Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 414 Tr. Bloch s Wochenschrift Nr. 25 Wir Kanu den Inden in Galizien geholfen «erden? Der Plan eines jüdischen Volksanlehcns sollte nicht unter den Tisch oder ins Wasser fallen, denn er scheint tatsächlich das beste, lvenn nicht das einzige Mittel, den Juden in Galizien in ihrer Gesamtheit und wahrhaft zu helfen, ohne daß irgendein Mensch Geldopscr bringen müßte. Die Wohltätigkeit hat sich bisher deir galizischen Flüchtlingen gegenüber in nicht genug anzuerkennender Weise gezeigt. Wir wollen auch dankbar anerkennen, daß die österreichische Regierung nicht geizte, diesen Opfern des Krieges offene Hand bewies und, wie die Inder: bereit rvaren und sind, Gut und Blut für Kaiser und Vaterland zu opfern und Gut und Blut opferten und opfern, auch Kaiser und Vaterland keiner: Unterschied zwischen jüdischen urrd nichtjüdischen Armen nrrd Elenden mache::. Wenn hie und da eine Zurücksetzung der Inder: vorkommt, trägt die Regierung feine Schuld, eher irgendein sehr untergeordneter Beamter, der nicht Höhe und Größe der Zeit erfaßt, einer Zeit, in der eine neue Welt in Geburtswchen liegt und in der der Antisemitismus nur noch von jener: betätigt rvird, die am Brande des Nachbarhauses ihre Pfeife anzünden wollen. Die harte Not der Zeit trifft fast ausnahmslos alle und alle müssen dazu beitragen, die Not der Zeit zu bekämpfen und der neuen kommenden Welt den Weg zu bahnen. Auch für die Juden in Galizien soll eine neue Zeit, eine schönere und bessere als Frucht der Leidien anbrechen, die ihnen der Krieg in erhöhtem Maße brachte. Was man ihnen bis jetzt Schönes und Erheber:des leistete, rvar ja kaum ein Stück Brot, der: Flüchtlingei: gereicht, um ihnen über die Stunde hinwegzuhelfen. Die Zahl der Zermürbten, Zugrundegerichteten, aus dem gewohnten Dasein Gerissenen ist zu groß und außer den' Flüchtlingen sind Tausende und aber Tausende in Galizien geblieben urrd viele von ihnen noch in größerer Not, als die Flüchtlinge es waren. Die Flüchtlinge find zumeist nun auch in ihre Heimat, in das alte, vergrößerte Elend heimgekehrt. Wie soll etwa 809.000 Menschen geholfen werden? Mit Wohltätigkeit, die es bestenfalls zur Bettelfuppe bringt, geht es allein nicht, denn was wir anstreben ist, auch die galizischen Juden zu aufrechten, zu allem Guten brauchbaren Menschen zu machen. Dazu kann der Gedanke Dr. Schemarjah L e w i n s, eine jüdische Volksanleihe aufzunehmen, das Mittel sein, wenn dieser Gedanke in die Tat um gesetzt würde. Dr. Lew in macht nämlich den Vorschlag, eine jüdische Volksanleihe aufzunehmen: da diese nicht im Namen des jüdischen Volkes ausgenommen'werden kann, mögen die verschiedenen jüdischen Organisationen, die die Rechte einer juristischen Person besitzen, eine entsprechende Anleihe gegen Haftung aufnehmen. Das ist der Vorschlag Dr. Lew ins, und ich halte die Ausführung des Planes nicht für leicht, aber auch nicht für so schwierig, daß man ihn einen phantastischen nennen müßte. Es bedarf zur Verwirklichung des Planes keiner milden Gaben, keiner muß etwas herschcnken. Ich stelle mir vor, daß jede Kultus gemeinde in Oesterreich-Ungarn die Garantie für einen ihrer Größe entsprechenden Betrag übernimmt. Nichts ist von den Kultusgemeinden mehr zu leisten als diese Garantie. Auf Grund dieser Sicherstellung wird die von den Kullusgemeinden gewählte und von der Regierung bestätigte Verwaltung ein mit 5 oder 6 Prozent verzinsliches Anlehen im Betrage von 100 Millionen Kronen ansnehmen. Auch die Sparkassen würden bei dieser Sicherstellung jeden Betrag leihen. Die Verwaltung wird unter Aussicht der Regierung Häuser bauen lassen, Grundstücke und Felder kaufen und bearbeiten lassen, Volksbanke:: und Darlehenskassen errichten. Mlle diese Unternehmungen werden den galizischen Juden Arbeit und ein gemächliches Dasein verschaffen, aber auch keinen größeren Reingewinn abwerfen dürfen, als zur Verzinsung des Kapitals und zur Bezahlung der Annuitäten notwendig ist. Jedes Plus kommt zum Teile den Arbeitern zugute, zun: Teile den zivilisatorischen und kulturellen Ausgaben, die in Galizien der Lösung harren. Das Judentum in Galizien muß. ein anderes, ein mitteleuropäisches werden. Wir können und wollen keinen einzigen erwachsenen Menschen zwingen, von seinen Lebensanschauungen und seinen Lebensgewohnheiten zu lassen, wir wollen keinem unsere Lebensart und Lebensweise aufzwingen, wir wollen aber auch nicht Hand und Mittel dazu bieten, die armen, unglücklichen galizischen Juden, diese intellektuell so hochbegabten und doch dabei so verkümmerten Menschen::och fernerhin in versumpften Verhältnissen leben zu lasse::. Darun: genügt durchaus nicht die milde Gabe, sei sie auch in größerem Maßstabe gewährt. Die Wohltätigkeit wollen wir jenen zuteil werden lassen, die zu schwach sind, aus eigene Füße gestellt zu werden. Die anderen wollen wir lehren, Ansprüche an das Leben zu stellen, und ihnen auf den: oben vorgezeichneten Wege die Möglichkeit bieten, die Ansprüche durch rechtschaffene Arbeit befriedigen zu können. Jetzt sind diese intellektuell hochbegabten galizischen Juden mit wenigen Ausnahmen naiv wie Kinder, unwissend il: profanen Wissensgegenstände:: wie Kinder, unerfahren und darun: voll Eigendünkel wie Kinder. Die europäische Kultur, dieses gewaltigste und beste Mittel im harten Ka:npfe ums Dasein, ist den meisten wenig bekannt. Es fehlen ihnen Rabbiner, die auch in profaner Bildung aus der Höhe der Zeit stehen und dabei ihr hohes Amt als heiligen Beruf und nicht als Erlverbsmittel betrachten. Wir müssen ferner die Regierung bitten, in Galizien rücksichtslos nur den Besuch öffentlicher Schulen als Erfüllung der Schulpflicht gelten zu lassen, denn die Chedarim in Galizien sind eine der Wurzeln des Uebels. Man muß nur einen solchen Chedermelamed oder seinen Belfer (Behelfer) kennen lernen, u:n zu ahnen, was das heißt, Kinder Zehn bis zwölf Stunden täglich im Cheder verweilen zu lassen. Der Erfolg der Chedarim ist die Verkümmerung des galizischen Judentums. Der Aufgaben sind viele, die Lösungen sind schwierig, aber nicht unmöglich und wo ein Wille ist, ist mich ein Weg. Saaz. Prof. Dr. Simon Ster::. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere nnd Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienste vor den: Feinde dem Stabsarzt Dr. Ludwig Popper, Garnisonsspital; das Militärverdien st kreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten dem Oberleutnant a. D. Heinrich Roth, Reservespital; das silb. Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnants d. R. Paul H alb er stad t, J.-R./ Saul Feuerstein, Staffel, Armin Berger, J.-R., den Leutnants d. R. Simon Kosfier, J.-R., Heinrich Reich, Feldkan.-Reg.; dem Oberleutnant Ernst Jakobsohn, Traindivision;