmal eine Krankheu^ans Bett fesselte so aber, wer wird in Wien aus ihren Salmenieb acht geben? Doch Mütter sind wie' Hühner, die' Enteneier ausgebrütet haben. Wögen sie auch, unruhig und schreiend am Ufer hin, und her rennen, die Enten trotzen. jeder Gefahr und' schwinmien achtlos in den Strom hinaus. . Salrüenleb fuhr nach Wien, .altes begleitete ihn zur Bahn und Jütte gab chm ihren Segen. „Wenn ich am Totenbett liege, will ich dich noch sehen," sagte sie weinend, und Sockmenleb beschwichtigte sie mit den Worten: „Ich iverde doch nicht ewig in Wien bleiben." "? I Danchls konnte er wohl noch nicht ahnen, daß er. dreißig Jahre später in Wien sein Grab finden wird. Jütte Benies hatte in ihren letzten Lebensjahren viel darunter zu leiden, daß ihr geliebtes, einziges Kind Mein in Wien weilte. In jenent Wien, rn dem, wie die Chassidim sagten, auch, die Steine ttefe26) jhtb und die Juden keinen Bart und feint Pejes tragen, son-- dern christliche Kleidung und christliche Sitten angenomitten; haben. Wohl hatte die Schwiegertochter jetzt alle Hände voll-zu tun, denn sie Inußle allein das- Geschäft leiten; und Jütte war völlige Alleinherrscherin -b) Bildlich dafür, daß sich — nach Memung der Orthodoren -das Unrituelle auf alles, sogar auf die Häuser und. die Pflastersteine erstrecke. int Hause; aber wenn sie bei Nacht zu' Bette ging und' Salüienleb nicht ins Zimmer trat, um ihr gute Nacht zu sagen, da war ihr so weh ums Herz, daß sie ostganze Nächte hindurch bitterlich weinte. - ' Dreinml im Jahre pflegte Salmenleb nach- .Brödy zu kommen, an den Oster-, Psingst- und Herbstfeiertagen (Jomim tauwim). Da wurde er stets?von allen Angehörigen bei der Bahn erwartet, brachte jedem ein. Geschenk aus der Kaiserstadt mit und saß dann, von allen angestaunt, da und.erzählte immer wieder den neugierigen Besuchern,, wie in- Wien in den Gassen eine. Bahn auf Schienen laufe, daß ntiiten durchdie Stadt Schiffe auf denk. Wasser fahren und daß. bei Nacht in allen Gassen helle Laternen ohne Petroleum und ohne Docht ^brennen, überall aber sehe man so viele Leute, wie in Brody bei einem Jahrmarkt. Auf die bange Frage der alten Mutter, ob es in Wien auch fromme Juden gebe, konnte- Salmenleb antworten, daß nicht nur streng koschere .Gasthäuser, sondern auch Juden mit Pejes und Bekesche zu finden sind, die täglich um zwölf Uhr nachts.Chazoß-?) sagen, und daß Man in Wien jeden Monat auf offerier Straße die „Lewone mekadesch"2^) sei. Jütte Benies Hörte anbchhtig-zu, sah zu ihrem Salmenleb bewundernd auf und merkte gar nicht, daß er die Siirnlocken ganz. hinter den Ohren -versteckt trug und daß er alle Speisen besah und zur'Nase führte/ als ob ihm das pölnischiL -Essen gar nicht mehr' munden würde. Die paar Tage verliefen stets rasch und' das Wegfahren SalMenlebs war. für die alte Frau immer eine arge Pein, sie weinte still vor sich hin und flehte Gottes Segen, auf ihn herab. Aber später mußte fic sich damit abftnden, - daß^ihr einziges Kind nur ..zweimal im Jahre nach- Hause kam, „weit ja eine so weire Reisei wegen dev-beiden Schiebrloitage, .wirklich; rrichtz, daM. stapd? Aber-der Mutter tat das ÄnsAeiben ihres Kindes sehr - weht ' - ' - :?? Dafür aber Hatte die gute Frau ihren geliebten ' Sohn zur Pessachzeit durch fast vierzehn Tage immer um sich. Die große innere Freude^ .die. sie darüber^.empfand, zeigte sie äußerlich ebensowenig, wie etwa den Schmerz über d«M A'enwleiberrihres einzigen Kindes.. Jütte Benies hatte seit dem Tode ihres Gatten stets einen ernsten. Zug im Gesichte, und auch wenn..sie über manche Mußerung oder Handlung der Schwiegertochter Aergernis empfand, konnte man es ihr nicht anmerken: sie'ging in Ruhe ihrer täglichen Arbeit nach, und -nur ein nervöses Zucken der Gesichtsnerven verriet, das innere seelische. Unbehagen. Wenn aber Saln^nleh einmal nach Haufe kam und feiner Mutter über manches Unliebsame, -das er empfand, Klage führte, da war es-stets die edle Frau, die ihre Schwiegertochter in Schutz nahm und mit der anstrengenden Wbeit im Geschäfte alles zu 'enffchuldigen wußte. Denn wenn sie auch persönlich über bo£: kurz angebundene Wesen der Schwiegertochrek wenig , erbaut war, so äußerte sie darüber niemandem gegenüber ein^Wort. Wps.- in den vier' Wänden des Hanses v o rkommt, soll die . rück-sichtslose O e f f e n t l ich k e it mich t e r fahren. Denn die neidische Nachbarschaft lauert aus . jedesG.erausch, das sie zu hören glaubt, und wenn sie einmal rvirklich .etwas vernimmt, dann tritt sie es entspoechend breitt Wer daher über seinen häuslichen Kreis Uebles spricht, schändet sich selbst. - . rv , ~~) Mitternachtsgebete. ' 28) Segen, über den neuen Mond, was unter freiem Himmel angesichts des zunehmenden Mondes geschieht. - rJvUsemiilg - - -