Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 13 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 212 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 13 Massen-Meeting in der Carnegie-Hall in New York zugunsten der russisch-polnischen Juden. Die jüngst vom Hilfsausschuß der amerikanischen Juden in der Carnegie Hall in Newyork einberusene Versammlung hatte einen großartigen Erfolg. Bischof Greer von der protestantischen Kirche in Newyork hielt eine Eröffnungsrede, in der er von der Schuld des Christentums an die Juden sprach. Diese Schuld müsse endlich getilgt werden und zu diesen: Zwecke forderte der Bischof alle Christen' auf, sich an dem Hilfswerke für die notleidenden Juden nach Kräften zu beteiligen. „Auch die Zivilisation und die Humanität," schloß der angesehene Geistliche, „stehen in der Schuld der Juden. Und deshalb appelliere ich an die Humanität des amerikanischen Volkes ohne Unterschied des Glaubens, diese Schuld mit vollen Händen dem Wischen Volke in der bitteren Stunde seiner Not zu-- rückzuzahlen." Die mehr als eine Stunde dauernde Rede machte einen großartigen Eindruck. Kurz nach Beendigung derselben konnten vier Spenden von je 100.000 Dollars angekündigt werden. In hellen Scharen strömten die Anwesenden zum Podium, um dort ihre Liebesgaben niederzulegen. Auf dem Tische des Vorsitzenden häuften sich Schecks in Höhe von 50 bis 50.000 Dollars, andere schriftliche Zahlungsversprechungen, Bargeld und Wertsachen. Männer eilten herbei und leerten buchstäblich ihre Taschen auf den Tisch. Einer besaß nur 1 Dollar und 5 Cents: er gab den Dollar her und behielt die 5 Cents, um nach Hause fahren zu können. Ein anderer, der 7 Dollars Wochenlohn hat, verpflichtete sich, die Hälfte davon während der ganzen Dauer der Hilfskampagne hcrzugcben. Dutzende von Frauen zogen ihre Ohrringe, ihre Fingerringe, alles Geschmeide, das sie trugen, ab und übergaben es dem Ausschüsse; Männer stifteten neben dem Bargeld ihre Taschenuhren und was sie sonst an Wertsachen bei sich hatten. Als die Versammlung geschlossen wurde, lagen eineinviertel Millionen Dollars (sechs Millionen Kronen) in Schecks, Bargeld und Schmucksachen zur Verfügung des Ausschusses. In Wahrheit gestaltete sich das Massen-Meeting, in dessen Verlauf einer der Redner packende, erschütternde Schilderungen von der unerhörten Bedrückung und Mißhandlung der russischen Juden, von der barbarischen Grausamkeit, die sie von den Behörden zu erdulden haben, entwarf, zu einer Kundgebung gegen Rußland und gegen Rußland allein. Von einer schlechten Behandlung oder einer drückenden Notlage der Inden in Oesterreichisch-? oder in Preußisch-Polen, in Serbien oder in der Türkei war mit keinem Worte die Rede. Die Carnegie Hall war bis zur äußersten Fassungskraft gefüllt und über 3000 Personen, die gleichfalls gekommen waren, um an der großartigen Kundgebung der Nächstenliebe teilzunehnren, konnten keinen Einlaß mehr erlangen: was sich drinnen in dem großen Saale, der sonst der Pflege der Kunst gewidmet ist, abspielte, erinnerte an die biblischen Erzählungen von der unerschöpflichen Hilfsbereitschaft des jüdischen Volkes für seine leidenden Stammesgenossen. Das „American Jewish Relief Committee" hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Laufe des Jahres 1916 fünf Millionen Dollars, also 25 Millionen Kronen, für die durch den Krieg notleidend gewordenen Juden unter den amerikanischen Glaubensgenossen zu sammeln. Seit dem Kriegsbeginn hat dieser Ausschuß bereits 1,500.000 Dollars auf diesem Wege ausgebracht und damit viel Gutes gewirkt. Nach Bischof Greer sprachen noch der Leiter des Unterrichtswescns im Staate Newyork F i n l a y, der Präsident der Cornell-Universität Dr. Schurmann und der Kongreßabgeordnete Meyer aus London. Die tiefste Wirkung erzielte Dr. Magnes mit den Berichten aus Rußland über die furchtbare Lage der dortigen Juden. Langsam, in großen Menschenwellen, zogen die 3500 Männer und Frauen, die feierlichen Töne des patriotischen Hymnus „America" anstimmend, aus dem Riesenraum ins Freie. Das Komitee hofft, durch private Sammlungen in kürzester Zeit 5 Millionen Dollars den notleidenden Glaubensgenossen zur Verfügung stellen zu können. Staunend erfahren wir von der opfervollen Hilfsbereitschaft der Menschenfreunde jenseits des Ozeans. Würde eine im großen Stil eingeleitete Aktion nicht auch bei uns einen ähnlichen Erfolg haben? Angesichts der großen Not, in der Hunderttausende schmachten, die, von Haus und Hof vertrieben, auf Mildtätigkeit edler Menschen angewiesen sind, wäre es zu wünschen, daß Philanthropen von Einfluß eine weitreichende Wirksamkeit entfalten, ein Massen-Meeting einberufen, in dem Männer von Rang und Ansehen die trostlose Lage der bedauernswerten Heimatlosen schildern und zu den Herzen sprechen. Der Erfolg würde sicher auch bei uns nicht ausbleiben. Jda B a r b e r. Vermischtes. Das Militärkommando Wien hat mit Befehl vom 20. März 1916 folgendes verlautbart: Ad Erlaß des k. u. k. KM., Abt. 9, Nr. 17041, v o m 8. M ä r z 1916. Für die Bekenner aller christlichen Konfessionen sind nach Diensteszulässigkeit freizugeben: der 21., dann der Nachmittag des 22. und 23. Zlpril 1916 neuen Stiles; für die Israeliten der Nachmittag des 17., dann der 18. und 19. April 1916 neuen Stiles. Gilt auch für die Kriegsgefangenenlager und die Arbeitsstellen außerhalb der Lager. Hiezu wird vom Militärkommando verfügt: Das Pessachfest für die israelitischen Glaubensangehörigen beginnt am Montag, den 17. April, um 5 Uhr nachmittags, und endet am Dienstag, den 25. April, um 8 Uhr nachmittags. Die ersten zwei Tage, das. ist von Montag, den 17. April, 5 Uhr nachmittags, bis Mittwoch, den 19. April, 8 Uhr nachmittags, und die letzten 2 Tage, das ist von Sonntag, den 23. April, 5 Uhr nachmittags, bis Dienstag, den 25. Ilpril, 8 Uhr nachmittags, sind Hauptfeiertage. Der Mannschaft sind der Nachmittag des 17., dann der 18. und 19. April dienst-, bezw. stationsfrei zu geben. Wo dies aus dienstlichen Rücksichten unzulässig erscheint, ist den Soldaten Montag, den 17., und Dienstag, den 18. April, zur Begehung der Sederabende die Bewilligung zum Ausbleiben über die Retraite zu gewähren. An den Hauptfeiertagen werden Gottesdienste in ällen Bethäusern jener Stationen, wo sich solche befinden, abgehaltcn werden. Den Offizieren und Militärbeamten sowie der Mannschaft und ausgangsfähigen Kranken ist, soweit es die dienstlichen Verhältnisse gestatten, Gelegenheit zu geben, diesen Gottesdiensten beiwohnen zu können. In jenen Stationen, wo sich keine Gotteshäuser befinden, sowie in den Kriegsgefangenenlagern und Arbeitsstellen außerhalb der Lager ist den Soldaten, bezw. Kriegsgefangenen zu gestatten, sich in einem geeigneten Raume zu gemeinsamen Andachten zu versammeln.