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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-17 · 45 (17.11.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
45 (17.11.1916)
Date
1916-11-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Bloch s Wochenschrift Scike 753 Ter Verein „Kaiser Franz Zoses-Kinderhort" zur Ausspeisung armer isr. SchuttinLer des .12., 13., 14. und 15. Bezirkes, Wien, XV., Herklotzgasse 21, der seit Kriegsbeginn seine Tätigkeit im vergrößerten Maßstabe ausgenommen, steht jetzt wieder vor der Notwendigkeit, seine Aktion zu erweitern. Eine ,,K r i e g s - T a g e s h e i m st ä t t e" für unfe. e Schützlinge ist das nächste Fürsorgewerk, das wir mit 1. Dezember in den Räumen unseres Vereinshauses eröffnen werden, denn der gefallenen Väter unserer Kleinen oder derer, die im Kampfe für bas Vaterland stehen, sind gar viele, und Sorge und Kummer lasten schwer auf den bedrückten Müttern. Die große Notlage der armen Bevölkerung, die Knappheit der Lebensrnittel, die Unmöglichleit, ihre Kinder zu erhalten und zu erziehen, müssen jedes fühlende Menschenherz aufs tiefste erschüttern. Täglich hören wir die Bitten und Klagen der unglücklichen Mütter, sich ihrer Kinder zu erbarmen, sie ihnen tagsüber abzunehmen, während sie in schwerer Arbeit für das tägliche Brot selbst im Kampfe stehen. Die Kriegs-Tagesheimstätte soll den Kindern nicht nur Verpflegung, Belehrung und Schutz gegen die grausame Winterlälte bieten, sie soll ihnen ein trautes Heim, ein liebes Familienhaus iuerbeit, wo sie mit Freuden ein- und ausgehen. Wir wollert alles aufbieten, um diese wahrhaft humane Aktiorr erfolgreich durchzuführen, und bitten, bei der Förderung dieses notwendigen Kriegsfürsorgewerkes unsere treue:: Freunde und Wohltäter, die uns durch ihre große Opferwilligkeit noch stets geholfen, uns auch diesmal zu unterstützen und sür die neu ins Lebe:: zu rufende Wohlfahrtseinrichtung ein Scherflein beizutragen. Für den Vorstand: Jda Berliner, Emmy Fischler-Landeis> Sch riftsührerin. Pr äsiden t in. Wien, in: November 1916. Tie Konferenz der größeren Kultusgemeinden Galiziens. lieber Anregung und Einladung des Vorstandes der Krakauer Kultusgemeinde traten an: 30. Oktober d. I. Delegierte der größeren Kultusgemeinden in Krakau zu einer Beratung zusammen, um zu der Frage der geplanten Organisation der Jndenschaft Oesterreichs Stellung zu nehmen und durch den zu fassenden Beschluß den Kultusgemeinden Galiziens die Direktive sür die Aeußerung zu geben, zu deren Abgabe das Ministerin::: für Kultus und Unterricht sämtliche Kultusgemeinden Oesterreichs aufgesordert hat. Sind auch seit dieser Konferenz die kaiserlichen Manifeste über die Selbständigkeit Polens und die Autonomie Galiziens erschienen, ist demnach inzwischen eine neue Situation geschaffen worden, mit welcher die Vertreter der größeren galizischen Knltusgemeinden bei ihren Beratungen nicht rechnen konnten, so bleiben der Verlaus und die Beschlüsse der Konferenz doch ein historisches Ereignis, deren segensreichen Folgen nicht ausbleiben können. Ganz besonders wertvoll wird diese Aussprache für die galizischen Juden selbst sein, die durch die neue Wendung der Dinge mehr denn je auf. sich selbst, auf ihren En:st. ihre Klugheit und vor allem auf ihre Einigkeit angewiesen sein werden. Aber auch den westösterreichischen Juden bietet der Verlauf der Krakauer Konferenz die unschätzbare Lehre, daß die vielgelästerten galizischen Juden in diesem Kriege eine Läuterung in der Richtung durchgemacht haben, daß sie nunmehr erkennen, daß ein Zusammenschluß aller Kräfte zur Wahrung ihrer eigenen Interessen nicht nur notwendig ist, sondern auch durchgesührt werden kann, ohne daß die eine oder andere religiöse oder politische Richtung ihren prinzip'.e.len Standpunkt aufzugeben oder von ihrer Ueberzeugung abzuweichen braucht. An der Konferenz waren vierzehn große gatizische Kultusgemeinden (Lemberg, Krakau, Przemysl, Tarnow, Rzeszow, Neu-Sandez, Sambor, Sanok usw.) 'vertre.en. Die Mehrheit hatten, wie das „Lemberger Tagblatt" be richtet, die Orthodoxen und die Chassidim, die ersteren geführt von den Rabbinern aus Sambor und Rzeszow, während die letzteren unter der Führung der Skawiner und Wieliczkaer Rabbiner standen. Die Konferenz, die im Sitzungssaale der Krakauer Kultusgemeinde ape, begann denn auch im Zeichen der Opxo it'on der Orthodoxen u::d Chassidim, welche jetzt zugaben, daß sie von den Wiener Orthodoxen durch Telegramme davor gewarnt wurde.:, ihre Zuliimmung zur Organisation zu geben, wGche au geblich keinen anderen Zweck habe, als das Judentum niederzureißen. Dieser Behauptung trat in längeren Ausführungen der Präsident der Krakauer Kultusgemeinde Dr. Dilles entgegen, indem er einen geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung der Rechtsverhältnisse der Juden Oes'er"eichs warf und daraus hinwics, daß schon anläßlich der Schaffung des Gesetzes vom Jahre 1390 die weitere Ausgestaltung der Kultusgemeinden ins Auge gefaßt wurde. Er forderte die Orthodoxen auf, offen ihre Ein:v"ndnngen gegen den vorliegenden Entwurf zu präzisieren, dabei aber der Verantwortung eingedenk zu sein, welche sie durch die Störung der Gesamtorganisalion für alle Zeiten auf sich laden. Der Referent der Krakauer Kultusgemeinde Dok or F i f ch l o w i c z beantragte namens seiner Gemeinde die folgenden Aenderungen des Entwurfes: Die Mandate sür die zwei galizischen Landesverbände werden auf je 20 erhöht. Ebenso forderte er entsprechende Aenderunger:, welche geeignet wären, die Bedenken der galizischen Orthodoxen zu zerstreuen. Namens der Lemberger Kultusgemeinde wendete sich Direktor Feldstein gegen die geplante Teilung Galiziens in zwei Verbände und sonderte einen geflossenen einheitlichen Landesverband für ganz Galizien. Er schloß sich den Ausführungen des Dr. Tilles bezüglich der Notwendigkeit und Dringlichkeit einer Gesamlorganisation vollkommen an. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen sprach Direktor Feldstein sein Bedauern darüber aus, daß die wichtige Frage des Wiederaufbaues Galiziens von der Tagesordnung abgesetzt wurde. Die Angelegenheit erheische eine dringende Beratung vom Standpunkte der Juden. Er ersuchte daher namens der Lemberger Kultusgemeinde den Krakauer Kultusvorstand, baldigst zu diesem Zwecke eine eigene Konferenz der galizischen Kultusgemeinden einzuberufen. Vizepräsident der Krakauer Kultusgemeinde Doktor Rafael Landau trat namens seiner Gemeinde sür die Beibehaltung der im Entwürfe vorgesehenen zwei galizischen Landesverbände ein, während Direktor Feldstein in neuerlicher Rede sich gegen die Spaltung auch in dieser Form aussprach. Nachmittags wurden die Beratungen fortgesetzt, nachdem die Vertreter der Orthodoxen und Chassidim eine eigene Beratung abgehalten hatten. In eindringlicher und eindrucksvoller Rede führte Rabbiner Dr. Thon alle die Gründe an, welche die Organisation als unabweislich erweisen. Bejandersist der Mange! einer solchen Organisation während des Krieges zu'lage getreten. Wehe dem Volke, welches selbst in der Stunde der Gefahr nicht fähig ist, seine Kräfte zu seinem eigenen

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