Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 10 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 146 Dr. Bloch's Wochenschrift" Nr.k io laut' unverkennbar die äußerste Hochachtung sprach, die nmn für die Aufopferungsfähigkeit und überhaupt den Men Charakter der betreffenden Personen fühlen Mußte. Auch beteiligen sich die Frauen und Töchter unserer jüdischen Mitb-iMer in bereitwilligster und ausdauerndster Weise an der Pflege der Verwundeten in den Lazaretten. Insbesondere aber hat auch gerade Deutschland alle Ursache, sich über die lebendigen Sympathien zu freuen, die seine Sache in diesem! Kriege bei der jüdischen Bevölkerung auch! außerhalb der Grenzen des' Meiches in den östliche und südöstlich von ihm liegeirden Ländern gefunden hat und airdanernd findet. Denn unzähligemale haben unsere Truppen auf chren Märschen Auskunft über Wege oder den Fundort von'Nahrungsmitteln durch Juden erlangt, weil diese nicht bloß unglaublich weithin einigermaßen die hochdeutsche Sprache zu gebrauchen wissen, sondern auch in ihrem' jüdischdeuffchen DialeN sich mit unseren Soldaten verständigen konnten. Der Besitz dieser Murrdart ist ja überdies auch schon an und sstr sich eine Spur des unzerrisseneN 'Zusammenhanges mit den deutschen Stämmen, aus deren Mitte die Vorführen der ostländischen Juden einstmals ausgewandert sind, und ein nachglimmendes Herdfeuer der Dankbarkeit für die einstmals in Deutschland genossene Gastfreundschaft. Welcher wichtige Zunder aber darin für die sich weiter nachdem Osten Hin ausbreitenden Tendenzen des deutschen Einflusses enthalten ist, braucht allerdiWs gar nicht weiter ausgeführt zu werden. Ein besonders hervorragender Beleg für die Wichtigkeit dieser Sachlage darf aber doch hier nicht verschwiegen werden. Aus Saloniki-, das ja nicht bloß jetzt eine momentane Bedeutung im Kriegsverlauf besitzt, sondern bekanntlich auch einen überaus wichtigen Knotenpunkt des Bülkerverkehrs bildet, wird folgernde Tatsache berichtet. Dorthin begab sich sogar Baron Rothschild aus Paris, um die Juden auf Frankreichs Seite zu ziehen. Um seinen Worten Mehr Eindruck zu verschaffen, hat er dreißigtausend Franken für die Urrterstützung der armen Juden Salonikis gestiftet urrd seine Jacht in den Dienst der Verwundetentransporte gestellt. Dann hat er die jüdische Bevölkerung zu einer Massenversamnw lung in die Hauptsynagoge von Saloniki zufammenrufen lassen, um iauseinanderzusetzen, welche politische Stelluugrrahme nach seiner persönlichen Ueberzeugung für die Judenschaft Salonikis die günstigste wäre. Die Synagoge war überfüllt. Der Baron bestieg die Rednertribüne und verfocht mit großer Beredsamkeit seine Meinung, daß es im Interesse der Juden gelegen setz ihre Sympathien den Franzosen und deren Verbündeten zuzuweichen. Aber der Baron erfuhr trotz der gespendeten Tausende und vorgetragenen Lockreden eine Abweisung, die er gewiß nicht für rnöglich gehalten hatte. Denn als er geendet hatte, betrat der Oberrabbiner der Stadt die Rednertribüne und erklärte mit der ganzen Kraft seiner patriarchalischen Persönlichkeit dem Baron: Solange Frankreich der Bundesgenosse des despotischen Rußland setz das seit Fahren in unausdenkbar gewalttätiger Weise an ihren Briüdern gehandelt habe und noch handle, Wnne bei den Juden von Saloniki nicht davon die Rede sein, daß sie freundschaftliche Gefühle für Frankreich hegten. Also auch in dieser jüdischen Siedelung winkt dem in die Weite strebenden deutschen-Reichsadler ein Ruheplatz — und Deutschland braucht keinen Parteigänger, von vornherein zu verschmähen. 3. Das eigentlich, wichtige Moment an dem Thema „Der Weltkrieg und die Juden" ist aber erst im folgenden zu erörtern, und seine Betrachtung mußte nur durch die vorausgehenden Darlegungen vorbereitet werden. Dieses' wichtigste Moment liegt ja in der Frage> welche Wirkung wohl der große Krieg, soweit die Jndenheit passiv oder aktiv in seine Wogenstrudel hineingezogen worden ist, auf die künftige Lage dieses Mensch!- heitszweiges ausüben kann. Nun die Millionen von Inden, die in den künftigen Grenzen des russischen Reiches weiter wohnen werden, müssen wohl zweifellos daraus gefaßt sein, daß sie in der Folgezeit mit der gleichen Härte und Launenhaftigkeit 'behandelt werden, wie es seither geschehen ist. Auch nach dem endlichen Friedensschlüsse werden sie wieder in die engen Ansiedlungsbezirke gebannt wer- . den, von der Erwerbung! von Grund und Boden in Wirklichkeit ausgeschlossen sein,- von den unglaublichen „Nebeneinnahmen" der russischen Polizeibeamten ausgesogen, durchdie umlauernde Geheimpolizei (Ochrana) geängstigt, von den blutdürstigen Pogromen bedroht werden. Ferner die in Polen einheimischen Juden w erden an dem Schicksalslose teilnehmen, das durch' den starken Arm unserer verbündeten Heere und des Weltgeschichtslenkers Fügung ihnen errungen werden kann, und für diesen zu erhoffenden günstigen Fall sind ja der Oesfentlichkeit auch schon Vorschläge unterbreitet worden (hairptsächlich auch in den „Süddeutschen Monatsheften", Februar 1916, Seite 726—728), wie durch die Eintragungen in „Matrikeln" friedlich nebeneinander bestehende Sprach- und Kulturgemeinschaften sich bilden lassen. Aber die Hauptfrage ist ja an diesem Punkte der -Betrachtung wieder diese, ob' dieser Krieg gemäß den in seinem Verlause beobachteten Erscheinungen und nach seinem für uns siegsreichen Ende auchauf die ''Stellung unserer reichsdeNtfchen .Judenheit einen Einfluß ausüben Wnne. Darüber kann und muß allerdings von vornherein gesagt werden, daß kein Teil der Reichsbürgerschaft für die von ihm im Kriege geleistete Betätigung der Vaterlandsliebe . eine besondere. Belohnung erwarten darf. Ja, man kann -sogar noch HieN ■ hinzüfügen,'' daß allen "Abteilungen der Reichsbürger durch, den Krieg nur Gelegenheit gegeben worden ist, sich des bisher genossenen Reichsbürgerrschte's und aller sich! daran .knüpfenden Wohltaten unseres staatlichen Organismus würdig zu erweisen. Ein wie gar weittragendes Prinzip' in diesen Worten liegt, leuchtet gewiß auchohne weitere Andeutungen ein, und auch hier möchte Man sagen: Aber so erhaben dieser allgemeine Grundsatz! klingt, so läßt er nach meinem Ermessen dochnoch eine andere Formulierung zu und wird erst dann den tatsächlich im einzelnen bisher bestehenden Verhältnissen vollkommen gerecht. Ja, auch so kann man sagen, nicht eine Belohnung soll einem Teile der Reichsbürger für den von ihm betätigten Patriotismus gewährt werden. Aber darf die von chm bewiesene Hingabe an die Verteidigung des Vaterlandes nicht als ein willkommener Anlaß betrachtet werden, eine etwaige Lücke in der praktischen Geltendmachung des Reichsbürgerrechts künftighin ausfüllen zu wollen? Bei der Beantwortung dieser Frage bedarf es wirklich 'keiner Veranschaulichung durch den Hinweis auf Einzelfälle, und wollte man eine Aufzählung von solchen wagen, könnten vielleicht gar einige das unverdiente Schicksal erfahren, bei ihr Mersehen zu werden. Vielmehr ist es genügend und schließlich auch mehr zum Ziele führend, wenn man es wagt, einen allgemeinen '^Satz anszusprechen. Dieser Müßte aber so lauten: Die Zuerteilung des Reichsbürgerrechts an eine Person soll, wie nicht von 'ihrem religiösen Standpunkt, so auch, nicht von ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Menschheitszweige abhängig gemacht werden. Der Besitz des Rechtes, ein Reichsbürger zu sein, soll vielmehr seine einzige Voraussetzung, in der Bereitwilligkeit und Fähigkeit der betreffenden Person, alle Pflichten eines Reichsbürgers zu erfülle^ Haben.