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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-26 · 47 (26.11.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
47 (26.11.1915)
Date
1915-11-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 865 Weitere Kriegsauszeichnungen. Der k. u. k. Leutnant i. d. R. bei einem Infanterieregiment, Herr Ing. Robert Weinberge r, Betriebsafsisteitt der Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugesellschaft, wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Leutnant W e i n - berger, der sich sowohl bei den Offizieren, als auch bei den Mannschaften seines Regimentes der allergrößten Beliebtheit erfreut, ist schon seit Beginn des Krieges eiugerückt, machte die erste Offensive gegen Oerbien mit,- lvurde dann perwuudet und befindet sich derzeit auf dem südwestlichen Kriegsschauplatz. Sein greiser Vater, Herr Ignaz Weinberger, erlebt an seinem Sohne große Freude::. Ein Bruder des Ausgezeichneten ist der Bauoberkommissär der k. k. Staatsbahnen, Herr Itig. Emil W e i n b e r g e r. Med.-Dr. Ferdinand Steinitz, ein Sohn des Nikolsburger Südfrüchtenhändlers Johann Steinitz, erhielt das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille. Die gleiche Auszeichnung lvurde auch dem Dr. Hugo Loschsttz, einem Sohne des hiesigen Kantors Hermann Loschitz, zu teil. Se. Majestät der Kaiser hat dem Marketender Leo Nußbaun: des Militärlagers in Bjelina in Anerkennung besonders patriotischen Verhalten-? däs silberne Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Landsturmfeldwebel Richard Krall, Chef der Fa. Jacob Kralls Sohn, wurde durch die Verleihung der silbernen Ehrenmedaille vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. Herr Med. Dr. Rudolf Dianrant, k. k. Assistenz arzt am südwestlichen Kriegsschauplatz, ein Sohn des verstorbenen Rabbiners Dr. Adolf D ia m an t in Schaffe, uiib ein Bruder des Herrn Dr. I. Diamant, Rabbiner in Marienbad, lvurde von Sr. Majestät mit denn Signum laudis ausgezeichnet. Laut Militärkommandobefehl lvurde denn Feldrabbiner Dr. Sicher für seine Funktion bei der Totenfeier am Schlachtfelde zu Eortice die belobende Anerkennung des k. u. k. Militärkommandos Krakau ausgesprochen. Kekdenmütige Hatmudzuden. Der Beamte der israelitischen Kultusgemeinde irr Bekescsaba, Kolomau L ö w e n köpf, schildert im „Egpenlöseg" das heldenmütige Verhalten einer Anzahl von Talmudjuden, lvelche sozusagen von ihren: Talmudstudium fort unter die Fahnen gerufen lvurdei:. Sie folgten begeistert dem Rufe ihres Königs und erwiesensich auch auf der:: Schlachtfelde als tapfere Helden. Es sind das lauter Juden aus einer kleinen ungarischer: (venieinde, Zenrpenrizse, über lvelche in diesen Blättern zum Teile bereits berichtet wurde. Hier folgen noch einige Namen dieser heldenmütigen Talmudjnden: Menhert Weisz, Talmudist, Sohn eines ehemaligen Tempeldieners; er rückte bei der allgemeinen Mobilisierung zum 63. Inf.-Reg. eii:. Er ist der Schüler mehrerer berühmter Rabbiner, machte zahlreiche Schlachten mit, lvobei er sich wiederholt auszeichnete. In der: Karpathen geriet er in russische Gefangenfchast. Menhert Klei n, Kaufmann, verheiratet und Familienvater. Seit Dezember vorigen Jahres dient er beim 10. Honved-Jnfanterieregiment. Er gehörte zu den ausgezeichnetsten Schülern der Hnszter, Kleinwardeiner und Ujhelyer Jeschiboth. In der letzteren hatte er auch das Ehrenamt des Rosch-Jeschiba inne. Samuel Friedmann, Aufseher einer Biernieder läge. Er lvar einer der erster:, die ans den: Dorfe ein rückten und war auch immer unter den ersten, wenn es galt, den Feind zu vernichten. In der: Karpathen lvaren 'ihm die Füße abgefroren, aber kaum war er halbwegs hergestellt. verlangte er wieder in die Feuertinie zu komNr.'n. An: 24. August lvurde sein rechter Arm von einer Kugel getroffen. Gegenwärtig wartet er in einen: Lemberger Spital seine Genesung ab, um zürn drittenmal gegen den Feind zu marschieren. Salamon Weir:stock, Kansinann, hat seine Jugend gleich den übrigen seiner engeren Landsleute u: den Lehrhünsern der' großen jüdischen (belehrten verbracht. Er verließ Frau und seine acht Kinder, um dem Rufe des Vaterlandes zu folgen. Er begibt sich demnächst nach vollendeter Ausbildung ir:s Feld. Aer-Vater mit? den Söhnen. Vor kurzen: wurde der jüdische Kantor voi: Erszebet falva in Ungarn Samuel Pollak als Landstnrnimann gemustert und wird bald ein rücken. Er hat bereits zwei Söhne in: Felde. Kantor Pollak bewahrt eine Kriegs rel:quie, es ist das ein Brief seines Sohnes Geza, welcher als Kadett auf den: italienischen Kriegsschauplatz kämpft, den derselbe seir:en: Vater anläßlich der hohen Feier tage geschrieben hatte, und geradezu ein klassisches Do ku'ment für die hohe sittliche Auffassung bildet, welche unsere jüdische!: Krieger in: Felde erfüllt. Der Brief, den wir den: „Egyenlöseg" entnehmen, hat folgenden Wortlaut: Wenn ich an das fieberhafte Nüsten denke, mit welchem Fbr, meine Teuren, das Fest, das größte der Feste, erwartet, krampst mein Herz zusammen, zittert der Bleistift in meiner Hand, bei dem Gedanken, daß ich fern von Euch in einer engen, in eine kahle, rauhe Felsenwaud gegrabene Schlucht mit zitternder Seele den heiligen- Augenblick erwckrte. Ihr schreitet in Festgewand gekleidet, in der Seele verjüngt, in Euren Herzen alles verzeihend und um Vergebung flehend in den Tempel, wo Groß und Klein der Gemeinde heisammen ist, der eine mit freudestrahlendem, der andere mit kummervollem Gesichte, aber in allen Blicken sitzt die Heiligkeit des Augenblicks, vergißt alles unter dem Eindrücke von etwas Großem und Erhabenem, alles was in ihm mit der häßlichen Alltäglichkeit gemein ist und nur die >Seele wohnt in ihnen. Ein göttlicher Funke flammt mit so reinem Glanze aus, daß der Mensch einem überirdischen Geschöpfe ähnlich wird, und der Schosar klingt wie Musik der Seraphim. Noch niemals war ich an diesem heiligen Tage so weit weg von Euch, aber vielleicht war ich auch niemals Euch in der Seele so nahe. Ich bin gar nicht wach, ich träume, mir träumt, daß mein teurer Vater seine beiden liebenden Hände über mein Haupt erhebt, indem cc mich priesterlich segnet und in diesem Priestersegen die ganze Wärme seiner guten Seele, alle Liebe seines Herzens hineingießt. Bald ist es mir, als ob ich auf meinen Lippen den Kuß der zitternden Lippen meiner teuren Mutter fühlte und zwei warme, für Mich niederrollende Tränen aus ihren Augen fließen und dann weiter fließen würden über mein Gesicht, mich von allem irdischen Bösen reinigend. Damit ist es mir, als ob ich meine -teuren Geschwister fühlte, wie Euro teuren Arme mich umschlingen und wie -wenn nur ein Her; schlüge, von unseren Lippen ein tiefes, stummes Gebet zu dem barmherzigen Gott des Himmels: ,,£, unendlicher, barmherziger Gott des Alls, Dank dir, großer, inniger Dank dafür, daß du sie uns im vergangenen Jahre in Gesundheit und Kraft erhalten halt. Erhöre ihretwegen das heiße Flehen unserer bittenden kindlichen Seele, auf daß wir uns ihrer auch fürderhin erfreuen können." Dann ist es mir, als ob wir zusammengingen in den Tempel, an denr mich so liebes Gedenken -knüpft, in welchem die Gemeinde dem für sie flehenden, aus wahrem /Herzen strömenden Gebete meines lieben Vaters so gerne lauschte, aber beim Tempeleingange, da ist es, als ob mir jemand ins Ohr flüsterte, du kannst in diesem Fahre nicht des Glückes teilhaftig werden, mit ihnen mitzuhalten, du kannst nicht hineingehen, dein Platz ist anderswo, dich rufen andere Pflichten! Oder hörst du nicht das Wehklagen der deiner harrenden armen Verwundeten, welches ihnen die von in Wildheit geratenen Menschen ihnen geschlagene Wunden auf die Lippen drängen? Oder bist du etwa dem Fiele schon untreu geworden, in dessen Dienst du dich freiwillig gestellt hast? Wir müssen daher scheiden, meine Teuren, und doch war das Beisammensein mit Euch so gut, so warm, so lieb. Wir müssen also auseinandergehen. Ihr geht in den Tempel und ich, ich gehe doch auch in den Tempel, in einen Tempel, in dem der tzitternde Glanz von Millionen und

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