Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 3 (19.1.1917)
- Date
- 1917-01-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022252--25715-3051033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dr. Bloch's Wochenschrift" Seile 43 Nr. \ ' K. ii.!. Feldrabbiner Hirs Lebvvic s, Stadt- und Bezirksrabbiner in Mitrowica, wurde an! 30. Dezember 1916 zur aktiven Dienstleistung Imu k. u. k. Militärkommando Zagrebeinberufeu und züm Leiter der k. u. k. israe'l. Militärseelsorge für die Länder Kroatien, Slavonien, Dalmatien nsw. mit dem Sitze in Zagreb dem k. ii. k. Platzkommando in Zagreb zugeteilt. Berufung des Privatdozenten Dr. Barany nach Upsala. Der Wiener Ohrenarzt Privatdozent Dr. Robert Barany hat eine Berufung zur Leitung der Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten in Upsala erhalten und angenommen. Dr. Barany, der bekanntlich während der Zeit seiner russischen Kriegsgescrugeuschaft,. in die er als Oberarzt nach dem Fall der' Festung Przemysl geriet, den Nobelpreis von 1915 für Medizin erhielt, kam am 16. Juni 1916, auf Intervention des Prinzen Karl von Schweden, nach Wien zurück. In Oesterreich, konnte er eine Professur nicht erlangen. Nunmehr hat Dr. Barany, der im 41. Lebenswahre steht, sich entschlossen, die Professur an einer Klinik der Universität in Upsala zu übernehmen, die ihm auf jGrund seiner hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen Wertragen wurde. Wien. Sonntag, am 21. Januar, findet die Kriegstrauung des Herrn Leutnant i. d. R. Dr. Paul N e u - M a ii ii, k. k. Auskultanten, Sohn des Herrn Regierungsrates Wilhelm N e u m a n n, - mit Fräulein Therese Braunthal statt, Wie-n. Herr -Samuel G l ü ck s e l i g, öffentlicher Gesellschafter der Äntiquitätenhandlung I. Glückselig L Sohn, wurde vom Handelsgericht Wien als Sachverständiger und Schätzmeister'"für "das'" Antiquitätenfach bestellt. - - Alexander Fischet. lEin bescheidener Mann Mit bescheidenem Namen, dem es gegönnt Mar, sdas phrfurchtgebietende Alter von 88 Jahren zu erreichen, ist vor kurzein aus der Welt gegangen. Wer diesen! ausdrucksvollen alten Herrn — und nur erst als solcher trat er mit uns, dem Unterzeichneten Verein, in Beziehung — jemals näher gekommen, der war sofort von seiner vornehmen und dennoch schlichten Art gefangen. Man wußte ällsogleich, daß man es mit einem Menschen von ungewöhnlicher Geistes- und Gemütstiefe zu tun chatte, dem'altes Niedrige und Kleinliche fremd, ja im höchsten Grade verhaßt war. Demgemäß auch sein Wohltätigkeitssinu nur in weiten Grenzen sich bewegte. Schon sein seigneuräles Aeußere verriet sein abgeklärtes Wesen, das keine der sonst bei'reich gewordenen Fabriksunternehmern häufig unzutreffenden Kanten auswies. Die in der Mitte der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts besonders rüde sich geberdende antisemitische Hetze hatte auch ihn aufs schwerste getroffen, und so flüchtete er sich in den Kreis der wenigen Edeldenkenden, voran des unvergeßlichen freiherrlichen Ehepaares von Suttner, des Freiherrn v. Leitenberger, Hoftat Prof. Nothnagel, Superintendent Prof. S z e b e r i n y u. a., welchediese verabscheuungswürdigste aller Agitationen aus tiefstem Herzensgründe verurteilten und als Gegenwehr den Verein zur Abwehr des Antisemitismus ins Leben gerufen hatten. Namentlich mit den Erstgenannten, denen er auckf überhaupt nähergetreten, ist er in inniger Freundschaft und geistigem Austausch verblieben, bis ihn deren Heimgang auch dieser seelischen Gemeinschaft beraubte. Nebst vielen Einzelpersonen verdanken ihm auch einige Korporationen, selbstverständlich der Unterzeichnete Verein, werktätigste Unterstützung. Das schönste Denkmal echter, alttestamentarischer Nächstenliebe hatte er sich durch die Heilanstalt Alland gesetzt, deren Gründung in allererster Linie nicht nur seinem Wohltätigkeitssinn, sondern auch seiner Tatkraft zu danken ist. Es mag wenige Fabriksbesitzer geben, die, wie er, sich bei Rettung eines seiner Arbeiter aus Maschinengefähr derart exponieren, daß sie selbst ihre Hand dabei einbüßen. ... Sein Andenken wird ewig we'ierleteii! Verein zur Abwehr des A n t i s e m i t i s m u s. Von Herrn Kultusvorsteher Doktor Heinrich S ch r e i b e r erhalten wir die Zuschrift: Daß man doch alles lesen soll! Ich hätte gewiß die Mitteilung aus Kassel überschlagen, wenn sie nicht gerade von Clotilde Benedikt gezeichnet gewesen wäre, die immer interessant zu schreiben weiß. Aus ihr habe ich entnommen, daß Alexander Fischet gestorben ist und aus ihr habe ich zu meinem Erstaunen erfahren, wer Alexander Fischet eigentlich war. Unddoch habe ich mich niit diesem Namen einmal intensiver beschäftigt. Vor einigen Jahren wurde mir ein starker Band (von mehreren hundert Seiten) auf den Tisch gelegt, betitelt „Das österreichische Wasserrecht", von AlexanderFischel, mit der Einladung unserer größten Tageszeitung,!das Werk in ihren Spälten zu rezensieren. Da ich (ich bitte, mich nicht darob zu schelten) auch in diesem Artikel mache, habe ich mich Mit heißem Bemühen auf das Studium des Buches geworfen, zumal ich mit Befriedigung ersehen konnte, daß es auch einer meiner damaligen Arbeiten gedacht hat. Ich habe das Buch auslsührlich besprochen, zwar nicht durchwegs zustimmend, aber voll Anerkennung für die profunde und von emsigem Fleiße zeugende Wissenschaftlichkeit des Autors. Bald darauf habe ich ein Schreiben von ihm erhalten mit dein Wunsche nach einer persönlichen Aussprache und der Einladung, seine Gastfreundschaft zu genießen, falls mich mein Weg in! Winter nach Abbazia und im Sommer nach Reichenau sichren sollte. Solchen Dingen abhold, habe ich abgelehnt, allein den Verfasser vermöge seiner kenntnisreichen Bedeutung in bestem Andenken behalten. Wenn ich jetzt lese, daß Alexander Fischet Industrieller war und als Philanthrop gewirkt hat, was mir fremd war, so mag der Nachruf die Ergänzung finden, die wieder den meisten anderen neu sein dürste, daß er als Gelehrter auf den! selten betretenen Gebiete des Wassergesetzes und der heimischen Wasserwirtschaft sich hervorgetan hat, und es drängt mich, dem Fachgelehrten und Fachgenossen dieses Blättchen der Erinnerung in Ihrer vielgelesenen jüdischen Zeitung zu weihen. Wien, 12. Januar 1917. . Dr. Heinrich Schreiber. Professor Theodor Pottak s. Ai. Die Zahl der hervorragenden jüdischen Musiker, die bis zu ihrem Lebensende treu zum Glauben der Väter -halten, ist leider nicht allzugroß, so daß wir den vorzeitigen Hingang eines Auserwählten aus diesem Kreise doppelt schwer empfinden. Der weit über seine Heimat als Künstler und Pädagoge geschätzte Pros. Theodor Pollak. bis vor Kriegsbeginn in Lemberg, dann vorübergehend in Wien ansässig, ist hier vor einigen Tagen von einem tückischen Leiden, dessen Spuren sich erst vor kUMt Zeit bemerkbar machten, zum großen Schmerze seiner von ihm aufopferungsvoll betreuten Familie, wie nicht minder seiner zahlreichen Freunde und Verehrer dahingerafst worden.' Im Jahre 1866 in Telsch in Mähren geboren, absolvierte er das Wiener Konservatorium, studierte bei E p st e i n. D o o r sowie bei Moriz R o s e n t a l und erntete im Lause der Jahre als originell begabter Pianist sowohl in seiner zweiten Heimat Lemberg als auch in Wien, Budapest und Berlin reiche Lorbeeren. Besonders geschätzt war er als feinfühliger Chopininterpret, wobei ihm sowohl seine subtile Musikalität als auch eine sehr ausdruckssähige Technik besonders zustatten kamen.