Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 25 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 25 Serie 415 Tr. Bloch'S Wochenschrift Doch ich wende mein Augenmerk auf beit 'herzerheb enden m;d eilt Wonnegefühl auslösenden Teil des Berichtes Mer die Hilsstätigkeit. Dg begegnen wir imponierenden siebenzifferigen Kolonnen, die von der großen Mischen Heilsarmee \32 mobilisiert und konzentriert wurden, unter der Parole b* ■HD Hi jüdische Solidarität, jüdische Barmherzigkeit ist der Wjahlspruch unseres Vereines, er ist auch der Wahrspruch, der die Zeit der allergrößten Not ein großes Geschlecht hochherziger Menschen hat finden lassen, der ein festumfassendes Band »M die Judenheit schlingt, dieser Wahrspruch hat unsere Brüder und Schwestern jenseits des großen Ozeans enthusiasmiert, daß sie in einer Versammlung ihr Geschmeide zu Berge häuften und im Gegensätze zu ihren Voreltern in der Wüste das goldene Kalb aus dem goldenen Altar jüdischer Bruderliebe opferten und .so die Verwaltung durch Spenden von Millionen in den Stand' setzten, unsägliches Elend zu lindern. Und so sehen wir, daß die Allianz, von dent Vertrauen der jüdischen Welt getragen, in die Lage gesetzt wurde, den immer mehr erweiterten Pflichtenkreis 'voll und 'ganz auszusüllen und!z!u ermöglichen, daß das Wollen und Können gleichen Schritt mit deM kategorischen Imperativ des Müsfetts halte. Und-daß diese große Idee verwirklicht werde und diese edlen Intentionen in die Tat umgesetzt werden, haben wir den Männern zu verdanken, die an der Spitze der Allianz stehend, mit offenem Kopfe und warmfühlendem, echt jüdischem Herzen ihres heiligen Amtes walten, die in Würdigung der besonderen Wichtigkeit ihrer Obliegenheiten ihr bestes Wollen und Können in den Dienst der übernommenen Pflicht stellen." Als - Obiniann der seit Gründung der Allianz bestehenden Filiale in' Brody, der vor Jahrzehnte dieses Ehrenamt in dieser als Grenzstadt wichtigen Einbruchsstation bekleidet und daselbst viele Etappen in dem Entwicklungsgänge der Allianz mitgemacht hat, stellt er den Antrag, dem Vorstand der Allianz und dann dem Vereinssekretär den Dank zu 'votieren und schließt mit dem Wunsche: „Mögen all die ungezählten Unglücklichen, die in der tränenreichen Zeit der Leiden durch die ihnen zugewendete Hilfe den Grundstein zu ihrer Existenz legten/ sich gar bald freudigen Herzens und frohen Sinnes des besten'Erfolges-erfreuen. Und daß der nächstjährige Bericht der Allianz zum großen Teil die Tätigkeit wählend der Friedenswirtschaft beinhalten Möge, das walte Gott!" Herr S. Bettelheim überbringt der Wiener Allianz Friedensgrüße aus Newyork. Er war bei der jüngsten Jahresversammlung der Newyorker „Kehilla". Die Konvention stand gänzlich! im Banne der Kriegserklärung und der Begeisterung für die russische Freiheitsbewegung. Ein besonders stimmungsvoller Moment entstand-vor dem Schlüsse der Konvention. Der Vorsitzende Dr. I. L. Magnes richtete da eine herzliche Abschiedsrede an den Redner, der im Begriffe siehe, nach Europa zurückzureisen. Er dankte dem Scheidenden für seine rege Anteilnahme an dem' jüdischen Leben und entbot im NaMen der Konvention den Brudergruß an die österreichisch-ungarischen Juden. „Sagen Sie unseren Brüdern in Oesterreichi-Ungarn," sagte Dr. Magnes unter stürmischen Beifallskundgebungen, „daß der Abbruch! der Beziehung das Band der brüderlichen Liebe sticht zerschnitten hat. Wir flehen um einen baldigen Frieden, welcher die namenlosen Leiden der Menschheit endigen und wieder ein brüderliches Zusammenwirken inr Dienste der Menschenliebe ermöglichen wird." •. Es gehörte ein starker Mannesmut dazu, inmitten der entfesselten Kriegsleidenschaft, nachdem Wilson den Juden die lockendsten Verheißungen gemacht hat, einen solchen Friedensruf auszustoßen. Redner spricht mit Begeisterung von dem großen Hilfswerk des amerikanischen Judentums!, in welchem Edelsinn und Treue die höchsten jüdischen Tugenden in herrlichster Blüte offenbarten. Er schätze sich glücklich/' die Botschaft der Bruderliebe von jenseits des Ozeans der Generalversammlung zu überbringen. Rabbiner Dr. Feuchtwang stattet dem Vorstand der Allianz und dem Sekretär Dr. K a m i n k a den Dank für den unendlichen Segen ab, den sie schaffen, den Samen des Guten,- den sie ausstreuen. Redner ruft zur Vereinigung aller jüdischen Kräfte auf zum Zwecke wirksamer Abwehr angesichts der wild anstürmenden Gehässigkeiten, deren Maßlosigkeit Redner durch Aufzählung von Fakten illustriert, die mit Rücksicht auf die .Zensur an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden können. Die Judennot unserer Söhne, die im Schützengraben kämpfen, der Verwundeten, der zu Krüppel Geschlagenen oder mit allen Auszeichnungen Heimkehrenden — ihrer aller Judennot ruft zur Vereinigung, zu Schutz und Abwehr. Möge der Ruf aus dieser Versammlung in die Gemeinde hinausd ringen und in den Herzen unserer bedrohten Glaubensbrüder Widerhall finden. Der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. Artur K u r a n d a, dankt allen Rednern für die an die Adresse des Vorstandes gerichteten Worte der Anerkennung. Allein dieser Dank gebührt den Glaubensgenossen, welche die Mittel für das umfassende Hilfswer? spenden. Vor allein' gebührt der Dank den amerikanischen Wohltätern, vor deren einzig dastehende beispiellose Großherzigkeit wir in Bewunderung erstaunen und deren freundliche Grüße wir erwidern. Die dankenswerte Anregung des Herrn Rudolf Fuchs werden wir den Vereinsmitgliedern zur Beherzigung übermitteln. Nach einstimmiger Genehmigung des Rechenschaftsberichtes, des Berichtes über die Finanzgebarung und Bilanz werden die .turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder Prof. Dr. S. EhrMann, Hofrat Camilt Kura n d a, Dr. Arthur K u r a n d a, Dr. Alfred Ledere r,- Julius Wolf per Akklamation wiedergewühlt, worauf der Vorsitzende, Herr Dr. Kur and a, die Generalversammlung für geschlossen erklärt. ^KneMvaisenheim" des „Kaiserin Elisabeth-Heim' für Kriegswaisem Lehrmädchen und Arbeiterinnen". Der gefertigte Verein, der seit zirka 20 Jahren in Wien besteht und auf dem Gebiete der Jugendfürsorge schon Ersprießliches geleistet hat, hat — geleitet von dent Bestreben, das traurige Los der leider nur allzu zahlreichen Kriegswaisen nach Möglichkeit zu lindern — das an sein „Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim", II., Malzgaffe 7, anstoßende Haus angekauft/ um dasselbe in ein Kriegswaisenheim - umzuwandeln. . Die Adaptierungsarbeiten sind fast vollständig vollendet und soll das Haus in kürzester Zeit seiner Be-- strMmung zugeführt werden. In den Heimstätten des Vereines werden sonach 150 Waisenkinder nach gefallenen Kriegern im Alter von 8—14 Jahren ein Heim finden, volle Verpflegung, Bekleidung und Erziehung unentgeltlich erhalten und die in der nächsten Nähe befindlichen Schulen besuchen. Nach Wsolvierung der Volks¬ und Bürgerschule können diese Schützlinge in das Lehrmädchen-Heim des 'Vereines ausgenommen werden. Die nach Vollendung chrer Lehrzeit zu Arbeiterinnen oder sonstigen Bernsen ausgebildeten Mädchen verbleiben in dem dem. Lehrmädchenheim'angegliederten Arbeiwrinnenheim so lange, bis' sie in der Lage sind, sich selbst zu