Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 2 (7.1.1916)
- Date
- 1916-01-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 .Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 2 und dem jalten Hause in der Frankfurter Altstadt verbanden ihn seit Generationen bereits keine Fäden mehr; er fühlte als Engländer und stellte seine Machtmittel und sein Ansehen sin den Dienst Englands, seines Vaterlandes. Aber gegenüber den barbarischen Bundesgenossen Euglands suhlte er keinerlei Verpflichtung, und als Juoe empfand er die Pflicht, feilten bedrängten Glaubensgenossen Zu helfen, soweit er es vermochte, ihren Bedrängern aber keinerlei sincnrziellen und tnoralischen Beistand zu gewähren. Der Mann, der sich an die Spitze des großen Hilfswerkes für die russischen Juden stellte, der aber zugleich den Vertreter der russischen Regierung, den Finanzminister, zu -empfangen sich weigerte, ist einer der grötzterr sittlichen Helden in dieser großen urrd an Helden-» tum wahrlich nicht armen Zeit. Die vom „Jewish Chronicle" zu Ehren Baron Leopold von Rothschilds anläßlich, seines 70. Geburtstages eröffnete Sammlung Zugunsten der jüdischen Kriegs- Notleidenden hat mehr als 2000 Pfund ergeben. Obrrrabümer Kr. Iecheskiri Caro. (Einige Worte des Gedenkens.) Nur Zwei Jahre noch, und der seiner Gemeinde so jäh entrissene Rabbiner D.r. I. Caro Härte das 25 jährige Jubiläum seiner seelsorgerischen Tätigkeit in Lemberg gefeiert. Die Vorsehung hat es anders gelenkt. Nun sind es leider Worte wehmütigen Nachrufes, die dem Dahingegangenen nachkiingen, anstatt frohmüriger Jubelworte, die gewiß von mehrfacher Seite seiner langjährigen Wirksamkeit gerecht geworden wären. Umsomehr ist es Pflicht der dem nun Verewigten näherstehenden Arbeitsgenossen und Freunde, dessen geistiges Bild am Lebensende zu beleuchten und festzuhalten. Mannigfach war das Gebiet seiner Betätigung. An er stet Stelle steht natürlich seine Wirksamkeit auf der Kanzel. Das Erbe seines berühmten Vorgängers, des bekannten Predigers Dr. Löwen st ein, hochhaltend, hat es Dr. Caro als sein Programm angesehen, einer geläuterten Auffassung vom Wesen des Judentums den Weg zu bahnen, die ethischen Ideen als den Kern der jüdischen Religion herauszuheben, um den sich die äußeren Ritualformen, eben nur als äußere Schale, um jenen Zu schützen angesetzt haben. Dieser Grundgedanke Ziehr sich in seinen von ungewöhnlicher homiletischer Begabung zeugenden Reden als roter Faden hindurch. Unentwegt hielt der Verstorbene an dieser seiner Ueberzeugung fest und ließ sich auch durch persönliche Angriffe von seiten der orthodoxen Volksschichten, die ihn oft mißverstanden, von ihr nicht abbringen. Der zionistischen Bewegung, har er, obwohl er anfangs, wie auch so viele andere, ihr abhold war, in letzten Jahren warme Sympathien entgegengebracht, als er sich, überzeugte, daß diese Idee wirklich die Herzen der Kinder den Eltern und dem Judentum zurückführt. Namentlich hat er ihre kulturellen Manifestierungen gerne gefördert. Er betonte nicht nur von der Kanzel die Wichtigkeit des Studiums der jüdischen Geschichte und Literatur, sondern trat auch oft mit Vorträgen auf, die sich stets' dank seiner Popularisierungsgabe des größten Zuspruches erfreuten. Trotz seiner vielfachen seelsorgerischen Pflichten, fand der Verstorbene auch Muße zu wissenschaftlicher Arbeit. Seine „Geschichte der Juden in Lemberg" ist als erster Versuch eine zusammenhängende Darstellung des wirtschaftlichen und geistigen Lebens der Judenschaft Lembergs seit der ältesten Zeit eine gewiß anerkennenswerte Arbeit. Nach dem Tode Rahmers hat Dr. Caro das bekannte „Jüdische Literaturblatt" eine zeitlang fortgesetzt. Die Artikel'rührten fast ausschließlich, von ihm her. Leider mußte das Blatt infolge ungünstiger lokaler Verhältnisse bald eingestellt werden. Große Verdienste hat sich der Verewigte um das Schulwesen erworben. Einer seiner ersten bedeutsamen Schritte war 'die Abfassung eines Lehrplanes für den Religionsunterricht an Mittelschulen, der noch heute an sämtlichen Schulen- Galiziens in Geltung ist. Wenn auch diesem Lehrplan, wie jedem anderen Menschenwerke, manche Mängel anhaften, so war der Verstorbene doch sachlicher Kritik gegenüber stets zugänglich und im Jahre 1906 arbeitete er zusammen mit einem Komitee von Lehrern Instruktionen zu jenem Plane aus, welche den aus pädagogischer Erfahrung sich Ergebenden Verbesserungsvorschlägen Rechnung trugen und namentlich den Unterricht im Hebräischen weiten Raum ließen. Für diesen letzteren hat Dr. Caro auch eine mit einem, hebräisch-polnischen Vokabular versehene biblische Chrestm mathie verfaßt. Neben seiner Tätigkeit als' Schulrnspektor hat der Verewigte auch unmittelbar an der Jugenderziehung mitgewirkt. Er war einige Jahre hindurch Direktor der Religionslehrerbildungsanstalt, an der' er.Mischnah und jüdische Ethik lehrte. Seine Vorlesungen zeichneten sich durch Klarheit und Prägnanz aus und erfreuten sich, großer Beliebtheit. Es sind hier nur einige seiner zahlreichen Betätigungsgebiete in kurzem gewürdigt worden, was er im sozialen Leben in seiner Humanitären und sonstigen öffentlichen Stellung geleistet, werden Berufenere zu schildern gewiß als ihre Herzenspflicht ansehen. Ehre seinem Andenken! Professor Dr. M. S ch o r r. Kriegsdekoralionen jüdischer Kffiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Komturkreuz des Franz Fosef-Ord e. n s für hervorragende Dienste während der Kriegszeit dem Generalstabsarzt und außerordentlichen Professor der medizinischen Fakultät in Wien, Dr. Alois Pick, Mil.-San.-Komitee; aus demselben Anlasse das Offizierskreuz des Franz Josef-Ordens mit dem Bande des Militärverdienstkreuzes dem Generalmajor Dr. phil. Leopold Austerlitz, techn. Militär-, lvmitee; ferner hat Se. Majestät der Kaiser verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde den Regimentsärzten d. R. Dr. Moriz Lampl, J.-R. 56, und Dozent Dr. Ernst Löwen stein, Epidemiespital Nr. 1, Vukovar; das Militärverdien st kreuz3. Klasse mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnant d. R. Moses Fis cher, J.-M. 86, Dr. SaMuel Sagovics, 21. ungar. Landw.-J.-R.; oem Leutnant d. R. Alfred Heller, J.-R. .31; das silberne Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten dem Leutnant d. R. Israel Bermann, J.-sk. 82; dasSignumlaudis am Bande des Militärverdienstkreuzes (kaiserl. belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten dem Oberleutnant d. R. Ignaz Sch onset d. 19. ungar. Landw.-J.-R.; dem Leutnant d. R. Otto Freund, reit. Art.-Mv. 1; den Oberleutnants d. R. Ernst Dollak. Fest.-Art-Bat. .7, Artur Perl-' mann, Landsturmbat. 27, Siegmund Gillag, recte F lecker, J.-R. 44, Fritz Bar dach, Drag.-R. 9; dem