Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 47 (26.11.1915)
- Date
- 1915-11-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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i/tr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 86i> tums als unversiegbaren Born des gesegneten Wohltnns erhöht und ihn daher sorgsamer behüten läßt. Wohltätigkeit kann in dieser übergroßen, alles umwälzenden Zeit nicht als das rechte Wort am rechten Ort angesehen werden gegenüber unseren Helden im Felde, im Hinblicke ans deren Angehörige, die daheim um ihre Teuren leidvoll hangen und bangen, in der bereitwilligsten Fürsorge für unsere bewuuderuugswür digen Kämpfer und für die trauernd Hinterbliebenen der ruhmvoll Gefallenen, sowie in der hilfreichen Vorsorge für die heilnkehrenden Sieger, ob sie nun heil, ob sie verwundet oder dauernd geschädigt an Leib, Sinnen und Seele wiederkommen. Das Wort Wohltätigkeit kann und soll und muß abgelöst werden durch immense Daukesf'ch u l d gegen die an kühnem Todesmut alle über ragenden Streiter, welche unser Vaterland vor dem Ein bruch und vor der Verwüstung entmenschter Kannibalen geschützt und errettet. Für das Wort Wohltätigkeit sollen eintrcten: heiliges Pflichtgefühl, mleingeschränkte Hoch und Wertschätzung, „Freude am Wohltuu"! Dir. B. P l a ez e k. Ein Jahr Kriegsfürsorge. Der Sturmwind des Krieges brauste durch Oesterreichs Lande und in mächtigen Scharen flüchteten ansden am meist bedrohtet! Provinzen, Galizien und Bu kotvina, die Einwohner, um in Wien Schutz und Ruhe zu gewinnen. So rasch vollzog sich die Flucht, daß Tausende Hab und Gut zurücklassen mußten, mit das nackte Leben lzu retten. In der Metropole fanden sie gastliche Aufnahme. Auch hatte, der Staat und in noch höherem Maße die Stadt Vorsorge getroffen, um deren Los zu mildern. Allein das Elend war zu groß, die Unterstützung reichte nicht hin, um alle Lebensersordernisse zu decken: da mußte private Wohltätigkeit ihm Unter-, stütznng leihen. Das bittere Elend bewog Frau Doktor Flora K' o h n, rasch eine Aktion ins Leben zu rufen, um den Aerinsten eine warme Mittagskost zu gewähren. Es sollten fünfzig Personen täglich ausgespeist werden. Doch die Zahl der Hungrigen wuchs von Tag zu Tag und es blutete das Herz, wenn man solche Bitten ab- . weisen und so großem Jammer sich verschließen sollte. Mit freudiger Begeisterung schloß sich der Aktion an Frau Marie P i o w a t y, welche aus Kriegsdauer täglich 600 Portionen Suppe beizustellen sich bereit erklärte. Für den Abend sorgten dann noch Frau Doktor Flora Kohn, Frau Friedrich Herzog, Frau Julie Wolkenfcld, Frau Julie Reiß, Frau He rrma nn, Frau Eichberg, Frau Dr. Sommer, Frau Apotheker R a d i tz und Frau Dr. N e u s e l d. Werktätige Mithelfer fanden wir an Herrn Leopold Marchfeld, Herrn Isidor König und seiner Gattin Frau Sofie Kö n i g. Durch Unterstützung der Dr. Bl o ch's „Oesterr. Wochenschrift" kamen vom goldenen Wiener Herzen reichlich Spenden. Auch die Lokalfrage fand eine glückliche Lösung dadurch, daß Herr R. O. Wieil große, geräumige Lokale im Hause, 2. Bezirk, Roten Sterngasse 23, für die Ausspeisung unentgeltlich zur Verfügung stellte. Viele Damen stellten ihre Dienste zur Verfügung. Frau Therese Op lat, Frau Ernestine Fischt, Frau Dr. Ottilie Herz, Frau Berta Weiß, Frau Dora C n g l e r, Frau Dr. F r i e d j u n g, Frau G l ü ck, Frau Dr. Tritsch, Frau Deta König, Fräulein Nelly Stein, Fräulein Grete Steiner, Frau Dr. Emmy Schweinburg, Herr Finanzsekretär Dr. Oskar Mar und Frau, Fräulein Irma Wvlkenfcld und viele andere stellten sich in den Dienst der Wohltätigkeit. Im Oktober 1014 wurden bereits 1200 bis 1400 Personen täglich ausgespeist, wodurch viel Jammer ge mildert wurde, viele Tränen getrocknet wurden und gatbedeutende Sorgen verscheucht wurden. Und so sehen iuii' nach ein ein Jahre, rückblickend ans unsere Tätigkeit, uns ganz stattliche Ziffern entgegen treten. Wir haben verabreicht bis zur Einführung der Brot karte, vom 30. September 1914 bis April 1015: 100.000 Portionen Brot, ä 10 Dekagramm: ferner bis zum Tage der Berichterstattung, das ist vom 30. September 1014 bis zum 30. Septem der 1015: 280.000 Portionen Suppe mit Würsteln, eiuge kochter Mehlspeise, Reis, Rollgerste ußv.: 40.000 Portionen Gemüse, 25.000 Portionen Mehlspeise, 10.000 Paar Würstel mit Kraut. Ferner wurden 100 Kinder mit Winterkleidern, Wäsche, Wollhandschnhen, Strümpfen und Schuhen von Herrn Isidor König und Frau ansgestattet: nnge zahlte Erwachsene mit Anzügen, Wiuterröcken, Schuhen, Kleidern und warmer Wäsche versehen. Und alles, alles v o l l k o m m e n u n e n t g e l tl si ch. Nun danken ivir mit inniger Rührung allen, welche znm Gelingen des Ganzen so hervorragend beigetragen haben. Der Dr. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" für ihre freundliche Unterstützung, allen Damen für ihre opferfreudige Beistellung von Suppen und für ihre nie er müdende persönliche Betätigung, allen Anhängern,Freunden und Gönnern für die willige materielle Unterstützung. In besonderem Maße danken wir Sr. Erzellenz dem Herrn Bürgermeister Dr. Weiskirchner für die Uebarlassnng von Mehl, wodurch der Weiterbestand der Ausspeisung gesichert wurde. Wir bitten aber auch, uns »loch fernerhin stützen und unterstützen zu wollen, um die Aktion weiterführen zu können, bis der Sieg unser ist! Dr. Gustav Kohn, Leiter. Isidor König, Kassier. Frau Dr. Flora K o h n, Präsidentin. Frau Sofie König, Vizepräsidentin. Trauerseier für kais. Rat Adolf Schrämet. Vergangenen Sonntag nach dem Abendgottesdienfte im Kaiser Franz Josef I. Hnldignngstempel, der Schöpfung des plötzlich Heimgegangenen Präsidenten des Bethans Vereines Am Volkert kaiserlichen Rates Adolf Schra m e k, fand eine Trauerfeier zu Ehren des Verstorbenen statt. Amvesend waren der Präsident der Knltiwgemeinde Dr. Alfred S t e r n mit zahlreichen Mitgliedern des Knl tusvorstandes, der Präsident des Bethausvorstandes Dr. Marcus Spitzer mit allen Kollegen, Kultusvertreter Salo Cohn mit Vertretern der Chewra-Kadischa, Rabb. Dr. Grunwald und zahlreiche Gemeinde-, Vereins¬ und Feldrabbiner, der Beamtenkörper mit Sekretär Dr. Emil A d l e r an der Spitze, Obmänner und Vertretun gen aller Wiener Tempel- und Bethausvereine, Mit glieder der Bezirkskommission für den 2. Bezirk unter Leitung des Obmannes Dr. Josef W inte r n i tz, das Präsidium des Waisenrates im 2. und 20. Bezirk unter Führung des Bezirksrates Dr. Leopold Brady, der Präses der Fünfhauser Chewra-Kadischa Hermann W e in berge r mit mehreren Mitgliedern, Notar Doktor B e r m a n n, die Oberknntoren Baue r, Don Fuchs und Morgenstern sowie Abordnungen verschiedener Unterstützungs- und Wohltätig keitsvereine, denen der Verblichene angehörte. Mit einem S u l z e r scheu Psalm, den Erster Kantor Stift mit den.