Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 9 (1.3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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ßlr. M Dr. Vloch's Wochpnschrtst Seti«-14^ Hieranß üahm der dßxäsideiri des. Mariahilfer X:utyjl; Vereines- 'Herr Dr. Jakob Engel 'nrit d?c ihni fij.iv nen, Zu Herzen gehenden Beredsamkeit mit Worten tiefsten Dankgejühles und innigster Verehrung für den hervorragenden Funktionär des Tempels Abschied von den, Verblichenen. Als nächster Redner erschien Se. Ehrw.' Herr Rabbiner Dr. Taglicht an der Bahre, uni mit ungemein gefühlvollen Worten seines Schmerzes ob des Verlustes dieses seltenen Mannes, mit dem er durch 21 Jahre in vollster Harmonie gewirkt hat, zu gedenken. Namens des Oesterreichisch-UngariHen Kaniorenverei.ies sprach der Präsident Herr Oberkantor Bauer, indem er für das langjährige Wirken des verblichenen Vereins- Vizepräsidenten den Dank abstattete. ZuM Schlüsse ergriff Herr Oberkanior Dir. M arge n st e r n das Wort zu eurer nach Form und Inhalt gleich gediegenen Würdigung des Verewigten irr hebräischer Sprache, womit er die ungeteilte Bewunderung der anwesenden Sachverständigen hervorrief. Unter dem Vorantritt sämtlicher anwesenden Kantoren und unter den Trauergesängen dieser erlesene,! Sängerschar wurde der Sarg zu seiner letzten Ruhestätte geleitet, wo Prof. Sulz er in schlichten, bewegten Worten dem Heimgegangenen Sangmeister dafür dankte, daß er die'Melodien seines unsterblichen Vaters so hoch in Ehren gehalten und sie mit seiner gottbegnadeten Kunst der Allgemeinheit vermittelt hat. Am Schlüsse der erhebenden Feier rezitierte Oberkantor Morgenstern in geradezu vollendeter Weise das El mole rachamim, und mit dieser herrlichen Gesangsleistung fand die pietäkaolle- Knndgebnng ihr Ende. B—v. Austritte aus dem Judentum. - Vom! 17. bis 23.: Februar 1918. Fischer "istdüs geb. Banjäluka ' (Bosnien), -3. Bezirk.' "Getlgüsse 8. Aleischmänn FriederNe, igeb. 6. November 1898. Wien. 2. Bezirk. Kleine Sperlgasse 1/24. Kraus^.ann Andar, Disponent, geb. 6. Juli 188?. Budapest 1. Bezirk. Grand-Hotel. Lagglls ' Otto, Student, geb. 2. September, 1889, Sarajevo. 13. Bezirk, Wittegasse .10. Neunhauscr Ludwig, derzeit k. u. k. Leutnant, geb. 17. Juni 1696. Wien. 2. Bezirk. Obere Donaustrabe 6. Nücknhr >nm Judentum. Nathan Kanyut aus Mazaruwka bei Grzymatom (Galizien), derzeit Barackenlager Nikolsburg, im Jahre 1909 zum griechischkatholischen. Glauben' übergetreten. kehrte am 25. Februar I. I. mieder zum Judentum«: zurück.' Neunkirchen. Der israelitische" Kultusvocstand erhielt nachirehendc Zuschrift: K. . k.' B e z i r k s h a u p t m a n n s chaft Neunkirche n. Z. 137/3. E. Neunkirchen. 8. Januar 1918. Loyalitätskundgebuiig. * t Au die israelitische Kuttusgeineiude Neunkirchen zu Händen des Vorstandes Herrn Dr. A. Grüner. Advokat in Neunkirchen. Im -Allerhöchsten Aufträge beehre ich mich, der israelitische» Kultusgemeinde Neunkirchen für die anläßlich der glücklichen Errettung ..Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät aus Lebensgefahr zum Ausdrucke gebrachte Lopalitätskundgebung den Allerhöchsten Dank -bekanN'tzugeben. Der k. k. Bezirkshauptmann: '' > ’ - Lukas. Tröster unö Helfer in r>er .Nor geweien, w war er rn der Verbannung - für die Zivilgejattgenm feiner Unvch gebung tätig. ' Rabbiner Dr. Abraham I. Mark, derzeit in Linz, wurde zum Rabbiner in Biala gewählr. Jaslo. In freudiger Stimmung begrüßte' dashiesigeJudentum' seinen -gveifen RgWiner Ehrw. lJofef Hersch Rubin beiseiner Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft, wo er fast drei Jahre schmachtete.. Die. überstandenen Leiden verntochten seinen Geist nicht niederzudrücken.' . Auch in .der Verbannung verstand er, seinen' Glaubens- und Leidensgenossen Trost, Hoffnung und Ermunterung . M spendenz wie er vor dem Kriege seinen GeMemdemiMiedern undzugereistenBedürftigen der Isak Wäger. Bon Marek Scherlag. An einem warmeu Freitagabend eilte der Kulms Vorsteher von Landstadt Jsak Unger mit demneuen Kantor Hermann durch die dämmerige Feldgasse, die zur Donau hinabführt. Schweigend betraten sie dev holprigen Hof des Gasthauses „Zur silbernen Schüssel"'-., gelangten über eine Treppe in eine Dachbodenkammer und von da in einen gewölbten Raum, voll oon Lichter glanz und Mensch enstim men. Eine eigene Stimmung uni sing sie hier und'feierlich! schritten sie bis zu dem mit einen! silbergestickten Samtvorhang perl) Alten Altar, schrein. Hier befand sich rechts das Betpult für den- Kanror, links der Platz des Vorstehers. Dieser musterrw. kopfnickend die Versammelten, etwa fünfzehn , an der Zahl. . Da waren vor allem der kluge Kornhändler Grab-, scheid, der belesene Hnrmacher Beißer, der schwerfällige Eisenlieferant Glaser, der rührige Schochet Stein buch, der bis nun als Borbeter fungiert hatte, und der ge . riebenc Pferdehändler Klein und der Trödler Weisl. , Indessen begann der Kantor, einen kurzen Talles, anlegend, sich zu räuspern, und 'bald erscholl jubelnd, wie Lerchensang, das Lecho daudi-, und selig begrüßten alle die Prinzessin Sabbat. ' Eine Stunde später saß.Unger, dessen braunbärtiges breites Gesicht strahlte, zu Haufe an dem weißgedeckterch Tisch, woraus zwei Sabbatlichter brannten, unbplan derte mit dem blassen, schmächtigen Kantor über dies und jenes, endlich! über die Eintracht, die zwischen Christen und Juden in Landstadt herrsche. Die Tochter des Hauses, blickte plötzlich von ihrem Buche auf, mir einem Unwillen in dem seingeschnittenen Gesichts erhob sich, nahm einen Sabbatleuchter in die Hand und entfernte sich in das anstoßende Zimmer,- wo die Hausfrau schon: vorher sich zur Ruhe begeben hatte. ' - ■ „Störe ich vielleicht?" srug der Kantor leise. - ü „Meine Tochter liest bis in die .späte Nacht," erst luiberte Unger, „sie ist nämlich sehr gebildet." „Auch im Jüdischen?" fragte der Gast.; „Wie man es nrntrUt," sagte Unger verlegen, „übri gens, was braucht ein Mädchen von all den Sache!! zu wissen?"" - ' " „Soviel, daß sie den Sabbat heiligen und ihr Judentum verstehen, schätzen und lieben Zoll,"" ereiferte sich Hermann. . ' „Was mau kann, tut man," meinte der Vorsteher.' „freilich, viel hgr der Schochet hi^r den: Kindern nichl> beigebracht. Dafür wird schon .mein Sohn alles 1er' nen, was da nötig ist. Er besucht nämlich ein Gymst nasium in Wien, wo der Religionsunterricht gewiß-' besser ist."" „Zwar ist Studieren eine sehr schöne Sache,"" bemerkte Hermann, „aber der magere Religionsunterricht allein, genügt'uicht. Die Geschichte unseres Volkes soll reit die Kinder fernen, den Zusammenhang mit der' Ueberlieferung und dem lebendigen Judentum sollten sie fühlen und pflegen, sonst , geh^ das Jüdische in ihnen verloren." . .. v .. . G