Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 12 (23.3.1917)
- Date
- 1917-03-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Sette 178 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 13 bei Bielki, bei welchem der Zar, die Zarin- und der kleine Thronfolger mit unter den Trümmern lugen, das Attentat im Kiewer Theater, wo Stolypin unmittelbar neben der Hofloge, beinahe als; Sitznachbar des Kaisers: und der Kaiserin, in Gegenwart ihrer, beider von der Kugel getroffen wurde». . . Dazu die. fürchtEchen Niederlagen in Ostasien, die Revolution im Innern, die gar kein Ende nehmen wollte. Am 26. Mai 1904 veranstaltete die Petersburger Gesellschaft zahlreiche Festlichkeiten, als am Jahrestag der Zarenkrönung. Auf dem Kriegsschauplatz in Ostasien haben mit selben Tage die Heere des Zaren in einer der blutigsten Schlachten eine schmähliche Niederlage erlitten. Und die Schmach dieser Niederlage beschloss er im Blute der Juden abzuwaschen. Absurde Träume nannte Nikolaus II. den Wunsch der Semstwos nach einer Verfassung und den auflodernden Haß der Massen gegen seine Grausamkeit glaubte er immer noch mit Erfolg auf das Haupt der Juden abzulenken. Nun hat chn die Katastrophe erreicht. Ruhtn-- los, kampflos, widerstandslos ist er von seinem Platze gewichen. Kläglicher war noch nie der Ausgang eines Monarchendaseins. Der Selbscherrscher mit der blutbefleckten Krone ist der Gefangene seiner von ihm mit ausgesuchter Grausamkeit mißhandelten Untertanen. Welches Geschick harrt seiner? Nennt es, wie ihr wollt, nennt es das Gericht der Weltgeschichte, nennt es ein göttliches Wunder oder ein Gesetz der- Kausalität, aber die Tatsache steht vor uns, furchtbar, grausig, erschütternd: die Tatsache einer ungeheuren Sühne für eine ungeheure Schuld. Wir aber wissen, daß die Geschichte des jüdischen Volkes nicht in Rätseln spricht, daß die Feuersäule uns noch immer voranzieht auf unserem Wege und daß sie verheerend und versengend sich niedersenkt auf die Be? dränger und Bedrücker unseres Volkes; wir wissen, daß der schirmende Gott, der einst die ägyptische Tyrannei, in den Wellen des Meeres begrub, noch immer sich ankündigt in gewaltigen Zeiten. Man muß nicht an Wunder glauben, um diese Zeichen zu verstehen, um die strenge Gerechtigkeit zu begreifen, die vor unseren Augen waltet. Es vollziehen sich ja nur Tatsachen, diese Tatsachen aber sind wunderbar wie die Wege Gottes. Von der Gottesoffenbarung auf dem? flammenden Sinai, unter Posaunenhall, Donnergrollen und Erderschiütterung erzählt die Schrift (2. B. M. 20, 18): „Und das Volk sali, erbebte und stand von Ferne!“ Auch in dem grandiosen Strafgericht zu Petersburg vollzieht sich eine Gottesoffenbarung, und es trifft wiederum zu das Schristwort: „Israel sah, erbebte und stand von Ferne!" Und der Leidtragenden müssenwir gedenken, die hinter dem Sarge des verendeten Zarentums leidvoll einherschreiten. Der schreckliche Weltkrieg, der soviel Unheil über die europäische Menschheit heraufbeschworen, soviel namenloses Elend über die Völker gebracht, hat im Nikolaus II. den eigentlichen Urheber in .seinem Abgrund verschlungen. Man sollte meinen, daß ein solches' Weltgericht der: Weltgeschichte unsere Patentpatrioten mit dem Sturz des Tyrannen versöhnen würde. Indessen die Artikel der „Reichspost" in den letzten Tagen atmen schwere Wehmut. Der Zar war der Hort aller Reaktion in Europa und den Fall des Zarentums können Nutznießer der Reaktion nicht verwinden. Fassungslos stehensie einer Umwälzung gegenüber, die hart jenseits unserer östlichen Grenze die größte DemMatie der Welt; den Freistaat eines 476 Millionen-Volkeseinleiteteinen' Freistaat, wieeran Ausdehnung, in der Geschichte kaum seinesgleichen hat, mit den ketzerischen Grundrechten der „Religionsfreiheit", der ^Redefreiheit", den „Preßfreiheit' ujiu.,. dm alld Eingebungen des Teufels) Md, Maß vor Petersburger. Gerichten, nunmehr auch; Mische; Advokaten; plädieren' dürfen, bild-et-Mr die„.ReLiMwA^dLm Beweisf. daß die JudLnbefreimrg Hauptzweck der ganzen Revolution war — „der Hauptzweck des Umsturzes" (18. März 1917). Und die „Ostdeutsche" sekundiert: „Da Wird ja der eigentliche Zweck des Umsturzes klar!" Also; spiegeln sich die gewaltigen Geschehnisse in diesen Gehirnen ab, die Schergen, des Zarentums waren die Hoffnung aller Reaktionäre. Noch! am 17. Februar brachte die „Ostdeutsche Rundschau" einen Artikel, der die inneren geheime)! Gedankengänge dieser Sorte Patrioten enthüllt: „In. Petersburg hat um die heilige russische Weihnachtszeit, herum ein Kongreß des hohen Adels stattgefunden, von dem unsere sonst so gesprächige Wiener Judenpresse auch nicht.eine Silbe verlautbart hat. In der Kunst des Totschweigens sind diese Leute, die sonst jeden Quark breittreten, bekanntlich, unerreicht. Auch die reichsdeutsche Händlerpresse in Frankfurt a. M. und Berlin hat sich gehütet, über diesen Adelskongreh zu berichten; ebenso, schweigsam war Reuter, ber sonst alles für die Inden -Günstige rund um den ganzen Erdball kabelt, ebenso verschwiegen hat die Agen ce Havas den Kongreß behandelt; und oer russische amtliche Draht war ^gleichfalls mäuschenstill. So weit geht heute schon die Macht des Judentums bei unseren Feinden!" „Aber über Stockholm ist nun doch die Nachricht durchge- . sickert, dah sich dieser Kongreß des hohen Adels besonders mit der Judenfrage beschäftigt hat. In einmütigem Zorn haben die Vertreter des russischen Hochadels .festgestellt, dah die Juden im Heer „ v o l l st ä n d i g versagt" hätten, dah die Fahnenflucht unter ihnen geradezu eine -erschreckende Höhe erreicht habe und dah T an send e (!) von- Ihnenals Spione und Deserteure füsiliert worden wären. Der Adelskongreh hak daher beschlossen, im Gegensatz.zur j,udenf.reund.l.ichen (!) Reichsduma — die bekanntlich von dem britischen Botschafter Buch a rra n geistig beherrscht, wird — an den Zaren die. Bitte zu richten, die Juden f ü r a lle Zeit en -vy m r ns fisch eit Heeresdienste a N'^zm-s ch-kri-eeh em." Aus denselben Gründensollensie von allen anderen öffentlichen Aemtern ansge schlössen. sein: Siedürfen also nicht Lehrer. Aerzte, Advokaten oder Professorensein:. Auch jetzt in den schrecklichen Kriegswirren hat sichwiedergezeigt; dah die Juden die TragE L?eis ire-wolntronären Geistes seien." Der Jude, der >in feiner Religion seit. Jahrtausenden streng orthodox und. zäh klerikal ist, verhöhnt und bekämpft die orthodoxe und klerikale- Kirche der- Th r istem. Schon ans diesem Erunde dürfen wir ihn jm heiligen Rußlandnicht mehr dulden."; Die „Ostdenffche" fügt diesem Artikel hinzu: „Wir bitten die Leser unsserer ,,.Ostve)m4s,ch:e^n R-Niwd;schau "; sä-chdn-eftenr Wn fts-crtz a u fa uche b e n: E's wvrrw ein miack wie Stnirwa klo iwm>en, iin u-ir? d ie!Kri eg sg,e n s n r Kesta tttet; üL e tr wi-as e Girmgra V'e We s- Hoch ade ls ein offenes Wort zu reden:" In der Tat ist dieser Artikel' der. „Ostdeutscher" vom 47. Februar nunmehr ein historisches: Dokument gelvorden; zur. Einschtitznug- und Würdigung unserer Deutschnationalen, die mit den christlichsozialen; Bnndesbrüdern: dm letzten; vereinsmnten. Repräsentanten, der; Reaktion in Europa verbleiben. Wir. begxeifem ihre Wehmut und haben Verstand-, nis für. ihre, Verstimmung; angesichts der- Ungchenerlich? feit der Geschehnisse' im PeMsburg — dm erneuert Zeugitisse sind der Verkündigung, hebräischer Propheten; daß:es keinen Dränger; gibt,, aufdessen- Haupt die Drangsal nicht zurückfährt. - „Die S trmfe. und; die.' S ch ml d begegnen sich, Vvn dem MagM des Schicksals) anMö geir,. Und wären sie durch; Meere selbst; getrennt,, i. An einem Ziele müffen fte sich findM."