Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 47 (26.11.1915)
- Date
- 1915-11-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 866 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 47 Millionen Sternen die große, erhabene, heilige Unendlichkeit beleuchten, wo der Gläubige wohl nicht in weißes Gewand gehüllt, aber hier stehend und tatsächlich in;eder Minute vor seinem Tode den Allmächtigen anbrtet. Und die tiefe andächtige Stille wird nur ab und zu von dem Quföoriiiernden Brüllen der Batterien oder von dem knatternden Lärm des Maschinengewehrs unterbrochen, welche tausend Tode scheinen und uns .einander nur näher bringen. Kümmert Euch nicht, meine Teuren, ich bin mit Euch an diesem heiligen Feste der Seele. Küsset einander auch für mich. Liebet einander mit wahrer Liebe auch für mich. Mein Gott wird mir schon helfen. Ich werde wieder unter Euch sein können und dann wird unsere Freude doppelt sein, dag der große Gott unser wahres Gebet für einander erhört hat. Aer russtscherr Gefangenschaft entronnen. Dr. Julius Halasz, Advokat, ein Sohn des Erlaucr Großkauftnannes Ludwig Fischer, eine führende Persönlichkeit inr öffentlichen jüdischen Leben Ungarns, dient als Ossiziers-Stelloertreter in einem k. u. k. Infanterieregiment, in welchem er Kompagniekommandant ist. In den großen Septemberschlachten wurde auch Dr. Julius Halasz verwundet und das Regimentskommando machte der Familie die schriftliche Mitteilung, daß er in russische Gefangenschaft geraten sei. Desto größer lvar zu Hause die Ueberraschung, als von einem Budapefter Spitale die Mitteilung kam, daß Dr. Julius Halasz dort schwer verwundet darniederliegt, und daß er sich, wenngleich sein Zustand du schwerer ist, auf dem Wege der sicheren Besserung befindet. Dr. Julius Halasz ist, wie „Egyenlöseg" berichtet, auf wunderbare Weise der Gefangennahme durch den Feind entronnen und seine Errettung hatte er wirklich ausschließlich der Geistesgegenwart seiner Sanitätsmannschast zu danken. Zwanzig Schritte vom russischen Hindernis führte er seine Kompagnie zum Sturme. Zwanzig Schritte Vörden russischen Hindernissen erhielt er eine Kugel und er wäre unrettbar in die Hände der Russen gefallen, wenn nicht zwei seiner braven Sanitätsleute ihn rasch aufgelesen hätten, denen es dann gelang, ihn seitwärts aus der Feuerlinie hinauszutragen und ihn gedeckt durch die umliegenden Waldungen hinter die Front zu bringen. Drei Tage und drei Nächte irrten sie mit ihm umher, bis sie nach Halicz kamen, wo sie dem verwundeten Helden den Verband wechselten und ihn erst nach Satoralya- Ujhely in das Quarantäne-Spital und von dort nach Budapest transportierten. Nor dem Aeinde gefallen. Unter den in den letzten Verlustlisten verzeichneten für das Vaterland gefallenen Offizieren befindet sich auch der Kadett i. d. R. ves Infanterieregiments Nr. 30 Bernhard Lieblich und der Assistenzarzt desselben Regimentes Dr. Auerbach, ein Sohn des bekannten Lemberger Arztes gleichen Namens. Auszeichnung eines gefallenen Offiziers. Se. Majestät der Kaiser hat dem vor dem Feinde gefallenen Leutnant d. R. Hugo Fadenhecht, Landw.- Jnsantcrieregiment Nr. 35, für tapferes Verhalten das Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Aas Leichenbegängnis des Leutnants Akfred Haderte. Am 14. November, vormittags, wurden auf dem Zentralfriedhose die sterblichen Ueberreste des ans dem nördlichen Kriegsschauplatz am 12. September des Vorjahres gefallenen Leutnants eines Landwehr-Infanterieregiments Alfted Boderle zur letzten Ruhe gebettet. Der junge Offizier hatte bei der Verteidigung einer Brücke gegen die anstürmendcn Russen an der Spitze seiner Kompagnie sein hoffnungsvolles Leben verloren und war, wie seinerzeit berichtet wurde, von einem edlen katholischen Feldgeistlichen in der Nähe eines Dorfes in Galizien bestattet worden. In einem rührenden Briese, der ein Dokument des Weltkrieges bleiben wird, benachrichtigte damals der katholische Priester die Angehörigen des jüdischen Offiziers von dessen heldenmütigem Tode und spendete seiner beispielgebenden Tapferkeit Worte höchster Bewunderung. / Da er die Grabstelle des Offiziers, der in seinen Armen die Seele ausgehaucht hatte, in pietätvollster Weise genau bezeichnte, war es den Angehörigen nunmehr möglich, den Leichnam in heimischer Erde zur ewigen Ruhe zu bestatten. Zu der Leichenfeier hatten sich außer den Angehörigen eine Abordnung von Kameraden des Gefallenen, eine Deputation der Heimatsgemeinde Straßnitz in Mähren, die Vertreter des Platzkommandos sowie überaus viele Freunde eingefunden. Den militärischen Kondukt hatte das Deutschmeisterschützenkorps beigestellt. Nachdem Oberkantor M,atyas, begleitet von einem Männerchor, die ergreifenden Trauergesänge verrichtet hatte, feierte Feldrabbiner Dr. Frankfurter die Charaktereigenschaften des jungen Helden, der für Kaiser und Reich in Erfüllung seiner Soldatenpflicht gefallen war. Am offenen Grabe nahm namens der Freunde und Kameraden Landsturmkorporal Theodor Mv nteser Mschied von dem Toten und gab in tiefempfundener Rede der Trauer um den braven Offizier und den Gefühlen des Stolzes seiner Kameraden auf ihn Ausdruck. Für die Heimatsgemeinde Straßnitz sprach Herr Kultusvorsteher David Weiß Worte des Dankes für den Toten, dessen Andenken in den Herzen seiner jüdischen Mitbürger stets fortleben wird. Nachdem die Ehrensalve abgegeben worden war, schloß sich der Grabhügel über dem tapferen Offizier, dessen Heldenmut stets eine Zierde seines Stammes bleiben wird. Leutnant Aevesz. Wilhelm Revesz, Reserveleutnant eines Honbed- Jnfanterieregimentes, Besitzer der großen silbernen Tavserkeitsmedaille, ist auf dem russischen Kriegsschauplätze, während er seine Kompagnie zum Sturme führte, von einer feindlichen Kugel getroffen, im Alter von 41 Jahren den Heldentod gestorben. Wilhelm Revesz war der wahre Typus der soldatischen Tapferkeit und des Heldenmutes. Als er bei Kriegsausbruch auf die erste Mobilisierung als Reserveseldwebel einrückte, wurde er dem Train zngetei/t, aber Revesz fühlte sich dort nicht wohl, er sehnte sich nach unmittelbaren Kämpfen und bat, ihn an die Front zu versetzen. Er nahm an den serbischen und Karpathenschlachten teil und kämpfte nach Vertreibung der Russen auf den galizischen Kriegsschauplätzen. Mit seiner unerschütterlichen Tapferkeit hatte er sich wiederholt ausgezeichnet, er wurde zum Kadett, bald darauf zum Fähnrich befördert, während er inzwischen die große silberne Tapferkeitsmedaille erhielt. Für seine neueren Verdienste wurde er zum Leutnant ernannt und wurde Kompagniekommandant bei der 12. Kompagnie. Die Briese, welche er anfangs seiner Frau heimschrieb, blieben vorigen Monat plötzlich aus, bis endlich der treue Offiziersdicner Frau Revesz die traurige Mitteilung/machte, daß,cher gütige, heldenmütige Herr Leutnant in einem Sturmangriffe gegen die Russen gefallen ist". Der treue Diener erfüllte auch den letzten Wunsch seines Leutnants, indem er seinen Leichnam aus dem Feuerbereich fortschaffte und nach Abschluß der Schlacht in Anwesenheit der gesamten Mannschaft in einem eigenen Grabe bestattete und die Grabstelle bezeichnte. Egyenlöseg ")