Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 31 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 502 Dir. Bkochj's geringste Ändern können, int' Gegenteil. Doch den Juden müßte sie allerorten die Augen ö ffnen und ihnen beweisen, wie es Mit der aklAemein so sehr gepriesenen Sympathie für sie im Inselreich,, vrit dem „gelobtenL;anb" in Groß-' britannien in Wirklichkeit be stellt ist. Sie müßte ihnen beweisen, daß in dem Augenblick, wo die.dortigen Juden im Interesse des Staates und der Allgemeinheit gegen die landl äUfigen Irrtümer, nusKutreten wagen, sie -sich den Gefahren Haristischer Verschwörungen und Verfolgungen aus setzen. Und sie müßte den Mythos und schreienden Widerspruch endgültig zerblasen, daß ein Land, dessen Juden gewissermaßen unter das Damoklesschwert gestellt werden, ihnen gleichzeitig zu einem eigenen freien Staatswesen verhelfen soll! Die Iudenfrage in Guglarrd. Eine ProtestvierMUlMlung russischer Emigranten. — T!er Mi Hk' Bord. — Pogrowe in englischen Landstädten. — ' Eine Wirkung der LnUangrisje auf London. — Ein MiHxs Znsanterieregiment. Als Nikolaus Romanow noch den Thron des heiligen Rurik imrehatte — es ist noch> gar nicht so lange her, obzwar eine.Ewigkeit seit seinem Sturz durch die Revolution verflossen zu sein , scheint —, gestattete die englische 'Regierung den in England befindlichen russi^- schen Juden, die unter Väterchens Fahnen nicht käinpfen wollten^ in scheinbarer Großmut , den Eintritt, in die englische Armee. Jetzt, da der gehaßte Zarismus, wie Hegel gesagt Haben würde, zu einer blassen historischen Kategorie geworden ist, haben die von ihm über den . Ozean gehetzten armen. Menschen den Wunsch, in das Land zurückzukehren, das .sie trotz aller - Wunden, -bte cs ihnen schlug, als Vaterland empfinden. Aber die englische Regierung sagt nein! Sie kann die russischen Juden sehr gur^ als" Kanonenfutter brauchen und hat nichtdie mindeste Neigung, sie an die russische Revotutionsarmee abzugeben, in die sie eintreten wollen. In London fand dieser Tage eine große Versammlung statt, die sich! mit diesen Dingen beschäftigte, und: auf der verschiedene Umstände zur Sprache kamen, aus denen hervorgeht, daß ein wüster Antisemitismus in England das Haupt erhebt, der an Niedrigkeit der Gesütnung und Methoden - an die übelsten Traditionen russischer Observanz anknüpft. .Die Versammlung sand in. Whitechapel statt, dem Londoner Ghetto, aber nicht in dem Lokal, wohin sie eiirberufen worden war, da der Wirt, dem Druck der Behörden weichend, sich weigerte, den bereits bezahlten Saal zu öffnen. Den Vorsitz in der VersankMlung führte Lord S h e f f i e l d, der bekannte, jüdische 'Philanthrop, gegen Den die Northcliffe-Presse darauf natürlich prompt ein scharfes Kesseltreiben eröffnet hat. Die Eröffnungsrede hielt in jüdischer -spräche der Sekretär der, Londoner Zionisten. Unter stürmischen Demonstrationen der Anwesenden, die nach vielen Tausenden zählten, protestierte er Mit leidenschaftlichen Worten gegen das: völkerrechtswidrige Verhalten.Englands, das in den russischen Jüdan Bürger einer fremden Nationalität. zu Kriegsdiensten zwinge. ein Vorgang, der übrigens ein würdiges Gegenstück in dem Verhalten der rumänischen Regierung oder dessen, was von ihr übrig. , geblieben ist, finde. . Lord Sch e f f ix l d erklärte darauf.''. es. sei ein nichtswürdiges Unding, wenn.irgend eine Regierupg von Männern, die 'sie nicht als Vollbürger behandelt, die ErffUUng der letzten 'Bürgerpflicht,''den' Tod.an Waffen, zu verlangen wage. Kein russischer Jude dürfe gezwungen werden, in englische oder rumänische Kriegsdienste zu treten, wenn er sich bereit erkläre,'. 'seine Dienstpflicht Wochenschrift Nr. 31 seinem eigenen Vaterlande gegenüber treu zu erfüllen. Schließlich wurde die folgende ^Resolution angenommen: 1. Die Versammlung protestiert gegen die völker- ■ rechtswidrige Pressung russischer Staatsbürger jüdischen - Glaubens zu Kriegsdiensten unter nichtrussischer Fahne und: veiüangt Erleichterungen zum Zwecke 8dr Rückkehr rirssisch-er Jüderr und ihrer Familien nach Rußland." 2. Die englische Regierung perstößt gegen: die von ihr offiziell vertretenen liber,a.lW, Grundsätze insofern, als sie es duldet, -daß. in England antisemitische Tendenzen 5 Platz greisen, als sie nichts tut,' um Tendenzen dieser. Art, die sich in anderen alliierten Ländern (Frankreich?) breitmachen, zu bekämpfen. 3. Die in englischen Militärdiensten stehenden russischen Juden sind, sofern sie es wünschen, sofort zuche-! . sonderen Formationen, unter nationalem Kommando zu-' samMenzufassen und mit tunlichster Beschleunigung zur Verwendung an der russischen Front, im Falle, der Frontdienstuntau glichke.it im russischen Hinkerlände ,zu verwenden. Ungeheure Aufregung bemächtigte sich der Versammlung, als Nachrichten über die pogromartigen Unruhen verlesen wurden, die in L e e d s und anderen englischen Provinzstädten in wachsender Häufigkeit Vorkommen. Der Abgeordnete King hielt eine Rede, in der er unter anderem .ausführte, die englische Demokratie hätte sich während des Krieges so. unglaublich verändert, daß sie gegenwärtig dem zarischen Rußland ähnlicher sehe als sich selbst. Er stellte eine scharfe Interpellation im Unterhaus in Aussicht und versprach, dafür zu sorgen, daß der Wunsch, der Versammlung, sobald als möglich nach Rußland zurückzukehren, in Erfüllunggehe. Mit den: Wunsche nach baldiger Wiederkehr friedlicher Verhältnisse schloß ditz Versammlung. Aus dem'„Star" vom 14. . v. M. geht hervor, daß. die,. Judendes,-östlichen Teiles von ^London nach Leeds und Manchester aus 'Angst' vor Äuftäng rissen' aus- ) wanderten. Hunderte von Juden aus Whitechapel, Mile End, Spiralfields und Shoreditch sind von London verzogen, und die, welche' zurückgeblieben sind, befinden sich in großer Unruhe. — In Margate stehen 700 Häuser leer gegen 12 im Lahre 1914. — Außerdem werden der Stadtteil Stepney und die Straßen Ärick-Läne und Hanbury-Street erwähnt.. Man fürchtet, daß durch die Auswanderung die Mäntelkonfektion viele Arbeitskräfte verlieren wird. ... Das Londoner Kriegsamt teilt mit, daß demnächst ein jüdisches .Infanterieregiment gebildet werden wird. Die Offiziere müssen jiddisch oder russisch sprechen. Die Regimentsfahne soll das Wappen des Königs David zeigen. (Reuter-Meldung.) Kriegsdekoralronen jüdischer Hfstziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration in Anerkennung vorzüglicher , und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde dem Regimentsarzt i, Eb. Dr. Isaak C h o t i n e r, vet CHartiner, Res.-Spital; dem' Ldst.-Oberarzt Dr. Mi-, chael Rosenbaumi Jnf.-Div.; dem Oberleutnant Armin Na'schiU Mil.-Verw altun g; d a s. Mi l i t ä r v e r d ien st kr e uz 3. K lasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern für. tapfe'res Verhalten dem Oberleutnant d. R. JosefFischer, J.-R.; dem Leutnant d. R. Dr. jur. Moritz Thsier selch, J.-R.; dein vor dem Feinde gefallenen Leutnant, d. R., Tr. für. Moritz S zü cs, Fest-Art^Reg.) den Leutnants d. 'R. Wilhelm Nosenbacher, Feldkanonenreg:,