Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 24 (22.6.1917)
- Date
- 1917-06-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 24 Gr. Estoch'S Wochenschrift' Seite 403 Fremde Sprachen in jüdischer Schrift. -Bon Matthias Mieses. E) Spanisch. Eine viel tiefer,, sowohl in zeitlicher wie in numerischer Hinsicht ins Leven der Juden eingreifende Stellung als die aller Sprachen des mittelländischen, mittelalterlichen Europa nahm das Idiom der Kastittier ein. Die Sprache Lopa de Vegas wird noch? heute von .einerguten. halben Million,, meist integraler Juden, in Westasien,? Nordafrika, aus der Balkanhalbinsel und in zahlreichen spagnotischen Kolonien Mittel-und Westeuropas gesprochen. In Wien im Türkentempel in der Zirkus-, gasse wird noch? bis heute spanisch? gepredigt. Das spanischredende Judentum ist auch im Besitze einer ziemlich umfangreichen Literatur in spanischer Sprache und Wischer Schrift,? die weit an Bedeutung .die spezifischen Judenliteraruren Byzanz',? Italiens, Nordfrantreichs und der Provence Wertrisst. Eint biblio- . graphische Uebersicht der-Wisch-spanischen Literatur gab Gsünbaum^o) - ' Fast die gesamte Wisch-spanische Literatur entstand in der Zeit nach der Vertreioung der Juden aus der liberifchen Halbinsel in der verschiedensten Herren Ländern, im fernen Auslände. Doch war diese territoriale Trennung nicht im geringste Ursache der Schriftverschiedenheit der lspezififch Wdrichen Literatur in der Sprache der Hidalgos. Die Anfänge der Wifcht-spanischen Literatur reichen bis in die Zeit vor der Vertreioung durch Ferdinand den Katholischen zurück (1492). Es hat sich ein spanisches Gebetbuch? in Wischen Lettern aus dem 14. Jahrhundert erhalten/o) wie auch vier Priese derselben Art Ms der Zeit kurz vom der Ve.rbMnnng?^)' Erlvähnt wird eine Wische Estherrolle in spanischer . Sprache im Jahre 1345 in Saragossa,? doch läßt sich aber ihr graphi;ches Aeußere nichts aussagen/ da unsere Quelle darWer vollHindig-' schweigt^ .doch, war es höchstwahrscheinlich hedräisch.^^) Das erste Wisch-spanische Druckwerk erschien noch: zu einer Zeit/ als die Generation, die Spanien Iverließi,? noch am Leben war (1509). Spanisch, wurde von Juden auchim Mittelalter zuweilen mit lateinischen Lettern geschrieben,, aber nur dann,? wenn die Schreiber in einem christlichen Milieu erzogen wurden und formell ganz christianisiert waren, Dre spanische Literattcr auch der Marannen war lateinschriftlich.; , ' * Das integrale/ spanische Judentum, das die Schule , des Scheinchristenmncs nie durch gemacht hat und soufort nach der BerMndigung des Ausweisungsdekretes im ^Jahre '1492 dem 'stiefmütterlichen Vaterlande den Rücken lehrte,? lebte in einem bewußten Schiristgegensatz, zu der nach außen christianisierenden Maranneniudenschaft. MarannoWische/ lateinschristliche Bücher in spanischer Sprache wurden für die traditionstreuen,? rnckgratstarien Juden in hebräischer Schrift umgeschrieben oder umgekehrt/, wollte man den Marannen ein heoräischschristliches -Buch in spanischer Sprache zugänglich machet!, so mußte man diese im lateinischen Alphabet umschreie ben. Die in hebräischer Schrift im Jahre 1547 in Konstantinopel erschienene spanische Bibelübersetzung wurde 79) M. Grünbaum: Jüdisch-spanische Chrestomathie. Frankfurt ,a. M. 1896. Ozar Jisrael: Hebrero Encyclop., V, 73. S1) Francisco Fernaydez y Gonzal^: In LoUetiu de la Real Academia de' la historia. Tome V fase., p. 299. Madrid 1884. Revue des Etudes juives X 243c 82) R. I. B. Sch.: Responsen Nr. 348, p. 107.. Lemberg 1805. in Ferrara im Jahre 1553 neu in lateinischen Charakteren abgedruckt. Das Buch /.Regimento de la Vita ', das im Jahre 1564 in Saloniki in rabbinischer Schrift das Tageslicht erblickte, bekam in der Amsterdamer Druckpresse im Jahre 1729 eine lateinschriftliche Uniformierung. Das Hohelied von Lanado erschien in Venedig (1619, 1654, 1801) in Wischer Schrift, im marannen- Wischen Amsterdam in lateinischer Schrift. Ebenso bekamen die bei der spanischen. Jndenschaft populären „Orden de Oraciones" schon eine hebräische, schon eine lateinische Umschrift/ je nach dem Publikum. ,ür das es bestimmt war.83) Die spanische Literatur der Juden der Neuzeit entfaltet in zahlreichen Zeitschriften/ Broschüren, Dichtungen (Coplas de Joseph/ Cantaras, roscas) und ernsten Abhandlungen eine rege Tätigkeit. Obwohl ihr Hauptsitz der Balkan,? besitzt diese Literatur Beziehungen auch zur westeuropäischen Welt. Im letzten Viecteljahrhunderr wurden viele französische Werte (Dramen von Racine, Moliere. Novellen, Grzcchlnngen), wie auch engli.che (Historia universal), in die Sprache der vielhnndectiährigcn Exulanten der iberischen Halbinsel übertragen, alle im hebräischen Alphabet.^) Die. Schrift bildet keine für die Kultur unübersteigbare Schranke zwischen Ge.ncinscyajteu. Die Schrift ist das Kennzeichen einer anderen Verschiedenheit, als der der Profankultur. F) Deutsch. Kein Idiom erfreute sich je der weitesten Verbreitung bei den Juden, wie das des arischen Mitteleuropa. Von allen spezifisch Wischen Literaturen in den Sprachen der Arier ist zweifelsohne bei weitem die größte die der deutsch redenden Judenschaft. Diese besteht aus zwei Flügeln, aus einem jüdischf-mundartlichen und aus einem hochdeutschen, beide im Wischen Alphabet. Der .altere, bedeutend umfangreichere und zähere Teil der - mit - - hebräischen - Charakteren geschriebenen ge r manisch-sprachlichen Literaturen, ist der Wisch-mundarttiche. Ausführliche Geschichtswerke Wer die Wisch-mundartliche, dann nnch linguistisch selbständig gewordene jiddischgermanische Literatur wurden in neuerer Zeit mehrere ausführliche Darstellungen veröffentlicht von Karpele§,85) Wieners«) Pines.p) Die mundartliche deutsche Literatur der Juden in hebräischer Schrift schaut bereits auf eine ununterbrochene Entwicklung von sechs, wenn nicht mehr Jahrhunderten zurück. Die ältesten deutschen Handschriften im jüdischen Alphabet stammen aus dem 14. (Hebersetzung desMach sor), bezw. 15. Jahrhundert (Sefer ha-Gan von Jsak ben Elieser, das Sefer Hamusar von Simeon ben Juda?b) eine Uebersetzung einzelner Bibelpartien aus dem Jahre 1421 Ms. Mantna.^u) eine medizinische Abhandlung aus dem Jahre 1499. die Eintragungen in den Gemeindebüchern Zürich. Breslau und Wiener-Neustadt aus dem Jahre 1383—85, bezw. 1435, bezw. 1491—97). Ein jüdischer Gelehrter. Rabbi Jakob Levy in Mainz, erwähnt im Jahre 1427 Wischf-deuische Lieder über die 613 Gebote des Wischen RituIkodexes.oo) Die Wischi-deptsche Literaturgattung war bereits um die Mitte des 15. Jahrhunderts so weit entwickelt und zu einer literarischen Selbstverständlichkeit geworden, daß als damals der TalnmdWger Josef ben Mose sich weigerte. Kollekraneen feines Lehrers Israel Israels nieder- 83) Jewish Encyclop.: III, 186. “) Jb.: VH. 326. 85) Karpeles: Geschichte der jüdischen Literatur. II. 86) Wiener: The history of Yiddish Literatute .New York 1899 87) Pines: Histoire de JaLitterature judeo-.dlemande Paris 1911 38) Jewish Encyclop.. VII, 309. 39) 1. c. All 191, 90) R. Jakob Lewy: Kommentar zur Mischna, I, 17. Steinschneider: Archiv für das Bibliothekwesen. II, 13.