Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 46 (30.11.1917)
- Date
- 1917-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ar. 46 Jahrgang Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums o Cr Q K. r Postsparkassenamt Clearing-Verkehr: 810.976 ... oo .... Redaktton und Administration: .Wien > u/i, Praterstraße 9 Telephons 45*359 DO 9l Mm, 30. November 1917 OGo oOdOo »:» Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien. II/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresie: Bloch's Wochenschrift. Wie« Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 30 Kronen Einzelexemplare 50 Heller Anzeigen: Die 2 mal gespaltene Petitzeile 60 Heller DO C\ oG= -So Inhalt: Leita rtikel: Die Angriffe auf die Flüchtlinge. — Aus der Woche. — Der Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Kriegs dekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Die. Juden im Bukowinaer Hausregiment. — Zum Generalmajor befördert. — Eiserne Krone. —' Weitere Auszeichnungen. — Goldene Tapferkeitsmedaille. — Se. Majestät bei dem Szegeder46. Hansinfanterieregiment. — Die Helden in der Schlacht am Monte San Gabriele. — Jüdische Helden im Kaschyuer Friedhof. — Korresp ondenze n: — Palästina in Flammen'. — Aufruf für die Evakuierter in Palästina! — Karlsbad. — Zangwill über Balfonrs Zusage. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem Leben des hohen Rabbi Löw. — Brieffasten. — Inserate. Die Angriffe auf die FtiichlUnge. Bon Hof- und Gerrchtsadvokaten Dr. Heinrich Herbatschek. Wenn man die mannigfachen Aeußerungen und KundMbnngen judenfeindlicher Organe, Hertreter und Hintermänner liest, welche sich Mit geradezu fanatischem Hasse auf die Flüchtlinge ans dem Osten stürzen, .so muß man sehr lange in der Geschichte der Menschheit suchen, um ein Vorbild für diese häßlichen Erscheinungen oder eine ähnliche Fülle von künstlicher Abneigung und leidenschaftlichem Verfolgu.ngswghii.. zu. finden.. Zu dentiefbedanerlich-en Folgen idieses entsetzlichsten aller Kriege gehören die Mischung von behördlicher Duldsamkeit und nationalem Haß, vom öffentlicher Milde und heimlicher Tücke, die Ausbrüche des kriegspsychotischen Antisemitismus und die seltsame Schweigsamkeit der berufenen Körperschasten. „Ich höre solche Tinge nicht"; „was! geht's mich an!"; „ach> bo® geht vorüber" — dies sind die Urteile über jene Reden und Handlungen, von welchen die Seelen der Getroffenen erschüttert werden; dies die abweisende Haltung der Unbeteiligten, welche nicht sehen oder nicht sehen wollen, .wie die Herzen der.armen Flüchtlinge beben und wie gepeinigten Leiber sich' krümmen, weil sie wehrlos sind und ihnen keinRächer, kein Helfer ersteht. Kein einziger der dummen Schwätzer, hat auch bloß eine Sekurwe..lastg in seinem Leben: die Oüal des Emigranten empfunden; er weiß vom Los des vor dem Feinde Fliehenden kein winzig. Stück; er kann nicht fühlen, weil ihm der alte Vater nicht erschlagen der jungeSohn nicht weggeschleppt, das eigene Kind nicht zu Tode mißhandelt, die Habe nicht geraubt - würde. ' GrMht die Tracht nur, er glaubt,- weil seine Kultur, ihn. emporhebt, die Unbildüng verspotten, die Unkultur perachten zu müssen; er will vernichte^ was er kaum begreift, verderben, was ihm unpassend, erscheint. Nicht Menschen sieht er,, nein,' AusgestoßeUe, Rassenfremde, Wilde — ..keine. Brüder, wie es ihn seine 'Religion lehrt. „Ich; wenigstens/" r.ief; einst Martin Luther, „wenn ich ein Jude gewesen .wäre und härte solche Tölpel und Klötze den Christenglauben regieren und lehren sehen, ich wäre eher eine Sau geworden als', ein Christ/" Zu den vielen Ursachen dieser Zustände und Vorkommnisse gehört die JnvMenz der Stammesgenossen und die Gleichgültigkeit der zuständigen.Körperschaften. Dazu kommt freilich, daß die traurigen Verhältnisse, welche der Krieg geschaffen hat, eher eine Verschlimmerung als eine . Besserung des Loses der Unglücklichen herbe isührten, die, der Heimat beraubt, zurückkehren sollen, aber nicht können. So wie das Gesetz ohnmächtig bleibt gegenüber allzu, starken wirtschaftlichen Tatsachen, versagt auch die strengste Strenge bei der glatten Unmöglichkeit, in noch nicht wiedererbauten Stätten, zu wohnen und dem Vieh gleich! auf freiem Felde zü leben. Tie von den Schrecknissen des Krieges unberührt gebliebenen Mitbürger glauben ihre Nächstenpflicht weitaus erfüllt zu haben, wenn sie Mr die Flüchtlinge 'Spenden leisten oder Geschenke machen. Und die Behörden vertreten den Standpunkt, daß man alles getan habe, um das Los erträglich zu gestalten. Auch hört man Stimmen, die von den Nachteilen sprechen, welche das Flüchtlingswesen über uns gebracht. Wenn es sich nicht um so tieftraurige Dinge handelte, müßte man ob dieser' Dinge lächeln. Ohne die Tatkraft einiger mutiger Männer und Frauen wären zu den schon Geopferten im Jahre 1914 Hunderltausende mehr verkommen. Was mutzt alle Barackenwirtschaft, wenn ohne Herz und ohne Gefühl', nur mit Widerwillen und Antipathie geholfen wird? Das Generalisieren war noch nie zuvor so ausgeprägt wie - gegenüber den Juden aus dem Osten. Einigen gelang es. durch rasches Erfassen der . Lage und FindiAeit zu Vermögen oder Verdienst zu kommen, flugs würden alle ohne Ausnahme zu. liegendes' Gut, und schon hieß es, daß wir überflutet und verschlungen werden. . GD -L CD D3 S v» 55* CD I-S SS CD O SSV m CD bL CD o rs CD 5? CD C£& «L SS 5» CD