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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-05-26 · 21 (26.5.1916) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
21 (26.5.1916)
Date
1916-05-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mr. 21 Dr. Bloch’s Iayrgang XXX11I Zentralorgan kür die gesamten llnteressen des Judentums. ocj^- —- - - ^Do p K. ft. PostfxsrftassLNaint C Clearings: IPerftebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien ' II/i, Praterstraße 9. Telephon 45,859. <j nO- — — ■ ■ - Qo Wien. 26. Mai 1916 LrscbeLnt jeden Fr eitrig. Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch s Wochenschrift. Wien. Oo — . oO p Vrrugsprris für Vesterrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2 mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. oO- .- --O o Inhalt: L eitartikel: Italiens Verrat und Strafe. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Sechs Brüder. — Acht Söhne. -- Die fünf Söhne des Kantors. — Elisabeth-Orden mit der Kriegsdekoration. — Oberstleutnant Grünfeld. — Ein Belobnngsdekret. — Ans den Feldpostbriefen eines tapferen Juden. — Peffach im Schützengraben. — Oberstleutnant Flecker. — Mögen auch die klebrigen von ihm lernen. — Heldentod durch eine Lawine. — Talmudist Martin Steiner. — Ten zweiten Sohn verloren. — Liste der vom 15. April bis 15. Mai in Wien beerdigten Offiziere und Mannschaften. — Aus einem Kriegsgefangenenlager. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Korrespondenzen: Eine Klinik für Palästina. — Pflegestätten für Kriegskrankenschwestern. — Wien. — Die Familiennamen der Juden Galiziens. — Diktion der Lemberger Kultusgemeinde für das Rote Kreuz. — Mitrowitz. — München. — Genf. — Die schutzlosen Juden in Rußland. —??? — — Das zweite Pefsachfest im Felde. — Vermischtes. — Feuilleton: S. Rabinowicz. —Notiz. — Inserate. Italiens Uerrat und Strafe. Bon Oberrabbiner W. Reich, Baden bei Wien. Eine uralte Stadt, Trient, bildere seil jeher den Brennspiegel der Jrredenta, in dem sie sich sonnte und Feuer fing; u,m dieses zu besitzen, hat sich!vor genau einem Jahre Italien zum schnödesten Verrat, den die Weltgeschichte kennt, verleiten lassen und nun, da die Jahrzeit des Todestages dieses Bundes mit Fackeln, Umzügen und Brandreden ans italienischem Boden festlich gefeiert werden sollte, feuern die Kanonen sie aus den äußersten Grenzen von Südtirol heraus — d i e I e i t der Straf e hat begonnen! Wäre die Zeit dieses Weltkrieges nicht so verlogen, hätte sich Italien die Voraussicht dieses Strafgerichtes aus diesem Trient symbolisch erschauen können: denn von dort aus spricht sein größter Dichter, welche Strafe den Verräter in der Hölle erwartet. Wenn man der der Ankunft am Bahnhofe zu Trient den Bahnsteig verläßt, um in die Stadt zu treten, bietet sich als erster Anblick, der das Auge fesselt, ein großer, von modernen Bauten umrahmter Platz, die „Piazza Dante". Den Mittelpunkt desselben bildet eben das kolossale Denkmal dieses Dichters. Es wurde im Jahre 1896 errichtet, besteht aus Bronze und ruht auf Marmor. Es baut sich in drei Wteilungen auf, die sein glänzendstes Werk, die , Divina Commedia", versinnbildlichten. Die unterste Abteilung stellt die Hölle dar: die mittlere das Fegefeuer und die höchste das Paradies. Ueber alle erhebt sich die Gestalt des begnadeten Dichters: in der Linken das Buch, mit der Rechten den Zeigefinger ausstreckend und nach Italien hinweisend. Solch eine Mimik, die die hochverräterischen Mächten der Jtalia irredenta sichtbarlich Verkörperl, durch ein monumentales Standbild vor den Augen der Bevölkerung zu perewigen, vermag eine Nationalität auch nur in dem jeder nationalen Entwicklung entgegenkommenden O e st er r e i ch, wo sich jedes Volkstum wie in keinem anderen Staate der Welt politisch, sozial und wirtschaftlich ausleben kann. Wie aber denkt dieser große Dante über die Schwächen der Menschheit und ihre Bestrafung? Dies mag uns, bei der Erinnerung zur Jahrzeit des unaussprechlichen Vertragsbruches Italiens, von besonderem Interesse sein. Sein berühmter Ausspruch auf der Pforte zur Hölle ist eigentlich dem hebräischen Zitatenschatze der Sprüche entnommen. Denn wenn es heißt: ..Labiale ogni speranza — voi <iu’entratey‘ so ist dies die Uebertragung der Mahnung des Königs Salomo: „Alle, die dahin kommen, kehren nie mehr wieder!" (Prov. II, 19.) Es mag uns dies nicht verwundern, da Dante mit dem berühmten jüdischen Dichter Immanuel in Verkehr stand, der gleichfalls ein gleichartiges Werk unter dem ähnlichen Titel „Gehiimuni w 'Gan-Edeir* geschrieben hat. Tie Untersuchung, wem die Priorität des Gedankens gebühre, bleibt der kritischen Literaturforschung überlassen. Uns gilt es den Gedankengang zu präzisieren, nach welchem der Uritaliener der Glanzzeit die Reihenfolge und Abstufung der menschlichen Versündigung und ihrer Höllenftrafe sich vorgestellt hat. Er beginnt mit den leichten Vergehungen, um in 34 Gesängen immer tiefer hinabzusteigen in der Darstellung des Sündenpfuhles, bis er mit den schwersten der Verbrechen in der Hölle qualvollster Pein den Tiefstand der Verächtlichkeit kennzeichnet. Mit den strafenden Leiden für die Memmen und Feiglinge leitet er den Stufengang ein, um giadatim sortzufchreiten durch alle sieben Todsünden, Geiz, Wucher, Schlemmerei, Serualausschreitungen, bei denen er immer anschaulich wird in der Heranziehung von Exempeln aus der Geschichte der Vergangenheit und mit Beispielen seiner Zeit beurkundet, die er selbst miterlebte, um schließlich als dem schwersten menschlicher Verruchtheit und Verbrechertätigkeit auf die Verräter hinzuweisen, die

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