Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022250--25672-3050988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MTTiKifWBB S eite 2 Nr. 1 wird es nicht leicht sein, den Staat nach so schweren Stürmen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Juden werden Ln erster Reihe bemüht sein, die edlen Bestrebungen des Kaisers' mit allen Kräften zu unterstützen, um sich so durch die Tat empfänglich zu zeigen sür die Worte der Güte, welche der junge Kaiser bereits an sie gerichtet hat. Allerdings sind die Zeichen der Zukunft für ■' die Juden nicht gerade günstig. Vor allem muß uns die Lösung der Polenfrage schwere Sorgen bereiten. Die Zentralmächte haben das Königreich Polen wieder hergestellt und Oesterreich-Ungarn hat die Sonderstellung Galiziens ausgesprochen, ohne daß auf die Minorität der Bevölkerung bisher Rücksicht genommen worden ist. Die Ukrainer beklagen sich, daß sie der Herrschaft der Polen ausgeliefert wurden, und was sollen erst die Juden sagen? Für den Polen ist und bleibt der Jude der verachtete und rechtlose Moschko; daß er aus Menschenrechte und Menschenwürde Anspruch erhebt, damit kann man sich noch immer schwer abfinden. Der Einfluß der Wiener Zentralstellen hat bisher die Juden hie und da geschützt, jetzt aber wird dieser Schutz fehlen: das' erfüllt die Inden mit den schwersten Besorgnissen. Es ist unvermeidlich, daß die polnische Judenfrage auch auf unsere Politik eine Rückwirkung, wird ausüben. Denn wenn es den Juden in Galizien und im Königreiche Polen allzu schlecht ergeht, ist . eine starke Abwanderung unvermeidlich. Hoffentlich wird man die berühmten Maßnahmen diesmal wirklich rechtzeitig ergreifen. Alle unsere bestehenden Organisationen müssen sich energisch mit der Lösung dieser Frage beschäftigen und vereinigt und geschlossen an die staatlichen Zentralstellen ehestens und mit Nachdruck herantreten. Es ist wirklich nicht nötig'/ daß'das'jüdische Problem" der nächsten Zukunft durch die Polenfrage noch verschärft werde. Auch ohne diese werden wir uns unserer Haut genügend zu wehren haben. Die Regierungspartei setzt sich aus Deutschnationalen und Christlichsozialen zusammen, also aus Leuten, die politische zum großen Teil vom Antisemitismus leben. Wir wissen, was wir von diesen Parteien zu erwarten haben, wenn auch im Ministerium selbst Männer sitzen, deren fortschrittliche Gesinnung bewiesen ist. Die Antisemiten werden jedoch gleich nach Friedensschluß mit ihrer Demagogie hervortreten. Sie sind mit einem Vulkan zu vergleichen, dessen Grollen man jetzt schon hört und dessen Ausbruch sicherlich bevorsteht. Es wäre schlimm, wenn man ihnen nicht tatkräftig und bald entgegentritt. Denn man verwendet jetzt gegen die Juden ein russisches Rezept. Alle Kriegsgewinner, an der Spitze die Agrarier, .geben die Parole aus, die unzuftiedenen Massen gegen die Juden zu hetzen, obwohl die Juden, nur einen verschwindenden Bruchteil der Kriegsgewinner ausmachen. Man wird so tun, als ob keine Agrarier, Großgrundbesitzer, Industrielle, Greisler, Wirte usw. auf der Welt wären, sondern alles auf die Juden wälzen wollen. Da wird es wohl harte Kämpfe geben, die Bevölkerung davon zu überzeugen, wo sich die Ausbeuter befinden. Trotz allen Burgfriedens läßt man jetzt schon der antisemitischen Presse die Zügel schießen. Man sieht also deutlich, daß alle jüdischen Kräfte und Kampfmittel sehr notwendig sein werden. Unter diesen nimmt die „Oesterreichische Wochenschrift" wohl einen allerersten Rang ein. Sie ist stets! ein Rufer im Streite gegen unsere Feinde gewesen und wird es auch! weiter sein. Von Deckert und Rohling bis Vergani und Geßmann ist sie stets unerschrocken in der vordersten Reihe gestanden und hat furchtlos gesprochen, was zu sagen war. Fast alle Zeitungen sind bei der Verteidigung der Juden müde geworden, nur die „Oesterreichische Wochenschrift" niemals. Auch im Kriege hat sie unablässig, trotz aller Behinderung durch die Zensur und trotz der schweren materiellen Behinderung durch die rieftge Erhöhung der Papier- und Druckpreise, ihre Pflicht getan, auf die beispielgebende loyale Haltung der Juden hingewiesen und die Opfer an Gut und Blut gezeigt, welche die Juden trotz allen Verleumdungen in diesem Kriege auf dem Altar des Vaterlandes darbringen. Die „Oesterreichische Wochenschrift" wird auch weiterhin ihren wichtigen Platz einnehmen und nach besten Kräften ausfüllen. Sie wird nicht aufhören, der- Regierung zu sagen, welchen unmeßbaren Wert eine gerechte Behandlung der Juden für die Stimmung im neutralen Auslande und für den erwarteten volkswirtschaftlichen Aufschwung im Jnlande haben. Sie wird die erste Stimme behalten in der Bekämpfung aller Maßregeln, welche sich gegen die Juden richten, und in der rücksichtslosen Gegnerschaft gegen alle antisemitischen Tendenzen und Gewalten. Die „Oest. Wochenschrift" wird auch in der positiven Arbeit für das Judentum nicht erlahmen, das Sprachrohr für alle unsere Organisationen bleiben und nicht aufhören, ihnen die Ziele für ihre Anstrengungen zu zeigen. Mit einem Worte, die „Oesterreichische Wochenschrift" wird sich selbst ebenso treu bleiben, wie ihrer Aufgabe, die in der Wacht des Judentums besteht. Sie bittet ihrerseits ihre alten Freunde um die Fortsetzung ihrer Förderung und ihrer Sympathien für die „Oesterreichische Wochenschrift". Vom ersten Augenblick ein Organ der gesamten Judenheit, wird die „Oesterreichische Wochenschrift" den Kampf für unser Recht auch iw kommenden Jahre fortsetzen, und ist sicher, von allen Seiten für ihre guten Zwecke Ermunterung und Unterstützung zu erhalten. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josef-Orden s mit der Kriegsdekoration in Anerkennung vorzüglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung iw Kriege den Regimentsärzten Dr. Jakob Selz er, Res.-Spital, Dr. Alexander Salomon Band, Feldmarodenhaus; das Militärverdien st kreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde den Leutnants d. R. Alexander Lissen, J.-jR., Mawro Löwenstein, J.-R., Ernst Deuts ch, bosN.-herz. J.-jR.; das silb. Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) sür tapferes Verhalten vor dem Feinde den Leutnants d. R. Wilhelm S t e i n e r, bos'n.-herz. J.-R., Franz Rotschild, J.-R.; den Oberleutnants d. R. Samuel Ehrlich, Fest.-Art.-iReg., Hugo Nachtigall. Fest.-Art.-Reg.; dem Leutnant d. R. Arnold Buxbaum, J.-R.; dem Oberleutnant a. D. Adalbert Wertheimer, Gruppenkmdo.; für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde den Oberleutnants d. R. Julius S p i r a, J.-R., Emil Schön gut, Leiter einer Sammelstelle; dem Ldst.-Regimentsärzt Dr. Viktor Frey, -Gruppenkmdo.; dem Leutnant d. R. Maximilian Oblath, Feldart- Brigade; für tapferes Verhalten dem Oberleutnant d. R. Julius Glaser, Ldw.-Haub.-iReg'.; das bro.nzene Signum laudis am Bande des MilitärverdienstkreuzLs (Allerhöchste belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Leutnants d. R. Israel Hammerschlag, J.-R., Maximilian S ä l a m.o n, J.-R., ^Heinrich Leim d ö r - f e r, Adalbert S ch l e s i n g e x, J.-R., Siegmund Pi-